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Ob die Märkte Maybrit Illner schauen?

 

Gestern war ein interessanter Tag: In Frankfurt zeichnet Mario Draghi das Bild eines Kontinents, der im Heilungsprozess begriffen ist. In Berlin diskutiert Maybrit Illner über die Frage, ob Deutschland aus dem Euro austreten soll. Wer diese Sendung gesehen hat, der muss schwarz sehen für diese Währung.

Oskar Lafontaine solidarisiert sich mit dem Anführer der Euro-Rebellen, Bernd Lucke und Mr. Dax aka Dirk Müller, der omnipräsente „Finanz- und Börsenexperte“ stimmt in den Chor ein. Die Verteidigung des Euro übernimmt ein unmotivierter, weil von den Rettungsmaßnahmen im Grunde auch nicht überzeugter Rainer Brüderle und ein sympathisch-nachdenklicher aber ökonomisch unterbelichteter – er ist eben Außenminister –  Jean Asselborn.

Da bestärkte man sich eine halbe Ewigkeit darin, dass doch die Euro-Rettung in Wahrheit einer Rettung der Boni-Banker auf Kosten der deutschen Steuerzahler sei, bis Asselborn irgendwann zart einwarf, ob nicht vielleicht die deutschen Steuerzahler vielleicht ihr Geld auf den Banken liegen hätten. Und überhaupt finanziere ja der deutsche Steuerzahler sowieso alles, ganz so als ob nicht auch andere Länder die Kosten tragen.

Die Märkte hören auf Draghi, das Problem ist nur, dass mehr Bürger Mybrit Illner schauen.

159 Kommentare

  1.   Pseudonym

    Furchtbare Runde. Wo es Asselborn an ökonomischen Verständnis fehlt, fehlte es Lucke und Co an wirtschaftspolitischen Visionen.

    Das Ergebnis war, dass sich die eine Seite unreflektiert am Euro festklammerte, während die andere Seite unreflektiert dessen Abschaffung forderte.

    Nicht fehlen durfte natürlich auch die Fixierung auf die ‚Wettbewerbsfähigkeit‘ die den Südländern fehlen würde.
    Mit keinem Ton wurde dabei diskutiert, dass eine steigende Wettbewerbsfähigkeit der einen Nation zu einer sinkenden in anderen Nationen führen muss (Das wiederum ist aber sozialverdräglichem Maße nicht gewünscht vgl Merkels Rede in Davos), was schlussendlich in einem Rennen nach unten führen wird.

    Was Europa ganz drigend braucht ist ein zukunftstaugliches Wirtschaftskonzept, dass für alle Staaten gilt, egal ob mit oder ohne Euro.


  2. „Die Märkte hören auf Draghi, das Problem ist nur, dass mehr Bürger Mybrit Illner schauen.“

    Seit wann ist die Meinung der Bürger ein Problem? Sind wir schon so weit gekommen?
    Die Bürger sind nicht das Problem, sie sind die Lösung.

  3.   Kassandra

    Bemerkenswert fand ich die Dame der italienischen Nachrichtenagentur, die ernsthaft behauptete, dass Italien NIE irgendetwas von den anderen Euroländern gefordert habe.
    Das haben wir aber anders in Erinnerung: Erst durch schwersten Druck Italiens und Spaniens kam es zum Aufkauf von italienischen Staatsanleihen durch die EZB (100 Mrden Euro), von denen knapp ein Drittel vom deutschen Steuerzahler garantiert werden.
    Man fragt sich, weshalb ein Land, welches nach Privatvermögen zu den reichsten in Europa gehört, es nötig hat, sich von den Steuerzahlern anderer Länder aushalten zu lassen, anstelle jahrelang Steuergeschenke zu machen oder Steuerhinterziehung zu dulden.
    Ebenso ärgerlich die Grundhaltung, als sei Italien ein Opfer Europas: Italien ist ein Opfer seiner selbst, eines korrupten politischen Systems und einer wenig am Gemeinwohl orientierten Bevölkerung.

  4.   alterego

    Die Kapitalanleger hören, wer hätte das gedacht(?), auf den, der ihnen das Risiko nimmt, das sie selbst tragen müssten. Ist das in Ordnung? ist es etwa in Ordnung, dass die EZB Kapitalanleger von ihrem Anlagerisiko entlastet? Und damit zugleich das vertraglich vereinbarte Staatsfinanzierungsverbot umgeht? Ich halte das, anders als Schieritz, nicht nur nicht für in Ordnung, sondern für eine Pervertierung wirtschaftlicher Prinzipien und für einen handfesten Rechtsbruch.

    Natürlich haben die Bürger ihr Geld auf den Konten der Banken liegen. Aber es ist IHR Geld, nicht das der Banken. Und für die Politik ein Leichtes, sicherzustellen, dass dieses Geld der Bürger auf den Konten der Banken nicht vernichtet wird, wenn die Banken insolvent werden. Außerdem wird man unter den Geldgebern der GIIPS-Staaten kaum deutsche Bürger finden, schon gar nicht den so genannten kleinen Mann. Es sind insbesondere Banken und andere finanzwirtschaftliche Institutionen, die als sich Staatsfinanzierer betätigen.

    Wenn das Adjektiv „ungerecht“ im Zusammenhang mit irgendeinem politischen Handeln berechtigt und angemessen ist, dann zur Charakterisierung dieser unsäglichen Bankeneigner- und Misswirtschafter-Rettungspolitik.

  5.   nickolo

    Dass mehr Bürger Maybrit Illner schauen als an Mario Draghis Heilungsprozess glauben, ist zumindest in diesem Fall kein ‚Problem‘ sondern schlichtweg zu begrüßen. Herr Brüderle steht argumentativ völlig nackt da, wenn er auf Kompetenz stößt. Da fällt ihm inhaltlich nicht mehr ein, als Bernd Lucke stets mit „Herr Professor“ anzuflaumen. – So unterschiedlich auch die Herkunft dieser Teilnehmer ist, das ging 3:0 für Lafontaine, Lucke und Müller aus.

  6.   Dietmar Tischer

    >Die Märkte hören auf Draghi, das Problem ist nur, dass mehr Bürger Mybrit Illner schauen.>

    Schon wieder daneben.

    Die Märkte hören nicht auf Draghi, wenn der ihnen von einem Heilungsprozess erzählt. Gäbe es ihn hinreichend erkennbar, würden sie z. B. in Italien investieren. Das tun sie nicht. Die Märkte sehen sich vielmehr das Wahlergebnis an und verlangen Risikoaufschläge auf italienische Staatsanleihen – trotz Draghis warmer Worte.

    Das Problem ist nicht, dass mehr Bürger Mybrit Illner schauen. Das Problem ist, dass manche, wie in Italien gerade bestätigt, gar nicht gerettet werden wollen.

    Was nun Herr Schieritz – wenn das immer mehr ins Bewusstsein sickert?

  7.   undertaker

    Die Spareinlagen der Bürger werden eben nicht gerettet, indem die EZB den Banken jegliche Ausfallrisiken abnimmt. Im Gegenteil werden sie durch das Anwerfen der Notenpresse real entwertet. Denn der größte Teil der aktuellen Geldmengenausweitung fließt eben in die Finanzmärktung und über steigende Kurse, Dividenden und Boni letztlich in die Taschen von Bankern und Risikoanlegern. Die Entgegnung von Mr. Dax und Prof. Lucke, dass es völliger Irrsinn sei, die Spareinlagen der Bürger nicht einfach direkt zu garantieren und einen Schuldenschnitt zuzulassen, war also völlig korrekt. Notfalls müssen in Schieflage geratene Banken eben verstaatlicht werden. Doch die Finanzbranche vor sämtlichen Verlusten zu schützen, kann wohl kaum im Interesse der risikoaversen Kleinsparer sein, um die Sie sich hier so rührseelig Sorgen, Herr Schieritz!

  8.   undertaker

    Das kann übrigens auch jetzt schon jeder sehen und ich rechne Ihnen das gerne vor: Wer sein Geld sicher als Tagesgeld oder in deutschen Staatsanleihen anlegt, bekommt 1%. Die Inflationsrate liegt deutlich darüber, der Realzins ist also negativ. Für italienische Staatsanleihen gibt es 4%-6%. Wollen Sie die Bürger tatsächlich in solche Anlagen treiben? Es ist doch offensichtlich, dass so nur ein Schneballsystem erzeugt wird. Diese Renditen können nämlich nur mittels Notenbankpresse und niemals durch italienische Steuereinnahmen zurückgezahlt werden. Denn dafür ist die bestehende Schuldenlast zu hoch, zudem fehlt es in Italien sowohl an internationaler Wettbewerbsfähigkeit als auch Reformwillen. Von Griechenland und Spanien ganz zu schweigen…

  9.   Gast

    Was für ein entlarvender Titel. Die Märkte, die Märkte. Immer die Märkte! Ob die Märkte wählen gehen, frage ich zurück. Nein, die Bürger gehen wählen.
    Und die haben die Nase voll von Gesetzesbrüchen (Maastricht), von Lügen über die Konsequenzen, von einer Transferunion die ihresgleichen sucht. Von knapp 50 europäischen Staaten haben nur 17 den Euro. Und die mehr als 30 anderen Staaten kommen auch klar. Bürgerkriegsartige Unruhen wie ind den EU-Staaten Griechenland, Portugal, Frankreich und Italien sehen wir in diesen Euro-freien Staaten nicht.
    Die Wähler haben die Nase voll von Souveränitätsverlust, von Abnickerei im Parlament mit einer großen Blockpartei namens SPDCDUFDPGRÜNE. Von undemokratischem Hinterzimmergekungele in EU-Kommissionen, deren Kommissare die wahre Macht haben und die keiner gewählt hat.

  10.   Der Blog ist selbst tendenziös

    Ich habe schon lange keinen so schlechten Zeit Blog gelesen.
    Der Autor will uns selbst Sand in die Augen streuen.
    Wenn er die Sendung gesehen hat, so weiß er sicherlich, dass das Geld der „kleinen Leute“ nicht bedroht gewesen war, sondern das der Oberschicht.
    Und ich persönlich habe die Bankenrettungen satt. Es ist ein Unding, dass z.B. Unternehmen der Realwirtschaft bankrott gehen können und die Beschäftigten dort ihre Arbeitsplätze verlieren können, während der Bankensektor dauernd vom Steuerzahler gerettet wird, damit ihre Manager weiterhin auf Steuerzahlerkosten Millionen pro Jahr verdienen (Bsp. Herr Blessing) und Bankia Mitarbeiter, die das ganze Schlamassel in Spanien verursacht haben weiterhin ihren hochdotierten Job behalten, während die kleinen Leute in Spanien von ihnen aus ihren Wohnungen vertrieben werden.
    Herr Müller, Herr Lafontaine, Bernd Lucke sprechen endlich einmal Klartext.
    „So funktioniert Kapitalismus“ – ist der Block überschrieben. Kapitalismus funktioniert aber so, dass marode Unternehmen nicht mit Steuergeldern gerettet werden, sondern dass sie in die Insolvenz gehen und deren Gläubiger und Besitzer haften.
    Außerdem bedeutet Kapitalismus, dass Verträge eingehalten werden und Rechtssicherheit herrscht. Inzwischen ist staatliches Rettungshandeln aber unkalkullierbar geworden. Vertragsklauseln wie die No Bailout Klausel sind nur noch einen Dreck wert. Wozu dann überhaupt noch Verträge?
    Die Frage ist, wer wirklich „unterbelichtet“ ist. In der Ökonomie gibt es auch Interessen, nicht nur „richtig“ oder „falsch“.
    [Gekürzt. Verzichten Sie bitte auf persönliche Unterstellungen. Danke. (UR)]