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Globale Ölförderung steigt beschleunigt, dito die Emission von CO2

 

Es wird viel geredet und gemahnt, ständig werden neue Resolutionen verabschiedet und Horrorszenarien an die Wand gemalt, eine Klimakonferenz folgt der anderen, das Thema „Klima“ hat die Migration als wichtigstes Wahlkampfthema abgelöst, nur: Bisher hat das alles nichts gebracht. Schlimmer noch, es ging zuletzt mit Riesenschritten in die falsche Richtung. Die Belastung der Umwelt nimmt weiter kräftig zu. Spielen die Erneuerbaren überhaupt eine Rolle?

Im neuen BP Statistical Review of World Energy, das eine Art Bibel der Energiewirtschaft ist, lässt sich nachlesen, dass die Produktion und damit die Nachfrage von Primärenergie 2018 gegenüber dem Vorjahr um 2,9 Prozent zugenommen hatten – und die Emission von CO2 als Folge des Energieverbrauchs um 2,0 Prozent. Es ist überhaupt keine Wende zum Besseren in Sicht.

Ich hatte in meinem Investment Outlook von Anfang des Monats die folgende (jetzt aktualisierte) Tabelle gezeigt. Danach besteht global ein starker positiver Zusammenhang zwischen dem Wachstum des realen Bruttoinlandsprodukts (BIP), der Ölförderung und der Emission von CO2.

Tabelle: der globale Klimatrend

Während das BIP in den vergangenen zwei Jahrzehnten etwa genauso rasch zugenommen hat wie in den zwei Jahrzehnten zuvor, nämlich, je nach den Wechselkursen, die man verwendet, zwischen rund drei und vier Prozent, stieg die Ölförderung deutlich rascher – 1,6 Prozent nach 0,6 Prozent pro Jahr – und im Gleichschritt damit der Ausstoß an Kohlendioxyd – 2,0 Prozent nach 1,1 Prozent. Und die Zahlen von 2018 zeigen, dass keine Wende in Sicht ist. Es wird auf Teufel komm raus gefördert, und es wird auf Teufel komm raus die Luft verpestet.

Hier einige Zahlen aus dem BP-Bericht, die mir so nicht bewusst waren und die, wie ich finde, sehr zu denken geben:

  • Ausgedrückt in Millionen Tonnen Erdöläquivalent ist China mittlerweile mit 3.274 der größte Verbraucher von Primärenergie, gefolgt von den USA (2.301), Indien (809) und Russland (721); Europa (ohne Russland und die GUS) kam 2018 auf 2.051, Deutschland als größte Volkswirtschaft des Kontinents auf 324.
  • Pro Kopf gerechnet (in Gigajule) lag Kanada (390) vor Norwegen (371), den USA (295), Südkorea (246), Australien (244), Schweden (225), Finnland (221); Deutschland befand sich mit einem Wert von 165 im Mittelfeld. Die Ölförderländer habe ich in dieser Liste mal außen vor gelassen – sie sind die Weltmeister im Energieverplempern. In kalten und reichen Ländern wird also besonders viel Energie verbraucht, auch im sonst so vorbildlichen Skandinavien. Ich frage mich im Übrigen, wieso Australien so viel Energie benötigt – sind es die Klimaanlagen? Und China? 97!! Da gibt es wohl noch ziemlich viel Nachholbedarf – beängstigend!
  • Es ist noch nicht so lange her, da zogen Gurus durch die Welt, die für die nahe Zukunft einen Rückgang der Ölförderung vorhersagten („peak oil“). Davon kann keine Rede mehr sein. Ich hatte noch nie viel von der These gehalten, weil hohe Ölpreise fast automatisch ein immer größeres Angebot hervorlocken würden. So ist es gekommen: In den zwanzig Jahren bis 2018 haben die nachgewiesenen Erdölreserven im Durchschnitt um 2,1 Prozent zugenommen und übertrafen die Jahresproduktion zuletzt um das 50-fache. Gut für Ölmultis und die amerikanischen Shale Oil-Produzenten, schlecht für das Klima! Die Zahlen für die globalen Erdgasreserven haben sich, nebenbei bemerkt, ganz ähnlich entwickelt.
  • Und schließlich die Erneuerbaren: Sie holen mit Riesenschritten auf, und zwar, was den Verbrauch aus diesen Quellen angeht, von 2008 bis 2018 im Mittel um 16,3 Prozent pro Jahr. Sie deckten im vergangenen Jahr nur 4,0 Prozent des Primärenergiebedarfs ab. Wenn es allerdings mit den Zuwachsraten der jüngeren Vergangenheit so weitergeht wie zuletzt, könnte der gesamte Verbrauch an Primärenergie in 25 Jahren aus Erneuerbaren stammen. Das würde allerdings bedeuten, dass die Wind- und Solarkapazitäten gegenüber heute um fast das 40-fache zunehmen müssten. Wie sähe dann die Landschaft aus? Ohne eine Wiederbelebung des Projekts Desertec, der Verlagerung der solaren Stromerzeugung in die Sahara, würde es nicht gehen.

So oder so, wenn die Erderwärmung aufgehalten werden soll, muss der Verbrauch von fossilen Brennstoffen stark verteuert werden, kombiniert mit anderen Anreizen zur Energieeinsparung. Die Erneuerbaren sind irgendwann trotz stark sinkender Produktions- und Speicherkosten keine Selbstläufer mehr – der Staat wird eine zunehmend aktive Rolle spielen müssen, besser noch: die Staatengemeinschaft.

2 Kommentare

  1.   meerwind7

    Wenn „die Wind- und Solarkapazitäten gegenüber heute um fast das 40-fache zunehmen müssten“ ist das ein globales Vielfaches. Deutschland hat schon etwas mehr erreicht und ist zudem dichter besiedelt als die Mehrzahl der Industriestaaten, hier reicht (nach meiner Erinnerung) eine Verachtfachung. Bei Solarparks wäre auch in Deutschland eine Vervierzigfachung problemlos drin, der Flächenbedarf läge trotzdem noch weit unter dem Flächenbedarf der Maisäcker für Biomasse, die auf gleicher Fläche wesentlich weniger Energie erzeugen, allerdings teurer, und die man entsprechend zurücknehmen könnte.

    Das bedenkliche ist indes, dass die weltweiten Investitionen in erneuerbare Energien (außer Wasserkraft) in den letzten neun Jahren (Angaben für 2010 bis 2018) um einen gleichbleibenden Mittelwert geschwankt haben, es gab keinen Aufwärtstrend mehr. Lediglich durch die Preissenkungen konnten mit dem gleichen Geld mehr Kapazitäten gebaut werden als vor zehn Jahren, und die führenden Länder haben gewechselt: Früher führten Deutschland und Südeuropa, heute China, Indien. Nur die USA investieren halbwegs konstant, selbst unter Trump.

    Als Ingenieur finde ich die Umrechnung von Kohle, Sonne und Wind in Tonnen Erdöläquivalente lustig. Und natürlich sind die Erdölreserven größer als die Produktion eines Jahres, sonst säßen wir nächstes Jahr auf dem Trockenen. Das sind ja keine Reserven in Öltanks. Statt „Die Erdölreserven … übertrafen die Jahresproduktion zuletzt um das 50-fache“ – man könnte auch sagen, sie entsprachen dem 51-fachen des Jahresverbrauchs.

    Dass sich der Ölverbrauch etwas abgeschwächt mit dem Sozialprodukt verändert, wenn die Preise ein ähnliches Niveau behalten und die CO2-Emissionen weithin kostenlos blieben, kann nicht überraschen.

  2.   Dieter Wermuth

    @ meerwind7

    Egal welches Jahr Sie nehmen, 1990, 2000, 2010 oder heute, stets betragen die nachgewiesenen Reserven an Erdöl das etwa 50-fache des Jahresverbrauchs, so wie die Welt immer in zehn Jahren untergehen wird, wenn alle weiterhin so passiv herumsitzen. Es wird vorläufig kein „peak oil“ geben. DW

 

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