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Deutschland geht’s gut

 

Das Statistische Bundesamt hat am Donnerstag die erste Schätzung des Bruttoinlandsprodukts und seiner Komponenten für 2015 bekannt gegeben. Sowohl die Dynamik als auch die Struktur des Aufschwungs sind höchst erfreulich. Das reale BIP ist gegenüber 2014 um 1,7 Prozent gestiegen, die Inlandsnachfrage hat endlich die Exporte als Wachstumstreiber abgelöst, die Investitionen, das verfügbare Einkommen und die Beschäftigung haben allesamt kräftig zugelegt.

Einziger Schwachpunkt ist die langsame Zunahme der Produktivität – aber das ist schon seit Jahren so. In einer alternden Gesellschaft, die ohne eine jährliche Nettozuwanderung von 500.000 bis 800.000 Menschen auskommen möchte, lassen sich die Lasten für die Erwerbstätigen nur in Grenzen halten, wenn der Output pro Stunde deutlich rascher steigt als mit den Raten von nur etwa einem halben Prozent, bei denen sich der jährliche Produktivitätsanstieg inzwischen eingependelt hat. Es wird immer noch zu wenig investiert.

Bruttoinlandsprodukt: Uns geht's gut

So gut die Zahlen auch sind, sie sind nur Durchschnittswerte und sagen daher wenig darüber aus, wie es um die wirtschaftliche Situation des Einzelnen steht. Aus gesamtwirtschaftlicher Perspektive hat sich die Einkommensverteilung zum ersten Mal seit drei Jahren leicht zulasten der Arbeitnehmer entwickelt, aber real, nach Abzug der Inflationsrate, sind die Arbeitseinkommen 2015 erneut um rund drei Prozent gestiegen. Insgesamt hat die Diskussion über eine ungleiche Verteilung der Einkommen in letzter Zeit an Schärfe verloren, weil die Arbeitnehmer überproportional am Aufschwung partizipieren, wenn auch mit Maßen.

“Uns geht’s gut” – das ist vor allem im Vergleich zu den europäischen Nachbarländern eine treffende Aussage. Im vergangenen Jahr war das deutsche BIP real um sechs Prozent größer als 2008, dem Jahr vor der tiefen Rezession von 2009. Frankreich hatte in den sieben Jahren nur um rund drei Prozent zugelegt, während Italien und Spanien, die beiden anderen großen Länder des Euroraums, noch um sieben und vier Prozent unter ihren damaligen Höchstwerten lagen. Italien ist der neue kranke Mann Eurolands. Dagegen expandiert Spaniens reales BIP mittlerweile mit Raten von über drei Prozent; angesichts einer Arbeitslosenquote von über 20 Prozent und einer Jugendarbeitslosigkeit von 47,5 Prozent ist es wichtig, dass es bei diesen vergleichsweise hohen Zuwachsraten bleibt. Da Spanien im europäischen Kontext immer noch ein armes Land ist, besteht beträchtlicher Aufholbedarf; die Grenzerträge von Investitionen sind entsprechend hoch. Zusammen mit dem niedrigen Lohnniveau ergibt das ein attraktives Umfeld für Investitionen, einschließlich Direktinvestitionen aus dem Ausland.

Grafik: Entwicklung des deutschen BIP im Vergleich zu den anderen großen EU Ländern

Es ist fast sensationell, wie gut es am deutschen Arbeitsmarkt läuft. Durch die langjährige Lohnzurückhaltung hat sich die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen stark verbessert. Das gilt sowohl gegenüber den europäischen Nachbarländern als auch gegenüber dem Rest der OECD. Der gesunkene relative Preis der Arbeit hat zu einem kräftigen Anstieg der Beschäftigtenzahlen geführt – plus 5,7 Prozent seit 2008, obwohl es zwischendurch die tiefste Rezession der Nachkriegszeit gegeben hatte. Nach der Definition des Internationalen Arbeitsamts ILO ist die Arbeitslosenquote inzwischen auf unter fünf Prozent gefallen. Besonders erfreulich ist, dass die Anzahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten geradezu explodiert; im Oktober waren es beispielsweise 2,3 Prozent mehr als vor einem Jahr. Wir nähern uns mit großen Schritten der Vollbeschäftigung.

Es überrascht daher nicht, dass jetzt auch die Löhne wieder kräftiger steigen. Sie waren in der Industrie zuletzt je Arbeitsstunde um 2,5 Prozent höher als vor Jahresfrist; die tariflichen Stundenlöhne steigen gesamtwirtschaftlich mit derselben Rate. Zusammen mit der guten Beschäftigung führte das zu einem Anstieg der sogenannten Masseneinkommen von rund vier Prozent; da die Inflationsrate nahe bei null lag, waren es real kaum weniger. So etwas hatten die Verbraucher seit Jahren nicht mehr erlebt und sie reagierten, indem sie ihre Konsumausgaben real um 1,9 Prozent steigerten. Die Zuwachsrate war mehr als doppelt so hoch wie in den Vorjahren. Es half offenbar, dass sie nur noch wenig Angst um ihre Arbeitsplätze hatten und Angstsparen daher nicht mehr so angesagt war. Alle Ökonomen, vor allem ausländische, hatten die Haushalte seit Jahren gedrängt, endlich doch bitte mehr Geld auszugeben, waren aber bis vor Kurzem auf taube Ohren gestoßen. Der Knoten scheint inzwischen geplatzt zu sein.

Grafik: Entwicklung der privaten Konsumausgaben und der Beschäftigung,1995-2015

Eine Schwalbe macht natürlich noch keinen Frühling. In Deutschland wird immer noch viel mehr gespart als in anderen großen OECD-Ländern. Selbst der Staat und sogar der Unternehmenssektor haben sich trotz der rekordniedrigen Zinsen zu Nettosparern gemausert, so dass das Land 2015 insgesamt netto Kapital in Höhe von acht Prozent des BIP exportieren musste; in absoluten Zahlen waren das etwa 250 Milliarden Euro. Nur China kam auf einen ähnlichen Wert. Von daher gibt es einen großen Spielraum für einen lang anhaltenden Konsumboom. Dadurch ließen sich im Übrigen die deutschen Einfuhren nachhaltig steigern, was wiederum unseren europäischen Handelspartnern gut tun und die Fliehkräfte des Euro reduzieren würde. Zudem sinkt das Risiko einer Deflation, wenn die Konsumnachfrage in Schwung kommt. Bislang gibt es erfreulicherweise keine Anzeichen, dass die deutschen Verbraucher wieder einen Rückzug machen könnten – durch die rückläufigen Ölpreise bekommen ihre Realeinkommen gerade wieder einen neuen Schub. Wir arbeiten nicht, um zu sparen, sondern um zu konsumieren. Schön wär’s, wenn sich das auch über unsere Landsleute sagen ließe, ein bisschen jedenfalls.

Grafik: Entwicklung   der außenwirtschaftslichen Verflechtung Deutschlands seit 1995

Es spricht viel dafür, dass Deutschland wegen der robusten Binnennachfrage, des Endes der fiskalpolitischen Restriktionen und der großen finanziellen Spielräume nicht in den Strudel der globalen Rezession gezogen wird, der sich jetzt abzeichnet. Es ist einigermaßen sicher, dass der Gegenwind im internationalen Handel stärker wird. Wir haben es zurzeit mit einer Art Abwertungswettlauf zu tun. Die Währungen Chinas sowie praktisch aller Rohstoffländer sind sehr schwach, so dass sich die deutschen Preise in ausländischer Währung stark erhöht haben. Andererseits wird unsere Wirtschaft real mehr importieren, weil die Konjunktur relativ gut läuft und die Einfuhrpreise sehr niedrig sind. Das bedeutet, dass der sogenannte Außenbeitrag wie zuletzt im Jahr 2013 schrumpfen, also Wachstum kosten könnte. 2016 wird kein leichtes Jahr.

25 Kommentare

  1.   BMMMayr

    “Uns geht’s gut”

    Das stimmt. Insbesondere im Vergleich mit anderen Europäern geht es uns wirklich gut.

    Deutschland hat sich eine Positionen erarbeitet/erkämpft (wie ich denke unter zu großen Opfern und Kollateralschäden) die aktuell noch komfortabel ist. Aber man ruht sich zu sehr auf dem Fenchel aus und anders als Caesar “riecht” Angela den Fisch nicht (www.comedix.de/lexikon/db/img/lorbeeren.jpg).

    Deutschland bereitet sich nicht vor auf das was kommen wird.

    Aktuell muß Deutschland 8% der Wirtschaftsleistung auf Pump exportieren um 1,7% Wachstum zu haben und die Arbeitslosigkeit noch ein bisschen weiter zu senken. Die immer weiter aufgebauten Ungleichgewichte werden nicht auf ewig so weiter wachsen und Deutschland ist darauf in keiner Weise vorbereitet. Ohne Leistungsbilanzüberschuß wäre Deutschland keinen Deut besser dran als z.B. Frankreich.

    Eine exportorientierte Industrienation mit wenig Investitionen und wenig Produktivitätsfortschritt in einem Umfeld in dem Chinas Wirtschaft bremst, zur Abfederung die Währung kräftig abwertet und die europäische Einigung nach langem Stillstand in den Rückwärtsgang schaltet: Schengen todkrank, Nationalismus und Demokratieverlust in Osteuropa, die kranken großen Männer Italien und Frankreich eine Zeitbombe für den Euro.
    Noch scheint die Konstellation stabil, aber die destabilisierenden Kräfte wirken munter weiter.

    Wenn es den Kunden nicht gut geht, dann geht es Fabrikanten und Händlern auch bald nicht mehr rosig.

    Wie stark kann Deutschland in einem schwachen Europa überhaupt sein?

    Goldene 10er Jahre, wie die 20er im letzten Jahrhundert?

    “… Endes der fiskalpolitischen Restriktionspolitik …”

    Wo sehen sie dafür Indizien? Der Bund hat den größten Überschuß sein mehr als 25 Jahren.

    Damit will Schäuble Rücklagen bilden zur Finanzierung des Flüchtlingseinstroms konnte man lesen. Wenn man zur Integration nur Geld auf dem Konto liegen haben muß, statt es tatsächlich investiv auszugeben, dann wird das für D ein Klacks!

  2.   Dieter Wermuth

    @ BMMMayr (#1)

    Wenn die staatlichen Überschüsse sinken oder nicht mehr steigen, wonach es 2016 aussieht, hat das einen stimulierenden Effekt. Hinzu kommt ja, dass die Outputlücke zwar groß ist, aber zu schrumpfen scheint, vor allem wegen des privaten Verbrauchs – von daher müsste der Budgetsaldo ja eigentlich größer werden. Da das nicht passieren wird, haben wir es dieses Jahr mit einer expansiven Finanzpolitik zu tun. Kann ja nicht schaden. DW

  3.   Dietmar Tischer

    Sehe wie BMMMayr erhebliche strukturelle Fehlentwicklungen und Risiken.

    Wir können uns die erheblichen Kosten einer Energiewende leisten. Wir können auch die Integrationskosten für eine große Zahl von Zuwanderern schultern. Wir können auch die relativ zu den Erwerbstätigen zunehmende Zahl von alten, immer älter werdenden Menschen alimentieren und gut versorgen. Wir haben auch das Geld, um die innere Sicherheit zu erhöhen (oder zumindest sie nicht erodieren zu lassen) und auch den Umbau der Bundeswehr zu finanzieren, die immer mehr gefordert sein wird. Wir haben auch die Mittel für Investitionen in die Infrastruktur und in Bildung.

    Wir haben aber nicht die Mittel, alle diese Aufgaben zugleich zu meistern.

    Dies ist umso kritischer, weil die Investitionen des privaten Sektors tendenziell nicht mehr steigen werden. Daran ändert auch Lohnzurückhaltung und somit ein von dieser Seite her nur moderater zusätzlicher Kostendruck nichts. Auch wenn unsere Wirtschaft umgebaut werden muss – mehr Dienstleistungen speziell für Gesundheit und Betreuung alter Menschen – haben wir nicht wie China die Option evtl. Exportausfälle durch dauerhaft erhöhte Inlandsnachfrage auszugleichen.

    Wenn man dann noch realisiert, dass nicht nur eine sich möglicherweise abschwächende Weltwirtschaft zumindest spürbare Schleifspuren hierzulande hinterlassen würde, sondern die Eurozone/EU gegenwärtig vor nie gekannten Herausforderungen steht und politisch aller Orten nicht zu Unrecht das Panikorchester spielt, kann man sagen:

    Es besteht kein Grund zur Panik, aber gut geht’s Deutschland auch nicht.

    Es fehlt der breiten Öffentlichkeit das Bewusstsein, wie fragil das alles ist, was wir uns vorgenommen haben, angesichts übertünchter Defizite und der labilen Abhängigkeit von einer Außenwelt, auf die wir nur beschränkten Einfluss haben.

    Es stimmt, wir sind anpassungsfähig und diszipliniert.

    Ob und wie weit wir es dann noch sind, wenn Erwartungen tiefgreifend enttäuscht werden, ist eine offene Frage.

    Ich würde jedenfalls nicht einfach von der Vergangenheit auf die Zukunft schließen.

  4.   Wolfsblut

    Deutschland geht es also gut. Na dann kann doch die unbegrenzte Aufnahme von Fluechtlingen wie gehabt weitergehen. Deutschland wird 2016 ein weiteres Sommermaerchen (TM) erleben.

  5.   Tavio

    und die Beschäftigung haben allesamt kräftig zugelegt.

    aber leider nur in der Statistik, da extrem viele Arbeitslose gar nicht mehr in der ofiziellen Statistik erfasst werden:

    Offizielle Arbeitslosigkeit im Dezember 2015: 2.681.415
    Nicht gezählte Arbeitslose gesamt: 790.147
    Tatsächliche Arbeitslosigkeit im Dezember 2015: 3.471.562

    Nicht gezählte Arbeitslose aufgeschlüsselt:
    Älter als 58, beziehen Arbeitslosengeld I und/oder ALG II: 162.198
    Ein-Euro-Jobs (Arbeitsgelegenheiten): 76.063
    Förderung von Arbeitsverhältnissen: 8.029
    Fremdförderung: 114.254
    Berufliche Weiterbildung: 166.728
    Aktivierung und berufliche Eingliederung (z. B. Vermittlung durch Dritte): 171.105
    Beschäftigungszuschuss (für schwer vermittelbare Arbeitslose): 3.437
    Kranke Arbeitslose (§126 SGB III): 88.333

    Quelle: die-linke.de/politik/positionen/arbeitsmarkt-und-mindestlohn/tatsaechliche-arbeitslosigkeit/

    Hinzu kommen noch die Arbeitslosen,…

    …die älter als 63 Jahre alt sind und — unter massiven Rentenabschlägen — frühzeitig “zwangsverrentet” und nicht mehr als arbeitslos registriert werden

    …die unter 25 Jahren alt sind und im Haushalt ihrer Eltern leben und von diesen unterhalten werden müssen, weshalb sich viele gar nicht mehr arbeitslos melden, weil sie keine Sozialleistungen erhalten.

    …die vom Lebenspartner oder Ehegatten unterhalten werden müssen, weshalb sie keine Sozialleistungen empfangen und deshalb nicht arbeitslos gemeldet sind.

    …die ein Vermögen oberhalb des „Schonvermögens“ im Sozialrecht besitzen, weshalb sie keine Sozialleistungen empfangen und deshalb nicht arbeitslos gemeldet sind.

  6.   Umgedacht

    Ich sehe in Deutschland keine robuste Binnennachfrage. Die Nominallöhne steigen einfach nicht genug. Und die Reallöhne sind nur wegen der stagnierenden, zum Teil sogar sinkenden Preise, etwas gestiegen.

    Die Arbeitnehmer in Deutschland sind seit 15 Jahren nicht mehr in der Lage die von ihnen produzierten Güter vollständig zu kaufen. Diese Binnenmarktschwäche überdecken wir nur notdürftig durch irrsinnig hohe Leistungsbilanzüberschüsse.

    Das Ausland hat 2015 erneut 250 Milliarden Euro Schulden gemacht. Nur um unsere Kapitalexporte zu finanzieren. Wir sind abhängig von der Neuverschuldung unserer Partnerländer. Gleichzeitig fordern wir diese jeden Tag zum Sparen auf. Schizophren!

  7.   Brunill0

    Entwicklung des realen Netto-Einkommens pro Kopf?

  8.   bretter_pit

    Deutschland geht es gut und sehr vielen Deutschen geht es gar nicht gut.

    Deutschland hat mit vielen Deutschen rein gar nix zu tun.

  9.   Oxys

    “Nun wissen wir es hochoffiziell und amtlich: Die deutsche Wirtschaft ist im vergangenen Jahr mit 1,7 Prozent so stark gewachsen wie einige Jahre zuvor nicht mehr. Die deutsche Presse, wie nicht anders zu erwarten, wird nicht müde, diesen „Erfolg“ heftig zu beklatschen. Dumm nur, dass die Börse weiter einbricht, das passt so gar nicht in das Bild von dieser Erfolgstory.

    Liest man etwas genauer, erkennt man allerdings schnell, dass die meisten derer, die da schreiben, überhaupt nicht wissen, worüber sie schreiben. Toll ist zum Beispiel, was Reuters bei Spiegel-Online zum Besten geben darf:

    „In das BIP wird alles einberechnet, was in einem bestimmten Zeitraum in einem Land hergestellt wird. Auch der Wert von Dienstleistungen zählt mit. Berücksichtigt werden alle Wirtschaftsbereiche vom Handwerker bis zu Handel, Banken, Industrie, Landwirtschaft und staatlichen Leistungen wie Investitionen in Straßen.“

    Wie schön, dass das alles eingerechnet wird. Das Dumme ist nur, dass man für das meiste, was da aufgezählt wird, überhaupt keine Daten für das Jahr 2015 hat. Und die Bereiche, für die man harte Daten hat, zeigen leider überhaupt kein Wachstum (siehe hier). Aber für die spannende Frage, ob bei diesen Berechnungen vielleicht Phantasie im Spiel ist, fehlt es den Agenturen sicher an Phantasie.

    Eine glatte Fehlinformation verbreitet die FAZ, wenn sie schreibt: „Vielen Verbrauchern sitzt das Geld seit Monaten locker, weil Sparen kaum noch belohnt wird und die gesunkenen Energiepreise die Haushalte zusätzlich entlasten. Dazu kommt, dass sich vergleichsweise Wenige aktuell Sorgen um ihren Job machen: Die Lage auf dem Arbeitsmarkt ist historisch günstig. Mit 2,681 Millionen war die Zahl der Erwerbslosen im Dezember so niedrig wie seit 24 Jahren nicht in diesem Monat.“ Nein, der entscheidende Grund dafür, dass die Konsumausgaben 2015 stiegen, ist die Tatsache, dass die Reallöhne 2015 zum ersten Mal seit einiger Zeit wieder nennenswert gestiegen sind. Und die sind gestiegen, weil die Preise noch weniger gestiegen sind als die wenig gestiegenen Nominallöhne. Mit dem Sparverhalten der Haushalte bzw. der Sparquote hat das gar nichts zu tun. Aber das darf die FAZ ja nicht sagen, das klingt ja links: Steigende Löhne führen zu steigender Nachfrage – igittigitt.

    Genial auch das Statistische Bundesamt selbst, das lapidar (hier) feststellt: „Die preisbereinigten Exporte von Waren und Dienstleistungen waren um 5,4 % höher als im Vorjahr. Die Importe legten in ähnlicher Größenordnung zu (+ 5,7 %), sodass der resultierende Außenbeitrag, also die Differenz zwischen Exporten und Importen, einen vergleichsweise geringen Beitrag zum BIP-Wachstum leistete (+ 0,2 Prozentpunkte)“. Nur 0,2 Prozent vom Außenbeitrag, das ist für einen echten Merkantilisten wirklich enttäuschend. Hätten doch auch 0,7 Prozent oder mehr sein können, wie wir das in einigen Jahren schon hatten. Dass Deutschland positive Beiträge vom Außenbeitrag bekommt, wird schon gar nicht mehr in Frage gestellt, genau so wenig wie die damit zwingend verbundenen negativen Beiträge im Rest der Welt. Sollen doch die Ausländer froh sein, dass sie auf Pump die guten deutschen Produkte kaufen können, auch wenn der schöne freie Handel für sie dann negative Einkommensfolgen hat.”

    flassbeck-economics.de/bip-rekordwachstum-deutschlands-jubelpresse-jubelt/

  10.   cccc

    Die ganzen Zahlen und das Geschwurbel interessieren mich nicht, wenn die Realöhne stagnieren,geht es mir auch finanzell nicht besser. Da kann die Wirtschaft steigen wie sie will.