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Wer profitiert von einem Sperrkonto für die Griechen?

Von 18. Oktober 2012 um 23:00 Uhr

Die neueste Idee der Bundesregierung ist es also, die Hilfen für Griechenland auf ein Sperrkonto zu zahlen. Es dürfte dann nur für den Schuldendienst verwendet werden. Auf diese Weise will man einerseits eine Staatspleite vermeiden und andererseits den Druck auf die Griechen aufrechterhalten und – wichtiger noch – in Deutschland Rückhalt für die nächste Rettungsrunde erzeugen.

Eine gute Idee?

Nicht, wenn es nur bei dem Sperrkonto bliebe. Denn weil die Mittel nur für den Schuldendienst verwendet werden dürfen, bleibt nichts für die Haushaltsfinanzierung. Griechenland hat aber ein Primärdefizit, es nimmt also nicht genug Geld ein, um seine laufenden Ausgaben ohne Zinsen zu finanzieren. Das Sperrkonto würde das Land also zu einem noch restriktiveren Sparkurs zwingen.

Die Auszahlung auf das Sperrkonto ginge also mit einer Verschärfung, nicht einer Lockerung der Bedingungen einher. Zugespitzt formuliert: Wir lassen die Griechen verhungern, retten aber mit unseren Geld die Banken und natürlich uns selbst (da der öffentliche Sektor der größte Kreditgeber ist).

Man muss den Griechen also die Zeit und die Mittel geben, ihren Primärhaushalt auszugleichen. Erst dann kann man das Sperrkonto einrichten.

Kategorien: Der aktuelle Rand
Leser-Kommentare
  1. 1.

    Aufsichtskommissare, Sperrkonten, Aufstand in Griechenland . . . und die Bundeskanzlerin erzählt in ihrer Regierungserklärung heute im BT von einem friedlichen Europa, dem ihre Pölitik diene. Wie lange wollen wir das noch glauben?

  2. 2.

    Mark Schieritz: “retten aber mit unseren Geld die Banken und natürlich uns selbst (da der öffentliche Sektor der größte Kreditgeber ist)”

    Klar, und damit unser “öffentlicher Sektor” ein noch größerer Kreditgeber wird, sollen wir den Griechen noch mehr “Mittel geben, ihren Primärhaushalt auszugleichen”.

    Immer schön weiter rein in den Sumpf, damit es kein Zurück mehr gibt.

    • 19. Oktober 2012 um 07:39 Uhr
    • gojko
  3. 3.

    Gegenfrage.

    Die Deutschen senken gerade die Rentenbeiträge um 1%.

    Per Gesetz werden die deutschen Löhne um 1% sinken.

    Je ehr die Währungsunion aufgelöst wird desto besser.

    Mit diesen Abwertungslüsternen Deutschen ist keine Währungsunion zu machen.

    Und Hollande?

    SCHWEIGT!

    • 19. Oktober 2012 um 07:56 Uhr
    • Marlene
  4. 4.

    Eine merkwürdige Idee – was soll das? Wenn man Griechenland Geld geben will, das ausschließlich zur Tilgung fälliger Verbindlichkeiten verwendet werden darf, warum zahlt man dann nicht direkt die Verbindlichkeiten? Was soll das “Sperrkonto” dazwischen?

    Was ist das – der Versuch, die Griechen öffentlich sichtbar zu entmündigen, zur Beruhigung des Publikums in den Geberländern?

    Hermann Keske

    • 19. Oktober 2012 um 11:35 Uhr
    • hkeske
  5. 5.

    @ Mark Schieritz

    >Man muss den Griechen also die Zeit und die Mittel geben, ihren Primärhaushalt auszugleichen. Erst dann kann man das Sperrkonto einrichten.>

    Ihnen fehlt offenbar im Zusammenhang mit Griechenland das richtige Verständnis von Konditionalität.

    Wenn man den Griechen Zeit und Mittel gibt – dann geschieht was aller bisherigen Erfahrung nach?

    Man muss ihnen noch MEHR Zeit und Mittel geben.

    Soweit es aussieht, gibt es dafür hierzulande auf Dauer keine Mehrheiten.

    Sie wissen, dass damit die verfolgte Rettungspolitik scheitern könnte.

    Man muss also den Druck auf Griechenland aufrechterhalten, damit sie den eingeschlagenen Weg weiter gehen und recht bald ihren Primärhaushalt ausgleichen – wenn man sie mit dem praktizierten Verfahren retten will.

    Klar, dass sich dies wunderbar als „verhungern lassen“ deuten lässt.

    Das ist geradezu selbstverständlich, wenn beide Seiten VERMEIDUNGSSTRATEGIEN fahren, die angesichts der Situation zu dem führen, was – wiederum beide Seiten – als extreme ZUMUTUNGEN empfinden.

    Wer die Rettungslogik versteht, muss sich über das Sperrkonto nicht wundern.

    • 19. Oktober 2012 um 12:06 Uhr
    • Dietmar Tischer
  6. 6.

    Beim Lesen mancher Kommentare zur Rettung Griechenlands kommt mir der Gedanke, daß Griechenland nicht nur ein ökonomisches, sondern vor allem ein pädagogisches Problem darstellt. Irgendwie sind sie wie unartige Kinder, die erwachsenen Griechen – bockig und unwillig, unbelehrbar und immer nur auf ihren unartigen Vorteil bedacht. Schrecklich, schrecklich, diese ungezogenen Kinder.

    Ob “Druck” ein gutes pädagogisches Mittel ist? Keine Ahnung – ich habe nicht die geringste Erfahrung mit der Erziehung unartiger Erwachsener.

    Dagegen weiß man, glaube ich, aus dem empirischen Fundus der Ökonomen, daß Hunger das wirksamste Mittel ist, die faulen Leute zur Arbeit zu veranlassen. Wenn ich nicht irre, waren die deutschen Ökonomen schon im Zusmmenhang mit dem Kombilohn der Meinung, man sollte von Staats wegen nicht auf die wirklich wirksamen Mittel zur Verhaltenssteuerung verzichten. Der Hunger hat außerdem eine nützliche Nebenwirkung: Diejenigen, die es trotz Hungers nicht zur ordentlichen Arbeit bringen, scheiden dann auf natürlich-biologische Weise aus, wie man so etwas nennt.

    Hungernde Griechen sind da vielleicht ein ökonomisches Gebot?

    • 19. Oktober 2012 um 13:42 Uhr
    • hkeske
  7. 7.

    Auch diese Maßnahme dient ausschließlich dazu, dem Bankensektor (sowie einigen privaten Anlegern) den Ar… zu retten, und in der Vergangenheit aus überzogenen Renditeerwartungen eingegangene Kreditrisiken bei der Gemeinschaft der Steuerzahler abzuladen. Wenn alle Risiken beim Steuerzahler liegen, werden alte Kredite durch neue Kredite abgelöst, damit die Vermögensillusion am Leben gehalten wird und weiterhin das Märchen aufrecht erhalten werden kann, dass uns die Rettung Griechenlands (der Banken) keinen Cent gekostet hat. Wie lange wollen wir uns noch selbst betrügen?

  8. 8.

    @ michaelstoecker # 7

    Ich wundere mich ja auch. Soweit Banken, private Geldanleger und Unternehmen als Gläubiger griechischer Schuldner in Schwierigkeiten geraten sind, sollten sie inzwischen dank der angeblichen Rettung Griechenlands auf Kosten der Steuerzahler fast ganz Europas aus dem Schneider sein. Worum geht es denn jetzt noch? Der griechische Durchschnittslohn nähert sich dem Existenzminimum (es sei denn, man denkt an eine Absenkung auf rumänisches Niveau), und der vollständige Ruin der griechischen Binnenwirtschaft mag noch ein Ziel sein, ist aber nicht so ganz überzeugend.

    Geht es jetzt darum, den griechsichen Neugläubigern, die wegen der phantastischen Zinssätze gerne griechische Staatspapiere gekauft haben, das Vermögen zu erhalten? Wieder und weiter auf Kosten der Steuerzahler in ganz Europa?

    Keine Ahnung, aber das Sperrkonto geht in diese Richtung, meine ich.

    • 19. Oktober 2012 um 15:35 Uhr
    • hkeske
  9. Kommentar zum Thema

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