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Weidmann winkt Draghis Anleiheplan durch…

 

… so werden die Zeitungen morgen sicher nicht titeln. Vielmehr werden sie schreiben, dass Weidmann den Konflikt mit Draghi anheizt durch seine Äußerungen im Spiegel diese Woche. Das ist die saftigere Variante der Geschichte. Aber ist es auch die richtige?  André Kühnlenz hat bereits darauf hingewiesen – sehen wir uns die Aussagen im Interview an:

Auf die Frage, ob Draghi das Mandat der Notenbank überschreitet sagt er

Ich möchte jedenfalls vermeiden, dass die Geldpolitik unter die Dominanz der Fiskalpolitik gerät.

Auf die Frage, wie er zu Zinsobergrenzen steht heißt es

Zinssätze für Staatsanleihen im EZB-Rat festzulegen wäre für mich jedenfalls eine heikle Vorstellung.

Auf den Einwand, damit stehe er alleine sagt er

Ich glaube nicht, dass sich der Einzige bin, der dabei Bauchschmerzen bekommt. 

Und auf die Frage, was er generell vom Ankauf von Staatsanleihen hält, sagt er

Eine solche Politik ist für mich zu nah an einer Staatsfinanzierung durch die Notenbank.

“Zu nah”, “Bauchschmerzen”, “heikel”, “möchte jedenfalls vermeiden” – das sind keine Begriffe, die Widerstand bis aufs letzte Messer nahelegen, sondern ein sich Fügen in das Schicksal. Die Bundesbank wird ihren Unmut äußern, aber sie wird nichts tun. Sie wird nicht klagen, sie wird sich dem Programm nicht entziehen, Weidmann wird auch nicht zurücktreten. Der Aufstand findet nicht statt.

Das kann man je nach ideologischer Haltung gut oder schlecht finden, aber wenn ich Investor wäre, wäre das keine uninteressante Botschaft.

48 Kommentare

  1.   alterego

    Reines Wunschdenken, Herr Schieritz. Wie sich die Dinge weiter entwickeln werden wir sehen.

    Was auf jeden Fall stattfindet, und allein dafür bin ich Weidmann dankbar, ist eine zunhemende Sensibilisierung der die Politik beeinflussenden Öffentlichkeit für den Trip der EZB in die ihr definitiv untersagte Staatsfinanzierung.

  2.   Alex

    Ich denke auch, dass der Aufstand ausbleibt.

    Der kommt erst, wenn die Lebensbedingungen in Deutschland schwieriger werden.

    Alex

  3.   Dietmar Tischer

    @ alterego #1

    Volle Zustimmung.

    Weidmann kann es zwar nicht zum offenen Eklat mit Draghi kommen lassen, aber er kann die deutsche Öffentlichkeit „positionieren“.

    Ich weiß nicht, wie das ausgeht.

    Wenn Weidmann Erfolg hat in der Öffentlichkeit bzw. bei der Bevölkerung und die Umfragewerte noch deutlicher kippen, schlägt das auch auf die Politik durch.

    Die Chancen stehen nicht schlecht.

    Denn sicher ist, dass die Deutsche Bundesbank ein erheblich größeres Vertrauen in der Öffentlichkeit genießt als die EZB insgesamt.

    Selbst Merkel muss das ins Kalkül ziehen und tut das bereits, wenn sie Weidmann verbal den Rücken stärkt.

  4.   alterego

    @2 Marlene
    Klar, das ist leider die zu erwartende Folge des am Ende ohnehin zum Scheitern verurteilten Versuchs, krampfhaft zusammenzuhalten, was auseinanderstrebt und daher nicht zusammen gehört.

    Es wird höchste Zeit, dass die Traumtänzer aufwachen.

  5.   Frankie Bernankie

    Die Situation im Euroraum wird zur Zeit ja nicht erkennbar besser durch die Austeritätspolitik, jetzt „droht“ sogar in den Niederlanden ein Linksrutsch.
    Nur Deutschland fühlt sich noch stark und unbesiegbar.

    Der logische Schritt wäre demnach, dass sich der Euroraum nicht Griechenlands, sondern Deutschlands entledigt.

    Sehr viele Akteure in dem Spiel hätten durch ein Ausscheiden Deutschlands wohl mehr Vorteile als Nachteile: der Euro würde schwächer gegenüber $, Renmimbi und vor allen der neuen Deutschmark, aber das wäre ja gewollt;
    zudem könnte ohne die deutsche Prinzipienreiterei die EZB so eingesetzt werden wie die FED oder BoE.

    In Deutschland wäre die Fraktion der Geldhaber und Sparer endlich beruhigt, könnten sich ja sogar über den steigenden Aussenwert der neunen Währung freuen.

    Die Fraktion der Geldverdiener und Arbeitnehmer in Deutschland müssten allerdings eher bluten, denn unser Exportgeschäft würde ordentlich leiden, und das ist kein Pappenstiel bei 40% Anteil am BIP. Aber Deutschland huldigt ja in erster Linie dem Leitbild der der „schwäbischen Hausfrau“ , da ist dann nicht soviel Platz für den “deutschen Arbeitnehmer”.


  6. Herr Schieritz hat sicher recht, dass Weidmann nicht zurück treten wird. Die Rücktritte von Weber und Stark haben aus deutscher Sicht großen Schaden angerichtet. Erst zurück treten und dann draußen poltern nützt niemandem.

  7.   alterego

    @6 Frankie Bernankie

    Ja, der Austritt Deutschlands aus der EWU wäre tatsächlich eine Lösung. Die EWU könnte so ungehemmt zu einer Weichwährungs-, Transfer- und Schuldenunion all der Länder mit traditioneller, tief verwurzelter Weichwährungskultur mutieren.

    Deutschland könnte seine Kraft ebenso ungehemmt weiter entfalten. Zwar würde die zu erwartende Aufwertung den Export belasten, andererseits aber die Importe, insbesondere die Energie und all das elektronische Spielzeug aus Fernost, das die Deutschen so schätzen, verbilligen. Auch basieren 42% des Exports auf importierten Vorleistungen. Der exportbremsende Effekt wird daher meines Erachtens gemeinhin stark überschätzt.

    Deutschland hat in 2008 auch bei einem Kurs von im Jahresmittel 1,47 USD für einen EUR recht gut exportiert. Der Außenbeitrag (Exporte minus Importe) betrug in 2011 131,42 Milliarden Euro (5,1% des BIP). Das Maximum hatten wir mit 169,98 Milliarden Euro (7,0% des BIP) in 2007. Da gab es im Mittel 1,37 USD für einen Euro, heute nur noch 1,25 USD.

    Einen gemeisamen Austritt mit den Niederlanden, Finland, Österreich und evtl. der Slowakei würde ich gegenüber einem Alleingang Deutschlands allerdings bevorzugen. Vielleicht wäre dann auch Dänemark zu einem Beitritt zu einem Nord-Euro bereit.

  8.   JMQ

    Dietmar Tischer: “Weidmann kann es zwar nicht zum offenen Eklat mit Draghi kommen lassen, aber er kann die deutsche Öffentlichkeit „positionieren“.”

    Ich sehe die momentane Politik der EZB ähnlich kritisch wie Sie, aber seien wir mal ehrlich: Bricht die Eurozone zum gegenwärtigen Zeitpunkt auseinander, dann ist auch Deutschland bald Pleite. Die Staatsverschuldung ist so schon zu hoch, uneinholbare (Target-)Forderungen kommen noch oben drauf und eine stark aufwertende D-Mark mit folgender Rezession würde uns den Rest geben.
    Ich habe daher den Verdacht, dass Weidmann und die Bundesregierung sich zwar von der Politik der EZB distanzieren, in Wirklichkeit aber auf einen starken Wertverlust des Euros hoffen. Wenn die Schulden dann weginflationiert sind und das Scheitern des Euros nicht mehr zu leugnen ist, kann man eine neue D-Mark einführen, die auf der Reputation der alten aufbaut. Der Totalverlust des deutschen Sparvermögens? Das war dann der Italiener.

  9.   Frankie Bernankie

    @alterego

    “Einen gemeisamen Austritt mit den Niederlanden, Finland, Österreich und evtl. der Slowakei würde ich gegenüber einem Alleingang Deutschlands allerdings bevorzugen. Vielleicht wäre dann auch Dänemark zu einem Beitritt zu einem Nord-Euro bereit.”

    @alterego, die Idee , man könne einen Nordeuro in der beschriebenen Form schaffen, zeugt doch von einer ziemlich teutozentrisch-gartenzwerglerischen Vorstellung von Politik, bei allem Respekt.

    In so einem Währungsraum hätte Deutschland ein Gewicht von 75% – glauben Sie denn wirklich, ein Niederlande oder ein Österreich würden
    einem so stark von Deutschland dominierten Währungsraum beitreten?
    Dann könnten sie sich ja gleich anschliessen.
    Das machen die nie, und wenn Sie sich umhören, dass diese Idee eines “Nordeuros” eigentlich nur in Deutschland ventiliert wird – in selbstsicherer Unkenntnis der Befindlichkeit kleinerer Staaten.