So funktioniert Kapitalismus

Warum Schulden gut sind für unsere Kinder

Von 28. Juli 2010 um 19:47 Uhr

Interessanter Beitrag von Robert Skidelsky heute in der FT: Er stellt sich unter anderem die Frage, ob die steigenden Schulden die nachfolgenden Generationen belasten – eine unter Grünen genau so beliebte These wie unter Neuen Sozialen Marktwirtschaftlern. Ist ja auch klar: Wir machen die Schulden, unsere Kinder müssen sie zurückzahlen – oder?

Aber halt:

Contrary to a widespread view, the deficit does not impose a burden on future generations. There is no repayment burden because the government, unlike private individuals, can and normally does repay its maturing debts by borrowing again.

Wenn die Schulden also auslaufen, nimmt man einfach neue auf. Aber wie ist das mit Zins und Zinseszins?

As for the interest burden that is said to arise when the interest is paid by taxation rather than by fresh borrowing, it is merely a transfer payment. Income is transferred from taxpayers to bond-holders. In the case of the UK, most of these bond-holders are domestic. The transfer is therefore a redistribution rather than a loss of income.

Same same no different in good old Germany. Unsere Bondholder sitzen auch größtenteils zu Hause. Wir vererben also mit den Schuldenbergen auch die Guthabenberge. Deshalb haben Staatsschulden rein logisch betrachtet nichts aber auch gar nichts mit Generationengerechtigkeit zu tun. Wenn der Staat heute 1000 Euro Schulden aufnimmt, dann muss er diese morgen mit Zinsen zurückzahlen – aber eben und das ist der Clou an seine eigenen Bürger.

Zeit ist bei Lichte betrachtet eine Abfolge von Perioden und jede Periode ist ein für sich geschlossener Kreislauf aus Guthaben und Schulden, da wird nichts zwischen den Generationen hin- und hergeschoben. Wenn der Staat also meint, dass die Schuldenlast in einer bestimmten Periode zu hoch ist, und zu viel Geld der Taxpayer an die Bondholder fließt, dann muss er sich das Geld eben von letzteren wieder zurückholen. Wenn also heute das Geld für neue Schulen fehlt: Auf Kredit bauen und den Gläubigern später die Zinsen wegsteuern. Das ist echte Nachhaltigkeit.

Ich gebe allerdings zu, dass das in der Praxis alles nicht so einfach ist. Und bei den Griechen sieht es natürlich etwas anders aus, denn deren Bondholder sitzen im Ausland.

Kategorien: Der Zeitungsleser
Leser-Kommentare
  1. 41.

    > Wenn der Staat also meint [...], dann muss er sich das Geld eben von
    > letzteren wieder zurückholen.

    Warum übehaupt Schulden machen, und nicht gleich das Geld auf diese Weise holen.

    Antworten

    • 31. Juli 2010 um 14:54 Uhr
    • Karl
  2. 42.

    Steuerehrlichkeit

    Paul Kirchhoff strebte das mit seiner Steuererneuerung an.
    Wurde noch vor der Wahl ins Nirvana geschickt.
    Dies und Peer Steinbrück vor der letzten Bundestagswahl über die Unmöglichkeit einer Vereinfachung des Steuerrechts zeigen die “Ernsthaftigkeit” von Volksparteien diese Lösung umzusetzen.

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    • 1. August 2010 um 15:38 Uhr
    • Rebel
  3. 43.

    Dabeisein!?

    ftd.de/…/:labor-europa-eu-kommission-hier-spricht-die-zentrale

    Wie ernst meinen es die Staaten und wir mit Europa?

    Antworten

    • 1. August 2010 um 18:15 Uhr
    • Rebel
  4. 44.

    @ Rebel

    Und vor allem: mit welchem Europa?
    EIn technokratisch korrekt nach Regeln in die Depression gespartes?

    Na wir können ja noch hoffen, dass die BRIC dann alle unseren schönen Sachen kaufen wollen.

    Oder wir erfinden was neues; Kreditbürgschaften für Afrika und wer sonst noch was haben will, aber direkt von der EZB, dann braucht man das auch nicht als Staatsschulden zu verteufeln.

    Antworten

    • 1. August 2010 um 22:24 Uhr
    • Thomas Pittner
  5. 45.

    “Na der gemeinte Schwachsinn liegt doch offenkundig darin, dass man über eine simple Saldenmechanik Forderungen ALS Vermögen bucht.”

    Jup, so was nennt man auch korrespondierende Buchhaltung, denn der eine hält die Forderung, der andere die Verbindlichkeitkeit. Wird die Verbindlichkeit nicht mehr bedient, ist die Forderung weg, der finanzierte Vermögensgegenstand (z.B. die Schule) ist aber noch vorhanden. So war es ja auch nach WW II. Der Staat hatte mehr Vermögen (nicht bilanziert) als Schulden.

    Das Problem an der ganzen Sache ist aber der Zinseszins. Dieser muss erwirtschaftet werden, in der Regel durch Steuern. Solange aber der Steuersatz kleiner als 100% ist, müssen die Zinsleistungen nicht allein aus den Zinserträgen, sondern aus dem übrigen Steueraufkommen finanziert werden. In der Regel bedeutet das, dass auch Bürger Steuern auf Zinsleistungen des Staates aufzukommen haben, auch wenn sie selbst keine entspr. Forderungen und daher Zinseinnahmen haben. Irgendwann knallt es, dann müsste auch dem dümmsten VWL´er klar werden.

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    • 2. August 2010 um 08:45 Uhr
    • Christian Wagner
  6. Kommentar zum Thema

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