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Hilfe, wir werden gerettet

 

In der vergangenen Woche war ich bei Thilo Jung an der Spree zu Gast. Thema: Der IWF, die Ukraine und das Gas. Hier das Resultat.

25 Kommentare

  1.   Dietmar Tischer

    @ Mark Schieritz

    „ … im Fall Griechenland … der IWF SELBST festgestellt hat, dass die Politik FALSCH war …“

    Als Quelle bitte ein IWF-Zitat, in dem in Verbindung mit Griechenland und (Troika)-Politik „falsch“ vorkommt.

  2.   HKaspar

    Schieritz ist wirklich gut informiert. Es freut mich dass ein Journalist in die Tiefe geht, versucht Dinge zu Ende zu denken anstatt nur bis er eine knackige Formulierung gefunden hat, und sich mueht zu einem fairen Urteil zu kommen.

  3.   Tiefenwahn

    Ich denke es ist offensichtlich, dass es für Griechenland besser gelaufen wäre, wenn sie weniger Austeritätspolitik durchgeführt hätten. Obwohl es es schon merkwürdig ist, bei Defiziten in Höhen von 10 bis 15% des BSPs immer noch von Austerität zu sprechen. Nur muss dann das zusätzliche Geld natürlich von irgendwo herkommen. Vom Markt hätte man das Geld sicher nicht bekommen. Und wenn Griechenland mehr Geld bekommt, warum dann nicht all die anderen Defizitstaaten. Um dann wirklich einen nennenswerten Effekt zu bekommen, braucht es insgesamt schon so etwas wie einen dreistelligen Mrd-Betrag. Das entspricht bei uns einer Verdoppelung der MWSt. Ich habe so meine Zweifel, ob das bei uns so ohne weiteres durchzusetzen wäre. Für Frankreich und die anderen Mitgliedsstaaten dürfte dies wohl sowieso völlig abwegig sein. Nur der Michel läßt sich im Zweifel für so etwas gewinnen.

  4.   alterego

    @Tiefenwahn
    Für Griechenland gab und gibt es nur zwei Alternativen:

    (a) Zurück zur eigenen Währung und wieder alles Geld selber drucken (… kommt ja aus dem Nichts). Und weiter wie bisher, so lange es gut geht. Bisher ist es noch immer irgendwie (einem bekannten Kölner Motto entsprechend) gut gegangen. Und die Griechen haben leidlich gut dabei, so wie es ihnen offenbar liegt (nach griechischer Art halt), gelebt. Oder

    (b) das Geld der anderen Euroländer und der „Weltgemeinschaft“ (IWF) nehmen und den Kreditvertrag akzeptieren.

    Es hätte mich sehr gefreut, wenn Griechnland (a) gewählt hätte. Durfte es aber damals leider nicht (von wegen Selbstbestimmung der Völker … Nicht mit Deutschland und der Zone).

    Aus Sicht der öffentlich-rechtlichen Geldgeber, insbesondere der anderen Euroländer, ist eine finanzielle Unterstützung natürlich nur zu rechtfertigen, wenn das Land in Verbindung damit gründlich umgekrempelt wird. Damit das, was dort geschah (und eigentlich schon immer so passierte) möglichst nicht mehr möglich ist und mithin kein zweites Mal mehr die Währungsunion belasten kann.

    Nun kann (und muss) man natürlich, gerade im Falle Griechenlands, fragen: Wie realistisch ist das denn? Aber wenn man sich da schon finanziell hineinhängt, dann nur in Verbindung mit einem konsequenten Austeritätsregime.

    Die Austeritätspolitk war und ist richtig, weil die für finanzielle Solidität notwendigen, grundlegenden Umbrüche in diesem Land, wenn überhaupt, nur so durchgesetzt werden können. Griechenland brauchte und braucht, wenn es den Euro behalten will oder unsäglicherweise sogar muss, eine massive interne Abwertung. Das hieß zunächst einmal eine massive Senkung der Löhne. Glücklicherweise gingen zugleich auch die Preise zurück, so dass die Lohnsenkungen auf diese Weise wenigstens teilweise kaufkraftmäßig kompensiert werden konnten.

    Um auf die oben angesprochene Frage zurückzukommen: Ich bleibe skeptisch, dass Griechenland auf diesem Wege tatsächlich einen nachhaltigen Turn-Around schaffen wird. Ich glaube, dass den Griechen das ganze Theater so etwas von „gegen den Strich“ geht, dass sie nach Kräften tricksen und weiter tricksen werden, um sich dem von den Geldgebern gewollten, grundlegenden Umbruch zu entziehen, um schleißlich dann doch die Währungsunion zu verlassen bzw. dann sogar verlassen zu müssen. Denn die Risiken und Kosten eines Grexit für die anderen Länder, z.B. durch einen Zusammenbruch der Währungsunion insgesamt, nehmen glücklicherweise schon seit einiger Zeit täglich ab. Das wird im Falle weiterer Anforderungen von Hilfszahlungen das Kalkül der Geldgeber verändern (hoffe ich jedenfalls).

  5.   rjmaris

    @alterego: Sie sind wohl sehr negativ über den Griechen. Es kommt gelegentlich vor, dass Leute sich nach negativen Aussagen über die Griechen korrigieren müssen, wie z.B. Gerhard Schick, finanzpolitischer Sprecher der Grünen. Vielleich hilft Ihnen die Lektüre des nachfolgend verlinkten Beitrages zu einer etwas „milderen“ Sicht der Dinge.

    http://www.wirtschaftundgesellschaft.de/2013/07/eurokrisegriechenlandoffentlicher-sektor-die-antwort-des-finanzpolitischen-sprechers-der-grunen-bundestagsfraktion-gerhard-schick-auf-meine-kritik-und-fragen-zum-offentlichen-sektor-in-griechenland/

  6.   alterego

    Zur Ukraine
    Die beste Lösung wäre es meines Erachtens, wenn die Ukraine zunächst keine Hilfen des IWF und anderer Staaten bzw. Staatengemeinschaften annähme und sich statt dessen zahlungsunfähig erklärte. So könnte sich der ukrainische Staat mit einem Schlag von sämtlichen Auslandsschulden befreien. Erst danach, also schuldenbefreit, sollte er um Hilfen des IWF und oder der Weltbank nachsuchen. Das stellte eine maximale Unabhängigkeit von der Einflussnahme einzelner Staaten oder spezieller Staatengemeinschaften (wie der EU) sicher. Für uns hätte dies den Vorteil, dass sich kein weiteres unmittelbares Milliardengrab für unsere Steuergelder eröffnete.

  7.   alterego

    @rjmaris
    Ich bin schon eine ganze Weile in dieser Welt unterwegs. Was Ihnen negativ erscheinen mag, halte ich für nüchternen Realismus.

  8.   rjmaris

    Überraschend niveauvolles Interview. Da hat der (mir bisher unbekannte) Interviewer gute Arbeitt geleistet. Informativ auch (ab ca. 13:15) der kleine Exkurs um Aderlässe für Oligarchen, auch im Vergleich zu Griechenland und Italien.

    Kleine Randbemerkung: die beiden Herren bewegen sich im Laufe des Interviews langsam aber sicher nach rechts, aus Zuschauersicht. Ich war schon gespannt, ob Schieritz‘ Jacke vorm Ende noch von der Bank rutscht…

  9.   Dietmar Tischer

    Zur Ukraine:

    M. S. hat im Interview das Szenario der Unwägbarkeiten umrissen.

    Man kann es aber noch deutlicher sagen:

    Dort wird – m. A. n. nahezu ausweglos – Dynamit angehäuft.

    Revolutionäre Anstrengungen haben einen Regimewechsel herbeigeführt. Was nun kommt sind IWF + Co.-Auflagen, die das Leben notwendigerweise für die allermeisten nicht erträglicher, sondern härter machen. Wer im Mai die Wahlen verliert, wird wieder die Straße mobilisieren mit dem Motto: Wir sind betrogen worden. Es gibt neue, möglicherweise nicht mehr beherrschbare Unruhen, an Umsetzung der Auflagen ist nicht zu denken, geschweige denn an Investitionen.

    Das ist eine Situation, mit der sich der Westen einmal befassen sollte.

    Und Russland?

    Seine machtpolitischen Interessen befördernd, wird es dem IWF-Hilfspaket zustimmen.

    Putin wird schließlich seine Hände in Unschuld waschen wollen, wenn die Dinge schief laufen in de Ukraine. Damit sich die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass sie schief laufen, kann er in der Sonderwirtschaftszone Krim schnell ein paar „blühende Landschaften“ herbeizaubern. Das schafft ein abgewirtschaftetes Russland schon noch.

    Russland hat nur ein wirkliches Problem:

    Bevor die Ukraine kippt, muss es die Zusage des Westens haben, dass die Nato nicht in die Ukraine einmarschiert oder aus der Luft Partei ergreift, wenn sie zu „Hilfe“ gerufen wird. Schwer zu sagen, ob Russland diese Zusage erhält und was die Bedingungen wären, sie ihm zu geben. Es kann weitreichende Zusagen machen, aber kann sich nicht bedingungslos verpflichten, nicht in der Ostukraine zu intervenieren, wenn die russlandaffinen Ethnien in den Unruhen zu leiden hätten. Dann wäre Putin für die russische Bevölkerung nicht mehr glaubwürdig.

    Eine Ukraine, die politisch außer Kontrolle gerät, ist für den Westen eine Katastrophe, für Russland ein Problem.

  10.   HKaspar

    @ Tischer

    Das sind kluge Spekulationen. Wenn die Eruopaer die IWF-Auflagen nicht wollen sollten sie das Geld selbst bereitstellen.