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Die Bundesbank entdeckt die Ungleichheit

Von 7. März 2013 um 14:51 Uhr

Viel Wirbel heute über einen Artikel in der FAZ über eine Studie zur Vermögensverteilung in der Euro-Zone. Die FAZ verleiht dem Sachverhalt den Spin, die Daten würden zurückgehalten, weil sonst herauskäme, dass ärmere Länder für reichere bezahlen. Im Fall Zypern ist das wohl der Fall. Aus der Studie geht wohl hervor, dass das Pro-Kopf-Vermögen in Zypern eines der höchsten der Euro-Zone ist.

Im Fall der Bundesbank ist aber, wie ich es sehe, der Kontext ein anderer. Die Bundesbank hält die Studie nicht zurück, sie wird im Rahmen einer Konferenz am 21. März vorgestellt. Aus der Bundesbankstudie wird als wichtigste Botschaft hervorgehen, dass das Vermögen in Deutschland extrem ungleich verteilt ist, was wohl viel mit dem Thema Immobilienbesitz zu tun hat.

Politisch ist das für die innerdeutsche, nicht die innereuropäische Debatte relevant. Denn es wird sozusagen hochoffiziell mit dem Stempel der Bundesbank bestätigt werden, dass dieses Land ungerecht ist. Man muss nicht lange überlegen, wem das im Wahlkampf nutzen wird.

Wenn das zur Folge hat, dass wir endlich einmal eine Debatte über eine angemessene Erbschaftssteuer in diesem Land führen, dann ein Hoch auf die Bundesbank!

Kategorien: Der aktuelle Rand
Leser-Kommentare
  1. 1.

    Ja, die Bundesbank hat gerade eine neue Datenbank aufgebaut, die Informationen zu diesem Thema liefert. Ich hoffe, diese Datenbank wird weiterhin so gewinnbringend eingesetzt, in Wissenschaft und Öffentlichkeit!

    • 7. März 2013 um 17:22 Uhr
    • Dakra
  2. 2.

    Wieder eine Möglichkeit mit Gleichstellungsforderungen auf Wählerfang zu gehen
    was die fleißigen und Risikoträger bezahlen sollen.
    Eigentlich wird da nichts anderes als Planwirtschaft verkauft
    Wer pünktlich, fleissig und Arbeitsam ist soll das gleiche verdienen wie einer
    der Anwesenheitslohn bekommt.
    Für wenig Leistung gibt es auch nur wenig
    Für keine Leistungen gibt es viel zu viel in Deutschland incl.frei wohnen

  3. 3.

    mE ist diese aussage in ihrer absolutheit nicht zu halten.

    “Politisch ist das für die innerdeutsche, nicht die innereuropäische Debatte relevant.”

    geht es doch um:

    “eine Studie zur Vermögensverteilung in der Euro-Zone”

    ich tippe auf politisches wunschdenken seitens des autors.
    allein hier nur zypern als beispiel zu nennen, greift nicht.

    italien, spanien…dort gibt es auch jede menge vermoegen/ schulden
    ein credo der rettung des euro ist der undifferenzierte glaeubiger-bailout
    auf kosten aller, mithin die waermende sonne des sozialismus welches ein grundprinzip unseres systems – naemlich das scheitern – ausser kraft setzt.

    • 7. März 2013 um 17:30 Uhr
    • NoG
  4. 4.

    Wem soll es denn im Wahlkampf nutzen? Den Parteien, die mit ihren Reformen die Ungleichheit vorangetrieben haben oder den Regierungsparteien, die nichts dagegen getan haben, sondern sie noch verschärft haben? Oder den Linken? Eher unwahrscheinlich.

    • 7. März 2013 um 17:30 Uhr
    • anshof
  5. 5.

    Für die Erbschaftssteuer gäbe es eine einfache und elegante Lösung. Im Erbschaftsfall fallen erstmal nur auf die reinen Cash-Bestandteile Steuern an. Alles andere, seien es Aktien, Anleihen, Immobilien oder Betriebsvermögen gehen mit Anschaffungskosten Null in den Besitz des Erben über. Verkauft er, fallen auf den gesamten Erlös – von mir aus auch erhöhte – Kapitalertragssteuern an. Damit wäre sowohl die Problematik mit Betriebsvermögen wie auch mit der unterschiedlichen Bewertung der Vermögensklassen gelöst. Allerdings müssten zusätzlich die steuerlichen Regelungen bzgl. Kapitalerträgen innerhalb von Unternehmen neu gestaltet werden, denn die aktuellen dienen dazu, dass sich die Superreichen nicht nur im Erbschaftsfall der Steuer entziehen.

    • 7. März 2013 um 17:56 Uhr
    • Archie2
  6. 6.

    Und werden sich aus dieser Erkenntnis auch irgendwelche Konsequenzen ergeben?

  7. 7.

    Immer wieder interessant wie selbstverständlich “ungleiche Verteilung” mit “ungerecht” gleichgesetzt wird. Das kann so sein, muss es aber nicht. Es suggeriert eine Gleichverteilung wäre gerecht und was gerecht ist, ist erstrebenswert. Meines Wissens nach waren alle Systeme, die versucht haben Gleichheit und Gerechtigkeit gleichzusetzen ziemlich ungerecht… Unsere Freiheit lebt von der Ungleichheit. Punkt. ABER: Die Frage ist, ab welchem Punkt Ungleichheit die Freiheit wieder einschränkt.
    Will sagen: Es wird vollkommen ideologisch argumentiert und man versperrt sich damit selbst den Weg zu einer produktiven Diskussion.

    • 7. März 2013 um 18:01 Uhr
    • richman2
  8. 8.

    So weit ich weiß, beruht diese Studie auf Umfragedaten. Andererseits gibt es ja die offiziellen Daten zu den financial accounts der einzelnen Bereiche, die sich ja auch u.a. in meiner geliebten international investment position wiederfinden.

    Den Eurostat Daten zu Folge (epp.eurostat.ec.europa.eu/tgm/table.do…) ist Zypern nämlich gar nicht mehr so reich (IIP 2006 +38% GDP – 2011 -73% GDP)

    Weiß einer der hier vertretenen fachkundigen Kommentatoren wie diese einzelnen Datenquellen einzuschätzen sind, bzw, wem man glauben soll?

  9. Kommentar zum Thema

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