Die beste Gazpacho Berlins…

… gibt es derzeit bei Soupkultur (clic!). Für Andalusien-Nichtkenner: Gazpacho ist eine eiskalt genossene, andalusische Suppe, die man erhält, wenn man gehäutete Tomaten, Gurken, Paprika, Zwiebeln, Knoblauch, eingeweichtes Weißbrot und Gemüse- oder Hühnerbrühe in einen Topf wirft, püriert und sehr fein mit Pfeffer, Salz und einem kleinen Schuss Essig abschmeckt und einige Stunden lang in den Kühlschrank stellt. Nichts ist im Sommer erfrischender, labender, köstlicher und gesünder. Bei Soupkultur – man muss es mal so deutlich sagen – haben sie diesbezüglich wirklich den Bogen raus. Ausprobieren, so lange es noch heiß ist!

 

Sattmachen auf brutale Art und Weise

Wer mal richtig satt werden möchte, und zwar so, dass er nicht mehr sprechen kann, der möge das Walhalla in Moabit betreten. Selten löste eine Gastwirtschaft in mir ambivalentere Gefühle aus, als diese.

Das Walhalla ist zunächst eine gut abgehangene und beliebte Moabiter Kiez-Institution. Hier sitzt studentisches Volk herum, hier sitzen Menschen herum, die original sagen: „Dann hat er die Sauerstofftherapie gemacht – und das Ohr blieb dran!“. Hier sitzen Lesbengruppen, die Selbstgedrehte Zigaretten mit Zippo-Feuerzeugen anzünden. Hier ist auf brutalstmögliche Art und Weise was los.

Der Wirt ist an Freundlichkeit und Liebenswürdigkeit schwer zu überbieten. Jedem Gast gibt er ein nettes Wort mit auf den Weg, es gibt nebst den Berliner Bieren ein gut laufendes Früh Kölsch; man muss die Trinksituation als gut bezeichnen.

Aber die Küche. Die Küche! OH MEIN GOTT! Nahezu alle Speisen werden a priori überbacken. Sogar die Maultäschle! Die Vorräte an geriebenem Emmentaler sind unerschöpflich; egal was man bestellt – es wird überbacken, und zwar nicht ein bisschen, sondern in der maximal heftigen Ausprägung. Das Walhalla ist das Restaurant der gut geölten Friteusen. Hier wird paniert und fritiert, dass holländische Imbissstubenbesitzer feuchte Augen bekommen. Hier wird gesättigt. Mit Sahnesaucen, dreifach und vierfach-Käse, mit Emmentaler und Feta. Rustikalere Speisekarten sind nicht denkbar.

Wer hier nicht so satt rausgeht, dass er sich kaum noch bewegen kann, ist schwer krank. Man müsste aus kulinarischer Sicht den Laden sofort schließen, wenn nicht der Wirt und die Bedienungen so nett wären. Moabit, soviel steht fest, ist ein äußerst spezielles Pflaster.


Walhalla
Krefelder Str. 6
10555 Berlin
(030) 393 30 39
Nur Barzahlung

 

Zu Besuch bei der Brauerei Lemke

Gibt so Tage, an denen geht gar nix. Draußen regnet’s und man hängt wie erschlagen herum. Nur gut, dass Freund Holger telefphonisch den Wunsch nach einem gepflegten Klein-Besäufnis avisiert. Eigentlich wollten wir in die hervorragende Schankwirtschaft Alt-Berlin (Münzstraße), aber da war zu. Nun denn. Fußmarsch zum Hackeschen Markt, Gasthausbrauerei Lemke. Der Wunsch war klar: Deftige Kost. Fleisch. Bier. Schnaps. Ende.

Wir verköstigten das absolute hervorragende „Lemke Original“, ein angenehm hopfiges, frisches, Altbier-ähnliches, tja, Bier. Es schmeckte dermaßen phantastisch, dass wir in einer knappen Stunde gute 6 Humpen wegmachten und dabei noch ausladende Speisen inhalierten. Man verzehrte hochwohlmögende, auf den Punkt gegarte Schweinerückensteaks, goss sich bzw. einander Biere über den Kopf und ward glücklich.

Die Bedienung ist einigermaßen zügig, die Speisen rustikal, aber frisch und schmackhaft, und das Bier schmeckt wunderwunderbar. Kann man guten Gewissens machen.


Hausbrauerei Lemke
Dircksenstr. / S-Bahn-Bogen 143
10178 Berlin
S Hackescher Markt
(030) 247 287 27

 

Thai nix gutt

Heute leider mal eine Restaurant-Warnung.

Das Thai-Restaurant „Sawad“ in der Zimmerstr.69 liegt irgendwo zwischen Checkpoint Charlie und Springer-Haus, ist dort in der Gegend das einzige Thai-Restaurant und hat damit eigentlich gute Voraussetzungen für rege Besucherzuströme. Statt es aber in Form einer transparenten, frischen Garküche mit hohem Durchsatz aufzuziehen, bevorzugt man die althergebrachte Variante mit Theke, eingedeckten Tischen, Brauereimobiliar und abgetrenntem Küchenbereich.

Es ist der erste ernstzunehmende Frühlingstag, draußen vor dem Restaurant stehen Tische – und das Restaurantpersonal ist völlig verunsichert, weil gleichzeitig 20 Leute da sind, die Essen möchten. Leider gibt es nur 9 Speisekarten. Wir warten also zunächst mal auf die Speisekarten, weil diese gerade im Umlauf sind.

Der Kollege bestellt Frühlingsrollen und Saté-Spieße, ich bestelle als Vorspeise eine Tom Kha Gang und ebenfalls Saté-Spieße. Das Restaurant, das sich mit dem Begriff „Business Lunch“ schmückt, braucht Ewigkeiten. Irgendwann bekommt der Kollege die Frühlingsrollen und futtert diese gnadenlos auf. Dann kriegen wir zeitgleich die Saté-Spieße gereicht. Die wirklich arg liebenswürdige Kellnerin versichert, dass die Vorspeise auch gleich kommt. Ich warte fünf Minuten, dann esse ich – der Hunger, der Hunger! – halt doch schon mal die Saté-Spieße vorher. Sie sind nur halbwarm. Schmecken okay, aber nicht berauschend. Es gibt keine Beilagen.

Deutlich nach dem Verzehr der Spieße kommt die Suppe. Auf ihr schwimmen mehrere, dunkelorange schillernde Fettaugen. Zwei traurige, sichtbar überalterte Champignons taumeln in der Suppe umher. Sie ist kaum gewürzt und schmeckt hauptsächlich nach Kokosmilch und schwacher Hühnerbrühe. Ich schmecke kein Zitronengras, keine Würze. Nach vier Löffeln gebe ich auf und sage, leider.

Nie wieder.

Ausnehmen möchte ich das sehr bemühte Personal. Aber sowohl die Küche als auch das Management (9 Speisekarten in einem Restaurant, das 40 Sitzplätze hat) müssen nachbessern.

 

Ist das Lorenz Adlon gut?

Ja, das ist es. Soviel vorweg.

Es gab etwas zu feiern. Und so reservierte man im Gourmetrestaurant „Lorenz Adlon“ einen Tisch „à deux“. Plaziert wurde man unmittelbar vor dem Kamin. Gemütlich, herrlich! Man spies das „Périgord Trüffel Menü“, welches daselbst besteht aus folgender Speisenreihenfolge:

Gelierte Trüffelessenz mit Tranchen von der Mieral Bresse Poularde, glasierten Sot l’y laisse, Topinamburcreme und Erbsensprossen.

Gebratenes Filet vom Loup de Mer unter der Parmesankruste auf Trüffelsabayon mit grünem Gemüsepanaché

Mit Trüffel gespicktes Kalbsfilet im Petersilienmantel auf gratiniertem Blumenkohl und Trüffelkartoffeln

Törtchen von zweierlei Brillat Savarin mit Périgord Trüffel und gebackenem Birnencroustilliant

Gefüllter Trüffel von Valrhona Extra Amer Schokolade mit lauwarmer Marsalasabayon und halb confierten Zwergorangen.

Dazu trank man den unfassbaren Salwey Spätburgunder Rotwein.

Die Amuses geueles (ja, es gab zwei) waren phantastisch.

Teil 1, also die gelierte Trüffelessenz, enttäuschte. Der Geschmack war überraschend muffig. Auch war die Konsistenz eine Spur zu matschig. Gemeinsam mit der Topinamburcreme ergab sich ein eher eigenartiger Geschmacksakkord (Dollase, eat this!). Durch das würzige, zarte „Sot l’y laisse“ hingegen wurde diese Vorspeise wieder deutlich aufgewertet.

Der ohne „p“ zu sprechende Loup de Mer war von unfassbar hoher Qualität. Perfekt gegart, zart, fleischig. Die Parmesankruste, in der ich sogar einen kleinen Zacken Wasabi vermute, veredelte ihn ideal.

Das Kalbsfilet muss ich ebenfalls mit 100 von 100 Punkten bewerten. Saftig, zart, köstlich, die dazu auf dem Teller verteilte Tunke setzte Maßstäbe in den Punkten Vehemenz und Sämigkeit.

Das Käsewunder „Brillat Savarin“ war erschreckend gut. Mildsüß-würzig. Gemeinsam mit dem 2001-er gottgleichen Spätburgunder (Salwey) ereigneten sich nahezu hörbare Geschmacksexplosionen.

Die Nachspeie, bestehend aus dem Trüffel von der Valrhona Extra Amer Schokolade (vom Mitesser bezeichnet als: „Sieht aus wie Falafel“) erwies sich als solide Nachspeise ohne Glam und Glitz.

Der Service war überragend gut. Unglaublich aufmerksame Kellnerschaft mit Wiener Charme. Eine bessere Bedienung, zu gleichen Teilen gediegen und humorvoll, bekommt man in Berlin wohl nicht.

Aufgrund der deutlich abfallenden Vorspeise gebe ich gefühlte 91 von gefühlten 100 Punkten. Der Service verdient in jedem Fall 100 von 100.


Lorenz Adlon Gourmet Restaurant
geöffnet: Di-Sa 19-22:30 Uhr
(030) 2261-0
Alle Karten

 

Lecker, lecker, superlecker!

Hier stelle ich in loser Folge Restaurants vor, die mir gefallen. Ich betone ausdrücklich, dass die genannten Restaurants für diese Rezensionen kein Geld bezahlen und ich auch ansonsten weder privat noch dienstlich mit den Besitzern jener Restaurant verbandelt bin. Ich geh einfach gerne da hin. Punkt.

Komisch. Gibt so Restaurants, die sind und bleiben ein Geheimtipp. Auch halbstündige Googelei fördert gerade mal einzwei dürre Links zutage. Das VAN XUAN im Berliner Bezirk Schöneberg gehört dazu. Ein äußerst unprätentiöses vietnamesisches Restaurant in der zart linksalternativen Ecke Crellestraße / Kaiser-Wilhelm-Platz.

Am Fenster ein Hinweis: Hier wird ohne Glutamat gekocht. Das macht neugierig, man nimmt Platz, ergreift die wunderschön und schlicht gestaltete Speisekarte. Spätestens beim Betrachten dieser Speisekarte beginnt im Mund ein unkontrollierbarer Speichelfluss. Man bestellt und bestellt, kreuz und quer durch die Karte – und alles ist ein Gedicht!

Die Suppen (Klassiker mit Kokosmilch und Shrimps bzw. Hühnerfleisch) sind hocharomatisch und vereinen das eigentlich Unvereinbare: Schärfe und Mildheit. Die handgemachten Frühlings- und Sommerrollen sind duftig-leicht und kreativ gefüllt (Pilze, Shrimps, Minze). Doch der absolute Hit ist die VAN XUAN-Platte: Vier Spieße, je einer mit mariniertem Rindfleisch, Hühnerfleisch, Shrimps und Gemüse. Zart, köstlich, saftig, dazu mehrere Saucen zur Auswahl und duftiger Reis.

Schön auch, dass man sich nicht dem Diktat der Schöfferhofer-Geschmacksverbrecher beugt, sondern neben einer absolut korrekten kleinen Weinkarte sogar das gute Maisels-Weizenbiersortiment reicht.

Und dann ist das alles auch noch beschämend günstig. Man möchte sagen: billig.

Uneingeschränkt empfehlenswert für ein schönes Essen unter Freunden.

VAN XUAN
Crellestr. 48
10827 Berlin
030 – 7827662

U7 Kleistpark
Bus 104, 204, 148, 187 Kaiser-Wilhelm-Platz.

Update 17.08.2006: Gestern erneut dagewesen. Wiederum: Frisch, phantastisch, flink, und eine sehr freundliche Bedienung.

 

Klein und fein

Soeben hat in der Zimmerstr. 68, Ecke Markgrafenstraße, der kleinste Imbiss in ganz Berlin-Mitte aufgemacht. Er heißt „Zur Teigtasche“. Dort verkauft eine charmante Türkin Teigtaschen in allen Variationen zu herzzerreißend niedrigen Tarifen (ab 0,45 Euro). Die Dinger sind unfassbar lecker, sie unterscheiden sich in erster Linie durch ihre Füllungen. Neben Klassikern wie Spinat/Feta gibt es welche mit Oliven-Frischkäse oder Lachs oder Räucherwurst. Ein rustikales Vergnügen. Bin inzwischen süchtig.

 

Ans Meer in einer Minute

„Lungomare“, das heißt auf deutsch übersetzt: „Meerblick“. Lungomare ist aber auch der Name einer kleinen Trattoria in der Charlotten- Ecke Schützenstraße, Berlin Mitte. Die Betreiber haben es genau richtig gemacht: Sie haben sich eine Ecke gesucht, in der massenweise Gewerbeflächen brach liegen und somit billig zu mieten sind, sie haben die kleinstmögliche Einheit angemietet und daraus zunächst ein Miniatur-Restaurant (eigentlich eher ein Feinkostläden mit 5 Tischen) gemacht. Es gab eine kleine, täglich aktualisierte Speisekarte, bestehend aus einer bekritzelten Wandtafel. 5-6 verschiedene Gerichte und basta! Aber diese Gerichte hatten es in sich. Traumhafte Saltimbocca, Spaghetti puttanesca vom schärfsten, oder eine klassische Lasagne. Manchmal, wenn es auf dem Markt guten Fisch gab, lief der Koch auch durch den Raum und präsentierte die frischen Fische, auf dass man sich „seinen“ Fisch zum Dünsten oder Grillen direkt selbst aussuchen konnte. Tagaus tagein lief immer genau die selbe Musikkassette mit einer sehr bizarren, italienischen Remmi-Demmi-Musik , was dem Ganzen trotz der beanzugten Berlin-Mitte-Menschen eine gewisse Hafenarbeiterkneipen-Atmosphäre verpasste.

Das Konzept ging auf. Der Laden brummte nach wenigen Wochen.

Jetzt haben sie noch zwei Räume dazu gemietet, aus der Mini-Trattoria wurde ein ordentliches Restaurant mit offener Küche zum Reinschauen, es gibt inzwischen so viele Tische, dass man auch auf gut Glück vorbeikommen kann ohne abgewiesen zu werden. Man serviert solide Weine (Empfehlung: Der Nero d’Avola), weiterhin köstliches Essen, die Stimmung ist 1a).

Für Geschäftsessen ebenso gut wie für das kleine tête-à-tête zwischendurch; wer einen Italiener sucht, kann das Sale è Tabacchi getrost abschreiben (das aber sowieso) – im Lungomare ist es netter. Und billiger.

Trattoria Lungomare
Charlotten- Ecke Schützenstraße
10117 Berlin
Kein Telefon