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Die CDU zündelt

 

Wenn es noch eines Beweises bedurfte, dass die politische Klasse in Deutschland mit der Krise hoffnungslos überfordert ist, dann hat ihn die CDU jetzt erbracht. Ein europapolitischer Leitantrag für den Bundesparteitag sieht vor, dass Mitgliedsstaaten der Währungsunion diese wieder verlassen können. Um es mit dem Europaparlamentarier Markus Pieper zu sagen: „Wenn Polen kommt, darf Griechenland gehen.“

Wenn das Regierungslinie wird, wird es ein Desaster geben. Die Ewigkeitsfiktion ist zwingender Bestandteil einer Währungsunion. Wenn Länder nach Belieben kommen und gehen, dann ist die Euro-Zone keine Währungsunion mehr, sondern ein lockerer Währungsverbund. Das hat Konsequenzen: Das Wechselkursrisiko, das durch die gemeinsame Währung aus Europa verbannt werden sollte, kehrt zurück.

Offenbar denken Deutsche und Franzosen auch auf europäischer Ebene darüber nach, schwache Länder aus der Eurozone auszuschließen. Man braucht nicht viel Fantasie, um zu begreifen, warum das in der jetzigen Lage das Ende des Euro bedeuten würde. Die Investoren müssten plötzlich nicht nur eine Staatspleite, sondern auch eine Währungsreform fürchten. Wer wird mitten in der schwersten Krise seit Kriegsende noch in Italien oder Spanien investieren, wenn er damit rechnen muss, sein Geld wenn überhaupt dann in Lire oder Pesetas zurückzubekommen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit stark an Wert verlieren würden? Europa wäre innerhalb kürzester Zeit vom globalen Kapitalmarkt abgeschnitten.

Die Märkte werden die Schuldenstaaten also nicht disziplinieren, wie es sich die Deutschen erhoffen, sie werden sie schlicht aushungern – und das ist ihnen nicht einmal vorzuwerfen. Wer das anders sieht, der frage sich, ob er seine Ersparnisse unter diesen Umständen in Italien anlegen würde. Die Drohung mit dem Ausschluss ist in der gegenwärtigen Situation ein Brandbeschleuniger und kein Weg zu einem besseren Gleichgewicht. Die Märkte denken die Konsequenzen einer Entscheidung zu Ende und reagieren darauf – und führen damit eben diese Konsequenz herbei. So funktionieren sie nun einmal. Und wer sie bezwingen will, der muss sie verstehen. Das gelingt aber offensichtlich kaum jemandem in Berlin.

Nun leben wir in Demokratien. Und es steht den Bürgern Europas frei, zu den nationalen Währungen zurückzukehren. Das wird im Chaos enden, aber wenn die Deutschen unbedingt darauf Wert legen, dann sei es eben so.

Nur soll niemand sagen, er sei nicht gewarnt worden.

51 Kommentare

  1.   PBUH

    >Die Drohung mit dem Ausschluss ist in der gegenwärtigen Situation ein Brandbeschleuniger und kein Weg zu einem besseren Gleichgewicht.

    Griechenland, Portugal, Italien und Spanien werden ganz freiwillig austreten, Herr Schieritz, von Ausschluss reden nur sie.

    BTW: Börner: „Exporteure können ohne Euro leben“

    Nach Ansicht des Präsidenten des Deutschen Außenhandelsverbandes, Anton Börner, wird der Wert der Gemeinschaftswährung Euro für Deutschland überschätzt. „Wichtig ist für uns der freie Markt, wir brauchen nicht zwingend die gleiche Währung“, sagte Börner in Berlin. „Wir können auch ohne Euro leben.“ Sollte die Währungsunion zerbrechen, würde Deutschland sich wahrscheinlich mit anderen europäischen Ländern mit ähnlichen Strukturen zusammentun. Etwa mit Österreich, Finnland, den Niederlanden und Dänemark, sagte Börner.


  2. Da kann man sich nur die Haare raufen. Die deutsche Politiker der CDU und FDP die solch einen Schmarrn unterstuetzen, sollten wirklich sofort abdanken. Da geb ich PBUH Recht, die wollen weiter Vermoegen zerstoeren, dafuer sollte es eine Gefaengnisstrafe geben.

    Es geht hier um folgendes. Wenn man mal einen Weg eingeschlagen hat, dann muss man den auch verteidigen. Wenn es darum geht den Maerkten zu zeigen wer Herr im Hause ist, muss man das mit aller Macht machen.

    Und nicht einen Tag das, dann mal lieber keinen Schuldenschnitt, dann einen der freiwillig ist, aber 21%; dann einen der freiwillig ist, der 50% ist. Dann vielleicht wieder nicht, denn wenn man nachrechnet werden es soundso keine 50% sein, usw, usf. Das ist alles die Strategie der Bundesregierung die hier total daneben leigt. Die haben absolut versagt. Einen Weg einschlagen – wir verteidigen den Euro gegen angelsaechsische Spekulationsattacken, die den euroraum kaputt machen wollen. Es geht hier um alles. Es ist Krieg.

    Das gleiche gilt fuer so Typen wie Aussenhandelsfritze Boerner. Gestern war der Euro wunderbar, heute kommt es auf freie Maerkte an.

    Der Boerner kann sich naemlich auf was gefasst machen. Die freien Maerkte, wenn man den Euro mit so einem Bloedsinn kaputt redet, werden nicht mehr existieren in Europa, weil die Leistungsdefizitstaaten dann naemlich Aussenhandelskontrollen einfuehren werden, nachdem die alle Pleite sind. Den keiner wird ihnen mehr einen Cent leihen. Wieviel graue Zellen hat der Mann, dass der so einen Bloedsinn schreibt!

    Dann koenne wir sehen wo wir unsere BMWs verkaufen – China kann das nicht alles aufkaufen, was wir im Moment in den Rest Europas schicken.

    Wir koennen es dann wie die Schweiz machen, und haufenweise Schwachwaehrungen kaufen, um unsere Neue DM unten zu halten. Zusaetzlich gehen die Arbeitplaetze die man muehsam geschaffen hat mit Reallohneinbussen, in den letzten 8 Jahren, den Bach herunter. Denn der Export wird einbrechen.

    Dann tun wir uns mit Finnland und Daenemark zusammen, klasse. Gegen Frankreich – super Idee, hatten wir ja schon lange nicht mehr – gegen Frankreich. Das letzte mal war das 1945 glaub ich! Wenn einer glaubt dass die Fransosen und die Suedlaender immer noch einen freien Markt haben wollten, wenn so ein Stuss eingefuerht werden sollte, der traeumt – aber das ist typisch fuer das Niveau von solchen Debatten. Wir tauschen Polen fuer Griechenland, uebermorgen dann Lettland fuer Luxemburg, am Tag danach machen wir vielleicht dann mal wieder Irland fuer Tschechien.

    Die Hedgefonds und Spekulanten freuen sich. Gibt es mehr hoch und runter – ist immer gut gut fuer das Geschaeft. Hat einer noch was Hirn in Deutschland?

    Es gibt kein Demokratiedefizit in D, es gibt ein Hirndefizit!

  3.   landburli

    Davon abgesehen dass die Deutschen eher Opfer der Entwicklung sind, defensiv reagieren und die Reformaufgaben im eigenen Land besser und schmerzhafter als der Club Med erledigt haben, finde ich die regelmäßigen Anspielungen an den zweiten Weltkrieg im Rahmen der Eurodebatte disqualifizierend. Weder legen die pösen Teutschen Europa in Schutt und Asche noch wäre ohne Euro der Frieden in Europa in Gefahr. Mit England oder Polen sind wir ja auch nicht im Krieg – q.e.d.

  4.   PBUH

    @free_speech

    Nach dem „totalen Krieg“ nun also die „totale Eurorettung“, das wird garantiert genauso in die Hose gehen.

    >Es geht hier um folgendes. Wenn man mal einen Weg eingeschlagen hat, dann muss man den auch verteidigen.

    Sie sollten mal ein bisschen Aktienhandel betreiben, dann würden sie erkennen was für einen Unsinn sie hier schreiben.

    Das ganze Leben ist ein Kampf gegen sein eigenes Ego, sich Fehlentscheidungen einzugestehen und seine Handlungsweise zu verändern, das macht den (grossen) Menschen aus.

    >Das gleiche gilt fuer so Typen wie Aussenhandelsfritze Boerner. Gestern war der Euro wunderbar, heute kommt es auf freie Maerkte an.

    Das die Aussage von Boerner sie ärgert kann ich gut verstehen, ist ja nicht irgendwer, seine Aussage zeigt, dass selbst die bisher grössten Befürworter des Euros den Irrweg erkannt haben. Ex-BDI Chef Henkel war hier übrigens Trendsetter, genau wie beim Nord-Euro.

    Jetzt muss man nur noch Frankreich davon überzeugen, besser nicht bei diesem Nordeuro mitzumachen.


  5. @ 1
    Sie glauben doch nicht im Ernst, dass sich die von Ihnen aufgezählten Länder in einem Währungsverbund wiederfinden werden der klar von Dt. dominiert wird. Österreich heim ins Reich, oder wie bitte?
    Ne ne so läuft das nicht.


  6. @PBUH
    „Sie sollten mal ein bisschen Aktienhandel betreiben, dann würden sie erkennen was für einen Unsinn sie hier schreiben. “

    Wenn ich die Marktmacht haette von der EZB, wuerde ich natuerlich genau das machen, einen Weg verfolgen, genau die Renditen die ich haben will. Dann haette ich die Hedgefonds und kleinen Investment Banken wie Goldman Sachs schon laengst weggeputzt! Spekulanten die gegen den Euro spekulieren schon laengst besteuert. Wo sind wir denn hier, dass wir uns sowas gefallen lassen!

    Die EZB ist hier nicht irgend ein kleiner Aktienhaendler. Die koennen alle anderen Pleite gehen lassen, wenn sie wollten. Da kann keiner dagegenhalten.

    „Das die Aussage von Boerner sie ärgert kann ich gut verstehen, ist ja nicht irgendwer, seine Aussage zeigt, dass selbst die bisher grössten Befürworter des Euros den Irrweg erkannt haben. Ex-BDI Chef Henkel war hier übrigens Trendsetter, genau wie beim Nord-Euro.“

    Sie koennen gerne mal auf die Gegenargumente eingehen die ich oben angab. Wenn Sie es koennen. Das wird dann naemlich schwieriger. Die Leute diese Meinung vertreten sind nicht irgendwer? Soll das jetzt heissen sie sind intelligenter oder haben mehr Ahnung von VWL, oder haben sie vielleicht mehr Hirn. Oder sind das nur Interessenvertreter, Lobbyisten, die sich ihr Geld verdienen indem sie Lobbyarbeit machen. Fuer irgendwelche Finanzinteressen. Die dann in den Medien auch noch Platz und Sendezeit bekommen, fuer ihre beknackten Ideen.

    Die Verteidigung des Euroraums ist eine politische Entscheidung, wie es auch eine politische Entscheidung war den Peripheriestaaten so viel Freiraum bei der Kreditaufnahme zu geben. Jetzt stehen wir da, aber anstatt in den naechsten 10 Jahre diese Ungleichgewichte auszubuegeln, Staatshaushalte zu Sanieren, will man jetzt das Chaos. Sie, oder Henkel, oder Boerner: was sie vorschlagen ist chaotisch.

    Ich haette als Steuerzahler gern mein Geld zurueck von den Griechen und Spaniern und Iren, und wen wir sonst noch unterstuetzen. Deshalb wird der Euroraum verteidigt. Ich will auch nicht dass Hedgefonds und US Finanzinteressen genau das kaputtmachen, was aufgebaut wurde und was von 2000 bis 2008 auch gut lief. Seit die Finanzkrise da ist und Goldman Sachs mithalf das Griechenland Defizit zu verschleiern, gibt es jetzt Eurokrise. Mit Mithilfe von amerikanischen Finanzinteressen, die sowohl Ratingagenturen als auch Pelitewetten kontrollieren, die mit CDS gemacht werden.

    Hier sollte man mal ansetzen, wen man die Eurokrise beseitigen will. Das sind wir wohl einer Meinung, aber die Finanzinteressen muessen so an die Leine genommen werden, nicht indem man sie Pleite gehen laesst, und uns mit in den Abgrund zieht.

  7.   PBUH

    @Don Alberto

    Mal ne Gegenfrage, glauben sie Österreich will stattdessen beim Süddeuro mitmachen.

    Deutschland ist beliebter als sie glauben, ich wohne im Westen und hier hat man viel Kontakt mit Niederländern, habe noch keinen getroffen, der nicht für diesen Nordeuro ist, wird dort offensichtlich auch schon länger in den Medien diskutiert.

  8.   PBUH

    @free_speech

    Was sie nicht verstehen, die Problemländer werden einfach nicht sparen, die lassen sich solange ihr Defizit von der EZB finanzieren (was übrigens laut Verträgen VERBOTEN ist) bis wir zweistellige Inflationsraten haben oder bis sie irgendwann einfach austreten.

    Haben sie doch an Griechenland gesehen, wie der Regierungschef Merkel und Sarko verarscht hat.

    Wollen sie Panzer nach Spanien oder Italien schicken, ich nicht, deswegen sollten wir das Thema lieber schnell und mit verkraftbaren Verlusten beenden bevor Europas Völker sich am Ende wieder in Feindschaft gegenüber stehen.

    Wie gesagt, es geht darum sein Ego zu überwinden und sich einzugestehen, dass der EURO ein grosser Fehler war.


  9. @free_speech

    das Geld das wir an die Defizitländer verliehen haben (einschliesslich Target2) ist weg, da gibts nix mehr zu holen. Es ist eigentlich nur noch die Frage ob wir die gegenwärtige 1 Billion abschreiben müssen, oder die 2 oder 3 Billionen in ein paar Jahren.


  10. Das Gerede von Nord und Südeuro ist der größte Unsinn den ich je gehört habe. Wo steht denn da ihrer Meinung nach Frankreich?
    Ich glaube nicht das Frankreich auf den Mittelmeerraum verzichten kann.
    Wenn Sie Frankreich u. Dt. trennen dann können sie den Laden gleich dicht machen.