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Wir armen Deutschen

 

Der Bericht der EZB über die Vermögenslage in Europa ist da. Viele Zahlen sind schon seit einiger Zeit bekannt. Deutschland liegt beim Medianeinkommen ganz hinten, Zypern ziemlich weit vorne.  Und beim Durchschnittseinkommen liegen die Deutschen im hinteren Mittelfeld.

Die EZB weist ausführlich darauf hin, warum die Daten mit Vorsicht zu genießen sind: Die Position beim Median sagt mehr über die Einkommensverteilung innerhalb eines Landes als über den Vergleich zu anderen Ländern. Beim Durchschnitt verzerren Immobilienbesitz, Haushaltsgröße, Rentenansprüche und Zeitpunkt der Befragung das Bild. Jeder der in jüngerer Zeit in Griechenland war wird bestätigen, dass es diesem Land definitiv viel schlechter geht als uns.

Interessant sind also nicht die Daten selbst, sondern wie sie wahrgenommen werden. Man könnte schier verzweiflen, wenn man die FAZ liest. Aber es geht hier nicht mehr um Wahrheit oder Erkenntnis, sondern um Politik.

14 Kommentare

  1.   Dietmar Tischer

    >Interessant sind also nicht die Daten selbst, sondern wie sie wahrgenommen werden.>

    Richtig.

    Meine Wahrnehmung:

    In den Ländern, in denen die Verschuldung hoch ist, gibt es auch Vermögen.

    Was liegt NÄHER, als diese Vermögen zur Sanierung heranzuziehen?

    Die Wahrnehmung der Schuldner:

    Da sind ANDERE Länder, in denen es Vermögen gibt.

    Was liegt näher, zuerst und vorrangig diese heranzuziehen?

    So ist das, wenn ALLE auf die GLEICHEN Daten schauen.

  2.   Alex

    Die Daten mögen mit Vorsicht zu genießen sein, aber will man den Bericht deswegen gleich verwerfen? Wozu dann so einen Bericht erstellen?

    Ich würde eher behaupten, dass die Ergebnis Mark Schieritz nicht in sein politisches Konzept passen.

    Alex

  3.   Marlene

    Das Einkommen der Deutschen ist auch deshalb so gering , weil branchenspezifische Tarifverträge, die Abschaffung der Tarifverträge, … die Deinvestitionen des Staates in Infrastruktur, Bildung, … zu Produktivitätsbremsen geworden sind.

    Eine Schuldenbremse ist eine Investitionsbremse.

    Undhinterläßt einen politischen Trümmerhaufen, … nicht nur eine verarmende, unausgebildete Jugend.

    flassbeck-economics.de/zur-lohnrunde-2013-teil-5/

  4.   Alex

    #4

    “Eine Schuldenbremse ist eine Investitionsbremse.”

    Wenn die Investitionen des Staates sich lohnen, dann können sich Schulden auch nicht bis 60% des BIP auftürmen. Denn dann gibt es ja einen Return on Investment, so dass sich die ursprünglichen Investitionen in Form, von zB höheren Steuereinnahmen rentieren. Schulden entstehen in diesem Fall nur kurz- bis mittelfristig.

    Es besteht also hingegen der Verdacht, dass der Staat keine rentablen Investitionen tätigt, sondern lediglich Geld ausgibt, um die Marlenes in ganz Deutschland möglichst ruhig zu halten.

    Und wenn dann die Kreditwürdigkeit des Staates zur Neige geht, dann ist das Geschrei groß, weil man einen Lebensstandard auf Kredit finanziert hat, der nun nicht mehr finanzierbar ist. Daran sind dann natürlich “die Reichen” schuld.

    Alex

  5.   Dietmar Tischer

    @ Alex # 5

    >Und wenn dann die Kreditwürdigkeit des Staates zur Neige geht, …>

    Doch nicht bei uns, USA und Japan – werfen Sie uns und andere Power Nations doch nicht mit der Peripherie, die auf Krücken geht, in einen Topf.

    Bei uns ist hinsichtlich der Schulden noch viel Luft nach oben, siehe z. B. D. Wermuth zu „output gap“.

    Würde Schäuble mal richtig Kohle raushauen, hätten wir weniger Schlaglöcher und bekämen obendrein noch viel Beifall. Merkel könnte sich dann wieder überall blicken lassen.

    Wirtschaftspolitik ist ganz einfach:

    Man muss nur wollen.

  6.   SG

    Ich verstehe nicht, warum bei Immobilienbesitz so getan wird, als sei es im Grunde kein Vermögen. Dieser Beitrag suggeriert das auch schon wieder. Selbstverständlich gehört eine Immobilie dazu. Und wie andere Anlageformen kann natürlich auch deren Wert schwanken.

    Warum allerdings die Zahlen nicht um die Haushaltsgröße korrigiert werden, verstehe ich auch nicht. Dann könnte man die Zahlen besser vergleichen. Deutschland stünde wohl trotzdem noch eher weit unten.

  7.   Peter

    Ernste Frage ohne Ironie:
    Kann jemand das mit den Rentenansprüchen erklären? Es wird ja gesagt, diese verzerren das Bild da sie nicht mit eingerechnet seien. Sind damit die Ansprüche an die deutsche Rentenversicherung gemeint?

  8.   jopa

    @ Mark Schieritz:

    Mal ernsthaft, natürlich kann man an dem Bericht, wie an jeder Untersuchung zur Vermögenslage von Privatpersonen und Unternehmen, einiges kritisieren. Die Frage ist nur, ob diese Kritik an der Gesamtaussage des Berichtes etwas ändert. Selbst, wenn man die ganzen genannten Punkte (Haushaltsgröße, etc., teilweise auch nicht überzeugend) berücksichtigt, ändert sich an der Kernaussage, dass die Medianvermögen zumindest in Teilen Südeuropas größer sind als in DE, überhaupt nichts.

    Das ist eigentlich auch nicht wirklich überraschend, wenn man bedenkt, dass die von den Staaten am Kapitalmarkt als Schulden eingesammelten Mittel ja nicht verbrannt werden oder sonstwie verschwinden, sondern ganz konkret an die Bürger der jeweiligen Staaten weitergereicht werden, sei es als Gehälter im öffentlichen Dienst, als durch den Staat bei lokalen Unternehmen eingekaufte Leistungen, oder bei Inlandsverschuldung à la Italien als Zinsen an lokale Halter von Staatsanleihen. Etwas platt ausgedrückt: Jedem EUR Staatsverschuldung der Staaten stand immer ein EUR Vermögenszuwachs der Bürger dieser Staaten gegenüber, der, sofern nicht zwischenzeitlich konsumiert, noch als Vermögen vorhanden ist. Insofern überrascht an der Berichtsaussage schlichtweg nichts, und der Zorn des FAZ-Kommentares ist nicht ganz unberechtigt.

    NB: Wenn man den Bericht zur Beurteilung der interstaatlichen Privatvermögensunterschiede ablehnt (obwohl er eigentlich mit hohem Aufwand genau dafür erstellt wurde), dann sollte man ihn konsequenterweise ganz ignorieren. Die methodischen Fehler der interstaatlichen Perspektive gelten nämlich auch intrastaatlich, will sagen, die Ungleichheitsmessung ist dann ebenfalls fehlerbehaftet.

  9.   Marlene

    @5

    70% der deutschen Gesamtersparnisse sind im vierten Quartal 2012 ins Ausland geflossen.

    Dieser Ersparnisabfluss hat im Ausland zum Vermögensaufbau beigetragen.

    Ist doch edel von den guten Deutschen.