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Wenn’s ums Geld geht, Sparkasse?

Von 31. Oktober 2012 um 14:41 Uhr

Eigentlich bin ich ja ein Freund des Drei-Säulen-Modells im deutschen Finanzsektor inklusive des öffentlich-rechtlichen Bankenlagers. Aber was Sparkassenchef Georg Fahrenschon da laut FAZ zu sagen hat, stimmt mich nachdenklich:

Es ist nun ganz wichtig, dass die Notenbank den Punkt erkennt, wo man die hohe Liquidität wieder aus dem Markt herausnimmt”, mahnte Fahrenschon im Zweiten Deutschen Fernsehen (ZDF) aus Anlass des Weltspartages. Auch müssten die Länder in Europa “wirklich mit dem Sparen” beginnen. “Nur dann nimmt die Geldmenge wieder ab, und die Vermögen der Sparer nehmen wieder zu. Dann werden auch die Zinsen wieder steigen”.

Die Länder in Europa sollen also wirklich mit dem Sparen beginnen. Und was macht Griechenland, wo das Strukturdefizit seit 2009 laut OECD von 16,4 auf 1,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts gesenkt wurde? Das entspricht einer Reduktion um 16,6 Prozentpunkte und kommt wahrscheinlich der größten Kürzungsorgie der Wirtschaftsgeschichte gleich? Oder Spanien, mit einem Rückgang um immerhin 5,0 Punkte? Oder Irland mit 6 Punkten? Deutschland hat im Rahmen der Agenda gerade einmal 2,9 Punkte eingespart – und dafür ein Jahr länger gebraucht.

Und wenn also gespart wird, dann nimmt die Geldmenge wieder ab und dann steigen die Zinsen. Aber steigen die Zinsen nicht in der Regel, wenn Geld mehr auf Pump ausgegeben wird, weil dann der Kapitalmarkt stärker beansprucht wird? Und welches Modell hat Fahrenschon im Kopf, wenn er sagt, dass Sparen die Geldmenge verringert?

Wenn das die makro-ökonomische Kompetenz der Sparkassen ist, dann sollte man überlegen, sein Geld lieber zur Deutschen Bank zu bringen. Die verstehen wenigstens was davon.

Kategorien: Der aktuelle Rand
Leser-Kommentare
  1. 1.

    Warum ist es fuer den Sparer wichtig, ob seine Bank was von VWL versteht? Ist die einzelne Sparkasse nicht doch viel zu klein, um sich darueber Gedanken machen zu muessen und operiert letztlich eher betriebswirtschaftlich als volkswirtschaftlich?

    • 31. Oktober 2012 um 16:12 Uhr
    • Ich
  2. 2.

    Nun ja.
    Man mag zu der Aussage denken was man will, zudem ich Textauszüge ohne Kontext ohnehin nicht bewerten möchte.

    Fakt ist dass Herr Fahrenschon als Person durchaus kompetent ist, er hat als bayrischer Finanzminister Haushalte ohne Neuverschuldung aufgelegt. Und die Sparkassen sind als solide, föderale, Bankenstruktur ein Grund dafür wieso die Bundesrepublik sich auch in Krisenzeiten gut schlägt. Mir kommt es letztlich auf Erfolge an. Und bei Finanzvoodoo den man dafür häufig an anderer Stelle lesen muss ist mir solch eine bodenständige Haltung schlicht sympathisch. Natürlich wird Herr Fahrenschon auch wissen dass das zumindest grob vereinfacht ist, die Leserschaft der FAZ, oder einer beliebigen anderen Tageszeitung, will aber auch keine VWL Vorlesung besuchen müssen um einem Interview folgen zu können. Es geht doch viel mehr um die Grundaussage dass gewisse liberalitäre Exzesse und Fehlschlüsse korrigiert werden müssen und wieder in Richtung “Deutschland AG” und “Rheinischer Kapitalismus” umgesteuert werden muss. Diesmal aber, die Zeiten haben sich geändert, nicht mehr im deutschen sondern im europäischen Maßstab.

  3. 3.

    Koennte man schon machen. Wenn die Sparer bereit waeren auch die Verluste/Abschreibungen zu realisieren … Aber die haben ja irgendwelche Bankster-Gangster verbrochen, nicht die Sparer. Und als Sparer hat man ja ueberhaupt gar keine Verantwortung fuer das angelegte Geld!!! Nur Ansprueche an die Bank.
    Oder hab ich die Alternativen falsch verstanden?
    Variante EZB: fast Null Zinsen, fast Null Risiko.
    Variante Sparkasse: hohe Zinsen UND Risiko.

    • 31. Oktober 2012 um 17:11 Uhr
    • Mister T
  4. 4.

    Den Begriff “Sparen” sollte man nur noch benutzen, wenn man zugleich ganz klar definiert, was man darunter versteht. Ansonsten ist er komplett unbrauchbar – außer für gewollt inhaltsleeres Politgelaber.

    • 31. Oktober 2012 um 18:36 Uhr
    • alterego
  5. 5.

    Um mal positiv für den Mann zu sprechen: pragmatisch betrachtet hat er Recht, denn was passiert im Moment: Die EZB gibt günstige Leitzinsen -> mehr Geld auf dem Markt + Zinsen im Keller. Das ist schon richtig und sollte vielleicht nicht ganz so pauschalisiert gelesen werden. Viel Spaß bei der Deutschen Bank :P hehehe

    • 31. Oktober 2012 um 18:53 Uhr
    • Guy
  6. 6.

    Das stimmt zumindest teilweise, die einzelne Sparkasse ist für die internationalen Kapitalmärkte zu klein. Deshalb poolen sie ihre Anlagen ja auch über die Landesbanken und die DEKA-Bank. Und dabei sind sie stets sehr solide und denken immer an die Oma, mit deren Spargroschen sie gerade arbeiten. Man sollte den Weltspartag besser auf den 11.11. oder gleich den 01.04. legen. Da fallen so merkwürdige Erklärversuche nicht weiter auf.

  7. 7.

    “Es ist nun ganz wichtig, dass die Notenbank den Punkt erkennt, wo man die hohe Liquidität wieder aus dem Markt herausnimmt”, mahnte Fahrenschon im Zweiten Deutschen Fernsehen (ZDF) aus Anlass des Weltspartages. Auch müssten die Länder in Europa “wirklich mit dem Sparen” beginnen. “Nur dann nimmt die Geldmenge wieder ab, und die Vermögen der Sparer nehmen wieder zu. Dann werden auch die Zinsen wieder steigen”.”

    :-) Es handelt sich um eine hochkomprimierte Aussage aus dem Bereich der VWL, die man erst entpacken muß, bevor man sie verstehen kann. Außerdem müssen noch die Annahmen benannt werden, die man getroffen hat, damit die Aussage zutreffen kann.

    Ich versuch´s mal:

    “Es ist nun ganz wichtig, dass die Notenbank den Punkt erkennt, wo man die hohe Liquidität wieder aus dem Markt herausnimmt”

    Fahrenschon wünscht sich, daß die Notenbank die Liquidität vermindern möge, sobald die Umstände dies erlauben und genügend wirksame und verträgliche Mittel eingesetzt werden können. Und er hält es für wichtighofft, irgendjemand werde den richtigen Zeitpunkt erkennen.

    Dagegen läßt sich nicht viel sagen, gell? Wer könnte etwas gegen richtige Maßnahmen zum richtigen Zeitpunkt haben?

    “. . . wirklich mit dem Sparen” beginnen. “Nur dann nimmt die Geldmenge wieder ab, und die Vermögen der Sparer nehmen wieder zu. Dann werden auch die Zinsen wieder steigen”.”

    Das ist nun stark verkürzt, für das Interview. Ausformuliert sagt er uns, daß die Geldmenge abnehmen wird, wenn die Staaten ihre Ausgaben so stark vermindern (“sparen”), daß sie nicht nur keine neuen Verbindlichkeiten aufnehmen müssen, sondern sogar alte Verbindlichkeiten abbauen können. Voraussetzung für die Geldmengenminderung ist natürlich, daß nicht im selben Zeitraum an anderer Stelle neue Schulden entstehen, die die Schuldentilgung der Staaten quantitativ erreichen oder gar übersteigen. Außerdem müssen die Empfänger der staatlichen Rückzahlungen ihrerseits mit dem Geld Schulden tilgen – sonst bleibt es ein Nullsummenspiel. Das wird Herr Fahrenschon meinen, vermute ich ;-).

    Daß die Vermögen der Sparer steigen, wenn der Staat Schulden tilgt, ist etwas um die Ecke gedacht. Gemeint ist, denke ich, daß mit der staatlichen Schuldentilgung bei effektiver Geldmengenminderung die Inflationsgefahr abnimmt, die privaten Sparervermögen also an Sicherheit gewinnen. Deshalb sparen die Sparer dann auch mehr, und ihre Vermögen nehmen zu.

    “Dann werden auch die Zinsen wieder steigen”.”

    Das ist mehr langfristig und allgemein gedacht. Bei tatsächlich abnehmender Geldmenge ( 1.Annahme) und gleichbleibender oder wenigstens nur geringer abnehmender Kreditnachfrage (2.Annahme) könnten die Kreditzinsen durch die Banken heraufgesetzt werden, vorausgesetzt, die Nachfrager würden höhere Zinsen akzeptieren (3.Annahme). Wenn dieser Zustand eine Weile andauert und stabil zu sein scheint und sich außerdem die Öffentlichkeit über die Diskrepanz der Zinsen (zwischen den gezahlten und den geforderten) bei den Banken aufzuregen beginnt, dann könnten die Banken auch die Zinsen für die Sparer anheben (4.Annahme).

    Geht doch, oder? Mit einem bißchen guten Willen läßt sich die Interview-Sequenz als durchaus nicht ganz ohne Sinn und Verstand begreifen.

    • 31. Oktober 2012 um 19:08 Uhr
    • hkeske
  8. 8.

    @ M. Schieritz

    Oder aber die Sparkassen sollen jetzt für ihren Widerstand gegen einen europäischen Bankenrettungsfond sturmreif geschossen werden.

    Man nimmt sich sukzessive die Akteure vor, die den eigenen Plänen im Weg stehen, gell? Was zum herumkritteln findet sich schließlich immer, schon klar.

    Alex

    • 31. Oktober 2012 um 19:44 Uhr
    • Alex
  9. Kommentar zum Thema

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