‹ Alle Einträge

Je stärker das Wachstum, desto größer die Risiken

 

Alle offiziellen Wirtschaftsprognosen sind sich in Einem einig: Die Expansion des realen Sozialprodukts wird in diesem Jahr zwar etwas geringer ausfallen als 2017, aber sie wird insgesamt auf absehbare Zeit ziemlich robust weitergehen, in den Schwellenländern mit durchschnittlichen Raten von etwa fünf Prozent, und mit rund 2,3 Prozent in den reicheren Ländern. Kein Grund zur Klage also, wenn man mal von den Krisenländern Venezuela, Argentinien, Brasilien und Türkei absieht.

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), die sogenannte Zentralbank der Zentralbanken, hat ein gutes Gespür für das große Ganze. Sie hat in ihrem jüngsten Wirtschaftsbericht besorgt darauf hingewiesen, dass die globalen finanziellen Ungleichgewichte selbst dann weiter zunehmen dürften, wenn sich die diversen aktuellen Risiken als beherrschbar erweisen und es in der nahen Zukunft keine Rezession gibt. Insbesondere werden die Schulden weiterhin rascher zunehmen als das nominale Sozialprodukt. Wie die folgende Grafik zeigt, konnte in den vergangenen zehn Jahren von Schuldenabbau keine Rede sein. Zuletzt hatten die aggregierten Schulden der Staaten, der nicht-finanziellen Unternehmen und der privaten Haushalte rund 175 Billionen Dollar erreicht, nach 110 Billionen im Jahr 2007. Das entsprach nach den Berechnungen der BIZ 217 Prozent des Sozialprodukts der Welt (bewertet mit Kaufkraftparitäten).

Grafik: Entwicklung der globalen Verschuldung, 2007-2017

Für die BIZ ist das gesamte System seit der Liberalisierung des Finanzsektors zu Beginn der achtziger Jahre krisenanfälliger geworden. Im Konjunkturzyklus würden realwirtschaftliche Tendenzen neuerdings von finanzwirtschaftlichen überlagert, wenn nicht sogar dominiert. Bei allen Risiken, die zurzeit eine globale Rezession auslösen könnten, spielen finanzielle Faktoren eine wichtige Rolle. Die BIZ nennt drei:

(1) Die protektionistischen Maßnahmen der USA dämpfen für sich genommen bereits die Investitionstätigkeit in Westeuropa und China; wenn nun eine weitere Dollaraufwertung hinzukommt, wird es noch schwieriger, einen Handelskrieg abzuwenden.

(2) Sollte die Inflation im Euroraum oder in den USA eines Tages unerwarteterweise so rasch ansteigen, dass die Notenbanken aus Sicht der Marktteilnehmer nicht umhin kommen, die geldpolitischen Zügel energisch zu straffen, würden die Bondrenditen vermutlich stark anziehen. Wie wir zu Anfang des Jahres erlebt haben, kann schon eine etwas höhere als die erwartete Lohninflation eine Panik auslösen, die zahlreiche Schwellenländer, die sich in den vergangenen Jahren angesichts der niedrigen Renditen vor allem in Dollar verschuldet hatten, in einen Strudel aus Abwertungen und Rezessionen ziehen würde.

(3) Irgendwann kann es zudem den Anlegern dämmern, dass die Risiken, die sie eingegangen sind, in keinem vertretbaren Verhältnis mehr zu den möglichen Erträgen stehen; vielleicht fallen die Unternehmensgewinne schlechter aus als gedacht, oder es kommen Zweifel an der Schuldentragfähigkeit einiger Entwicklungsländer oder Euroländer auf; dann käme es zu einer Flucht in sichere Anlagen und zu einer Ausweitung von Renditespreads.

Am wahrscheinlichsten ist jedoch, dass sich die Expansion der Weltwirtschaft nicht nennenswert durch die genannten Risiken aufhalten lässt. In den wichtigsten Industrieländern, ebenso wie in China, wird es bei der jetzigen, lockeren Geldpolitik bleiben, mit den Folgen, dass das Schuldenmachen attraktiv bleibt, dass Anleger verzweifelt auf der Suche nach Rendite sind und beim Risiko nicht so genau hinschauen, dass Unternehmen, die eigentlich aus dem Markt ausscheiden sollten, durch die niedrigen Zinsen am Leben gehalten werden (und so das gesamtwirtschaftliche Wachstum der Produktivität vermindern), und dass die Wechselkurse – und mit ihnen die Leistungsbilanzen – immer mehr aus dem Lot geraten, was auf lange Sicht kostspielige Korrekturen erforderlich macht.

Am gefährlichsten aber ist der immer höhere Schuldenberg. Klar ist, dass da, wo gespart wird, auch Schulden gemacht werden müssen. Die Schulden der Einen sind das Vermögen der Anderen. Das ist nur die statische Sicht und erklärt nicht, warum Schulden gefährlich sein können. Das ist immer dann der Fall, wenn die Erträge der schuldenfinanzierten Investitionen nicht mehr für den Schuldendienst ausreichen, beispielsweise wenn es zu einem Immobilienboom, gefolgt von einem Überangebot an Wohnraum und sinkenden Mieten kommt, oder wenn noch eine Shopping Mall gebaut wird, obwohl Amazon dieses Geschäftsmodell gerade zerstört, oder wenn weiterhin Diesel-SUVs entwickelt werden, obwohl die Zukunft dem Elektroantrieb gehört.

Grundsätzlich sinken die Grenzerträge von Investitionen, wenn bereits viel investiert wurde und der Kapitalstock entsprechend groß ist. Irgendwann muss daher Schluss sein mit dem Schuldenmachen. Wenn weite Teile der Wirtschaft nicht mehr in der Lage sind, ihre Schulden zu bedienen, oder die Schulden höher sind als der Wert von Aktienportefeuilles, führt das letztlich zu Zwangssparen, geringeren Ausgaben und einer lang anhaltenden Rezession, wenn nicht sogar zu einer Depression. Wenn es erst einmal so weit ist und die Leitzinsen zudem noch sehr niedrig sind, ist die Geldpolitik mit ihrem Latein am Ende. Da die staatlichen Schulden in vielen Ländern im vergangenen Jahrzehnt nicht nennenswert abgebaut wurden, ist dort auch der Spielraum für fiskalpolitische Maßnahmen gering. Das gilt nicht nur für Japan und Italien, sondern insbesondere auch für die USA.

Die BIZ empfiehlt daher, nicht überraschend, die niedrigen langfristigen Realzinsen zu nutzen, die Wachstumsrate des Produktionspotenzials zu erhöhen. Es muss alles daran gesetzt werden, damit der Handelskrieg, den die USA angezettelt haben, nicht eskaliert.

Da die Allokation der volkswirtschaftlichen Ressourcen nicht optimal ist, sollten die Märkte für Waren, Dienstleistungen und Arbeit außerdem flexibler gemacht werden, damit sie besser auf Preissignale reagieren. Das ist der übliche neo-liberale Ansatz, der die Effekte auf die Verteilung von Vermögen und Einkommen außer Acht lässt.

Und zu guter Letzt: Damit der Finanzsektor krisenresistenter wird, sollte die Reform der Bankenregulierung fortgesetzt und alles getan werden, damit die Banken profitabler werden.

Was genau das angesichts des niedrigen Zinsniveaus und der ebenso niedrigen Zinsmargen bedeutet, sagt die BIZ nicht. Ich vermute aber, dass es ohne ein merkliches Schrumpfen des Sektors nicht abgehen wird. Die FinTech-Firmen und die kalifornischen Technologie-Giganten stehen schon in den Startlöchern, um den Banken einen Teil ihres Geschäfts abzujagen.

11 Kommentare

  1.   Die Freiheit liebender

    „Je stärker das Wachstum, desto größer die Risiken“ gilt vor allem, wenn das Wachstum durch Inflationierung des Geldes erzielt wird, wie es durch die Geldschöpfung im Fiat-Geld System möglich ist. Wachstum, welches aus Investitionen aus Ersparnissen rührt, birgt keine nennenswerten Risiken.

    Dazu einige Erläuterungen aus meiner Sicht zum Artikel von Dieter Wermuth.

    Wenn „In den wichtigsten Industrieländern, ebenso wie in China, (…) es bei der jetzigen, lockeren Geldpolitik bleiben (wird), mit den Folgen, dass das Schuldenmachen attraktiv bleibt, dass Anleger verzweifelt auf der Suche nach Rendite sind und beim Risiko nicht so genau hinschauen“, dann nehmen nach meiner Einschätzung die Risiken enorm zu. Denn genau das war doch auch vor 2008 in den USA der Fall, als auf der Suche nach Rendite so lange in Immobilien investiert wurde, bis die Nachfrage einbrach.

    Auslöser für die Krise 2008 war übrigens eine konzertierte Aktion der US-Zentralbank FED und der Politik der Clinton Administration, die die Immobilienkrise in USA mit ihrer Gesetzgebung heraufbeschworen hat, unter der nahezu die gesamte Welt schwer zu Leiden hatte! Clintons „Sozialprogramm“ war es, mit welchem der Community Reinvestment Act so veränderte wurde, dass er die Banken aufforderte, in Minderheitenbereichen, nicht kreditwürdigen Kreditnehmern, Immobilienkredite zu geben. Es waren in den USA auch überwiegend die marktbeherrschenden Government sponsored enterprise (GSE) Hypothekenbanken Fannie Mae und Freddie Mac, die Kredite für Immobilien vergaben, deren Käufer über eine schlechte Bonität verfügten. Diese Kredite konnten nur so billig vergeben werden, weil die Refinanzierung durch massenweise zur Verfügung gestelltes billiges Geld von der FED sichergestellt wurde.

    Um die Risiken abzuwälzen haben Banken die Immobilienkredite in Asset-Backed-Securities (ABS) gepackt und weltweit weiterverkauft. Die Folgen sind bekannt.

    Der Auslöser für die letzten Finanzkrisen war immer die planwirtschaftliche Geldpolitik der Zentralbanken. In den USA die lockere Geldpolitik der FED. In Europa (u.a. in Spanien) die lockere Geldpolitik der EZB.

    Fazit: Die Crashs hatten ihre Ursache nicht in der Liberalisierung sondern in der lockeren Geldpolitik der FED und der EZB.

    Demnach kann ich nicht erkennen, dass es am wahrscheinlichsten ist, dass sich die Expansion der Weltwirtschaft nicht nennenswert durch die genannten Risiken aufhalten lässt.

    „Am gefährlichsten aber ist der immer höhere Schuldenberg.“

    Es ist die lockere Geldpolitik der Zentralbanken, die zu steigender Verschuldung führt. Das kann man sehr gut erkennen, wenn man die seit 2007 fallenden Rendite der 10-jährigen Staatsanleihen (hier: https://www.boerse.de/konjunkturdaten/staatsanleihen/ ) gegen die Zunahme der Verschuldung aufträgt. Man erkennt, dass bei sinkenden Renditen, die Verschuldung zunimmt. Wird die lockere Geldpolitik beendet, kommt es zu einer Krise oder zum Crash. Den entsprechenden Chart dazu gibt es hier: https://www.welt.de/wirtschaft/article177451952/Geldpolitik-Wenn-die-Fed-auf-America-first-setzt-wird-das-zum-Problem.html

    Es handelt sich also um die typischen Boom und Bust Zyklen, die ihre Ursache in der Geldpolitik haben.

    Daher kann ich die optimistische Einstellung („Am wahrscheinlichsten ist jedoch, dass sich die Expansion der Weltwirtschaft nicht nennenswert durch die genannten Risiken aufhalten lässt.“) von Dieter Wermuth nicht teilen. Im Gegenteil: „Die Weltwirtschaft ist so verletzlich wie nie“ – https://www.welt.de/finanzen/article178205580/BIZ-170-Billionen-Dollar-Buerde-macht-die-Welt-so-verletzlich.html

  2.   Powdered Toast Man

    Visualisierungen helfen dem „Augentier Mensch“ Fakten besser zu verstehen.

    Eine besonders interessante Visualisierung ist für mich diese hier:

    http://blogs.faz.net/fazit/2014/07/23/die-kosten-kurzfristigen-denkens-xxx-4326/

    (ganz oben im Artikel)

    Der Blogeintrag ist von 2014, hat aber prinzipiell ja nichts von seiner Aktualität verloren.

    Wo befinden wir uns nun aber Mitte 2018 bzgl. des Konzepts des Finanzzyklus?

    Die These dazu ist ja, dass die ständigen Konjunkturzyklen (Aufschwung und Abschwung wechseln einander ja ständig ab, wenn es irgend eine Konstante in der langjährigen Wirtschaftsentwickling gibt, dann diese) verstärkt werden können, wenn diese auf eine prozyklische Entwicklung des Finanzzyklus treffen bzw. abgemildert werden, wenn der Finanzzyklus sich dazu antizyklisch verhält.

    Also beispielsweise die Finanzkrise, nach dem fiel der Finanzzyklus in den Keller, kurz darauf auch die Konjunktur, beide Entwicklungen gemeinsam schufen ein „new normal“, manche Volkswirtschaften wie zB Griechenland sind heute noch nicht auf dem Vorkrisenstand zurück.
    Der konjunkturelle Abwschwung nach dem Platzen der DotCom-Blase traf jedoch auf eine Aufwärtsbewegung im Finanzzyklus, so dass das eigentlich gar nicht so langwierig und schmerzhaft war, kein Vergleich zur Finanzkrise ante Lehmann.

    Die Frage ist für mich also: ist der nächste Abschwung ein Lehmann-Moment oder ein DotCom-Moment?

  3.   NIKYTOELE

    ein Gesetz, wonach stärkeres Wachstum stets höhere Risiken birgt sehe ich nicht: vor 50 Jahren gab es hohe Wachstumsraten bei sehr solidem Umfeld – Auch China hat hohe Wachstumsraten die großen immer wieder angkündigten Krisen bleiben aus …
    vielleicht machen die ostasiatischen Staaten eine intelligentere Wirtschaftspolitik, wo der Staat eine viel stärkere Rolle spielt

    auch Schulden sind nicht gleich Schulden: ein Land mit eigener Zentralbank kann nicht pleite gehen, sofern es in eigener Währung verschuldet ist – Schulden in Fremdwährung, bzw Kapitalmärkten können zur Staatspleite führen. Schulden privater Haushalte bergen besonders dann Risiken, wenn nicht ein entsprechender Wert dagegensteht – ein perverses Geschäftsmodell (USA) für Hauskäufe, das auf steigende Immobilienpreise setzt muß irgendwann als Blase platzen… sinnvoll sind Verschuldungen von Unternehmen, als Investitionen für neue Produkte zur Erlangung eines zeitweiligen Monopolgewinns – wichtigste Vorraussetzungen dafür ist eine positive Nachfrageerwartung – anders ausgedrückt: man braucht die Kaufkraft der Massen, die ihr Einkommen viel stärker in Konsum (Nachfrage) einsetzen als Vermögende, die dann „investieren“ – faktisch bedeutet es aber mehr Spekulation
    die neoliberale Vorstellung, (S=I) die Armen sollen sparen, mehr Geld dafür für Reiche, die dann mehr investieren, dann regnet es mehr Wohlstand für alle ist empirisch schon oft widerlegt worden – es ist ein quasi religiöses Glaubensbekenntnis, eine Ideologie der Reichen
    die größten Störfaktoren für die Weltwirtschaft liegt gerade in den Liberalisierungen: Bsp Brasilien durch höhere Inflation gab es höhere Zinsen – viel Geld wurde dort angelegt, der Real wertete auf- vollommen entgegen der wirtschaftlichen Notwendigkeit einer Abwertung – der brasilianische Vertreter sprach zu Recht vom Währungskrieg, weil die brasilianische Wirtschaft in den Keller ging. ….. nur, warum ändern, die Wall street verdient daran zu gut

    Bsp Haiti: der „Freihandel“ ließ in die nicht wettbewerbsfähige Wirtschaft viele amerikanische Lebensmittel fliessen, die Lebensgrundlage der dortigen Bauern wurde zerstört, andere Exportprodukte hatte Haiti nicht… kurz das land begann zu hungern… aber warum ändern, die amerikanische Lebensmittelindustrie verdiente eine Zeit lang daran prächtig
    andere Risiken liegen in Rohstoff- und Nahrungsspekulationen, die ebenfalls systematisch falsche Preise erzeugen und dann Armut und Armutsflüchtlinge zur Folge haben
    Ich nenne es Neokolonialismus
    wie wird eine falsche Aussage : „das Kapital sucht sich stets die beste Verwenungsmöglichkeit“ wahr? indem es ständig wiederholt und in seriösen Medien verbreitet wird…. dann glauben es die Leute,,,,, das Prinzip erkannte schon Goebbels

  4.   Die Freiheit liebender

    @Powdered Toast Man (#2)

    Auffallend und Interessant an der Grafik ist, dass der Finanzzyklus seit 1970 immer größere Ausschläge zeigt. Wenn man berücksichtigt, dass 1971 US-Präsident Nixon das „Goldfenster“ schloss und damit den globaler Papiergeldstandard schuf, kann daraus meiner Meinung nach der Schluss gezogen werden, dass dies die Folge der Geldpolitik der FED und deren Inflationierung der Währung ist. Diese Geldpolitik hat also beim Finanzzyklus zu einer Verstärkung geführt. Demnach hat sie nicht ausgleichend gewirkt, sondern die Risiken verstärkt. Auch war doch die rechtzeitige Bekämpfung von Spekulationsblasen an Vermögensmärkten eine wesentliche Aufgabe der Fed. Diese Aufgabe hat sie offensichtlich nicht erfüllt. Sollte man da nicht auf Geldpolitik ganz verzichten und und mit Ron Paul fordern: „End the Fed“?

  5.   Detlef17

    „Auslöser für die Krise 2008 war übrigens eine konzertierte Aktion der US-Zentralbank FED und der Politik der Clinton Administration, die die Immobilienkrise in USA mit ihrer Gesetzgebung heraufbeschworen hat, unter der nahezu die gesamte Welt schwer zu Leiden hatte!“

    Da habe ich meine Zweifel…..

    https://www.forbes.com/sites/stevedenning/2011/11/22/5086/#4dd6e600f92f

    The relative market share of Fannie Mae and Freddie Mac dropped from a high of 57 percent of all new mortgage originations in 2003, down to 37 percent as the bubble was developing in 2005-06. More than 84 percent of the subprime mortgages in 2006 were issued by private lending institutions.

    Private lenders not subject to congressional regulations collapsed lending standards. the GSEs. Conforming mortgages had rules that were less profitable than the newfangled loans. Private securitizers — competitors of Fannie and Freddie — grew from 10 percent of the market in 2002 to nearly 40 percent in 2006. As a percentage of all mortgage-backed securities, private securitization grew from 23 percent in 2003 to 56 percent in 2006.

  6.   Die Freiheit liebender

    @Detlef17 (#4)

    „More than 84 percent of the subprime mortgages in 2006 were issued by private lending institutions.“

    Ich hatte allerdings auch einschränkend geschrieben: „Es waren in den USA auch überwiegend die marktbeherrschenden Government sponsored enterprise (GSE) Hypothekenbanken Fannie Mae und Freddie Mac, die Kredite für Immobilien vergaben, deren Käufer über eine schlechte Bonität verfügten.“

    Es war demnach vor allem die geringe Bonität dieser Käufer, die von Fannie Mae und Freddie Mac Kredite erhalten hatte, die dazu führte, dass es zu ersten Zahlungsausfällen kam, die dann eine Welle in Gang setzte. Verstärkt wurde dies natürlich durch die Geldpolitik. Wie geschrieben: Die Ursache für die Krise war „eine konzertierte Aktion der US-Zentralbank FED und der Politik der Clinton Administration“.

  7.   Die Freiheit liebender

    @NIKYTOELE (#3)

    „sinnvoll sind Verschuldungen von Unternehmen, als Investitionen für neue Produkte zur Erlangung eines zeitweiligen Monopolgewinns“ nur, wenn sie aus Ersparnissen stammen, denn nur dann sind sie Nachhaltig. Weil man anstelle von Ersparnissen durch Geldschöpfung aus dem Nichts keinen Wohlstand schaffen kann. So wie man durch Zusatz von Wasser in eine Suppe, ihren Nähwert nicht erhöhen kann. Siehe hierzu auch mein Kommentar @Powdered Toast Man (#2)

    „wichtigste Vorraussetzungen dafür ist eine positive Nachfrageerwartung – anders ausgedrückt: man braucht die Kaufkraft der Massen,“

    Das Problem ist nicht die Nachfrage, denn Menschen fragen immer Güter nach. Manchmal verfügen sie jedoch nicht über die nötige Kaufkraft, um die gewünschten Güter zu kaufen, da sie selbst Güter am Markt vorbei produzieren, mit denen sie dann auch kein Geld verdienen.

    Möglich ist aber eine Verzerrung der Angebotsstruktur, beispielsweise durch die Politik (Ankurbelung der Wirtschaft über „deficit spending“) und geldpolitische Fehlanreize, wie sie von den Zentralbanken durch die Geldpolitik und die Inflationierung des Geldes kommen. Das führt dann zu Fehlinvestitionen mit denen Güter produziert werden, die nicht genügend Nachfrage haben. Siehe Immobilienblase 2008 in den USA.

    „die größten Störfaktoren für die Weltwirtschaft liegt gerade in den Liberalisierungen“

    Gegenbeispiel: Chile konnte dank Privatisierungen, Staats- und Finanzreform, Deregulierung (Liberalisierung) und Öffnung der Wirtschaft das Vertrauen ausländischer Investoren gewinnen. Der Anteil der Armen sank zwischen 2003 und 2014 von 20 auf 7 Prozent.

    „Ich nenne es Neokolonialismus“

    Die Produktionsbedingungen in den Ländern, die Rohstoffe liefern sind bekanntlich sehr unterschiedlich. Kanada und Australien sind beispielsweise entwickelte Länder mit großen Rohstoffvorkommen, die sie exportieren. In Kanada und Australien gibt es einen hohen allgemeinen Wohlstand. In zahlreichen afrikanischen Ländern ist das, trotzt Rohstoffreichtum, nicht der Fall, sie sind weiterhin arm. Das ist aber nicht durch „Neokolonialismus“ verursacht, sondern durch die Politik in diesen Ländern,die nicht genügend wirtschaftliche Freiheit und gesicherte Eigentumsrechte ermöglicht – und daran, dass dort Despoten und korrupte Regierungen an der Macht sind. Ansonsten würden auch afrikanische Länder keine dermaßen große Armut kennen.

  8.   NIKYTOELE

    dFL
    wenn Investitionen nur aus Ersparnissen kommen dürfen und die privaten Haushalte immer als sinnvolle Rücklage ca 10 % sparen so nimmt das zur verfügung stehende Kapital pro Jahr um 10 % ab – dann muss die Wirtschaft kontinuierlich schrumpfen und kollabieren
    Nachfrage: wenn die Leute, etwa in Deutschland das untere Drittel deutlich weniger Geld haben können sie auch nur weniger nachfragen (oder sich überschulden) aus diesem Grund führt eine flächendeckende Lohn- und Rentensenkung fast immer zum Nachfragerückgang und steigender Arbeitslosigkeit und zwar sehr schnell, lange bevor aussenwirtschaftlich etwas gewonnen wird
    Afrika: die dauerhafte wirtschaftliche Misere etwa in Afrika rührt von den neoliberalen Konzepte des internationalen Währungsfonds, völliger Marktöffnung von Ländern, die ungeschützt ( Zölle) nicht wettbewerbsfähig sind und dadurch aus der Armutsfalle nicht herauskommen können – das nur mit Despoten zu erklären ist platte Vereinfachung Haiti ist nur ein deutliches Beispiel

    aber eigentlich ist es sinnlos, mit Ihnen zu diskutieren: die grenzenlose Ignoranz der Wirklichkeit, um das eigene Weltbild aufrecht zu erhalten halte ich für eine marktextremistische Religion – genauso ist es sinnlos, mit einem Christen über die biologische Unmöglichkeit der jungfräulichen Zeugung von Jesus zu diskutieren – nur nennt ein aufgeklärter Christ es Wunder und beansprucht keine Wissenschaftlichkeit

  9.   NIKYTOELE

    Nachtrag der Freiheit liebender;
    „Erfolgsmodell“ Chile
    der von der CIA organisierte Putsch (z. B. Finanzierung streikender LKWfahrer…) brachte einer der brutalsten Diktaturen an die Macht und nicht zufällig im Windschatten die neoliberalen Chicago Boys. War die ungestörte Praxis zu foltern, hinzurichten, KZs zu errichten die Freiheit, die Sie so sehr lieben ?
    Heute steckt hinter guten Wirtschaftsdaten die weltweit größte Ungleichheit, Almosenrenten, Löhne für viele, wo man sich verschulden muß, um zu überleben – die systembedingte wachsende Überschuldung vieler Privathaushalte gleicht einer Blase, die (wie die Immobilienblase der USA) irgendwann einmal platzen muß. Schon heute sind Selbstmorde überschuldeter Menschen nicht selten.
    Renten- und Krankenversicherung stehen nur auf dem Papier
    Auch beruht derjetzige Reichtums Chiles, auf einigen wenigen derzeit sehr gefragten Rohstoffen – ein breites Spektrum, das Krisen mildern kann fehlt…. einem solchen Boom folgt wie schon früher beim Salpeter ein extremer Absturz
    die Wirtschaft liegt in den Händen von 6 – 8 Familien, wo Preisabsprachen und übrhöhte Preise normal sind und neue Unternehmer gegen die Kartelle keine Chancen haben… ein typisches Beispiel, wo eine ungeregelte Marktwirtschaft ihre eigenen Grundlagen zerstört
    ein Erfolgsmodell sieht für mich völlig anders aus

  10.   Die Freiheit liebender

    @NIKYTOELE (#8) + (#9)

    Ersparnisse führen nicht dazu, dass die Wirtschaft kontinuierlich schrumpfen und kollabieren. Denn Ersparnisse speisen sich aus dem Mehrwert den eine Gesellschaft in der Marktwirtschaft erzeugt. Der Gewinn fließt nicht vollständig in Konsum, sondern sozusagen als Ersparnis in Investitionen. Da die Steigerung der Produktivität auch zu höheren Einkommen führt (im Grunde wird dadurch Geld – ohne Geldschöpfung – mehr wert), ermöglicht dies auch den Arbeitnehmern Rücklagen zu bilden, die für Investitionen zur Verfügung gestellt werden können, die auch aus dem Mehrwert stammen, den ihre Arbeit bringt.

    Die „flächendeckende Lohn- und Rentensenkung“ ist doch bedingst durch das staatliche Umlagesystem.

    Aufgrund unterschiedlicher Lebensbedingungen und niedrigeren Löhne, die ihre Ursache in geringer Produktivität und großer Nachfrage nach Arbeit haben, sind unterentwickelte Länder auch in der Lage mit entwickelten Ländern zu konkurrieren und im Laufe der Zeit mit der kapitalistischen Produktionsweise und der damit möglichen Steigerung der Produktivität Wohlstand für alle zu erarbeiten. So wie das in den westlichen Industrienationen im 19. Jahrhundert ja auch der Fall war.

    Zu Chile:
    Aufgrund seiner diversifizierten Wirtschaft ist Chile trotz seiner reichen Kupfervorkommen nicht so stark von den Rohstoffpreisen abhängig wie Venezuela, wo während Chavez’ Regierungszeit der Anteil der staatlichen Gewinne aus der Erdölproduktion von 50 auf 90 Prozent stieg.

    Wichtige Wirtschaftszweige sind auch Forst-, Land- und Fischwirtschaft. Chile verfügt über eine der größten Fischfang-Flotten Lateinamerikas. Darüber hinaus spielt die Aquakultur, v.a. die Lachszucht, eine bedeutende Rolle.

    Aus dem CIA-Factbook (letzte Aktualisierung 12. Juli 2018) hier: https://www.cia.gov/library/publications/the-world-factbook/geos/ci.html ergibt sich für die Wirtschaft Chiles folgende Verteilung der BIP-Anteile nach Wirtschaftssektoren:
    Landwirtschaft: 4,4 % des BIP
    Industrie: 31,4% des BIP
    Dienstleistungen: 64,3% des BIP.
    Die Mehrheit der Beschäftigten ist im Dienstleistungssektor beschäftigt: 67,1 %
    Seit dem Jahr 2002 besteht auch ein Freihandelsabkommen zwischen Chile und der Europäischen Union.

 

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren.

Anmelden Registrieren