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Ifo – noch nicht viel zu sehen von der Finanzkrise

 

Ifo Geschäftsklima - März 2008

Der Geschäftsklimaindex des Ifo-Instituts hat sich im März zum dritten Mal hintereinander und entgegen den Erwartungen der Analysten verbessert. Er befindet sich nach wie vor auf sehr hohem Niveau, wie zuletzt im Boomjahr 1991, unmittelbar nach der Wiedervereinigung.

Die Zahlen passen zu den Auftragseingängen im Verarbeitenden Gewerbe, also den „harten“ Statistiken: In den Monaten November, Dezember und Januar lagen diese inflationsbereinigt im Durchschnitt um nicht weniger als 11,2 Prozent über ihrem Vorjahreswert. Noch besser: Auf saisonbereinigter Basis hatte sich der Ordereingang gegenüber den drei Vormonaten August, September und Oktober auf eine Verlaufsrate von 16,1 Prozent beschleunigt. Überraschend ist dabei, dass die Aufträge aus dem Ausland trotz des superfesten Euro nach dieser Rechnung noch mit einer Verlaufsrate von 14,2 Prozent gestiegen waren, genauso wie es erfreulich ist, dass die Inlandsnachfrage geradezu boomt (+17,4 Prozent). Da die Industrieproduktion „nur“ mit einer Verlaufsrate von 6,7 Prozent zugelegt hat, dürften die Auftragsbestände sehr hoch sein, so dass die Expansion mindestens bis auf Weiteres mit hohem Tempo weitergehen dürfte.

Nehmen wir hinzu, dass die realen Auftragseingänge an das Bauhauptgewerbe in der jüngsten Dreimonatsperiode gegenüber der unmittelbar vorangegangenen mit einer Rate von 13,9 Prozent gestiegen sind, oder dass die Anzahl der Erwerbstätigen im Januar nicht nur um 1,3 Prozent höher war als vor Jahresfrist, sondern im letzten halben Jahr sogar mit einer Verlaufsrate von 1,5 Prozent zugenommen hat, kann man eigentlich nur staunen. Haben sich die Prognostiker nicht beim realen BIP für dieses Jahr auf eine Wachstumsrate von 1 1/2 Prozent eingeschossen, nach 2 1/2 Prozent im vergangenen?

Wo bleibt dabei die Finanzkrise? Die EZB berichtet zwar, dass sich die Konditionen der Kreditvergabe sowohl im dritten als auch im vierten Quartal verschärft haben, in der realen Wirtschaft Deutschlands ist davon aber noch nichts angekommen. Bremsspuren sind nicht zu erkennen. Es zeigt sich, dass das kontinentaleuropäische Bankensystem mit seiner vergleichsweise starken Betonung des Kreditgeschäfts in diesen international schwierigen Zeiten gut fährt. Da es kaum echte Investment Banken gibt, leidet der Sektor insgesamt nur begrenzt von einem Verfall der Preise und Kurse auf der Aktivseite. Auch der sogenannte Hebel, mit dem Investment Banken ihre Erträge in guten Zeiten aufpäppeln, spielt auf dieser Seite des Atlantiks keine so große Rolle.

Bis auf die Probleme bei den Landesbanken, die offenbar kein zukunftsträchtiges Geschäftsmodell mehr haben, oder bei der IKB, für die das wohl auch zutrifft, und die nun allesamt dem Steuerzahler teuer zu stehen kommen, gilt, dass die Geschäfte zwar durch das Fehlen des berühmt-berüchtigten „financial engineering“ langweilig, dafür aber relativ solide sind. Wie gesagt, die Realwirtschaft scheint gegenüber den Turbulenzen bei den internationalen Banken immun zu sein. Wer hätte das gedacht?

26 Kommentare


  1. […] von Dieter Wermuth auf Herdentrieb: Wo bleibt dabei die Finanzkrise? Die EZB berichtet zwar, dass sich die Konditionen der […]

  2.   Carina Keller

    Ein Wunder! Trotz einer geradezu teuflischen Kombination von Problemen passiert in Deutschland gar nichts! Und obwohl Ackermann und Sinn die Party für beendet erklärt haben, tanzen die Leute weiter. Aber Deutschland war eben schon immer etwas langsam. Früher noch als der „kranke Mann Europas“ beschämt, heute der einzige Gesunde.

    Aber die Rezessionsmode wird, denke ich, auch bald aus Amerika hier her kommen. Zumindest warnt Sebastian Dullien, dass der Euro ein Problem sein wird:

    Beware of false arguments: The strong euro will hurt

    Sebastian Dullien | Mar 24, 2008

    rgemonitor.com/euro-monitor/651/beware_of_false_arguments_the_strong_euro_will_hurt

  3.   Thorqemada

    Ruhig bleiben und nicht ins Bockshorn jagen lassen, derzeit geht es uns doch höchstens wie den Strandgängern, die den Tsunami erwarten (oder auch nicht) und plötzlich geht das Wasser zurück…twt.

  4.   Heinrich Kaspar

    Die EZB darf sich bestaetigt fuehlen.

  5.   edicius

    „Hart“ sind immer nur die Zahlen von gestern. Echt hart kommt’s erst morgen.

  6.   sbo78

    Deutschland am Ende der Aufschwungwelle?

    Ist es nicht so, dass Deutschland mit seinem starken volkswirtschaftlichen Fokus auf Produktion von Produktionsmitteln am Ende Auftragskette eines jeden Aufschwungs der Weltwirtschaft steht?

    Zumindest theoretisch werden doch nach einem Aufschwung zuerst brachliegende Kapazitäten wieder voll genutzt (ohne Auswirkung auf Arbeitsmarkt und Investitionstätigkeit), die Folge steigende Gewinne der Unternehmen. Erst dann werden wieder Menschen eingestellt, um bestehendes Produktionskapital intensiver nutzen zu können, Überstunden zu reduzieren etc. Und am Schluss, wenn es nach einem anhaltenden Aufschwung aussieht und alles Ausquetschen der Kapazitäten das Anwachsen der Auftragsbestände nicht aufhalten kann, dann erst wird in neue, teure und langfristig zu amortisierende Produktionskapitalia investiert.

    Nach diesem oben beschriebenen Zyklus ist für große Teile deutscher Produktion abzulesen, dass ein Aufschwung erst sehr spät im Land ankommt (was sich im vergangenen Wirtschaftszyklus sehr gut beobachten lies – brummte doch die Wirtschaft weltweit bereits, als wir noch den kranken Mann Europas abgaben). Und die Hersteller von Produktionsanlagen durchlaufen dann ihrerseits obigen Zyklus zeitversetzt.

    Aus dieser Argumentation lässt sich zweierlei ableiten: a) die deutsche Wirtschaft eignet sich wahrscheinlich nicht sehr gut als Frühindikator für weltwirtschaftliche Trends; b) andersherum ist ein Einfluss aber durchaus zu befürchten.

    Aus diesem Grund rate ich davon ab, die schönen Zahlen und Erwartungen der deutschen Wirtschaft als eine Abkopplung von der weltwirtschaftlich abflauenden Konjunktur zu interpretieren. Andererseits bin ich aber auch kein Freund von vorauseilendem Gehorsam in Form von geld- und fiskalpolitischen Geschenken zu diesem Zeitpunkt. Vielmehr wünsche ich mir stärkere Sparanstrengungen unserer Regierung jetzt im Aufschwung. Denn sie wird das Geld im Abschwung nächstes Jahr brauchen, um soziale Härten ein wenig zu federn! Und zurückhaltende Lohnabschlüsse der Tarifparteien, um im Abschwung die Mitarbeiterstände möglichst halten zu können. Variable Anteile können den Angestellten doch ebenso zu einer Beteiligung an diesjährigen Rekordgewinnen verhelfen, ohne dauerhaft hohe Fixkosten für Unternehmen zu schaffen.

    Es wird ein spannendes Jahr!

  7.   HeliBen

    @Carina Keller,

    „Beware of false arguments: The strong euro will hurt“

    He´s wrong … it´s not the strong Euro, it´s the weak dollar.

    See Yen ….

  8.   Carina Keller

    @HeliBen:

    Schön für die Amerikaner, jetzt wird das Exportieren für sie leichter. Und das ist es, was sie jetzt brauchen.

    Eigenlich wollen alle Länder nur noch exportieren. Vielleicht findet sich auf dem Mars jemand, der bereit ist, sich zu verschulden.

  9.   Rocky Sigfredo

    Ich bin mit den Aussagen von sbo78 vollkommen einverstanden.Obwohl nicht wenige in meinem Bekanntenkreis behaupten,dass der mögliche Abschwung (vielleicht sogar eine rezession) ein rein amerikanisches Problem sein wird,bin ich der Meinung,dass vor allem Exportorientierte Länder wie Deutschland und die Schweiz etwas zeitversezt die Auswirkungen einer Rezession in den Staaten zu spüren bekommen.Vielleicht nicht in der Masse wie vor 10 Jahren der Fall wäre,aber spürbar wäre es trotzdem…Die USA sind ein Markt von immerhin fast 300 Mio. Konsumenten.

    Von einer Entkopplung der europäischen Wirtschaft von der amerikanischen mag ich nicht so überzeugt sein,schliesslich sind andere aufstrebende Wirtschaften wie die indische und (vor allem) die chinesische stark auf US-Konsumenten gerichtet.

    Aber das ist nicht der einzige Punkt.Der andere Punkt ist,dass falls es zu eine Rezession in den Staaten kommt und Auswirkungen in Deutschland spürbar werden,dann wird es zu spät sein Reformen einzuführen.Die Zeit für Reformen wäre vorbei,die Regierung Merkel hätte eine einmalige,ja historische Gelegenheit dazu Verpasst.Das Ergebnis wäre erst nach 6 oder 7 Monaten sichtbar und zwar in Form von steigenden Arbeitslosenzahlen wie nach dem Zusammenbruch der New Economy…sowas nennt man in der Mathematik „Rückkoplungseffekt“,das gemeine ist,dass diese Effekte immer zeitverzögert sind,deswegen:wach sein und keine Meldungen à la IFO überschätzen.

  10.   inti

    @ strong euro will hurt

    annahme: der $ ist schwach, nciht der euro stark
    siehe: währungen von japan, china, brasilien

    waehrungskurs.de/content/kurse/index.php
    ^^ auf dollar stellen und rote verluste bewundern auf z.b. 1 jahr oder auf 6 jahre …

    daher treten nur die usa irgendwann als wettbewerber bei exportartikeln auf

    deutsche exportprodukte:
    -autos
    -maschinenbau
    -chemie

    mal ehrlich, wer will nen amerikanischen sprit-fresser kaufen bei solchen ölpreisen? die deutschen autos gewinnen durch den real steigenden ölpreis an wettbewerbsfähigkeit da die halter nicht in gleichem masse von höheren ölpreisen betroffen sind, das lässt preisspielraum nach oben entstehen

    maschienenbau, behaupte ich mal, deutschland ist da nur so gut drin, weil qualität und innovationen spitze sind. viel wichtiger aber für die betrachtung muss sein, dass gerade eine anziehnede inflation weltweit zu beachten ist, die wird mit steigenden zinsen bekämpft werden … hohe zinsen = anreiz zur kapitalakkumulation, die am ende real zu investitionen führen, sprich maschinen. auch vor dem hintergrund, dass asien noch arbeitsintensiv produziert und auf kapitalintensiv umsteigen wird haben wir es vermutlich mit einem trend für die nächsten jahrzehnte zu tun, dass die nachfrage nach maschineen steigen wird. sprich deutschland wird vielleicht marktanteile verlieren, das volumen aber weiter wachsen, da sich die qualitäts- und innovationsniesche vergrößeren wird.

    chemie … kein schimmer kenn ich mich nicht aus, kann ja vielleicht jemand anderes was dazu schrieben

    😛 ich wollte hier auch schon immer mal schrieben, dass ich was wette, und ich wette, dass dieses jahr in deutschland mindestens 3% wachstum am jahresende zu buche stehen (die 3 aber nur wegen statistischen basiseffekten)