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Wie hilft man Spaniens Banken?

 

In der Bundesregierung setzt sich die Einschätzung durch, dass Spanien auf Hilfe von außen angewiesen ist. Aber wie sollte diese gewährt werden? Die Deutschen argumentieren, dass Spanien den EFSF/ESM in Anspruch nehmen sollte. Es ist nach allem was ich höre wohl nicht so, dass man in Berlin die Spanier unter den Schirm zwingen will, aber man will sie ermutigen, den Antrag zu stellen, wenn absehbar ist, dass sie es nicht alleine schaffen.

Die Überlegung: Hilfen für die Banken wären erstens ein Transfer und damit problematisch und zweitens wäre die sachgerechte Verwendung der Mittel nicht zu kontrollieren. Das stimmt auch, denn noch existiert keine paneuropäische Bankenaufsicht und der EFSF/ESM ist nicht für Bankenrettungsaktionen ausgelegt.

Das Problem ist nur, dass auch die Inanspruchnahme des EFSF/ESM ihre Nachteile hat. Denn erstens würde dadurch die spanische Schuldenquote weiter steigen – und vielleicht einen Punkt überschreiten, den die Märkte noch für akzeptabel erachten. Schließlich sollte man bei der Rekapitalisierung nicht knausern und 100 bis 200 Milliarden in die Hand nehmen.

Und zweitens hat der ESM den Status eines bevorrechtigten Gläubigers, was die Investoren verschrecken könnte, weil sie damit rechnen müssen, dass die Ressourcen des Landes zuerst für die Bedienung der ESM-Kredite verwendet werden und damit weniger für sie übrig bleibt.

Kurzfristig könnte sich der Rettungsschirm also sogar negativ auf die Fähigkeit Spaniens auswirken, sich am Markt mit Kredit zu versorgen. Die Erfahrung mit den bisherigen Programmländern jedenfalls ist, dass die Inanspruchnahme sich nicht unbedingt positiv auf die Zinsspreads auswirkt.

Das würde bedeuten, dass eine kleine Lösung nicht möglich ist und das Land möglicherweise voll durch den ESM/EFSF finanziert werden muss, sobald es den Antrag stellt. Dann reden wir also über ein klassisches Programm – und das wird teuer.

58 Kommentare


  1. Wem gehören die Banken in Not?

    Sind es die Cajas, die der öffentlichen Hand gehören? Dann ist wohl der ESM/EFSF der richtige.

    Sind es private Banken? Dann http://www.zeit.de/2009/04/Stockholm

  2.   PBUH

    >Schließlich sollte man bei der Rekapitalisierung nicht knausern und 100 bis 200 Milliarden in die Hand nehmen.

    Ein typischer Schieritz


  3. Alles wird teuerer für uns. Allerdings rede ich hier nicht von Geld und Kosten. Es ist ein Systemkollaps, welcher uns bevorsteht. Ein Kollaps, welcher zahlreiche Veränderungen benötigt, um diesen für die Menschen abzufedern. Nur wird garnichts dagegen unternomen. Stattdessen werden unsinnige und nachweislich (Dt.: Reichskanzler Brüning, Griechenland, usw.) sinnlose Spardiktate auferlegt, welche das Problem nur noch verschlimmern.

  4.   Eric B.

    Merkel kennt die Antwort selbst nicht. Deshalb lässt sie jetzt den Testballon mit dem Rettungsschirm los. Doch für Spanien käme eine Zustimmung der Kapitulation gleich – es müsste, wie Griechenland, Irland, Portugal – seine finanzpolitische Souveränität aufgeben. Außerdem käme damit der EFSF/ESM an den Rand einer Schieflage. Eine weitere Hilfsaktion – etwa für Italien – wäre dann nicht mehr möglich, so dass die Märkte erneut beunruhigt wären und neue “rote Linien” testen würden… Merkels Vorstoß ist also nicht nur kontraproduktiv, sondern auch noch breandgefährlich! http://lostineurope.posterous.com/merkel-fuhrt-nicht-mehr-ii


  5. spanien sollte nicht seine banken stuetzen, sondern stuerzen und stutzen

  6.   joG

    Man ist immer versucht “Hätte” zu sagen. Hätten die Politiker den Maastrichter Vertrag anders….Hätten die Politiker den Lissabonner Vertrag….Hätten sich die Politiker 2008 vorbereitet….Hätten die Regierenden Eurolands sofort entschieden und nicht Tröpfchenweise (Bazooka, erinnern Sie sich an den Ausdruck?) gehandelt…

    Aber es bringt nichts. Die Verluste sind nun wenn auch Haus gemacht da. Sie werden uns treffen mit ziemlich großer Wucht und es ist noch nicht klar, auf welchem Weg sie uns erreichen; wird sogar aktiv von der Politik vernebelt.

    Was aber ganz und gar klar ist, ist die Gefahr, dass die Politiker der EU einen erneuten Angriff vorbereiten um der Bevölkerung eine “Vertiefung” das heißt neuen Ausbau des jetzt gefährdeten Projekts aufzunötigen. Man will auf dem Schlachtfeld im wilden Gemetzel, so zu sagen, und rasch etwas tun, wozu man mehrfach bewies die Fähigkeiten nicht zu haben.

    Ich glaube nicht, dass das der Legitimität Eurolands gut tut.

  7.   PBUH

    >Was aber ganz und gar klar ist, ist die Gefahr, dass die Politiker der EU einen erneuten Angriff vorbereiten um der Bevölkerung eine “Vertiefung” das heißt neuen Ausbau des jetzt gefährdeten Projekts aufzunötigen.

    Davon muss man ausgehen, allerdings sind die verantwortlichen deutschen Politiker hier wesentlich vorsichtiger geworden, Verfassungsbruch zu fordern (Medien, Ausland) ist offensichtlich einfacher als ihn zu vollziehen.


  8. Man soll nicht knausern, fleissig Geld hinterher schaufeln.
    Lach.
    100 Milliarden, 200 Milliarden, ach komm, 300 Milliarden, “darf es auch etwas mehr sein?”
    Vor einigen Monaten las man oft, Spanien wäre nicht zu retten.

    Es ist jetzt nur eine spanische Bank gewesen. Oder bin ich schon nicht mehr auf der Höhe der Zeit?

    Wie dem auch sei, es ist wahr. Diese sind Symptome nicht einer Euro- oder Schuldenkrise, sondern eines Systemkollaps.

    Schulden und Eurokrise kommen dadurch zustande, dass das (Finanz-)System dabei ist, vor die Hunde zu gehen.
    Es ist merkwürdig, dass man so eine heilige Kuh wie die Finanzwelt in aufgeklärten Zeiten überhaupt als Fundament gemeinschaftlichen Zusammenlebens dulden konnte? Im Mittelalter, gut. Da könnte man es verstehen.
    Der neue Adel aber hat nur seine Werkzeuge verändert. Und wie die Geschichte lehrt, am Ende hat dieser Adel nichts aber auch gar nichts aufzubieten gegenüber den Massen, die von diesem Adel geschröpft werden.

  9.   Bernd Klehn

    Griechenland, Spanien und Portugal sind bei 100% Nettoauslandsschulden so oder so pleite. Es stellt sich nur noch die Frage der Involzenverschleppung, der Förderung der Privatkapitalflucht und somit der Ersetzung von Privatkapital durch öffentliches holländisches, finnisches und deutsches Kapital und fernerhin der Systemfrage des Euros. Ich bin für eine möglichst schnelle Insolvenz dieser Länder, dem Verbleib dieser Länder im Euro und Reformierung des Eurosystems in Anlehnung an Keynes Bancor Plan. Lasst also die Staaten und deren Banken pleite gehen, diese ist so wie so nicht zu verhindern, um dann gezielt zu einem Neuanfang zu gelangen.


  10. Wenn ein Projekt gescheitert ist, dann ist es immer am sichersten, es aufzugeben und etwas anderes zu versuchen, anstatt sinnlos immer mehr Geld hineinzupulvern. Leute, die mehrmals hintereinander dasselbe tun, aber ein anderes Ergebnis erwarten, werden in der Psychiatrie als geistesgestört bezeichnet.