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Die Target-Visionen des bayerischen Steuerzahlerbunds

 

Ein gewisser Rolf von Hohenhau, Präsident des Bunds der Steuerzahler in Bayern, hat einen ziemlich langen und ziemlich wirren Brief an Bundesbankpräsident Jens Weidmann zum Thema Target 2 geschrieben. Was er genau sagen will, ist mir nicht klar – aber ich glaube, er empört sich. Hoffentlich hat Weidmann jemanden, der das für ihn liest. Hier der Brief.

26 Kommentare

  1.   Rebel

    aus Wiki:

    „…berief er Jens Weidmann zu seinem Abteilungsleiter für Geldpolitik und monetäre Analyse und später zum stellvertretenden Leiter des Zentralbereichs Volkswirtschaft.“

    Das Thema hat der doch im Schlaf drauf oder ?

    http://www.zeit.de/2012/12/Bundesbankbilanz

    Reisetipp für die Abschlussprüfer der BuBank zu den Goldbeständen in USA bzw. GB : Teilnahme an der Inventur : messen, zählen, wiegen… 😉

  2.   jmg

    Der ganze Brief ist von vorne bis hinten eine durchgehende Verharmlosung der Target2 Problematik. Höhepunkt der Trivialisierung ist die Gleichsetzung des Target2-Zahlungssystems mit einer „finanziellen Atombombe“ auf Seite 9 oben und Seite 10 Mitte. Nur der Begriff „finanzielle Wasserstoffbombe“ wäre hier als adäquate Metapher angebracht. Der Steuerzahlerbund sollte sich ernsthaft überlegen, ob ein Präsident der die Zusammenhänge derart beschönigt noch tragbar ist.:-)

  3.   Dietmar Tischer

    @ M. Schieritz

    Es mag ja aufschlussreich sein, welchen Schwachsinn der bayerische Präsident des Steuerzahlerbundes zu den Target 2-Salden schreibt („… dass es in Europa ein Zahlungssystem gibt, dessen Missbrauch durch verschiedene SCHWACHWÄHRUNGSLÄNDER!!…“) – und das auch noch per Einschreiben/Rückschein an den Bundesbankpräsidenten.

    Nur macht das keine andere Auffassung zu diesem Thema besser oder schlechter – auch ihre nicht.

  4.   Rebel

    @ jmg

    Die Verwechselung begründet sich vielleicht aus dem langfristig wirkendem Verlust der sicherungstechnisch verantwortbaren Wiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf mit Demontage der Restanlagen:

    „Ein Kernstück der Anlage, das Manipulatorträgersystem, wurden dem Institut für Werkstoffkunde in Hannover übergeben und bildet die Basis des Unterwassertechnikums in Garbsen (UWTH). Hier wird damit unter anderem Forschung zur autonomen Zerlegung von Kernkraftwerken betrieben.“ aus Wiki

    Bayern könnte bei der EU-Förderung sicherlich vorrangig berücksichtigt werden z.B.
    http://www.foerderdatenbank.de/Foerder-DB/Navigation/Foerderrecherche/suche.html?get=0fdd9e88077fc7224096f4f4092a9f3d;views;document&doc=9525&typ=RL
    um die Defizite bundesweit zu vermindern.

  5.   Rebel

    Dieser Handelsblattgastkommentar sollte nicht verpasst werden :

    handelsblatt.com/meinung/gastbeitraege/gastkommentar-deutschland-hat-zu-viel-angst

    Dort wird gesagt :

    „Einige Beobachter haben zudem das Risiko eines Auseinanderbrechens der Euro-Zone heraufbeschworen. Danach, so heißt es, wären die Finanzierungssalden der Zentralbanken untereinander, die sogenannten Target-2-Salden, nicht mehr auszugleichen. Richtig ist: Ein derartiger Zusammenbruch hätte katastrophale Folgen für Europa, auch für Deutschland, deren Ausmaß weit größer wäre als das Volumen dieser Finanzierungssalden. Davon abgesehen ist die Diskussion aber zu einseitig. Vor allem blendet sie die gegenseitigen Forderungen unter den Notenbanken aus, die sich aus der Ausgabe der Banknoten ergeben. In diesem Punkt ist die Bundesbank den anderen Notenbanken rund 170 Milliarden Euro schuldig, weil sie weit mehr Banknoten ausgegeben hat, als ihrem Anteil am Euro-System entspricht.“

    Das hatte Bernd Klehn bereits detailiert aus den Bilanzen herausgelesen.

    Stellt sich die prophetische Frage/ Analyse der Rückführung des Schneeballsystems zugunsten nicht mehr rekapitalisierbarer Banken.


  6. Ich hatte es ja schon an anderer Stelle als neuer Kopf, der der Target-Hydra gewachsen ist, kommentiert.

    Wie immer ist natürlich nicht alles abwegig daran, nur hat vieles – wie immer – sehr wenig mit der Währungsunion und erst recht nicht mit dem Target-System zu tun.

    Dass die notwendige Komplementärbewegung zu Kapitalflucht, hereinströmendes sog. „hot money“, hierzulande gerade massiv die Immobilienpreise nach oben bewegt, ist z.B. zutreffend. Auch treten neben den üblichen Russen in letzter Zeit merklich vermehrt Käufer aus der ganzen Balkanregion auf.

    Dafür bedarf es aber eben nur der Grundfreiheit der Union, dem unbeschränkten Kapitalverkehr, keiner Währungsunion und auch keines Target-Verrechnungssystems.

    Das abstellen auf die Maastricht-Kriterien ist dann leider die gleiche ideologische Verblendung, wie bei den Regierenden, die inzwischen als klar widerlegt gelten kann. Insbesondere wenn man „kulturalistische“ Ressentiments pflegt, wie der Vorsitzende des Steuerzahlerbunds dieses bergdeutschen Stammes, der als einziger sogar schon mal eine kommunistische Regierung mit einem Währungsesoteriker als Finanzminister hatte, ist nicht ersichtlich, wieso man in der ideologischen Betrachtung der Obliegenheiten („Maastricht-Kriterien“) Staat und Privat trennt und nicht Nationen.

    Dann müßte man sich auch nicht für den empirischen Befund taub stellen, dass Leistungsbilanzdisparitäten „das“ Problem sind und nicht irgendwas anderes.

    Das „griechen“ von Schattenhaushalten ist allerdings mitnichten eine hellenische Spezialität, sondern auch eine, in der Angehörige der Bergdeutschen immer wieder reüssieren konnten – man denke z.B. an das „Sondervermögen“ deutsche Einheit oder das Bundesbahn-„Sondervermögen“, oder jüngste PPP-Aktivitäten, die funktional auch nur geschönte, besonders teure Schattenhaushalte sind. Wie HRE oder IKB zeigen, kann hier aber auch kein Alleinstellungsmerkmal der Bergdeutschen begründet werden.

    Witzig ist hingegen das Sprachproblem, das ja besonders zwischen den deutschsprachigen Regionen und den Bergdeutschen zutage tritt. Dass man dort „heuer“ noch mit Englisch überfordert ist, spricht Bände für das dortige Schulsystem, das ja auch vorwiegend von strikter Selektion der Eingeborenen zzgl. eines enormen „brain drain“ lebt.

    Zu den Spezifika der „deutschen Mentalität“, der bergdeutschen insbesondere, gehört allerdings auch ein pharisäerhafter Calvinismus, natürlich nur den jeweils anderen gegenüber und eine erstaunliche, geradezu autistisch zu nennende Blindheit gegenüber jeglichen Kausalzusammenhängen, die den eigenen Glaubenskartenhäusern den Boden unter den Füßen wegziehen würden.

    Schönes Wochenende
    Andreas

  7.   c5

    Heuer ist ein Ausdruck, der soviel wie „dieses Jahr“ bedeutet, daher ist die Verwendung im obigen Beitrag falsch, allenfalls müßte es „heutzutags“ heißen! Mit den sprachlichen Fähigkeiten der Sumpfebenendeutschen scheints also wohl auch nicht sonderlich weit her zu sein! Was aber auch nicht verwunderlich wäre…..


  8. #c5

    Sie stützen meinen „case“. Das sprachliche Unverständnis und die kulturellen Differenzen zwischen den Bergdeutschen und den Sumpfebenenselbigen sind auch nicht ohne und daher … ?

    Freundliche Grüße
    andreas

  9.   Bernd Klehn

    @ Andreas Heil

    „Dann müsste man sich auch nicht für den empirischen Befund taub stellen, dass Leistungsbilanzdisparitäten “das” Problem sind und nicht irgendwas anderes.“

    Zustimmung. Hier sollte allerdings untersucht werden, im welchen Umfang die Kumpanei zwischen Geschäftsbanken, Staaten und dem Eurosystem, die sich eigentlich gegenseitig kontrollieren sollten und voneinander weitestgehend voneinander unabhängig zu sein haben, diese Disparitäten begünstigt haben und begünstigen, so dass am Ende der Entwicklung nur noch die Pleite von Geschäftsbanken, Staaten und ein Reset des Eurosystems übrigbleiben und die Quittung von solventen Steuernzahlern innerhalb des Geltungsgebietes des Eurosystems bezahlt werden muss. Hier hat vor allen Dingen das Eurosystem seine Unschuld verloren, in dem es sich mit Staaten und Geschäftsbanken, wie schon vorher in USA und UK, gemein gemacht hat.


  10. Ein weiterer Lobbyist aus der x-ten Reihe entdeckt den schwäbischen Hausmann in sich und hat gleich sein coming out. Gäähhnn.

    Ich meine, wenn nicht mal Weidmann ein Problem mit Target2 hat obwohl Weidmann ja eher finanz/geld/europapolitisch rechts von Merkel steht und Merkel in Europa finanz/geld/europapolitisch ja eh schon eher rechts der Mehrheit zu verorten ist, muß man da jemanden diskutieren, der den Rechtsüberholer der Rechtsfahrerin nochmal rechts überholen will?

    Oder will DIE ZEIT bald einen bayerischen Lokalteil herausbringen?

    PS: Bin auch ein Bergdeutscher, aber ich versteh die meisten hier ganz gut 🙂