So funktioniert Kapitalismus

Eher Deflation als Stagflation

Von 6. März 2008 um 21:10 Uhr

Stagflation ist das Modethema dieser Tage. Weltweit steigt die Inflation. Bei den Verbraucherpreisen hat sie sich binnen Jahresfrist auf fast 4 Prozent verdoppelt, und die Explosion der Rohstoffpreise könnte ein Zeichen dafür sein, dass die Flucht in Sachwerte, also die Flucht vor der Geldentwertung, in vollem Gange ist. Gleichzeitig gibt es immer mehr Anzeichen, dass sich das Wirtschaftswachstum abschwächt, global von 5 Prozent im Jahr 2006 auf knapp 4 Prozent in diesem Jahr. Steigende Inflation und stagnierender Output ergeben Stagflation.

Das ist das Schlimmste, was Notenbanken passieren kann: Weil die Inflation so hoch ist, können sie sich nicht leisten, die Nachfrage und damit das Wachstum durch niedrigere Zinsen zu stimulieren. Konflikte mit den jeweiligen Regierungen sind vorprogrammiert. Tun sie es dennoch, könnten die Inflationserwartungen nachhaltig anziehen, was die Prämien für das gestiegene Inflationsrisiko und damit die Anleiherenditen in die Höhe treibt. Das ist wiederum schlecht für das Wachstum. Die Aktienmärkte leiden ebenfalls, weil sie einerseits mit den (dann fallenden) Rentenkursen korreliert sind, und weil sich andererseits die Gewinnaussichten durch das schwächere Wachstum eintrüben. Das kann nicht gut für die Investitionstätigkeit sein.

Erhöhen die Notenbanken dagegen die Zinsen, verliert die Wirtschaft noch mehr an Dynamik. Sie könnte in eine Rezession abgleiten, was besonders dann wehtut, wenn die Arbeitslosigkeit bereits hoch ist. Folgt die Stagflation auf eine längere Periode robusten Wachstums, haben die Arbeitnehmer noch eine gute Verhandlungsposition und können Lohnerhöhungen durchsetzen, die über das Produkt von unvermeidlicher Inflation und Produktivitätswachstum hinausgehen und damit die Inflation weiter antreiben. Das provoziert weitere Zinserhöhungen – so geschehen in den siebziger Jahren.

Löhne, Inflation und Notenbankzins in Deutschland seit 1960

Wie sieht es heute aus? Für die Weltwirtschaft insgesamt ist trotz der Probleme in den USA keine echte Stagnation in Sicht, weil die Dynamik der Schwellenländer ungebrochen ist. Das ist meiner Meinung nach auch der wichtigste Grund für die Explosion der Rohstoffpreise. Große Länder wie China, Indien, Brasilien und Russland haben einen immensen Nachholbedarf an Infrastruktur, an Autos, anderen langlebigen Konsumgütern und Wohnungen, allesamt rohstoff- und energieintensive Produkte, und sie haben neuerdings die finanziellen Mittel, sich diese Bedürfnisse zu erfüllen. Die starke Nachfrage nach Rohstoffen trifft auf ein ziemlich unelastisches Angebot, weil die Produzenten bislang nicht davon ausgehen, dass diese Nachfragedynamik anhalten wird. Gibt es nicht so etwas wie einen Schweinezyklus, und folgt auf einen Preisboom nicht stets ein Einbruch der Preise? Warum viel Geld ausgeben für neue Produktionsfazilitäten, wenn die Gewinne auch ohne mehr Produktion kräftig steigen?

Erölpreis in Dollar und Euro seit 1980

Rohstoffpreise ohne Erdöl seit 1980

Aber was hat eigentlich eine Erhöhung der Rohstoffpreise mit einem allgemeinen Anziehen der Inflation zu tun? Ändern sich die relativen Preise nicht ständig, ohne dass wir uns Sorgen um die Inflation machen müssten? Telefonate und Fernreisen werden nicht nur relativ sondern auch absolut immer billiger, Heizung und medizinische Dienstleistungen immer teurer, so what? Wirklich ernst wird es nur, wenn das Preisniveau insgesamt immer rascher steigt.

Gibt es Gründe, das zu vermuten? Die gibt es in der Tat. Da das Weltsozialprodukt in den vergangenen fünf Jahren laut Internationalem Währungsfonds um etwa eineinhalb Prozentpunkte jährlich rascher zugenommen hat als im langfristigen Trend, sind die Kapazitätsreserven offenbar näher gerückt. Das bedeutet, dass es leichter fällt, die Preise zu erhöhen. Es mangelt zudem auch nicht an Liquidität – sie wurde vor allem durch die Interventionen zugunsten des Dollar geschaffen. Die Weltwirtschaft ist überschwemmt mit Dollars. Möglicherweise ist inzwischen auch die Reservearmee an fleißigen und billigen Arbeitskräften geschrumpft, die bislang nicht nur die Lohninflation in den Schwellenländern in Schach gehalten hat, sondern auch im Rest der Welt. Jedenfalls ist die Inflationsrate im BRIC-Bereich binnen Jahresfrist von 4,0 Prozent auf 7,0 Prozent gestiegen. Da zudem die Währungen dieser Länder gegenüber dem Dollar in den vergangenen zwölf Monaten um etwa 10 Prozent aufgewertet haben, exportieren diese Schwellenländer neuerdings nicht mehr Deflation, sondern Inflation. Es sieht also ziemlich ernst aus.

Trotzdem, wenn man ein Zwischenresumé ziehen möchte, würde man sagen, dass sich die Inflation in den Schwellenländern eher normalisiert hat und keineswegs dabei ist, außer Rand und Band zu geraten. Es ist nicht ungewöhnlich, dass die Inflation in armen, aber rasch wachsenden Volkswirtschaften rascher zunimmt als in kapitalreichen Ländern. Eine Differenz von drei oder vier Prozentpunkten dürfte normal sein. Das reflektiert das Phänomen, dass die Produktivität in der Industrie und in der Landwirtschaft durch die Intensivierung des Kapitaleinsatzes im Verlauf des Aufholprozesses sehr rasch zunimmt. Die Löhne in diesen Sektoren steigen entsprechend kräftig, wodurch die allgemeine Lohninflation (also auch die in den Dienstleistungsbereichen) sowie das Preisniveau insgesamt in die Höhe getrieben werden. Es handelt sich einfach um eine Angleichung der internationalen Preisniveaus. Ohne höhere Inflation geht es nicht.

Nicht zu vergessen: Die Hausse der Rohstoffpreise wird auf Dauer das Wirtschaftswachstum der Welt vermindern, weil der Kaufkraftverlust in den rohstoffimportierenden Ländern der OECD, aber auch in China und Indien größer ist als die sogenannte Absorptionsfähigkeit der Rohstoffexporteure, also der OPEC, Russlands, Australiens und Brasiliens. Die Preishausse entwickelt sich immer mehr zu einem Nachfrageschock für die Weltwirtschaft und kann daher nicht endlos weitergehen. Am Ende werden dadurch auch die Rohstoffpreise wieder fallen, vermutlich sogar sehr stark.

Dann gibt es außerdem noch einige andere Asset Price Bubbles, die gerade platzen oder die darauf warten zu platzen. Dazu gehören die Immobilienblasen in den USA, in Großbritannien und Spanien, in China und Russland, sowie die überteuerten Aktienmärkte in China, Indien, in der Ukraine, vielleicht sogar immer noch in den USA. Wenn Blasen platzen, stellt sich stets heraus, dass sie zuvor zu einem wesentlichen Teil durch Schulden finanziert worden waren. Banken, Haushalte, institutionelle Anleger und andere Unternehmen sehen auf einmal, dass sie überschuldet sind. Sie sind dann gezwungen, ihre Ausgaben zurückzufahren. Grundsätzlich führen Einbrüche bei Immobilien und Aktienkursen zu einem Rückgang der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage. Sie wirken deflationär.

Ein echtes Inflationsrisiko gäbe es nur unter zwei Voraussetzungen: Erstens müssten die Notenbanken in Europa, Japan und in den Schwellenländern aus Sorge um Wachstum und Beschäftigung trotz der anziehenden Inflation eine deutlich expansivere Politik verfolgen. Danach sieht es nicht aus. Zweitens müssten die Arbeitnehmer in der Lage sein, die Kaufkraftverluste, die sie durch die steigenden Energiepreise erleiden, durch entsprechend höhere Lohnabschlüsse auszugleichen. Auch danach sieht es überhaupt nicht aus. Aus beiden Gründen ist die Situation fundamental anders als in den siebziger und frühen achtziger Jahren. Es will sich einfach keine Inflationsmentalität einstellen. Daher ist auch Stagflation eher unwahrscheinlich.

Und wie sieht es bei uns aus? Der starke Euro hat massiv preisdämpfende Effekte. Er wirkt wie eine Zinserhöhung. Die Pressekonferenz von Herrn Trichet am Donnerstag enthielt keine Andeutung, dass demnächst die Zinsen gesenkt werden könnten, trotz der etwas eingetrübten Wachstumsaussichten. Der Euro dürfte daher fest bleiben. Das hat den Nebeneffekt, dass die Arbeitnehmer kaum eine Chance haben, die Einkommensverteilung wieder einmal zu ihren Gunsten zu verändern. Die Stundenlöhne steigen laut EZB zur Zeit mit einer Rate von 2 1/2 Prozent (ggVj), also deutlich langsamer als die Preise, die zur Zeit um 3,2 Prozent über ihrem Vorjahresniveau liegen. Sie wirken damit ebenfalls preisdämpfend. Und wie hoch sind die Lohnsteigerungen in Deutschland? Im Anhang des jüngsten Monatsberichts der Bundesbank findet sich auf Seite 67 eine Tabelle, nach der die gesamtwirtschaftlichen tariflichen Stundenlöhne im Dezember nur um 1,5 Prozent höher waren als ein Jahr zuvor. Keine Inflation ohne Lohninflation! Deflation ist das passendere Wort für die Situation in Deutschland.

Die EZB erwartet in diesem Jahr beim realen Inlandsprodukt eine Zuwachsrate von 1,7 Prozent, was angesichts des sogenannten Potenzialwachstums von 2 1/4 Prozent nichts anderes bedeutet, als dass die Kapazitätsauslastung wieder zurückgeht. Zwar ist ein Notenbankzins von 4 Prozent neutral, aber nur in dem Sinne, dass eine Normalauslastung der Kapazitäten vorliegt. Das ist aber immer weniger der Fall. Im vierten Quartal stieg das reale BIP von Euroland beispielsweise nur noch mit einer Jahresrate von 1,5 Prozent. Die Geldpolitik ist also restriktiv, und sie wird ständig restriktiver.

Stagflation ist keine echte Gefahr und als Begriff völlig unpassend für das, was sich im Euroland tatsächlich abspielt.

Kategorien: Leitwährungswatch
Leser-Kommentare
  1. 49.

    @Thomas,
    ich glaube Sie irren sich. Bisher sind die Alternativen zu Öl vernachlässigbar, so dass das kaum einen Einfluss auf die Ölproduktion haben dürfte. Es dürften eher politische Gründe sein, die unter Umständen mögliche Produktion verhindert, wie Embargos gegen Iran, Unklarheiten über die Eigentümerschaft über Reserven im Südchinesischen Meer oder demnächst vielleicht in der Arktis, der Krieg im Irak,…

    Dass das Ölzeitalter durch billigere Substitute endet ist schlicht eine Trivialität, wenn man annimmt, dass man mit höheren Kosten mehr Öl aus dem Boden holen kann. Das ist aber nicht gleichbedeutend mit fallenden Ölpreisen, sondern mit einer Kappung durch Alternativen. Der Ölpreis wird auch dann wohl nicht fallen, da Öl auch als chemisches Produkt interessant ist, selbst wenn man billigere Energiequellen hat.

    Übrigens ist auch bei den Alternativen mit politischen Hindernissen zu rechnen, welcher Europäer will den sein schönes Kapital für Sonnenenergie in der Sahara einsetzen, wenn die betreffenden Staaten eine hohe politische Instabilität aufweisen?

    Darin sehe ich auch einen Grund, warum andere Staaten womöglich noch auf fossile Quellen setzen, wenn der Westen schon auf Alternativen setzt, die hohes Startkapital brauchen und anschließend über viele Jahre Erträge abwerfen, ohne dass man allzu hohe laufende Kosten hätte.

    Antworten

    • 13. März 2008 um 01:38 Uhr
    • Martin Heck
  2. 50.

    @ D.W. : einfach mal das Buch “Peak Oil” von Jeremy Leggett kaufen und lesen, denn bekanntlich bildet lesen ;-) . man sollte bei den beschwichtigungsversuchen der opec-mitglieder immer beachten : ihre eigene quotierung ist in bezug zu ihren reserven zu sehen ( ein schelm wer da böses denkt), d.h. wenn ich als opec-staat zugebe, dass meine reserven stark gesunken sind, fällt meine quote, ergo werden wir laut opec peak-oil nie erreichen. komisch nur, dass seit ende der 60´er jahre kein größeres ölfeld mehr entdeckt wurde, aber vielleicht warten alle nur auf ein abtauen der arktis, um das ölzeitalter zu verlängern ;-) lg samuiman

    Antworten

    • 14. März 2008 um 21:32 Uhr
    • samuiman
  3. 51.

    Einige gewagte Versuche, realwirtschaftliche Erklärungen für Preisniveau und Inflation zu liefern.

    @ML, HeliBen…

    Inflation, Geldmenge und Preise

    ML, Sie schreiben, dass es außer Geldmengenerhöhung auch andere Gründe für Inflation geben kann und führen die Verflechtung der vwl-lichen Produktion als Ursache an, dass sich einzelne Preiserhöhungen auf letztlich alle Produkte der Volkswirtschaft auswirken. Dazu ist aber anzumerken, dass ohne Geldmengenerhöhung dadurch die Kaufkraft sinkt und es statt Inflation einen Nachfragerückgang gibt. Das dürfte in etwa die derzeitige Entwicklung in westlichen VWLs sein (siehe unten)

    Ein Ausbrechen aus obigem Zusammenhang ist nur möglich durch eine Ausweitung der Produktion, und diese ist nur möglich durch a) Verwendung brachliegender Kapazität (z. B. Rückgang der Arbeitslosigkeit, Überstunden) oder b) Steigerung der Effizienz (Produktivität – WI-ING 030 führt einige Potentiale auf). Letzteres ist in einer entwickelten VWL wie Deutschland nur begrenzt möglich, ersteres Dank der seit dem Wirtschaftswunder aufgebautem Potential mit ein wenig Motivation (Hartz IV) relativ leicht.

    Globalisierung

    Wie DW und andere schreiben, hat die Produktionsauslagerung in Niedriglohnländer und gleichzeitiger Kapitalexport dieser Länder v.a. in die USA dazu geführt, dass der Westen KONSUM AUF PUMP ohne Nebenwirkungen genießen konnte.

    Nebenbei hat die Globalisierung aber für Volkswirtschaften ähnliche Konsequenzen wie Deregulierung für Monopolisten: So wie Telefonminuten heute in D deutlich günstiger sind als zu Zeiten des Postmonopols, so ist heute Arbeitskraft weltweit günstiger zu haben als zu Zeiten des “Westmonopols”, als Ostblock incl. China noch nicht als Billiganbieter mitkonkurrierten. Und da sich heute “das Netz” (um im Bild zu bleiben) nicht mehr in der Hand des Westmonopolisten befindet, sondern weltweit verteilt ist, kann diese Entwicklung schwer umgekehrt werden. Stattdessen muss höhere Qualität bei niedrigerem Preis erbracht werden, um Marktanteile zu halten (von gewinnen kann kaum die Rede sein – siehe T-Kom). Dieses drückt sich aus in strukturellen Reformen (Hartz IV, verweigerter Mindestlohn,…) und niedrigeren Realeinkommen pro Arbeitsleistung. Wenn einige Löhne noch steigen, dann nur, weil die Konkurrenz noch nicht soweit ist oder weil die Arbeitsleistung stärker steigt als der Lohn fällt.

    Hier werden auf uns, vor allem aber auch auf die in Wirklichkeit ziemlich unproduktiven USA noch ziemliche Härten zukommen, die die Politik nur schwer vermeiden kann. Eine Lateinamerikanisierung der Lebensverhältnisse scheint nicht mehr ausgeschlossen in einer Welt, in der der deutsche Arbeiter mit eben jenen Arbeitskraftreserven konkurriert.

    Effizienz und Rohstoffe

    @44 Thomas

    Sicher sind nachwachsende Rohstoffe das Material der Zukunft – in vielen Bereichen. Allerdings weise ich darauf hin, dass in unserer modernen Landwirtschaft hohe Erträge vor allem durch den Einsatz von chemisch erzeugtem Stickstoffdünger erzielt werden – dessen Produktion wiederum von billigem Erdöl abhängt. So ist der derzeitige “Biosprit” vor allem grün verpacktes Erdöl, da annähernd 100% des Energiegehaltes vorher in Form von fossiler Energie für die Produktion aufgewendet wurden.

    (Wer aufmerksam die Agrarpolitik verfolgt hat, wird sich bewusst, dass die Förderung von Biosprit sowohl in USA als auch in der EU vor allem versteckte Subvention für die Landwirtschaft ist. Deren Niedergang seit der Industrialisierung wiederum durch verhältnismäßig geringere Mengenelastizität der Nachfrage vwllich zu erklären ist [zwei Autos und fünf Paar Schuhe, okay - aber drei Brote am Tag?].)

    Angesichts des Raubbaus auch an Bioreserven in Weltmeeren und Entwicklungsländern (Fisch, Soja, Holz) ist außerdem fraglich, ob die aktuelle Biomasseproduktion noch dauerhaft gesteigert werden kann, oder ob die Leistungsfähigkeit unseres Planeten ausgeschöpft ist (Pflanzen brauchen mehr als Sonne).

    Internalisierung externer Kosten

    Die sich verschärfende Rohstoffsituation zeigt, dass zukünftige Wohlfahrtsgewinne auf vorwiegend zwei Arten erzielt werden werden: a) Die Entwicklungsländer werden zulasten der entwickelten Welt einen größeren “Marktanteil” der Weltproduktion aufnehmen und selbst verkonsumieren. b) Alle insgesamt werden effizienter werden, um den Kuchen zu vergrößern.

    zu b) gilt eine Beobachtung, die schwierige Anpassungsprozesse erfordern wird: Wurde lange Zeit Effizienz vor allem in Arbeits- und Kapitaleffizienz gemessen und dadurch z. B. (Muskel-)Arbeit durch Erdölprodukte ersetzt, kommt zukünftiger der dritte Produktionsfaktor zurück ins Spiel: Land/Rohstoffe/Umwelt. Dieser war zuletzt (abgesehen von den Ölkrisen der 70er) vernachlässigbar günstig bzw. garnicht eingepreist. Rohstoffe wurden zu Dumpingpreisen aus Kolonien/Drittweltländern eingeführt; Erde, Wasser und Luft standen oft kostenfrei zur Verwendung und Verschmutzung bereit.

    In den letzten Dekaden wurden mehr und mehr dieser externen Kosten internalisiert: aufwendige Filtertechniken, verbrauchsreduzierende Maßnahmen, Rezyklierung haben Produkte verteuert, ohne dass der Verbraucher einen Mehrwert hatte. Und diese Tendenz wird (und muss) zukünftig verstärkt Preise treiben und direkten Wohlstand vernichten (dafür aber indirekten Wohlstand im Sinne von sauberer Luft, trinkbarem Wasser, ackerbautauglichen Flächen NUR ERHALTEN).

    Das heißt, was wir jetzt schon in den Rohstoffpreisen sehen, wird für andere knappe Güter (Fisch in Weltmeeren, CO2-Zertifikate) auch passieren: die Einpreisung externer Effekte und damit PREISSTEIGERUNGEN OHNE GEGENWERT. Ich denke, dass die heutigen Rohstoffpreise so interpretiert werden können – auch wenn niemand bewusst aus diesen Gründen die Preise erhöht. Aber die Ölländer lassen sich halt gerne dafür bezahlen, einen Teil von sich (Öl) herzugeben. Und erhöhen die Kapazitäten nicht so stark, weil sie dann ja schneller nichts mehr hätten (und schon heute kommen Sie mit dem Ausgeben des Geldes nicht nach!).

    Antworten

    • 15. März 2008 um 04:52 Uhr
    • sbo78
  4. 52.

    @ M.Heck:

    “Übrigens ist auch bei den Alternativen mit politischen Hindernissen zu rechnen, welcher Europäer will den sein schönes Kapital für Sonnenenergie in der Sahara einsetzen, wenn die betreffenden Staaten eine hohe politische Instabilität aufweisen?”

    -> … ja, ja, gewiss doch ! Aber es ist besser, von 5 politisch instabilen Energielieferanten abhängig zu sein als von 2 …

    -> … Für Ökonomen ist das klar. Wie erklärt man es einem Naturwissenschaftler ? … es ist wie bei parallel-geschalteten elektrischen Widerständen ;-) … der resultierende Gesamtwiderstand steigt nicht, sondern sinkt …

    Antworten

    • 15. März 2008 um 16:30 Uhr
    • Wi-Ing-030
  5. 53.

    @Wi-Ing-030,
    Sie als “Wi” und “Ing” sollten ja beides verstehen.

    Sie haben natürlich recht, dass man besser diversifiziert und natürlich galube ich an großes Wachstum der Alternativen (ich habe übrigens auch ein paar Solar Millenium Aktien), aber z.B. bei Kohle sieht es auch gar nicht so schlecht aus mit den Lieferanten (USA, Brasilien, Australien, Braunkohle sogar in Eigenproduktion). Auch halte ich Russland als Gasliferant für einen enorm zuverlässigen Partner, besonders im Vergleich mit den arabischen Ländern. Bei Öl gibt es große Probleme, aber deswegen habe ich ja auch das Wort “auch” benutzt. Die eierlegende Wollmilchsaulösung gibt es eben nicht, aber natürlich könnte auch ein größeres Engagement Europas in Nordafrika helfen Stabilität und Vertrauen aufzubauen.

    Antworten

    • 15. März 2008 um 21:46 Uhr
    • Martin Heck
  6. 54.

    [...] · tar, den 27.03.08 in Amerika, Australien, Deutschland, Europa, Fernost, Krise, Liberalismus, Probleme, Wirtschaft Quelle: blog.zeit.de [...]

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