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Der deutsche Sonderweg in der Ökonomie

Von 19. April 2012 um 14:03 Uhr

Manchmal tut einem der Weltgeist einen Gefallen und der zeitliche Ablauf der Ereignisse lässt die Widersprüche so richtig schön durchscheinen.

Aus dem Frühjahrsgutachten der Institute:

Die verbesserte Finanzlage des Staates sollte somit nicht zum Anlass genommen werden, in den Konsolidierungsbemühungen nachzulassen. Dies scheint gegenwärtig aber der Fall zu sein.

Aus dem Weltwirtschaftsausblick des IWF:

In  the short term, this will require more efforts to  address the euro area crisis, a temperate approach to  fiscal restraint in response to weaker activity, a continuation of very accommodative monetary policies,  and ample liquidity to the financial sector.

Zugespitzt formuliert: Der IWF sagt, Deutschland soll weniger sparen, die Institute sagen, Deutschland soll mehr sparen. Selten wird so offensichtlich, wie isoliert Deutschlands Ökonomen sind.

Wer aber ist nun im Recht, das deutsche Establishment oder das Weltestablishment? Darüber kann man lange diskutieren – oder man hält sich an ein Sprichwort aus meiner bayerischen Heimat:  Ober sticht Unter.

Kategorien: Der aktuelle Rand
Leser-Kommentare
  1. 1.

    Als hätte das was mit Ökonomie zu tun.

    “Deutschland soll noch mehr Geld ausgeben” verfolgt das politische Ziel Deutschland international zu schwächen.

    USA, GB und Frankreich wissen auch, Deutschland kann durch mehr Geld ausgeben niemals die Eurozone retten, man verfolgt einzig das Ziel Deutschland an das sinkende Schiff zu ketten.

    Es ist unglaublich wie die deutsche Politik und die Medien hier im Moment der Wahrheit versagen.

    • 19. April 2012 um 14:23 Uhr
    • PBUH
  2. 2.

    Nicht Deutschland soll sparen, sondern die öffentlichen Haushalte sollen weiter konsolidiert werden. Deutschlands Volkswirtschaft soll möglichst kräftig wachsen. Das tut sie insbesondere dadurch, dass die Unternehmen weiterhin an der Produktivität feilen, was bei funktionierendem Wettbewerb die Preise unter Druck hält, zugleich Spielräume für Lohnerhöhungen eröffnet und mittels beider Effekte den Konsum ankurbelt.

    • 19. April 2012 um 14:32 Uhr
    • alterego
  3. 3.

    Ich hätte noch ein Sprichwort welches die tatsächliche Situation besser beschreibt: Was juckt es die deutsche Eiche, wenn sich eine Wildsau an ihr reibt?

    • 19. April 2012 um 14:37 Uhr
    • messem
  4. 4.

    Finanzpolitiker aus Koalition und Opposition sind höchst beunruhigt. Hintergrund ist das Frühjahrsgutachten der führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute, das heute veröffentlicht wurde. In ihrer Gemeinschaftsdiagnose über die Spitzenökonomen deutliche Kritik an der Krisenpolitik in Europa. „Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit der Europäischen Zentralbank (EZB) stehen auf dem Spiel“, schreiben die Wissenschaftler in ihrem Gutachten. Seit Beginn der Finanzkrise interveniere Zentralbank und stütze jetzt sogar indirekt Staatsfinanzen. Dies könne nicht mehr lange gut gehen. „Es besteht die Gefahr, dass die Geldpolitik aus ihrer inzwischen eingetretenen Zwangslage nicht mehr freikommt“, heißt es in dem Gutachten der acht Institute für die Bundesregierung.

    handelsblatt.com/politik/international/euro-krisenpolitik-in-der-kritik-die-ezb-ist-der-brandstifter/

    • 19. April 2012 um 15:02 Uhr
    • PBUH
  5. 5.

    In der Summe muss die Eurozone, wie richtig erwähnt, ein “rebalancing” zu Wege bringen. Aber wie?

    Wie heute veröffentlicht, hat die Eurozone 12% Nettoauslandsschulden und ein leichtes Leistungsbilanzdefizit. Einzlene Länder liegen bei über 100%, haben weiter Leistungsbilanzdefizite und sind mit massiver Kapitalflucht konforntiert. Diese Länder müssen dringend die Nettoauslandschulden zurückführen und die Leistungsbilanzen umkehren und dieses alles auf der Grundlage von Wirtschaftswachstum. Dieses ist in der augenblicklichen unbereinigten Sachlage unmöglich, da der internationale Finanzmarkt die Insolvenz vermutet und diese durch Kapitalflucht herbeiführen wird. Wir können jetzt nur noch bei der Insolvenzverschleppung helfen. Nach dem Reset dieser Ländern könnten und sollten wir mit einer ausbalanzierten Eurozone neu starten. Erfahrung haben wir dann ja genug.

    • 19. April 2012 um 15:19 Uhr
    • Bernd Klehn
  6. 6.

    >Wer aber ist nun im Recht, das deutsche Establishment oder das Weltestablishment?>

    Es geht doch bei diesen Empfehlungen bzw. Forderungen nicht um Rechthaberei.

    Es geht darum, welche Ziele man als vorrangig ansieht.

    Da kann man allerdings isoliert sein.

    Isoliert zu sein, heißt aber noch lange nicht, das falsche Ziel zu verfolgen.

    Davon abgesehen:

    Die Frage ist natürlich, was zu gewinnen ist, wenn wir eine lockere Fiskalpolitik betreiben würden. Sicher könnte sie evtl. der Peripherie helfen, zu retten wäre sie damit ganz gewiss nicht.

    Und:

    Was ist denn dann mit unserem Rating, an dem doch vor allem die Rettung hängen soll? Ein “zeitweise” ist eine Absichtserklärung und ändert nichts an einer dann erreichten Schuldenstansquote.

    • 19. April 2012 um 15:24 Uhr
    • Dietmar Tischer
  7. 7.

    Wenn man mal Spanien als Beispiel nimmt, sollte man vielleicht erst mal die aktuelle Lage betrachten. Ein weiteres Absinken der Immobilienpreise auf 30 bis 50 % der Höchstwerte ist wohl nicht zu pessimistisch.

    Wenn man unter dieser Voraussetzung die spanischen Banken untersucht, ist wohl ein Grossteil pleite. Die Folgen dieser Pleite sollten hauptsächlich die Aktionäre dieser Banken und deren Kreditgeber (bzw. die Aktionäre dahinter) tragen. Das verstehe ich unter Verantwortung übernehmen.

    Die Banken, die dann kein Kapital mehr haben, müssen notgedrungen mit öffentlichen Mitteln neu kapitalisiert werden (dann aber ohne Schulden). Damit wäre dann ein Neuanfang möglich.

    So wie es jetzt aussieht, werden aber nur die Kreditgeber, die diese spanischen Banken so grosszügig mit Kapital versehen haben, durch öffentliche Mitteln (letzten Endes Steuergelder) freigehalten. Die Immobilienkrise wird endlos durch immer noch irreale Preise verschleppt. Ein neuer Anfang ist aber damit nicht möglich.

  8. 8.

    Sie sind ein bayrischer Landsmann? Das macht Sie mir freilich gleich sympathischer. Aber was macht denn zB Bayern? Ob man Bayern im Geflecht der 16 Länder betrachtet oder Deutschland im EU Geflecht lässt sicherlich jeweils ähnliche Schlüsse auf Makroebene zu. Bayern hat nach dem Krieg kluge Strukturpolitik betrieben (der Länderfinanzausgleich hatte mit heutigen Dimensionen nichts zu tun als Bayern bis in die 80er Nehmerland war, geschweigedenn mit Umverteilungsmaschinen wie den Aufbau Ost). Inzwischen kann man schuldenfrei haushalten und eimen Tilgungsplan für Altschulden auflegen – ohne schmerzhafte Sparmaßnahmen im Freistaat, obwohl durch EU, Länderfinanzausgleich, Aufbau Ost und indirekte Umverteilung der Sozialsysteme jedes Jahr viele Milliarden Wirtschaftskraft abgesaugt werden aus Bayern.

    Ich schließe daraus: beide haben Unrecht. Und Recht. Es braucht eine differenzierte Politik mit expansiven und sparsamen Elementen mit langfristigen Zielen. Wir stürzen auf Bundes und Europaebene dauernd von einem Extrem ins andere. Das muss Krisen auslösen.

    • 19. April 2012 um 17:16 Uhr
    • landburli
  9. Kommentar zum Thema

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