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Der Plan B: Zyprische Rentner retten reiche Russen

 

Vorab: Es ist Sache des zyprischen Volkes, zu entscheiden, woher das Geld für die geforderte Eigenleistung kommen soll. Der ursprüngliche Vorschlag sah vor, die Bankeinleger zu beteiligen – über den Umweg einer Steuer mit einer eng definierten Bemessungsgrundlage. Das wäre erstens verursachergerecht gewesen (denn die Banken sind das Problem) und hätte aus Sicht Zyperns zweitens den Vorteil gehabt, dass ein Teil der Rettungskosten auf Ausländer (vor allem Russen) abgewälzt worden wären. Von den gesamten Verbindlichkeiten der zyprischen Banken in Höhe von 134 Milliarden Euro entfallen 62 Milliarden auf Kundeneinlagen aus dem Inland und 54 Milliarden auf ausländische Depositen. Die Einbeziehung der Bankeinlagen hätte es also erlaubt, auch jenen ausländischen Anlegern einen Teil der Kosten aufzubrummen, die die Banken überhaupt erst in die Lage versetzt haben, ein großes Rad zu drehen.

Jetzt also soll ein Fonds aufgelegt werden, der sich aus Geldern der Pensionskassen, der Kirche und anderer Institutionen speist. Dieser Fonds soll dann Anleihen ausgeben. Die Details sind noch nicht klar – möglicherweise dient der Fonds als Sicherheit für eine Notanleihe mit Hilfe derer Zypern sich dann bei seinen eigenen Bürgern vergünstigt Geld leiht, um so durch die Zinsersparnis die Schuldentragfähigkeit herzustellen. Dieser Punkt ist zentral, denn wenn ganz einfach eine Anleihe ausgegeben wird, dann kommen ja neue Schulden hinzu und nichts ist gewonnen. Ob diese Rechnung aufgeht, erscheint mir mehr als fraglich.

Aber wie auch immer, gehen wir einmal davon aus, die Zahlen stimmen am Ende: Zypern plündert dann also, wenn ich es richtig sehe, seine eigenen Rentenkassen, damit die russischen Milliardäre ihre Milliarden auch ausbezahlt bekommen. Ich frage mich, ob die zyprischen Parlamentarier wissen, was sie da tun und wer hier eigentlich die Interessen der Bevölkerung vertritt. Vielleicht ist es, zumindest ökonomisch betrachtet, doch besser, von Brüssel aus regiert zu werden als von Nikosia.

In der Debatte über die Zwangsanleihe ist wiederholt – etwa von Wolfgang Münchau – argumentiert worden, man hätte lieber die maroden Institute restrukturieren beziehungsweise abwickeln sollen. Das sehe ich auch so (und nach meinen Informationen war das auch der ursprüngliche Vorschlag der Deutschen). Dann wäre die Reihenfolge einer solchen Abwicklung eingehalten worden – also Aktionäre, nachrangige Gläubiger, vorrangige Gläubiger und am Ende Einleger über der Grenze von 100.000. Nur: Wegen der besonderen Struktur des zyprischen Bankensystems wären die Sparer auch dann rasiert worden! Gäbe es die Bankenunion schon, wäre der Prozess sauber abgelaufen, aber am Ergebnis hätte sich nicht viel geändert.

172 Kommentare


  1. “Zyprische Rentner retten reiche Russen” – und die Deutsche Bank und britische Anleger. Haben Sie noch genauer in die Bücher die zyprischen Banken geschaut, um außer diesen drei Hauptgruppen fündig zu werden – Herr Schieritz?

    [Gekürzt. Bleiben Sie bitte beim Thema und verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke. (UR)]


  2. Es gab weder einen Plan A, noch gab es einen Plan B.

    Die zyprische Regierung ist nur noch eine getriebene und nur noch in der Lage ad hoc zu entscheiden. Von Planungen kann überhaupt keine Rede sein. Soviel sollte auch ein politischer Journalist über Entscheidungstheorie wissen.

  3.   Dan H.

    Nur mal zum Verständnis zu folgendem Satz: “denn wenn ganz einfach eine Anleihe ausgegeben wird, dann kommen ja neue Schulden hinzu und nichts ist gewonnen.”:
    Verschenkt denn die EZB die benötigten Milliarden an Zypern bzw. die zyprischen Banken, oder ist es ebenfalls nur ein Darlehen, das neue Schulden bedeutet?

  4.   Leser

    das selbe habe ich mir auch gedacht.
    seltsamerweise läuft das zyprische Volk gegen dieses neue Paket nicht Sturm.
    Verstehen kann ich das nicht…
    Evtl. wurde die Bevölkerung dort über Medien, die Straße etc. so blind gemacht, dass sie nicht sieht, dass die kleinen Leute nunmehr russische Milliardäre retten?


  5. Jetzt dürfte selbst der linkeste der Linken merken das es Zypern nicht um den zypriotischen Kleinsparer geht. Es geht um das Steuerparadies.

    Jetzt sollte auch jedem klar sein, das der Vorschlag die Kleinsparer zu beteiligen um die Belastung für große Vermögen zu drücken aus Nikosia kommt, wenn nicht aus Moskau.

    Ganz abgesehen davon das auf 3 Jahre gesehen ein Kleinsparer auch mit der Sondersteuer besser gefahren wäre als deutscher Kleinsparer. Denn hier gibts knapp über 1% Zinsen. In Zypern um die 4%.

  6.   Exponentialfunktion

    Wie wäre es eigentlich, wenn man den Spieß mal umdrehen würde? Man könnte z.B. an Stelle der Russen den Zyprioten sagen, dass sie zwar die Milliarden bekommen, dafür aber deutschen Firmen (Thyssen Gas) Zugang zu ihren Erdgasvorkommen gewähren müssen. Das wäre natürlich blanke Machtpolitik, allerdings benehmen sich die Anderen ja auch nicht anders.

  7.   Klüger

    Tja, erst wollte der zyprische Finanzminister Renten kürzen, Löhne senken und Ausgaben für Soziales kürzen – das volle Programm eben.

    Auf die Forderung der Bundesregierung, die BANKEIGENTÜMER zu beteiligen, reagierte die zyprische Regierung mit der Beteiligung der BANKKUNDEN- und obendrein noch der Kleinsparer.

    Jetzt wird eben auf anderem Weg in Bürgers Tasche gegriffen – denn leider hat der Renteneinzahler keine Einflussmöglichkeit, die Zweckentfremdung der Rente (die er ja eingezahlt hat, um RENTE zu bekommen und nichts anderes!) zu verhindern.

    Leider wird das wohl auch “den Deutschen” in die Schuhe geschoben.

    Das bei uns die Finanzmärkte und Geldeliten bereits den Plünderungszug nahezu vollendet haben, unsere Rentenkasse nach der Wiedervereinigung geplündert wurde, die Sozialleistungen gekürzt. die Löhne- und Renten reduziert, Volkseigentum verscherbelt und das Vermögen bereits zu fast 70% in den Händen der obersten 10% – das wissen unsere zyprischen Leidensgenossen nicht.

    Die befinden sich eben noch in der Illusion des Wohlstandes, den der “freie Markt” und der Euro in Bürgers Tasche spült.

    Bei uns war das bis 2002 so.


  8. Eigentlich nüsste diese merkwürdige Pseudolösung spätestens im Bundestag an SPD und Grünen scheitern, die sich restlos blamieren würden, wenn sie einer Lösung zustimmen sollen, bei der anscheinend der Eigenanteil auf Darlehensbasis erbracht wird und das Steuerdumpingmodell über die Runden gerettet wird.

  9.   Coiote

    Schwierig zu sagen, ob diese Strategie für Zypern aufgehen wird. Offensichtlich will Zypern vor allem das prinzipielle Geschäftsmodell des Niedrigsteuer-Finanzsektors retten. Dafür muss natürlich das Vertrauen in die Banken erhalten bleiben, insbesondere bei ausländischen Kunden. Aber jeder weiß nun, dass diese Banken marode sind, und Zypern wohl bei einer zweiten Krise nicht nocheinmal die Banken schonen könnte. Daher geben ich der Strategie Zyperns nur geringe Chancen. Unterm Strich ist es wohl eine unkluge Entscheidung gewesen, die Banken auf Teufel komm raus zu schonen.

  10.   JoegetstheBlues

    Den Aufschrei habe ich sowieso nicht verstanden: wenn die Banken pleite gehen ( was sie eigentlichen sollten) wäre auch das Geld der Anlager weg. Also ab 100.000€ eine gestaffelte Minderung des angelegten Betrags ist doch zu rechtfertigen. Das Anzapfen der Rentenkassen ist doch der Hammer…