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EZB muss Rücksicht auf Konjunkturrisiken nehmen

 

Wie schnell sich die Dinge ändern: Vor ein paar Tagen sah es noch ganz danach aus, als erwäge die EZB ernsthaft, die Zinsen zu erhöhen. Die Lage bei den Auftragseingängen sah hervorragend aus, ebenso bei der Industrieproduktion, der Ifo-Geschäftsklimaindex war einige Monate in Folge wieder geklettert, die Beschäftigung im Euroraum lag um anderthalb Prozent über dem Vorjahreswert, die Arbeitslosenquote war auf 7,2 Prozent gefallen, den niedrigsten Wert seit Beginn der Währungsunion, die Geldmenge M3 schien völlig außer Kontrolle geraten zu sein, jedenfalls aus Sicht der EZB, und vor allem war die Inflation bei den Verbraucherpreisen im März auf 3,6 Prozent geklettert. Der starke Euro hatte bislang keine Spuren im Außenhandel hinterlassen.

Zudem hatte der IWF erneut prognostiziert, dass sich das Wachstum des globalen BIP in diesem und im nächsten Jahr nur ein bisschen abschwächen würde, jedenfalls nicht annähernd so stark wie zu Beginn des Jahrzehnts, als es zum letzten Mal zu einer Wachstumsdelle gekommen war. Da die Weltwirtschaft sich damit im Grunde weiterhin in einem Zustand der Hochkonjunktur befindet, dürften die Rohstoffpreise daher hoch bleiben, so dass die Inflationsaussichten von dieser Seite her nach wie vor schlecht waren. Was den Euroraum betraf, bestand, oder besteht, zwar Konsens darüber, dass sich das Wachstum in diesem Jahr verlangsamen würde, aber insgesamt schien sich realwirtschaftlich alles moderat und einigermaßen im Gleichgewicht zu entwickeln, wie es sich für den alten Kontinent gehört. Das einzig Irritierende war die Inflation. Wenig sprach jedenfalls dafür, dass die EZB die Zinsen senken sollte, was wiederum der Grund für die Aufwertung des Euro war – die Fed befand sich demgegenüber auf Expansionskurs.

Das Bild hat sich in den letzten Tagen nun doch ziemlich eingetrübt, so wie es angesichts des starken Anstiegs der Einfuhrpreise in den letzten Monaten und des festen Euro eigentlich schon längst fällig gewesen wäre.

Wir erleben gerade einen massiven Verlust an Kaufkraft. Die Kommentatoren regen sich darüber auf, dass die deutschen Renten in diesem Sommer statt um 0,5 Prozent um nicht weniger als 1,1 Prozent steigen werden. Real sinken sie aber um rund 2 Prozent. Im Euroraum gehen die Löhne neuerdings real ebenfalls zurück. Das reflektiert die Schwäche im Kampf um die Anteile am globalen Output, in dem sich Euroland zur Zeit gegenüber den Rohstoffexporteuren auf der Verliererseite befindet. Gäbe es nicht den festen Euro, wäre die Lage natürlich noch viel schlimmer. Die USA müssen ohne einen solchen Puffer auskommen – dort liegen die Einfuhrpreise um 13,4 Prozent über ihrem Vorjahresniveau.

Inzwischen ist nicht mehr zu leugnen, dass die jetzige Ölkrise ähnlich ernst ist wie die zu Beginn der achtziger Jahre. Wenn der Ölpreis nicht in Kürze deutlich fällt, ist es schwer vorstellbar, wie der private Konsum in Fahrt kommen soll. Vom Wechselkurs her gewinnen die Haushalte zwar tendenziell an Kaufkraft, die Explosion der Preise für Energie und Nahrungsmittel führt aber leider dazu, dass es unterm Strich zu einem Verlust kommt. Nicht zu vergessen im Übrigen, dass es ja seit einiger Zeit auch beträchtliche negative Vermögenseffekte in den Ländern des Euroraums gibt, in denen die Konjunktur lange von steigenden Immobilienpreisen stimuliert worden war. Das gilt insbesondere für Spanien und Irland, etwas weniger auch für Italien und Frankreich. Vom Konsum in diesem Jahr viel zu erhoffen ist reines Wunschdenken.

Der “überteuerte Euro”, wie das gestern Nikolaus Piper in der Süddeutschen Zeitung geschrieben hat, “schadet der europäischen Exportwirtschaft. … der Druck auf alle Firmen, die in den Dollarraum exportieren, nimmt zu, je länger die Währungsspekulation dauert.” Das ist richtig, wird dem Ernst der Lage aber nicht gerecht. Denn erstens leiden auch solche deutschen und europäischen Anbieter unter dem schwachen Dollar, die nicht exportieren (weil sich der Wettbewerb mit den Amerikanern im Inland ebenfalls verschärft), sondern es haben zweitens selbst diejenigen Exporteure größere Schwierigkeiten, die nicht in den Dollarraum exportieren, etwa nach Japan oder nach Großbritannien – die amerikanischen Unternehmen sind einfach überall vom Preis her im Vorteil. Es regt mich auf, dass in der Presse immer nur die Unternehmen, die in den Dollarraum exportieren, als Leidtragende gelten.

Und des weiteren: Haben wir es wirklich nur mit einer Währungsspekulation zu tun? Der Dollar ist schwach, weil es zu viel davon gibt, und weil die Erträge aus Dollaranlagen wegen der US-Rezession (bei Aktien und Immobilien) und der expansiven Geldpolitik (bei Anleihen und Geldmarktpapieren) zur Zeit nicht attraktiv sind. Die Abwertung des Dollars war überfällig, weil das reichste und größte Land nicht auf Dauer der größte Nettokapitalimporteur bleiben konnte – in anderen Regionen der Welt kann man mit seinem Kapital schließlich mindestens so hohe Erträge erzielen wie in den USA, vor allem in den Schwellenländern Asiens und Osteuropas. Die Anleger haben immer weniger Lust, ihr “concentration risk”, wie das Allan Greenspan mal genannt hat, weiter zu erhöhen, also alle Eier in den amerikanischen Korb zu stecken. Wenn es nur um Währungsspekulation ginge, könnte man schon bald eine Umkehr des Wechselkurses erwarten. Es geht aber um mehr, nämlich um den Abbau des zentralen weltwirtschaftlichen Ungleichgewichts. Eine neue Struktur der relativen Preise, die das bewirkt, lässt sich am leichtesten über die Wechselkurse erreichen. Das hat wenig mit Spekulation, aber viel mit Marktwirtschaft zu tun, der Deflation einer Blase.

Ifo Geschäftsklima April 2008

Ich vermute, dass der starke Rückgang des Ifo-Index in diesem Monat durch die anhaltende Konsumschwäche im Inland und den scharfen Gegenwind auf den Devisenmärkten zu erklären ist. Auch der außerordentlich geringe Anstieg der Geldmenge M1 im März (2,9 Prozent ggVj) ist für mich ein Indiz, dass die europäische Nachfrage in den kommenden Monaten schwächer ausfallen wird. Der Rückgang der Zuwachsrate von M3 von 11,3 Prozent im Februar auf 10,3 Prozent im März weist in dieselbe Richtung, ebenso wie die schwache Kreditvergabe an die Haushalte (5,4 Prozent ggVj). Offenbar bricht die Nachfrage nach Hypotheken gerade weg. Es verblüfft nur auf den ersten Blick, dass gleichzeitig die Kredite an Unternehmen außerhalb des Finanzsektors trotz höherer Geldmarktsätze, gestiegener Bonitätsanforderungen und ungünstigerer Konjunkturaussichten immer stärker expandieren: Da der Markt für Unternehmensanleihen zur Zeit wenig aufnahmefähig ist, gewinnen die traditionellen Bankkredite an Bedeutung. Die monetären Indikatoren dürften, was den Inflationsdruck angeht, auf die EZB erstmal beruhigend wirken. Ebenso die deutschen Einfuhrpreise, die im März gegenüber dem Vormonat trotz des neuen Ölpreisschubs saisonbereinigt nicht mehr gestiegen sind.

Euroland - Headline und Core Inflation

Insgesamt ist es erst einmal unwahrscheinlicher geworden, dass die EZB tatsächlich die Zinsen erhöhen wird. Weil die Märkte das auch so sehen – und die Fed nach der nächsten Senkung wohl eine Pause einlegen wird – hat sich der Euro heute stark abgeschwächt. Importierte Rohstoffinflation lässt sich ohnehin nicht mit einer restriktiven Geldpolitik bekämpfen, oder nur um den Preis einer Rezession. Wir sollten besser die Steuern auf den Energieverbrauch erhöhen, die übrigen indirekten Steuern aufkommensneutral senken und die ungerechtfertigte Bevorzugung von Diesel und Kerosin beenden. Let’s raise the taxes on oil, and we’ll dance on OPEC’s grave, hat mal ein kluger Mann gesagt – fragen Sie mich aber bitte nicht, wer das war.

43 Kommentare

  1.   EuroOptimist

    Ich kann es nicht fassen, obwohl ich zeit meines Lebens ein Anhänger höherer Mineralölsteuern bin: Sie wollen JETZT die Mineralölsteuern erhöhen?! Wer soll das vorschlagen oder gar durchsetzen?

  2.   mylli

    “Die Abwertung des Dollars war überfällig, weil das reichste und größte Land nicht auf Dauer der größte Nettokapitalimporteur bleiben konnte”

    –> Das größte Land ist Russland, das reichste wohl irgend ein Ölstaat, ein Finanzparadies oder vielleicht gar der Vatikan, wie manche behaupten?

    Selbst größter Wirtschaftsraum sind die USA wegen des schwachen Dollar ja nicht mehr, sondern inzwischen von der EU überholt worden.

    “Let’s raise the taxes on oil, and we’ll dance on OPEC’s grave, hat mal ein kluger Mann gesagt – fragen Sie mich aber bitte nicht, wer das war.”

    –> google meint, der Spruch ist aus dem Herdentrieb. 😉

    Ich befürchte, Deutschland, Eurozone, EU sind zu schwach, um es mit der OPEC langfristig aufzunehmen. Wir müssten schon den Ölverbrauch fast auf 0 drosseln, um die wirklich ernsthaft zu stören.


  3. >Es verblüfft nur auf den ersten Blick, dass gleichzeitig die Kredite an Unternehmen außerhalb des Finanzsektors trotz höherer Geldmarktsätze, gestiegener Bonitätsanforderungen und ungünstigerer Konjunkturaussichten immer stärker expandieren:

    Ehrlich gesagt, verblüfft es mich nicht mal auf den ersten Blick, und ich biete eine Alternativerklärung an: LIBOR-Positionen zwischen den Banken sind nicht besichert, Bankkredite aber sind besichert. Und da die langfristigen Kapitalmarkzinsen tendenziell niedriger sind, sind die beliehenen Assets der Unternehmen rechnerisch sogar mehr wert. Natürlich nur dann, wenn die Gewinnerwartungen zumindest konstant bleiben. Die Erhöhung der Geldmarktsätze kommt also nicht aus einer etwa gestiegenen Liquiditätsprämie des Geldes, sondern schlicht und ergreifend aus höheren Risikozuschlägen.

    Oder anders gesagt: hier zeigt sich nur, dass die Zentralbank in Wahrheit machtlos ist, weil nicht der “Preis” von Liquidität das Thema, sondern das Verlustrisiko.

    >Auch der außerordentlich geringe Anstieg der Geldmenge M1 im März (2,9 Prozent ggVj) ist für mich ein Indiz, dass die europäische Nachfrage in den kommenden Monaten schwächer ausfallen wird.

    Mag gut sein, dass die Nachfrage der kommenden Monate schwächer wird. Ich behaupte aber, dass die Veränderung von M1 nicht zukünftige (aggregierte) Nachfrage anzeigt, sondern vergangene. Spannend hinsichtlich der Zukunft ist lediglich die Kreditnachfrage. Und da haben wir ein gemischtes Bild, wie zutreffend dargestellt.

    > Der Dollar ist schwach, weil es zu viel davon gibt

    Herrschaften, bitte … auch der Dollar existiert selbstredend nicht “netto”, hinter jedem einzelnen $ steht natürlich ein Kredit, mit dem viele schöne und nicht so schöne Dinge finanziert wurden, was die Party am Laufen hielt, von der wir jetzt alle Muffensausen haben, dass sie zu Ende geht. Man kann kann sicherlich die ganze Nacht saufen, aber dann sollte man sich am nächsten Morgen nicht wundern, wenn man einen fürchterlichen Kater hat.

    Und wenn Minsky recht hat (wovon ich mal ausgehe), dann sind die ganzen vielen Dollars eine ausschliesslich endogene Erscheinung, an der man so richtig auch niemand die Schuld geben kann. Außer dem Kapitalismus selbst, diesem alten Schlingel …

    >Die monetären Indikatoren dürften, was den Inflationsdruck angeht, auf die EZB erstmal beruhigend wirken.

    Solange die Neukreditvergabe ordentlich wächst, kann die EZB in Sachen Inflation eigentlich nicht beruhigt sein, oder? Und wenn sie nicht mehr wächst, dann sollte sie erst recht nicht mehr beruhigt sein. Meiner Meinung nach befindet sie sich “between a rock and a hard place”, bekanntlich nicht sehr komfortabel.

    Ich muß ihr aber trotzdem an dieser Stelle mal ein Riesen-Kompliment machen: anders als Heusinger und viele Poster hier empfinde ich den gesamten bisherigen Kurs der EZB während der Krise als sehr souverän. Der Funktion des “Lender of last resort”
    ohne wenn und aber nachgekommen, und ansonsten absolut cool geblieben. Chapeau!

    >Insgesamt ist es erst einmal unwahrscheinlicher geworden, dass die EZB tatsächlich die Zinsen erhöhen wird.

    Bitte … hat das ernsthaft jemand geglaubt?

    >Importierte Rohstoffinflation lässt sich ohnehin nicht mit einer restriktiven Geldpolitik bekämpfen, oder nur um den Preis einer Rezession.

    Eben.

    >Wir sollten besser die Steuern auf den Energieverbrauch erhöhen, die übrigen indirekten Steuern aufkommensneutral senken und die ungerechtfertigte Bevorzugung von Diesel und Kerosin beenden

    Sie meinen wohl, die übrigen indirekten Steuern senken, so daß zusammen mit der Erhöhung der Energieverbrauchssteuern Aufkommensneutralität besteht, oder? – Ja, das wäre keine üble Idee. Wird aber in Deutschland wieder mal nicht funktionieren, weil vermeintlich “sozial ungerecht”.

  4.   Heinrich Kaspar

    Was die EZB allerdings nicht tun darf ist ein angebotsseitiges Problem — hoehere Energiepreise — wie ein nachfrageseitiges zu behandeln und monetaer zu akkomodieren. Das erzeugt nichts als Inflation. GEnau das ist mAn die Hauptlehre der Oelkrisen der 70er und 80er Jahre.

    Gruss
    HK

  5.   Michael Dietz

    @Dieter Wermuth
    Ich vermute, dass der starke Rückgang des Ifo-Index in diesem Monat durch die anhaltende Konsumschwäche im Inland und den scharfen Gegenwind auf den Devisenmärkten zu erklären ist. “24.04.2008 18:59
    DE: Einzelhandelsumsätze aufwärts revidiert
    Wie die Deutsche Bundesbank am Donnerstag bekanntgab, ist die Entwicklung im deutschen Einzelhandelim Februar deutlich besser ausgefallen als zuvor gemeldet. Die Einzelhandelsumsätze seien im Februar nur um 0,7% anstelle der ursprünglich ausgewiesenen 1,6% gefallen, hieß es in der heutigen Revision.” Wen wundert die hohe Inflationsrate. Ist sie nicht völlig logisch ? Die Arbeitslosenquoten sollen stimmen ? Alles in Allem ein Fall für mylli, Meisterwerke der Statistik.

    Sie haben schon recht, Herr Wermuth, es handelt sich nicht nur um Wechselkursspekulation. Da stehen ziemlich eindeutig die Interessen Europas gegen die der Gesellschaften mit Produkttion im $-Raum überkreuz. Aber das entscheidet der Markt, dieses Jahr noch mit gesenktem Daumen, nächstes Jahr vielleicht mit gehobenem. Ich würde den Dollar nicht mal mit Gummihandschuhen anfassen, da hängt einfach zu viel Sch… dran. Bevorzuge also CHF, wenn Gold mal wieder 300 €/oz kostet, das auch.

    Sicher, die Landwirtschaft kann die Mineralölsteuer steuerlich absetzen, Kerosin ist steuerfrei. Für Dienstwagen kann man den Spritpreis steuerlich geltend machen. In der Tat, ich könnte mich für eine steuerliche Gleichbehandlung erwärmen. Lassen wir die Pendlerpauschale komplett weg. Und erheben eine einheitliche, sehr viel niedrigere, Mineralölsteuer.

    Ansonsten liegt der Dieselpreis in den USA gerade bei umgerechnet 69 Eurocent, bei uns löhnt man ziemlich genau das Doppelte

    tonto.eia.doe.gov/dnav/pet/hist/emd_epd2dxl0_pte_nus_cpgw.htm

    Der Puffer, ohne den die USA auskommen müssen, sind niedrigere Verbrauchersteuern. Schauen wir uns den Uranpreis an. 65 $/p, stark gefallen.

    uxc.com/review/uxc_Prices.aspx

    Was das heißt, Energiesteuern wären es nicht. Es ist an der Zeit dem Treiben an den Terminmärkten ein Ende zu bereiten. Wenn das nicht dieses Jahr kommt, dann nächstes.


  6. […] Der Zick-Zack-Kurs der europäischen Notenbank ist auch Herdentrieb (unangenehm?) aufgefallen und ist Gegenstand einer aktuellen Kolumne: EZB muss Rücksicht auf Konjunkturrisiken nehmen. […]

  7.   Dieter Wermuth

    @ EuroOptimist

    Ich hatte “aufkommensneutral” gesagt, würde also andere indirekte Steuern in der Summe um genauso viel senken, wie ich die Steuern auf Diesel, Kerosin, Heizöl, Gas, Kohle und Strom erhöhen würde. Kandidaten sind zum Beispiel die Kfz-Steuer (am besten ganz weg damit!), oder die Grunderwerbsteuer, oder natürlich die Mehrwertsteuer. Die Pendlerpauschale müsste im Verlauf der nächsten zehn oder zwanzig Jahre auf Null reduziert werden – warum subventionieren wir immer noch das Autofahren? Alles leider nicht leicht durchzusetzen, erfordert teilweise eine Reform des Bund-Länder-Finanzsystems.

    Grüße, DW

  8.   egghat

    “Es regt mich auf, dass in der Presse immer nur die Unternehmen, die in den Dollarraum exportieren, als Leidtragende gelten.”

    Das habe ich auch schon so oft gedacht. Denn wir importieren schließlich auch aus dem Dollarraum. Und wenn der Dollar sinkt, importieren wir mehr.

    Und zur Diesel- und Kerosinsteuer: Volle Zustimmung. Die Grünen hatten IMHO genau ein einziges sauberes Konzept: Die CO2 Steuer. Leider haben die in 7-Jahren an der Macht auch nicht einen einzigen Schritt in die richtige Richtung gemacht. Der Liter Diesel, der mehr CO2 erzeugt als ein Liter Benzin, wird immer noch niedriger besteuert und Kerosin gar nicht. Völliger Schwachsinn.

  9.   andi

    >>Wir sollten besser die Steuern auf den Energieverbrauch erhöhen, die übrigen indirekten Steuern aufkommensneutral senken und die ungerechtfertigte Bevorzugung von Diesel und Kerosin beenden

    >Sie meinen wohl, die übrigen indirekten Steuern senken, so daß zusammen mit der Erhöhung der Energieverbrauchssteuern Aufkommensneutralität besteht, oder? – Ja, das wäre keine üble Idee. Wird aber in Deutschland wieder mal nicht funktionieren, weil vermeintlich “sozial ungerecht”.

    So offenbar “vermeintlich” ist dies jedoch nicht, schließlich untergräbt die vorgeschlagene Änderung zu einem guten Teil das Prinzip der Steuerprogression, die in bspw. Einkommens- und (also auch bei der indirekten) Mehrwertsteuer gegeben ist. Ein Ausgleich in dieser Angelegenheit und tatsächlich eingehaltene Aufkommensneutralität, und die Sache wäre potentiell möglich. Dumm nur, dass bei unserer Haushaltsentwicklung Steueraufkommensneutralität nur auf Kosten von unpopulären Sozialkürzungen erreicht werden kann und daher vermieden wird

  10.   mylli

    Die Angleichung der Steuern auf Diesel, Benzin und Kerosin ist sicher eine gute Idee. Bei Kerosin ist ja immer eine Begründung, dass der Luftverkehr meist international ist und man deswegen nicht verhindern kann, dass die Flieger woanders aufgetankt werden. Ich glaube aber nicht, dass z.B. die Lufthansa in Zukunft Außentanks unter den Tragflächen ihrer Maschinen anbringen wird oder das System der Luftbetankung einführt, um die Strecke München – Shanghai – München ohne Auftanken in der EU fliegen zu können. Ich bin zwar kein Freund übertriebener Bürokratie, man könnte vielleicht trotzdem einführen, dass jeder Flieger, der in der EU landet, zumindest für die innerhalb der EU geflogenen Kilometer in Form eines “Air-Road-Pricing” zahlt, unabhängig von der getankten Menge.

    Richtung C02 Steuer: Wenn die Steuern auf Treibstoffe dieses Label bekommen sollen, dann muss auch Heizöl gleich hoch besteuert werden. Erdgas entsprechend der besseren Abgasbilanz etwas niedriger.

    Nun noch zu den „LKW-Friends on the road”: Ich vermute, die Frächterlobby ist ein Grund für die steuerliche Ungleichbehandlung von Benzin und Diesel. In den nächsten Jahrzenten soll ja der internationale Schwerverkehr massiv zunehmen und ein Gefahrenpotential auf Fernstraßen ist der Geschwindigkeitsunterschied zwischen LKW und PKW.

    Mein Vorschlag: Getrennte Autobahnen und Lastwagenbahnen, jede Gruppe kommt vollständig für den Betrieb und Ausbau der von ihr benutzten Infrastruktur auf und zahlt zusätzlich für die von ihr verursachten externen Kosten.