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Vorsichtiger Optimismus beim Griechenland-Deal

 

Vor, während und nach den Verhandlungen der Eurogruppe und der Europäischen Staats- und Regierungschefs um das neue Griechenlandprogramm ging großer Aufruhr durch Europa und die Welt. Die deutsche Drohung mit dem Grexit und die harten Bedingungen für neue Milliardenkredite an Athen wurden auf Twitter mit dem Hashtag “ThisIsACoup” – “das ist ein Coup” – kommentiert. Mit dem wolle Europa – vor allem Deutschland – die griechische Regierung aus dem Amt und Griechenland aus dem Euro jagen.

Nachdem sich aber die erste Aufregung – auch bei mir – gelegt hat, sollte man sich anschauen, was eigentlich genau beschlossen wurde und nüchtern die Vor- und Nachteile für Griechenland und den Rest der Eurozone abwägen. Und dabei zeigt sich, dass es tatsächlich Grund für einen vorsichtigen Optimismus gibt. Denn die Erklärung der Staats- und Regierungschefs enthält viele wichtige Punkte, die einiges zum Positiven in Griechenland wenden könnten.

Die öffentliche Diskussion konzentriert sich vor allem auf die Sparmaßnahmen bei der Rente und die Erhöhung der Mehrwertsteuer – also auf die Austeritätspolitik, die Griechenland durchführen muss. Klar ist, dass diese Austeritätspolitik auch weiterhin von den Griechen verlangt wird. Aber für diese Politik wollen die Staats- und Regierungschefs jetzt sehr viel mehr Gegenleistungen geben als noch vor dem Referendum der Griechen.

Das erste Zugeständnis ist die Finanzierung, die Griechenland im Gegenzug für die Reformen erhalten soll. Die war laut dem ehemaligen Finanzminister Yanis Varoufakis der wirkliche Knackpunkt zwischen Griechen und Kreditgebern. Die griechische Regierung hatte schon eingesehen, dass sie ohne Austerität keine neuen Gelder bekommen würde und selbst am 22. Juni eine lange Sparliste vorgelegt. Die Kreditgeber wollten aber im Gegenzug nur Kredite für den Finanzbedarf der nächsten fünf Monate – also bis November – geben. Spätestens im September oder Oktober hätte man sich dann wieder zusammensetzen müssen und die Verhandlungen wären von vorne losgegangen. Die Unsicherheit über die Zahlungsfähigkeit Griechenlands und damit die Zukunft der griechischen Wirtschaft hätte sich fortgesetzt. Das war der Punkt, an dem die Griechen die Verhandlungen abgebrochen und das Referendum ausgerufen haben.

Nach dem Referendum und den harten Verhandlungen dieses Wochenendes sieht die Situation schon anders aus: Jetzt geht es nicht mehr um eine Finanzierung von fünf Monaten und Kredite in Höhe von 15,5 Milliarden Euro, sondern um eine Finanzierung für drei Jahre in Höhe von 82 bis 86 Milliarden Euro. Wenn der Deal durch die verschiedenen Parlamente gehen sollte (das ist ein großes Wenn), könnten die Griechen ihre Schulden für die nächsten drei Jahre bedienen, ohne immer wieder neu mit den Geldgebern verhandeln zu müssen. Das würde die griechische Regierung erst mal von den kraftaufreibenden Verhandlungen befreien, was eine riesige Entlastung bedeuten würde. Griechenland stände nicht mehr ständig vor dem Abgrund der Zahlungsunfähigkeit – und damit auch nicht mehr dauernd in der Gefahr, dass die EZB deswegen den Banken den Liquiditätshahn zudreht.

Nun ist es unwahrscheinlich, dass die geklärte Finanzierung – wenn sie denn zustande käme – ausreicht, um die Wirtschaft zu beleben, denn die Regierung muss ja weiter ihre Ausgaben senken und die Steuersätze erhöhen. Aber auch hier hält die Vereinbarung ein paar Hoffnungsschimmer bereit. Bei guter Umsetzung des Programms könnten sogar sehr ordentliche Wachstumsimpulse für Griechenland entstehen.

Ein Wachstumsimpuls könnte von den 35 Milliarden Euro Strukturhilfen kommen, die Griechenland sowieso aus EU-Geldern zustehen. Normalerweise muss ein Staat eigenes Geld zu den Projekten zuschießen, damit sie umgesetzt werden können. Weil Griechenland aber bis jetzt all sein Geld für die Bedienung seiner Schulden verwenden musste, fehlten die Mittel für diese Ko-Finanzierung und die Strukturhilfen lagen brach. Die Staats- und Regierungschefs wollen nun, dass Europa einen Großteil der Mittel für die Ko-Finanzierung bereitstellt und die Verfahren zur Nutzung der Strukturhilfen beschleunigt werden. Dabei handelt es sich nicht um Peanuts. Wenn die Gelder in den nächsten drei Jahren abgerufen würden, ständen jedes Jahr 11,7 Milliarden Euro zur Verfügung. Die Sparvorgaben für nächstes Jahr liegen nach Berechnungen des Ökonomen Yannis Mouzakis bei 6,5 Milliarden Euro. Mit den Strukturhilfen ergäbe sich also ein Nettoimpuls für die griechische Wirtschaft von immerhin 5,3 Milliarden Euro, was 2,9 Prozent des BIP ausmacht. Über den sogenannten Multiplikator, der die Rückwirkungen von staatlichen Ausgaben auf die Wirtschaftsleistung misst, und in Griechenland geschätzt bei etwa 1,5 liegen dürfte, könnte das zu einem Wirtschaftswachstum von 4,3 Prozent führen. Die Austeritätspolitik würde durch gezielte Investitionen überkompensiert werden.

Dazu kommt, dass die Erklärung der Staats- und Regierungschefs noch mehr zur Konjunkturbelebung enthält. So soll ein Fonds eingerichtet werden, in den griechische Aktiva im Wert von 50 Milliarden Euro ausgelagert werden und der diese “Vermögenswerte durch Privatisierungen und andere Wege” zu Geld machen soll. Ein Viertel dieses Geldes würde dann für öffentliche Investitionen bereit stehen – immerhin 12 Milliarden Euro.

Dabei könnte die Formulierung “und andere Wege” sehr wichtig werden. Es war Yanis Varoufakis, der vorgeschlagen hatte, öffentliche Vermögenswerte zu beleihen, um daraus wachstumsfördernde Investitionen zu finanzieren. Da die Erfahrung der letzten fünf Jahre gezeigt hat, dass Privatisierungserlöse in Höhe von 50 Milliarden Euro vollkommen unrealistisch sind, könnte die Formulierung “und andere Wege” bedeuten, dass man über die Umsetzung von Varoufakis‘ Vorschlag nachdenkt.

Würden diese 12 Milliarden Euro tatsächlich zur Verfügung stehen und in den nächsten drei Jahren zusätzlich zu den 35 Milliarden Euro Strukturhilfen verwendet werden, ergäben sich noch sehr viel höhere Wachstumsimpulse, die allein 2016 zu einem Anstieg des BIP von 7,6 Prozent führen könnten. Das würde nicht nur die soziale Lage in Griechenland verbessern, es würde auch zu mehr Steuereinnahmen führen und damit die Notwendigkeit harter Kürzungen verringern. Insgesamt heißt das, dass Griechenland endlich wieder ein wenig Luft zum Atmen bekommen könnte.

Natürlich stehen diesem optimistischen Szenario noch viele Unwägbarkeiten entgegen: Das ESM-Kreditprogramm muss von einigen Parlamenten ratifiziert werden. Finnland hat etwa schon angekündigt, das Programm nicht zu unterstützen. Weil für das ESM-Programm Einstimmigkeit notwendig ist, würde die Verweigerung nur eines Landes bedeuten, dass es keine Mittel für Griechenland gäbe, das Land seinen Schuldendienst nicht mehr leisten könnte, die Kreditgeber massive Verluste erleiden würden und Griechenland mit hoher Wahrscheinlichkeit aus dem Euro ausscheiden müsste.

Aber auch das griechische Parlament muss das Programm absegnen. Wenn es Premier Tsipras nicht gelingt, eine Mehrheit für das Programm zu beschaffen, könnte es Neuwahlen geben – was die Unsicherheit wieder massiv erhöhen würde. Wichtig ist auch das Verhalten der Europäischen Zentralbank: Sie stellt den griechischen Banken keine neue Liquidität mehr zur Verfügung solange die Regierung kein Kreditprogramm unterschrieben hat. Wenn zu viel Zeit bis zur Annahme des Programms verstreicht, sind die griechischen Banken pleite und der Grexit stände wieder vor der Tür.

Aber auch wenn alles schnell und gut geht, liegt viel an der konkreten Umsetzung des Programms: Wie genau der 50-Milliarden-Fonds umgesetzt werden soll, ist noch vollkommen unklar. Wenn Troika und Griechen nicht schnell und kreativ mit der Fondsidee umgehen, ist es wenig wahrscheinlich, dass von dort in nächster Zeit hohe Investitionsmittel kommen.

Es gibt also viele Fallstricke. Aber wenn sich jetzt alle zusammenraufen und die positiven Aspekte der Vereinbarung nutzen, könnte die griechische Wirtschaft im nächsten Jahr endlich ihre lange Depression verlassen. Dann würden auch viele Verwundungen der letzten Wochen vergessen sein.

Update vom 16.07.2015: Nach Informationen, die die EU-Kommission gestern veröffentlicht hat, ist ein Großteil der EU-Gelder, die Griechenland zwischen 2007 und 2013 zur Verfügung standen, anders als in meinem Blog-Beitrag unterstellt, doch abgerufen worden. Das waren insgesamt 38,4 Mrd. Euro. Bei den 35 Mrd. Euro, die für den Zeitraum 2014 bis 2020 bereit stehen, handelt es sich demnach nicht um einen zusätzlichen Wachstumsimpuls. Die negativen Effekte durch höhere Steuern und Ausgabenkürzungen werden durch die EU-Strukturhilfen von daher kaum kompensiert werden. Mein vorsichtiger Optimismus wird noch sehr viel vorsichtiger.

17 Kommentare

  1.   Thomas Pittner

    Die erhofften 12,5 Milliarden aus der Treuhand sollen ja wohl die Kofinanzierung für die 35 Milliarden sein, oder?

    Und dann bin ich wirklich gespannt, wie man jetzt dort 11,7 Milliarden Euro Investitionen starten soll. Sind die Projekte da, baufertig?

    Oder finge man jetzt erst an, darüber nachzudenken, was man denn machen könnte, oder sollte?

    Was darf denn alles unter “Investition” fallen, nur Beton, oder auch Menschen (außer Betonarbeitern und co).

    Wenn ich höre, dass die Banken in die Treuhand sollen, schwant mir ein anderes Szenario.
    Die Bad Bank für Griechenland, ordentlicher Bail In weit unterhalb von 100K, es kursiert die Zahl 8.000 und 30 Prozent), die God Bank wird billig verkauft; “echtes Geld” statt eine Notenbankenbuchung wird zur Rekapitalisierung verwendet.

    Und die Verwertung der assets, also auch der Häusschen von Kostas und Helena, könnte eine Treihand-Vorgabe werden.

    (rechnete heute ein Experte bei Phoenix vor: die Griechen haben schon assets, die verkaufbar sind; die Wasserwerke müssen nur ihre Preise auf europäisches Niveau anheben, dann kriegt der Investot sein Geld doppelt zurück; wer die Treuhand 1.0 erlebt hat, wird sich darüber kaum wundern)

    Wenn dann die großen Investitionen sehr langsam anlaufen, die negativen Punkte sehr schnell zuschlagen, ist nix mit Wachstumsimpuls, dann geht es im ersten Jahr noch mal 10 Prozent runter.

    Denn ich glaube auch nicht, dass mit diesem Programm die Angst vor dem grexit wirklich beseitigt ist, und die Banken kurzfristig oder auch nur absehbar wieder normal arbeiten; das sind aber die beiden dicksten Investitionshindernisse.

  2.   Fabian Lindner

    @ Pittner

    Da die Ko-Finanzierung für die 35 Milliarden nur 15 % der Summe ausmacht, bräuchte man zur Aktivierung der ganzen Summe nur 5,25 Milliarden Euro. Selbst wenn man Gelder aus dem Fonds – wenn es so etwas jemals geben sollte – für die Kofinanzierung nutzen würde – wäre immer noch was übrig.

    Im Communique der Staats- und Regierungschefs steht aber auch ziemlich deutlich, dass man noch mal eine Milliarde für die Kofinanzierung drauflegen will – nicht, dass die aus dem Fonds kommt.

    Was die fertigen Projekte etc. angeht: Tja, jetzt müsste man sich beeilen. Das ging ja auch im deutschen Konjunkturprogramm recht fix, und Bedarf gibt es nach fünf Jahren harter Kürzungspolitik sicher. Wenn – ein großes Wenn – die Europäer einen Großteil auch des Verwaltungskrams lockern würden (kündigen sie verschwurbelt) an, wäre die zusammengestrichene gr. Administration auch nicht so belastet damit, was die Mittelfreigabe beschleunigen würde.

    Es war Varoufakis, der immer wieder – vollkommen zu recht – ein Investitionsprogramm gefordert hat. Jetzt könnten die Griechen eins bekommen. Wäre blöd, wenn sie eines fordern, eines bekommen, dann aber nichts damit anfangen können.

    Aber mal allgemeiner: Ich schrieb ja: vorsichtiger Optimismus. Ich versuche hier meine sehr, sehr große Frustration über das letzte Wochenende konstruktiv zu verarbeiten. Man wird ja noch träumen dürfen, oder?

  3.   Florian Kern

    Art. 4 Abs. 4 des ESM Vertrags erlaubt auch eine Zustimmung mit einer qualifizierten Mehrheit von 85% der abgegebenen Stimmen wenn “Europäische Kommission und die EZB beide zu dem Schluss gelangen, dass die Unterlassung der dringlichen Annahme eines Beschlusses zur Gewährung oder Durchführung von Finanzhilfe in aller Eile gemäß der Regelung in den Artikeln 13 bis 18 die wirtschaftliche und finanzielle Stabilität des Euro-Währungsgebiets bedrohen”. Dass KOM und EZB in dieser Frage eine andere Meinung als das BMF vertreten, erscheint nicht unrealistisch. Davon abgesehen ist unklar, ob die Wahren Finnen tatsaechlich die Regierung verlassen und selbst wenn, waere eine neue Regierung sicher nicht noch kritischer: yle.fi/uutiset/tuesdays_papers_greece_finns_party_and_finlands_last_team_standing_in_europe/8153719

    Die 12,5 Mrd. waeren wohl tatsaechlich die Kofinanzierung fuer Mittel aus dem Strukturfonds, dann waere man bei einem Gesamtinvestitionspaket von 20% des BIP – das ist definitiv eine Hausnummer und wuerde wie beschrieben die Sparvorgaben auf den ersten Blick ueberkompensieren.

  4.   Thomas Pittner

    Ja Herr Lindner, natürlich darf man träumen, in der Phase bin ich noch nicht. 😉

    Meine sehr große Frustration ist dabei etwas älter, genau seitdem klar wurde, dass es Plan B gar nicht konkret gibt oder (wie sich jetzt herausgestellt hat) Varoufakis sich damit nicht durchsetzen konnte in der Syriza-Führung (2:4 gegen IOUs etc.).

    Denn da war mir klar, was bei einer Verhandlung herauskommen kann; der Plan B, vor dem zumindest viele der Eurozonalen berechtigte Angst hatten, erzeugte bei Tsipras offenbar noch größere Angst, damit war der große Trumpf weg, die Kapitulation logische Folge.

    Ja die Langfristigkeit ist ein Erfolg. Sollte das Investitionsprogramm kommen ist das auch einer.
    Dass die Banken ordentlich kapitalisiert werden ist noch gar nicht absehbar, zumindest ist es mal wieder Thema, hier hat die Aufsicht schlicht versagt.

    Den Volksvermögensverhökerungfond gut zu finden fällt mir schwer, nach der Erfahrung mit Treuhand 1 kann das sehr übel ausgehen für Griechenland.

    Aber noch gibt es ja gar nichts.
    Erst wenn sie die sechs Gesetze durchs Parlament peitschen (gibt es dafür irgendein Vorbild? ), gibt es die Entscheidung, ob man gewillt sein, zu verhandeln.

    Politisch für Tsipras ein Ritt auf der Rasierklinge, seine Fraktion ist zerlegt.
    Es kursieren Abweichlerzahlen von 16 bis 40, bei 16 kann er relativ kommod weitermachen, die drei potentiellen Notkoalitionäre werden sich kaum verbünden.

    Bei 40 braucht er aus allen drei Parteien Stimmen, damit dürfte es nur eine Frage der zeit sein, bis er weg ist.
    (wobei aktuell das Risiko bei Neuwahlen für alle hoch ist, vielleicht außer für Potami, die noch ganz “sauber” bzgl. Austeritätsmaßnahmen sind, obwohl sie erklärt haben, alles durchzuwinken)

    Ich kann mir nach dieser Verhandlungsführung durch Schäuble und anderen auch nicht vorstellen, dass die jetzt ein großes Interesse haben, dass es in Griechenland schnell aufwärts geht; sie?


  5. Griechenland hat aber noch länger ein eingefrorenes Bankensystem, muß in einem Eurosystem mit lowflation und deutschen Überschüssen von 7% GDP agieren und bekommt ein debt restructuring (Stand heute) erst wenn es seine fiskalischen Ziele erreicht.

    Da auf Wachstum und Zukunftssicherheit für Investoren zu hoffen ist, sagen wir mal mutig.

    Als mögliches Positives könnte allerdings hinzukommen, dass die EZB ihre gr. bonds beim ESM abliefern kann und dann vielleicht auch GR in QR aufnimmt.

  6.   Thomas Pittner

    Konkret zu den Investitionen.

    Infrastruktur ist immer was zu tun; aber wenn man gerade ein riesiges Privatisierungprogramm starten will?? (entspricht 750 Milliarden in D)
    Hat lange Planungsvorläufe, und selbst ohne Bürokratie kann man da nicht einfach den Bagger nehmen.

    Unabhängigkeit von Energieimporten durch alternative Stromerzeugung wäre ein Puntk, die Sonne scheint, der kwh-Preis ist ja nicht mehr sehr hoch in sonnigen Gegenden.
    Aber wieviel geht da effektiv in Milliarden?

    Öl- und Gasvorkommen heben, klar. Aber auch das ist langfristig.

    Was schnell ginge wären unterlassene Investitionen nachholen, Krankenhausausstattung, Verwaltung, Universitäten, Schulen.

    Oder den menschen das Geld in die Hand geben, “Abwrackprämie” wäre irr, aber vielleicht eine “Küchengeräteerneuerungsprämie”.

    35 Milliarden plus Kofinanzierung zusätzlich verbaut in drei Jahren, das ist ein ganz dickes Brett.


  7. ad Investitionsprogramm

    HK hat mich ja via Eichengreen halbwegs davon überzeugt, dass die expansive Geldpolitik in den 1930 entscheidender als die Fiskalpolitik war. Monetär expandieren kann GR immer noch nicht, und wenn es könnte, dann ist in einer lowflation Umgebung ganz flux die Wettbewebsfähigkeit und Leistungsbilanz im Eimer.

  8.   Fabian Lindner

    @Pittner @bmmairy

    Keine Frage, ich bin hoch skeptisch, ob irgendetwas kommen wird von dem, was ich geschrieben habe. Worum es mir geht: Wenn man wollte, könnte man etwas mit dem Programm anfangen.

    Wegen des Fonds: Ich habe nicht umsonst auf Varoufakis verwiesen, der hatte ja so eine Idee. Ich fand die aber auch damals schon etwas optimistisch…

    Was den Grexit angeht: Tsipras muss auch darauf achten, dass die überiwegende Mehrheit der Griechen keinen Grexit will; es wäre ein riesengroßes Risiko. Das könnte aufgehen à la 30er Jahre oder Argentinien. Aber ich weiß es nicht genau. Da bin ich nicht Sofamarxist genug, den Griechen ernsthaft dieses Experiment zu empfehlen (gut dazu: byline.com/column/11/article/164).

    Was ich aber auch bei der Beobachtung der Eurokrise in den letzten Jahren gesehen habe: Man hat sich immer wieder durchgewurstelt, in der Eurozone insgesamt stehen wir nicht mehr so schlecht dar wie noch 2011, es gibt OMT etc. Es ist nicht vollkommen auszuschließen, dass das alles noch irgendwie voran geht. Aber mein Geld würde ich nicht drauf setzen…


  9. @8

    Hübsch, noch ne neu Schreibweise meines Namens!

    ad Sofamarxist:
    Vermutlich wird Syriza erstmal schauen was innerhalb des Programmes geht und was Podemos im Herbst erreicht. Wenn das Programm läuft und die Banken wieder cash haben, ist ja auch etwas Zeit um die Vorbereitung für den Fall der Fälle sorgfältig zu treffen.

  10.   Thomas Pittner

    @ Fabian Lindner

    “Keine Frage, ich bin hoch skeptisch, ob irgendetwas kommen wird von dem, was ich geschrieben habe. Worum es mir geht: Wenn man wollte, könnte man etwas mit dem Programm anfangen.”

    Das Gegenszenario ist halt eine abgesägte Syriza als abschreckendes Beispiel, eine Technokratenregierung die weiter umverteilt nach oben, die Infrastruktur wird an Interessierte günstig abgegeben (wer tauscht derzeit nicht gerne “Geld” gegen reale assets), im “besten” Treuhand-Stil, die Banken werden weiterhin nur irgendwie am Leben gehalten, und die Lethargie geht weiter.
    Die öffentlichen Investitionen ziehen sich endlos hin und versickern zu großen Teilen bei ausländischen Baufirmen und Projektentwicklern (siehe auch hier DDR, absurd große Kläranlagen, finanziert ja jemand anderes, goldene Nase für den Projektierer und riesige Abasserrechnungen für Den Dummen Rest) und inländischen großen oder auch kleinen lokalen Oligarchen (“Muchtarensystem”)

    Die privaten Investitionen bleiben wegen der Unsicherheit weiter aus, auch das Geld unter den Matratzen wird nicht nachholend konsumiert

    Wenn die Griechen jetzt gelernt haben, dass es mit links nicht geht, bleibt nächstes Mal, wenn der Druck im Kessel zu hoch wird, nur noch rechts, man klammert sich halt an jeden der eine “Lösung” anbietet, wenn es die anderen offenbar nicht können.

    “Was den Grexit angeht: Tsipras muss auch darauf achten, dass die überiwegende Mehrheit der Griechen keinen Grexit will; es wäre ein riesengroßes Risiko. Das könnte aufgehen à la 30er Jahre oder Argentinien. Aber ich weiß es nicht genau. Da bin ich nicht Sofamarxist genug, den Griechen ernsthaft dieses Experiment zu empfehlen (gut dazu: https://www.byline.com/column/11/article/164).”

    Die überwiegende Mehrheit hat trotz medialem Gegenwind ein lautes NEIN! gesagt, zu dem Austeritätsprogramm, welches jetzt deutlich verschärft kommen soll.(ja ok, auch verlängert, man kann auch positives finden)

    Und wenn Tsipras aus den Verhandlungen geht und sagt, ich habe kein Mandat, diese Verschärften Maßnahmen zu unterschreiben, diese weitgehende Aufgabe nationaler Souveränität, ja die massive Verscherbelung griechischen Nationalvermögens an einen FOnd in Luxemburg unter Aufsicht von Schäuble;

    welche griechische Partei, welche griechische Zeitung könnte da gegenteilig argumentieren?

    Es folgt ja auch kein automatischer Grexit, wenn man einfach IOUs druckt und andere Notenbankenmaßnahmen ergreift.

    (der Witz ist ja, dass Schäuble jetzt IOUs vorschlägt)

    “Was ich aber auch bei der Beobachtung der Eurokrise in den letzten Jahren gesehen habe: Man hat sich immer wieder durchgewurstelt, in der Eurozone insgesamt stehen wir nicht mehr so schlecht dar wie noch 2011, es gibt OMT etc. Es ist nicht vollkommen auszuschließen, dass das alles noch irgendwie voran geht. Aber mein Geld würde ich nicht drauf setzen…”

    Irgendwie geht es immer, bis es nicht mehr geht.

    Aber die Performance der Eurozone im Vergleich ist doch ziemlich eindeutig.

    Im günstigsten Fall ziehen die Weichwährungstraditionsländer die verschärfte Austerität so lange durch, bis sie wieder deutsche Preise (als “Wettbewerbsfähigkeit” verklärt) erreicht haben, und ab dann bewegt man sich im Austeritäts-Gleichschritt.

    Damit fällt man immer weiter ggü. anderen Währungsräumen zurück.

    Und: wir können uns doch ausmalen was passiert, sollten alle Eurozonenländer wieder das deutsche Preisniveau erreicht haben, und dann die akute Krise vorbei sein sollte.

    Damit schießt der Euro genau auf das Niveau, welches jetzt für D angemessen wäre.

    Dann wäre der ganze “schöne” Überschussexport mit den dranhängenden Arbeitsplätzen einfach weg.

    Schon bei einer Abschmelzung gibt es hier Heulen und Zähneklappern, Agenden im Jahrestakt.

    Also ich würde jede Chance ergreifen, aus diesem Austeritätsclub zu entkommen. Nur für wirklich ganz “Harte” wie die Balten, die ganz schmerfrei wegen einer Kennzahl das BSP 20 Prozent in den Keller schicken, kann das auf eine gewisse weise rational sein.