So funktioniert Kapitalismus

Darf Axel Weber noch zur EZB?

Von 24. Juni 2010 um 00:30 Uhr

Ich bin on-the-record mit einem vorsichtigen endorsement von Axel Weber als Präsident der Europäischen Zentralbank. Nach seiner Entscheidung, gegen den Kauf von Staatsanleihen zu stimmen und seine Kritik am Kurs des EZB-Rats, dem er selbst angehört, auch noch öffentlich zu machen, wird er im Ausland skeptischer beurteilt. Paul Krugman hat im Handelsblatt gegen Weber Stellung bezogen, auch in der EU regt sich offensichtlich Widerstand, wollen ebenfalls die Düsseldorfer Kollegen erfahren haben (leider kein Link).

Ich bin unschlüssig. Ich halte den Kauf von Staatsanleihen in der Situation, in der Europa nun einmal war, für alternativlos und bin der Meinung, Differenzen im Zentralbankrat sollten auch da bleiben. Ich habe Weber in dem Artikel damals unterstützt, weil ich glaube, dass er viel pragmatischer ist, als viele denken, dass er gute Leute zur Bundesbank geholt und sie so nach vorne gebracht hat (wenn die Volkswirte in der Bundesbank nicht gewesen wären, wären wir in dieser Krise völlig untergegangen) und dass er sich allein durch die konservative veröffentlichte Meinung in Deutschland gezwungen sieht, den Falken zu spielen.

Wenn er erst einmal an der Spitze der EZB ist, so dachte ich, dann lernen wir den wahren Weber kennen und dann ist er souverän genug, die Kritik der monetären Taliban in deutschen Universitäten und Redaktionsstuben an sich abprallen zu lassen. Die meisten von ihnen stecken er und seine Leute analytisch locker in die Tasche.

Ich glaube immer noch, dass Weber ein kluger und pragmatischer Ökonom ist. Was ich mich frage ist: Wie souverän ist er wirklich?

Kategorien: Leitwährungswatch
Leser-Kommentare
  1. 1.

    Dass Axel Weber ein fähiger EZB-Chef sein würde, steht wohl außer Zweifel. Als engster Finanzberater der Kanzlerin hat er viel zu den jüngsten Finanzentscheidungen der Bundesregierung beigetragen. Nur dürfte er sich in seiner Attacke gegen Trichet gar zu stark für die deutschen Belange engagiert haben, um von den übrigen 15 Euro-Ländern jetzt noch als fair und unparteiisch gesehen zu werden.

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  2. 2.

    Alternativlos ist dann richtig, wenn man meint, daß Geldforderungen durch Staatshaushalte auf jeden Fall gesichert werden müssen. Das sind bloß nicht die Spielregeln des Kapitalismus.

    Ansonsten: Axel Weber ist der Horror der Amis. Die albernen Nobelschikanen, sowie die übrige Breitseite sind ein Ausdruck davon, daß die Amis vor Weber einen Respekt haben, den sie noch nicht mal für ihren eigenen Präsidenten besitzen.

    Es wird ihnen wohl jemand gesagt haben, daß sie das Währungsspiel gegen die Deutschen verlieren. Könnte sein, daß es Stiglitz war. Witzigerweise ist Baghwati davon überzeugt, daß Deutschland nur sein Frankreich – Problem lösen muß. Denn dann funktioniert sogar China nach Deutschlands Pfeife! (Mal abgesehen davon, daß China die deutsche Währungspolitik kopiert!!!!)

    Vor dem Hintergrund, daß Europa sich nicht zwischen Amis und Chinesen aufreiben darf: Axel Weber ist die letzte Chance für Europas Währung!

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    • 24. Juni 2010 um 03:29 Uhr
    • enigma
  3. 3.

    “Ich bin unschlüssig. Ich halte den Kauf von Staatsanleihen in der Situation, in der Europa nun einmal war, für alternativlos und bin der Meinung, Differenzen im Zentralbankrat sollten auch da bleiben.”

    TINA.
    Natürlich gab es Alternativen. Wenn man sich bei Lehmann nicht traute, und auch keinen Plan von der Situation hatte und keine Pläne zum Umgang damit in der Schublade, muss das kanpp zwei Jahre später anders aussehen.

    Diese Finanzarchitektur ist nicht mehr zu retten, bzw. nur mit dauerhaften riesigen Transfers in der Euro-Zone.
    Was prinzipiell möglich wäre, der eine hat eben lieber den Arbeitsplatz, der andere das Produkt (und logisch auch den Kredit und anschließend die Kreditrettung).

    Natürlich geht es nicht mit der aktuellen Ausgestaltung: Lohndrückung großen Ausmaßes (Lohnquote), begründet mit “Wettbewerbsfähigkeit”, Kapitaleigner profitieren, die Rettung bezahlen dann “alle” (de facto Sparpaket alle außer oben).
    Darauf habenb die Hartwährungslandarbeitnehmer sicher nicht mehr lange große Lust.

    Das Märchen von der Sicherung der kapital”gedeckten” Altersvorsorge etc. dürfte sich auch demnächst am Realitätstest in Luft auflösen.
    Und damit das letzte Argument für Dödel Steuerzahler, das Finanzsystem weiter zu stützen.

    ABer ich schweife ab. :rolleyes:
    Jedenfalls kein TINA, die Massnahme löst ja das Problem nicht, sondern verlagert es nur in die Zukunft.

    Ob Weber mit seiner Kritik, die mir eher “Inflations”orientiert scheint, richtig liegt, ist noch eine andere Frage. Jedenfalls steht er für einen unabhängige Notenbank, dass ist heute schon viel.

    Internes sollte intern bleiben; das ist grundsätzlich richtig.
    Wenn ich jedoch grundsätzlich nicht mit dem Kurs einverstanden bin und ein stilles Mittragen nicht verantworten kann, warum nicht öffentliche Kritik; kann eventuell etwas bewegen, mehr als ein Rücktritt.

    Ob er sich wirklich aus taktischen Gründen, um Chef zu werden, so äußert, wie kolportiert, sei mal dahingestellt.
    Nachvollziehbar schein tmir dies nicht, schließlich entscheiden Politiker.

    Es wird ja auch kolportiert, dass Merkel als Gegenleistung für den notenbänkerischen Tabubruch den Posten für Weber ausgehandelt hat.
    Quasi: lieber jetzt noch zig Milliarden, dafür dann den Weber als Chef. (wobei zu fragen bliebe, ob denn die deutschen Politikoberen das Spiel schon wirklich kapiert haben).

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    • 24. Juni 2010 um 09:57 Uhr
    • Thomas Pittner
  4. 4.

    @ enigma
    “Es wird ihnen wohl jemand gesagt haben, daß sie das Währungsspiel gegen die Deutschen verlieren. Könnte sein, daß es Stiglitz war. Witzigerweise ist Baghwati davon überzeugt, daß Deutschland nur sein Frankreich – Problem lösen muß. Denn dann funktioniert sogar China nach Deutschlands Pfeife! (Mal abgesehen davon, daß China die deutsche Währungspolitik kopiert!!!!)”

    Sehr interessant; aber gehts auch ein klein wenig genauer?

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    • 24. Juni 2010 um 10:00 Uhr
    • Thomas Pittner
  5. 5.

    Die Vorwürfe gegen die Bundesbank sind mehr als ungerechtfertigt. Die Bundesbank tut alles um den Euro zu retten. Aus dem gestern veröffentlichten Monatsbericht kann man entnehmen, dass die Forderungen der Bundesbank innerhalb des Eurosystems auf 267Mrd. hochgeschnellt sind. Die Bundesbank stellt den anderen Ländern via Target 2 die fehlende Liquidität bereit. Sorgen bereiten weiterhin die Nettoauslandsschulden der Eurozone von 1,5Billionen. Erst diese ermöglichen es die Eurozone anzugreifen. Wird unter diesen Randbedingungen die Bonität der Eurozone oder einzelner Mitglieder angezweifelt, kann sie sich schlecht dagegen wehren. Die USA können von Glück sagen, dass trotz der 3Billionen Nettoauslandschulden an ihre Bonität geglaubt wird. Wird an der Bonität angezweifelt muss sie wiederhergestellt oder die Kredite zurückgeführt werden, da hilft gar nichts. Hätten wir unseren eigenen Währungsraum, könnten wir die Binnennachfrage ankurbeln, so aber müssen erst die südlichen Länder und Frankreich leistungsfähiger werden, bevor wir dieses tun können.

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  6. 6.

    @dunnhaupt 1
    “Dass Axel Weber ein fähiger EZB-Chef sein würde, steht wohl außer Zweifel.”
    Nein, steht es nicht. Ich zweifel mit vielen andereren sehr stark daran.

    “Als engster Finanzberater der Kanzlerin hat er viel zu den jüngsten Finanzentscheidungen der Bundesregierung beigetragen.”
    Eben.

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    • 24. Juni 2010 um 13:31 Uhr
    • Thomas Müller
  7. 7.

    @ Thomas Müller 6:
    Hast Du wirklich nicht gemerkt, dass das Satire war?

    Antworten

  8. 8.

    Also für eine Satire passt der letzte Satz nicht.

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    • 1. Juli 2010 um 09:03 Uhr
    • Thomas Müller
  9. Kommentar zum Thema

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