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Deutsche Ökonomen: Es reicht!!!

 

Deutschlands Ökonomen beklagen sich wieder einmal. Irgendeine Politik der Europäischen Zentralbank ist hochgefährlich und bedroht die Zukunft unserer Kinder und deshalb haben 136 Volkswirte einen Aufruf unterzeichnet.

Kommt Ihnen das bekannt vor? Kein Wunder, es gibt in diesen Tagen ständig irgendwelche Aufrufe von irgendwelchen Ökonomen für oder gegen irgendetwas – die Bankenunion, die EZB, die Euro-Rettung. Am Anfang war das noch amüsant, aber jetzt nervt es nur noch. So reagiert denn der Anti-EZB-Aufruf auf einen Pro-EZB-Aufruf, der vor einigen Wochen veröffentlicht war. Das muss man nicht verstehen.

Die deutsche Volkswirtschaftslehre macht sich durch derlei Aktionen lächerlich. Sie verstärken das Bild einer Wissenschaft, deren Aussagen beliebig sind und deren Vertreter ihre Weltanschauung irgendwie in die Zeitungen bringen wollen – und die dabei glauben, auf die Masse komme es an.

Denn nicht darauf, wer die besseren Argumente hat, kommt es jetzt an, sondern darauf, wer mehr Unterzeichner hat. Und der neueste Aufruf setzt sogar noch eines obendrauf, indem er behauptet, die Stimmen der Unterzeichner zählten besonders viel, weil sie in irgendwelchen Unterausschüssen des Vereins für Socialpolitik sitzen. Die Grenze zur Peinlichkeit, sie ist nicht mehr weit.

Liebe Ökonomen: Forschen Sie, lehren Sie, melden Sie sich zu Wort in Interviews oder in Gastbeiträgen – gerne auch mit kontroversen Thesen. Aber machen Sie Schluss mit diesen Aufrufen. Und weil es ja auf die Anreize ankommt, schlage ich den Journalistenkollegen folgendes vor: Ab sofort für vier Wochen keine Interviews mehr mit Ökonomen, die sich an solchen Aufrufen beteiligen. Vielleicht gelingt es so, diesen Unsinn zu stoppen.

Initiator des neuesten Aufrufs ist übrigens Roland Vaubel. Das war der, dem Jens Weidmann zu pragmatisch war.

Update: Um das noch einmal klarzustellen: Es geht nicht darum, Debatten zu verhindern. Man soll die EZB kritisieren, auch die Bankenunion, auch den Euro wenn man als Ökonom Gründe dafür hat. Wogegen ich mich wehre ist das Format dieser Kritik. Die Aufruferitis. Die ist eines Wissenschaftlers unwürdig.

76 Kommentare

  1.   Antigen

    Lieber Herr Schieritz,

    Sie verbreiten auch ständig ihre keynesianische Ideologie. Inwiefern unterscheiden Sie sich also von den besagten Ökonomen. Vllt. eine kleine Erinnerung: Die EZB ist eine Notenbank, nicht mehr und nicht weniger, dennoch maßt sie bzw. ihre Führung sich an, darüber zu entscheiden, wie hoch die Zinssätze der Euro-Mitgliedsländer zu sein haben. Dabei nimmt sie in Kauf, dass dem deutschen Steuerzahler massive Verluste entstehen. Dies alles tut sie als nicht-gewählte Institution, deren einzige Aufgabe die Bewahrung der Preisstabilität ist.

    -“Die deutsche Volkswirtschaftslehre macht sich durch derlei Aktionen lächerlich.”

    Warum? Im Übrigen hat sich die gesamte Ökonomie als akademische Disziplin lächerlich gemacht, indem die Vertreter dieser Pseudo-Wissenschaft behauptet haben, irgendwelche höheren Wahrheiten à la ‘Homo oeconomicus’ zu verkünden. Ideologie als “Wissenschaft” getarnt, mehr war das nicht.

  2.   Kai Friedrichs

    Herr Schieritz erteilt Redeverbot und droht mit der großen Macht der Journalisten. Großartig! Man muss den jüngsten Aufruf mit seinem gesinnungsethischen Rigorismus nicht Beifall zollen, um das Schieritz’sche Diskussionsverbot für ein wenig überheblich zu halten.

  3.   Kai-Oliver Knops

    Ich stimme ihnen zu, Herr Schieritz, solche Aufrufe haben überhandgenommen. Zudem werde ich immer hellhörig, wenn juristische Laien wie diese Ökonomen davon sprechen, die Anleihekäufe seien rechtswidrig. Vielmehr ist das Handeln der EZB offensichtlich nach gemeinsamer europäischer Lesart vom AEUV gedeckt. Verbindlich auslegen kann dies aber nur der EuGH, nicht aber das BVerfG. Für die “Star”-Ökonomen gilt aber eines sicher: Schuster, bleib bei deinen Leisten!

  4.   Ron Schmidts

    Wer macht sich hier lächerlich? Die Volkswirte und Ökonomen, die mit großem Hintergrundwissen Sachen hinterfragen und das Scheitern der momentanen Staatsubventionierung geißeln, oder ein Redakteur, der den Kopf in den Sand steckt, nichts wissen will und auf das Prinzip Hoffnung setzt, nur weil er politisch vielleicht gefallen will? Das ist – pardon – antiaufklärerisch!


  5. VWL ist ein absolutes Ideologie und laberfach.
    Die Antwort steht schon vor der Untersuchung fest solange das Weltbild nur klar genug gezogen ist.
    Dabei lässt sich ein anderes Ergebnis mit einer anderes Grundlagentheorie die sich meist ebenso gut begründen lässt genauso gut argumentieren.


  6. Genau – zumindestens die Experten die “Muttis-Alternativlospolitik” madig reden wollen, sollen mal die Fresse halten (sonst kommt am Ende der blöde Wähler noch auf dumme Ideen)


  7. Oh je….Herr Sch.: Anstatt sich in derartig herablassender Weise über Fachwissen zu äußern, sollten Sie sich lieber inhaltlich mit der Sache auseinandersetzen. Im Übrigen weckt Ihre Vorgehensweise den Eindruck, als würden Sie den Physikern u. ä. in unserer Regierung mehr ökonomischen Sachverstand zutrauen, als diesen 136 Personen. Das ist dann hoffentlich nicht Ihr Ernst, oder?!

  8.   Xdenker

    “Amüsant, nervend, lächerlich, peinlich”, meint Schieritz. Wohl, weil ihm die Meinung des Aufrufs der 136 Volkswirte nicht passt. Argumente zum Thema: Fehlanzeige. Was soll das?

  9.   Dietmar Tischer

    @ Mark Schieritz

    >„Wenn die Anleihekäufe der EZB geldpolitisch motiviert wären, würde die EZB ein repräsentatives Portefeuille aller Staatsanleihen der Mitgliedstaaten oder auch privater Anleihen kaufen. Das tut sie aber nicht. Sie kauft nur Anleihen überschuldeter Mitgliedstaaten. Das ist monetäre Staatsfinanzierung“, argumentieren sie (136 deutsche Professoren).>

    Die FAZ spricht hier von „argumentieren“.

    Für Sie ist das „beliebig“ und „Weltanschauung“.

    Wenn ich dies vergleiche, komme ich zu der Feststellung:

    Der Unterschied zwischen der FAZ und Ihnen ist einer zwischen Bemühen um Qualitätsjournalismus und Geschwätz.

    >Das muss man nicht verstehen>

    Natürlich nicht.


  10. @Mark Schieritz

    Anstatt sich mit den Ökonomen zu beschäftigen, wäre es für jeden Journalisten sinnvoll sich mit Geld und dem Geldsystem auseinnander zu setzen und die Ökonomen dort mit Fragen zu treffen, wo die immer schon blind waren.

    Geld wird nur durch Kredite erzeugt. Waren und Dienstleistungen werden von Menschen erzeugt. Was ist nun Geld oder Schulden? Wie wird Leistung in unserem System bewertet und nach welchen Maßstäben? Was versteckt sich hinter dem Wort “Sparen” und “deficit spending”, bewertet durch unser Geldsystem?

    Ökonomen folgen Paradigmen. Wenn man deren Paradigmen durchbrechen will, muss man es mit Fakten entkräften – nicht aber mit Ignoranz. Mit dem Aufruf diese zu ignorieren, führt man nur eine Trotzhaltung aus.