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Wie Deutschland von der Euro-Rettung profitiert

 

Der Bundestag hat dem Zypern-Paket zugestimmt und die Kritiker melden sich schon zu Wort. Ich habe in einem Beitrag für das Blatt einmal aufgeschrieben, warum Deutschland ein Gewinner der Krise ist. Die Argumente:

1. Sie drückt die Zinsen in Deutschland wovon Unternehmen, Haushalte und der Staat profitieren

2. Sie hält den Wechselkurs niedrig, der angesichts der Überschüsse Deutschlands im Außenhandel eigentlich aufwerten müsste.

3. Sie eliminiert die Konkurrenz für deutsche Unternehmen, weil die Wettbewerber wegen der hohen Kapitalkosten ausfallen.

4. Sie sichert die Ersparnisse, weil Deutschland ein Nettogläubigerland ist.

54 Kommentare

  1.   Ich

    1. Viele Deutsche sind aber auch Gläubiger, so dass die niedrigen Zinsen auch vielen schaden. Insgesamt ist Deutschland sogar Nettogläubiger, also schaden die niedrigen Zinsen.
    Natürlich können Anleihen ins Ausland auch höhere Zinsen bringen, aber das ist ein echter Risikoaufschlag, wie sowohl Griechenland als auch Zypern zeigen. Vielleicht läuft am Ende mit italienischen und spanischen Anleihen alles glatt, aber das bedeutet nicht, dass es kein Risiko gibt und die verschenken nichts.

    2. Außenhandelsüberschüsse SCHADEN unserem Land. Explodierende Wechselkurse sind auch schlecht, aber ein moderat steigender Euro wäre positiv. Das schadet zwar dem Export, aber stärkt die Konsumenten und die brauchen es im Moment mehr als der Exportsektor. Man könnte diese Ungleichgewicht auch anders lösen, aber nachdem Sie, Herr Schieritz, auf diesem Blog vor nicht allzu langer Zeit die Steuersenkungspläne der FDP angegriffen haben, weil das zu einer Überhitzung der Wirtschaft führen könnte und weil wir nicht Party machen sollten, wenn in Südeuropa die Gürtel enger geschnallt werden müssen, scheint es wohl kaum politischen Spielraum zu geben, das ganze durch innere Aufwertung zu regeln.

    3. Die Krise sichert die Ersparnisse?????

  2.   Eric B.

    Alles richtig, aber es kommt reichlich spät. Alle Zahlen und Fakten waren schon zu Beginn dieses Jahres bekannt. Zudem fehlt der Hinweis, dass Deutschland auch politisch und sozial profitiert. Berlin hat sich dank Eurokrise zur heimlichen Hauptstadt der EU gemausert, der Arbeitsmarkt profitiert von Einwanderern aus Südeuropa. lostineu.eu/the-winner-takes-it-all/

  3.   Dietmar Tischer

    @ Mark Schieritz

    Deutschland profitiert von der Euro-Rettung? (Überschrift)

    Deutschland ist ein Gewinner der Krise? (Text)

    Was ist denn Ihre These?

    Und dann die Konsequenz ziehen:

    Retten wie verrückt, um zu profitieren wie verrückt?

    Oder:

    Noch mehr Krise, damit mir noch mehr gewinnen?

    Oder vieilleicht so:

    Noch mehr Krise, damit wir noch mehr gewinnen und dann noch mehr retten, damit wir noch mehr profitieren?

    Die Anderen können gar nichts falsch machen, wir sind immer die Gewinner und Profiteure.

    So geht Wirtschaft.


  4. Cui bono? Wem nützt sie, die Rettung?

    Der Durchschnittsdeutsche will einen Arbeitsplatz und sich sicher und am Besten auch noch überlegen fühlen.

    DAS leistet die Merkel’sche Rettungspolitik.

    Wenn wir relativ weniger wettbewerbsfähig und unsere Handelsbilanzüberschüsse ausgleich würden, dann kostet das Arbeitsplätze. Und man könnte nicht mehr über die anderen Länder als Faulenzer und Schmarotzer für die wir Fleißigen zahlen müssen herziehen.

    Merkel weiß das.

    Unterm Strich will daher der Deutsche Michel diese Politik, auch wenn es bedeutet, dass unterm Strich die Reichen immer reicher werden und die Armen immer ärmer (zu denen der Deutsche Michel aber NIE gehört, glaubt er), Europa in der Depression versinkt und per Saldo deutsches Geld und deutsche Produkte ans Ausland verschenkt werden.

    Hauptsache einen Arbeitsplatz und man kann sich selbst gut fühlen.

    Die Merkelsche Politik leistet das, darum macht Merkel sie auch und deshalb profitiert der Deutsche Michel auch davon. Zwar nicht pekuniär, aber Geld ist ja nicht alles, oder?

    Viel schlimmer wäre es für den Michel wenw er auch nur ein winziges bischen so werden müssten wie die Italiener, Franzosen oder Griechen.


  5. Mark Schieritz kann es nicht sein lassen uns immer wieder zum Krisengewinnler hoch zu stelisieren, obwohl der westdeutsche Arbeitnehmer seit 20Jahren keine Reallohnsteigerung mehr erhalten hat, die Auslandsforderungen zum größten Teil aus fragwürdigen Titeln, Target2 usw., die sicherlich abgeschreiben werden müssen, bestehen und nur mit 0,75% verzinst werden und bonitätsschwache Länder wie Frankreich, UK und USA auch nur 1,7-1,8% Zinsen für 10jährige Staatsanleihen bezahlen, bonitässtarke Länder wie Japan und die Schweiz aber mit 0,6% nur die Hälfte von unseren 1,23% und eine Aufwertung wäre ein Vorgeil für uns, da dann die Leistungsbilanzüberschüsse begrenzt würden und wir mehr in der Tasche hätten. Wo ist also der Krisengewinn?

  6.   Jack

    Lieber Herr Schieritz,

    ihre Ergüsse werden immer schlimmer.
    Nun zu den einzelnen Argumenten:
    1. Und wo bleiben die Sparer, deren Vermögen durch die Inflation und den niedrigen Zinsen
    immer weniger wird.
    2. Ob dies so gut für uns ist, ist zumindest fraglich. Die bei uns anfallenden Überschüsse,
    bedeuten bei den anderen Staaten Fehlbeträge, die wir dann finanzieren dürfen.
    Ein tolles Geschäftsmodell, vor allem, wenn man davon ausgehen kann, dass ein
    Großteil dieser Gelder nicht mehr zurückbezahlt wird.
    3. Das gilt für die Konkurrenz in der EU, aber nicht für China u. Japan.
    Abgesehen davon, wie sollen diese Staaten je wieder auf die Beine kommen?
    4. Es war noch nie eine gute Idee schlechtem Geld neues Geld nachzuwerfen.

    Sie erwähnen mit keinem Wort, dass eine Rettung Zyperns gegen alle Vereinbarungen erfolgt, da weder eine Systemrelevanz vorliegt noch eine Schuldentragfähigkeit gegeben ist.

  7.   alterego

    ad 1: Niedrige Zinsen
    Dass derjenige Vorteile hat, der besser wirtschaftet, ist in Ordnung. Schlimm, wenn es anders wäre. Entscheidend ist im übrigen der Realzins. Und wenn der niedrig ist, hat das zwar Vorteile für die Schuldner des Landes, nicht aber für die Sparer.

    ad 2: Niedrige Wechselkurse
    Auch niedrige Wechselkurse haben nicht nur Vorteile. Sie verteuern insbesondere die Rohstoffe, von denen Deutschland mehr als andere Länder einführen muss. Da Deutschlands Exporte einen hohen Anteil importierter Vorleistungen enthalten, die bei steigenden Wechselkursen billiger würden, könnte Deutschland auch eine kräftige Aufwertung gut verkraften.

    ad 3: Eliminierung von Konkurrenz
    Die Konkurrenz eliminiert sich selbst, wenn sie nicht wettbewerbsfähig ist. Die Finanzierungskosten von Unternehmen sind vor allem eine Frage deren Bonität und deren Sicherheiten. Beides hängt unmittelbar mit deren Wettbewerbsfähigkeit zusammen.

    ad 4: Ersparnisse
    Inwiefern sollte die Krise die Ersparnisse der Deutschen sichern? Verstehe ich nicht. Allerdings werden ausländische Schuldscheine (in Auslandswährung denominierte Forderungen) weniger wert, wenn unsere Währung aufwertet.

  8.   Alex

    Deklinieren wir es durch:

    „1. Sie drückt die Zinsen in Deutschland wovon Unternehmen, Haushalte und der Staat profitieren“

    Profit durch die Krise der anderen: Ja. Profit durch die Rettung: Nein.
    DIe niedrigen Zinsen sind auch kein unlauterer Profit, sondern legitime Belohnung der Reputation Deutschlands, die hart erarbeitet wurde.

    Also: gerechte Belohnung.

    „2. Sie hält den Wechselkurs niedrig, der angesichts der Überschüsse Deutschlands im Außenhandel eigentlich aufwerten müsste.“

    Dafür werden sie Südländer Tribut haben wollen und die Nicht-Euro-Länder werden das nicht ewig mitmachen. Wir sind ja schon dabei, Tribut an den Süden zu entrichten.
    Das kann es nicht sein.

    „3. Sie eliminiert die Konkurrenz für deutsche Unternehmen, weil die Wettbewerber wegen der hohen Kapitalkosten ausfallen.“

    Und damit auch die Nachfrager? Jedenfalls: auch keine Vorteile der Rettung, sondern der Krise.

    „4. Sie sichert die Ersparnisse, weil Deutschland ein Nettogläubigerland ist.“

    Diesen Unsin würdige ich hingegen mit keiner Replik.

    Zusammengefasst: Der Euro befördert einen Zustand, der eben nicht mit der relativ gesunden Wettbewerbssituation von europäischen Fussballvereinen zu vergleichen ist.

    Er wird stattdessen deutsche Sparer und Steuerzahler zugunsten der Exporteure belasten. Und richtet Not und Elend in der Peripherie an.

    Alex

  9.   Alex

    #5

    Überschrift:
    „Wie Deutschland von der Euro-Rettung profitiert“

    Wir profitieren also nicht nur von der Krise, sondern auch von der Euro-Rettung! Wie und warum legt der Artikel allerdings nicht dar.

    Schieritz schreibt auch in dem verlinkten Artikel:
    „Die durch die moderate Lohnpolitik der vergangenen Jahre mühsam erarbeiteten Wettbewerbsvorteile wären mit einem Schlag ausradiert – und viele Unternehmen im Lande müssten erhebliche Einbußen verkraften.“

    Und genau hier wird die Unredlichkeit der Euro-Befürworter offensichtlich: Einerseits geißeln sie die Handelsüberschüsse Deutschlands, ja, fordern sogar Lohnerhöhungen!, andererseits brandmarken sie die Folgen der Rückkehr zur DM für den Export.

    Das ist so nicht akzeptabel.

    Alex

    PS „Aber die Politik kann das Rad der Geschichte nicht zurückdrehen. Sie hat die Welt zu nehmen, wie sie ist.“ Was für ein Unsinn! DIe Politik hat keine Gestaltungsmöglichkeiten? Wohl besonders dann nicht, wenn sie nicht im Schieritz’schen Sinne sind. Ich verbuche das mal unter Agitprop.

  10.   Thomas Mueller

    Das Wechselkurs-Argument ist problematisch. LB-Ueberschuss über 6% des BIP spricht dafür, dass ein bisschen Aufwertung nicht so schlecht wäre. Für Importeure oder Touristen ohnehin. Also würde ich das nicht auf der Habenseite verbuchen.