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Von der Dynamik der Schwellenländer profitieren!

Von 8. Januar 2013 um 08:49 Uhr

Die wichtigsten Wachstumsimpulse für die Weltwirtschaft und die wichtigsten Impulse für die Aktienmärkte werden 2013 einmal mehr von den Schwellenländern ausgehen, deren reales BIP in diesem Jahr um über fünf Prozent zunehmen dürfte. Der Aufholprozess ist in vollem Gange. Den Ländern geht es finanziell so gut, dass sie nach wie vor netto Kapital in die reichen Länder exportieren. Aktien von Unternehmen, die in diesem Teil der Welt erfolgreich sind, haben die besten Voraussetzungen für eine erfreuliche Kursentwicklung.

In den Industrieländern bleibt die Geldpolitik extrem expansiv, während die Finanzpolitik fast ausnahmslos sehr restriktiv gefahren wird. Die Effekte auf die Konjunktur heben sich in etwa auf. Insgesamt hat sich das Wachstum zuletzt stark abgeschwächt: In diesem und in den vorangegangenen drei Quartalen liegt und lag es annualisiert bei unter einem Prozent. Ein Grund ist die restriktive amerikanische Haushaltspolitik, ein anderer die Rezession in Euroland. Japan versucht mit aller Macht, aus seiner Deflationsfalle herauszukommen und die Wirtschaft zu reflationieren. Das führt unter anderem zu einer starken Abwertung des Yen.

Insgesamt sinkt im OECD-Bereich die Kapazitätsauslastung. Das geht vor allem im Euroland mit steigenden Arbeitslosenquoten einher, aber auch in den USA herrscht eine beträchtliche Unterbeschäftigung. Generell befinden sich weniger gut qualifizierte Arbeitskräfte fast überall in den reichen Ländern in Schwierigkeiten, weil ihre Löhne durch den technischen Fortschritt und die Konkurrenz aus den Schwellenländern oft nicht marktgerecht sind. Die Folge ist eine anhaltende Verschiebung der Einkommensverteilung zulasten der Arbeitseinkommen.

Die finanzielle Lage der Unternehmen in den reichen Ländern bleibt weiterhin recht gut: die Löhne steigen nur moderat, und es wird nicht viel Geld für Sachinvestitionen ausgegeben. Im zweiten Halbjahr könnte die Konjunktur dann wieder besser laufen, aber das ist zum Teil Wunschdenken.

Es ist einigermaßen sicher, dass die Inflationsraten weiter sinken werden. Sie dürften im Verlauf dieses Jahres unter ihre Zielmarken fallen, so dass es keinen Grund gibt, weshalb die Notenbanken ihre Expansionspolitik aufgeben sollten. Wegen der niedrigen Leitzinsen ist es im Übrigen unwahrscheinlich, dass es zu einem Crash an den Bondmärkten kommen wird. Japan könnte eine Ausnahme sein.

Viel hängt davon ab, ob die Eurokrise durch die Schaffung einer Bankenunion in diesem Jahr beendet werden kann. Dass es dazu kommt, ist wahrscheinlich, aber noch nicht sicher. Der Druck auf die Politiker, endlich Nägel mit Köpfen zu machen, steigt ständig. Solange die Zukunft des Euro nicht gesichert ist, dürften die Unternehmen ihre Investitionen einschränken und Personal abbauen. Noch sieht es daher danach aus, dass auch 2013 für Euroland ein Rezessionsjahr sein wird.

Wenn die Eurorettung dagegen gelingen sollte, sieht manches auf einmal ganz anders aus. Auf der Gewinnerseite wären dann beispielsweise Bankaktien – sie sind nach wie vor sehr billig. Spanische, italienische, portugiesische und selbst griechische Staatsanleihen und Aktien würden in dem Fall ebenfalls überdurchschnittlich gut laufen. Bundesanleihen wären als Anlagemedium für Fluchtgelder jedoch nicht länger attraktiv und dürften eher etwas leiden.

Ausführliches zur wirtschaftlichen Lage in den Industrie- und Schwellenländern (mit einem Schwerpunkt zur Entwicklung im Euroraum), sowie zu den Aussichten und Risiken für Aktien, Bonds, Rohstoffe und Wechselkurse finden Sie in meinem neusten Investment Outlook:

Wermuth’s Investment Outlook – January 2013*) (pdf, 204 KB)

*) Der Investment Outlook von Dieter Wermuth ist in englischer Sprache verfasst und wird im Herdentrieb in loser Folge zum Herunterladen bereitgestellt. (UR)

Leser-Kommentare
  1. 1.

    Wermuth hat immer noch nicht verstanden, dass der Lebenshaltungskostenindex nicht das allein sinnvolle Maß für die Steuerung der Geldpolitik der Notenbanken ist. Insbesondere, wenn das zu viele Geld gar nicht von der heimischen Realwirtschaft aufgenommen wird, sondern überwiegend finanzsektorinterne Blüten (und Blasen) treibt, auch mit Anlagen im Ausland, wie z.B.in den Schwellenländern. Aus der Finanzkrise nichts gelernt.

    Ich halte das Expansionsziel der EZB von 4,5% und die tatsächliche M3-Expansion von 4 Prozent bei einem realen Rückgang der produzierten Gütermenge von -0,x% für verrückt. Das kann nicht gutgehen.

    Eurostat rechnet übrigens mit einer Inflationsrate im Euroraum von über 2 Prozent (2,2%). Könnte auch sein, dass sie am Ende darüber liegen wird.

    • 8. Januar 2013 um 15:25 Uhr
    • alterego
  2. 2.

    Das viele arme, heimatlose Geld, das um den Globus zirkuliert, sollte man also in die Schwellenländer pumpen – wenn man denn von diesem Geld auch etwas besitzt, versteht sich.

    Und dann?
    Wie paßt das zu überall angenommenen sinkenden Rohstoffpreisen und anderen Prophezeiungen der ökonomischen Voodoo-Priesterschaft?

    Eine allgemeine Verlagerung des endlosen Wachstums nach IrgendwoLand wird am generellen Problem nichts ändern, im Gegenteil.
    Dann platzt die nächste Blase eben in Peking oder Hongkong oder am Amazonas, innerhalb der globalisierten Wirtschaft ist das dann wirkungsmäßig auch nicht besser als jetzt.
    Mit dem Unterschied, daß beim nächsten Mal die Banken eben nicht mehr gerettet werden, beim nächsten Mal werden die Banken angezündet.
    Entweder ändern wir generell die Vorgehensweise, oder die menschliche Zivilisation wird irgendwann so aussehen wie die Gesellschaft der Osterinsel.

  3. 3.

    “Wermuth hat immer noch nicht verstanden, dass…”

    Man bedenke, dass einen Pessimismus nicht notwendigerweise zu einem guten Anleger macht. Wermuth lag mit seinem Optimismus im letzten Jahr goldrichtig (und ich wollte ihm nicht glauben). Jetzt ist er wieder optimistisch (und ich mag es immer noch nicht glauben).

    Als Bär hat man es nicht leicht gegen die Allmacht der Zentralbanken…

    • 8. Januar 2013 um 20:53 Uhr
    • Michel
  4. 4.

    Die Volkswirtschaften der Schwellenländer sind keineswegs alle
    “dynamisch”. Die Quartalsergebnisse der globalisierten Großfirmen der Welt bestätigen, dass es deshalb nicht unbedingt weise ist, sich in sämtlichen Teilen der Welt niederzulassen. Firmen, die in 100 oder mehr Staaten vertreten sind, schnitten wesentlich schlechter ab als jene, die gezielt in nur 20 oder weniger Staaten operieren. Es ist mithin vorteilhafter, sich nur in den besser entwickelten Schwellenländern zu etablieren.

  5. 5.

    @3
    Man muss unterscheiden zwischen den ökonomischen Überzeugungen und dem ökonomischen Handeln. Was ich kritisierte, sind die Überzeugungen. Ich halte die Geldpolitik der Zentralbanken seit den 1990er und besonders den 2000er Jahren für fatal.

    Was das Geld anlegen angeht, kann man grundsätzlich unter allen Marktgegebenheiten erfolgreich sein. Man muss nur rechtzeitig ein- und wieder aussteigen. Dann kann man sich zu Lasten der langsamer handelnden und schlechter informierten Anleger bestens bereichern.

    • 9. Januar 2013 um 12:06 Uhr
    • alterego
  6. 6.

    “Von der Dynamik der Schwellenländer profitieren”.. damit kann ich mich nicht so ganz anfreunden.

    Meiner Erfahrung nach führt hohes Wachstum(=Dynamik) nicht zwangsläufig zu langfristig guten Renditen. Wo sind denn die ganzen hippen New-Economy Unternehmen der Jahrtausendwende ?

    Viel besser halte ich “lightly regulated and dividend-paying domestic monopolies” (Seite 3).
    Wobei es meiner Meinung nach weder “domestic” noch “monopolies” sein müssen. Einfach einen Select Dividend Index ETF kaufen und fertig. Z.B. den hier: de.ishares.com/de/rc/produkte/EXSH . Dividendenrendite >5%.

    Gruß, Gojko.

    • 13. Januar 2013 um 15:15 Uhr
    • gojko
  7. 7.

    @alterego: “Man muss nur rechtzeitig ein- und wieder aussteigen. Dann kann man sich zu Lasten der langsamer handelnden und schlechter informierten Anleger bestens bereichern.”

    Vergiß es. Das Timing kriegt langfristig niemand hin (es sei denn, er hat Insiderinformationen).
    Ich investiere jetzt > 15 Jahre an der Börse und wenn was funktioniert dann “Kaufen und Halten”.

    • 13. Januar 2013 um 15:21 Uhr
    • gojko
  8. 8.

    Ja, Kaufen und Halten ist für die Nicht-Pros sicher die bessere Alternative, wegen des deutlich geringeren Zeitaufwands. Aber was das Kaufen und Verkaufen angeht, muss man als Nicht-Pro nicht unbedingt zu den Schnellsten gehören. Es kommt letztlich nur darauf an, Gewinne mitzunehmen, auch wenn sie klein sind. Ansonsten eben Halten, wenn das Anlageobjekt auf längere Sicht solide erscheint, andernfalls schnellstmöglich mit Verlust verkaufen, bevor es noch teurer wird. (Und nicht, wie Euroland bei Griechenland, schlechtem Geld immer weiter immer mehr gutes hinterher zu werfen.)

    • 13. Januar 2013 um 16:45 Uhr
    • alterego
  9. Kommentar zum Thema

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