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Altmaier will die Gelbe Tonne zur Wertstofftonne aufwerten

Einer der schönsten Begriffe aus der Wunderwelt des Abfalls ist wohl „intelligenter Fehlwurf“. Wer etwa das kaputte Nudelsieb aus Plastik in der Gelben Tonne entsorgt, der ist ein „intelligenter Fehlwerfer“. Denn da hat es offiziell nix zu suchen, schließlich ist es ja keine Verpackung – und nur für deren Entsorgung via Gelbe Tonne oder Gelber Sack haben die Hersteller (und de facto die Kunden) gezahlt.

Ökologisch macht es aber natürlich Sinn, dass das Nudelsieb (der Fachmann spricht hier gerne von „stoffgleicher Nichtverpackung“) auch in der Gelben Tonne landet, schließlich ist es im Zweifelsfall sogar aus dem gleichen Kunststoff hergestellt, der andernorts für eine Verpackung genutzt wurde. Es ist besser, es zu recyceln, als es in die Müllverbrennung zu schicken. Nach Angaben des Bundesumweltministeriums machen die offiziellen Fehlwürfe rund 280.000 Tonnen im Jahr aus.

Unser neuer Bundesumweltminister Peter Altmaier hat sich neben der Energiewende nun noch ein weiteres, hoffentlich kurzfristiger zu realisierendes Projekt vorgenommen. Er will noch in dieser Legislaturperiode bundesweit die „Wertstofftonne“ einführen. Sie würde uns Fehlwerfer von der Schmach der Illegalität befreien.

Altmaier will eine Art „Gelbe Tonne Plus“. Die gute Nachricht: Es gibt keine zusätzliche Tonne. Er will die bisherige Gelbe Tonne upgraden, sodass alle Kunststoffe und Metalle darin landen dürfen. Elektrogeräte wie Föhn oder Handy sowie Batterien sollen weiterhin getrennt entsorgt werden.

Es ist ein ambitioniertes Unterfangen, denn das Geschäft mit Müll ist lukrativ. Weder Kommunen noch private Entsorger wollen es sich entgehen lassen. Altmaier sieht sich da zurzeit in der Rolle des Moderators. Heute hat er ein Thesenpapier veröffentlicht, wie er sich die neue Wertstofftonne vorstellen und wie man das System organisieren könnte.

Er braucht allerdings für sein Wertstofftonnen-Gesetz die Zustimmung der Bundesländer. Und gerade SPD und Grüne sorgen sich um die finanzschwachen Kommunen. Die wehren sich dagegen, dass private Entsorger wie Alba Rosinenpickerei betreiben und nur die wertvollen Recyclingmaterialien entsorgen, nicht aber schnöden und teuren Restmüll. Und natürlich ist spannend, wer die zusätzlichen Kosten tragen wird.

Altmaier will nun in den kommenden Wochen allerorts für seine Tonne werben, bei den Kommunen, bei den Versorgern. Auch die Bundesbürger sollen per Bürgerdialog im Internet eingeladen werden, ihre Meinung kundzutun. Für einige wird die neue Tonne nichts Neues sein. In 35 Städten und Kommunen laufen bereits Pilotprojekte dazu.

 

Was die Welt nicht braucht: Eurovegas in Spanien

Copyright: Dominique Faget/AFP/GettyImages
Copyright: Dominique Faget/AFP/GettyImages

Madrid und Barcelona konkurrieren zurzeit darum, den Zuschlag für einen gigantischen Kasinokomplex im Stil von Las Vegas zu erhalten. Madrid ist sogar so scharf darauf, dass die Stadt laut Guardian sogar das Rauchverbot in Kasinos wieder kassieren würde.

US-Investor Sheldon Adelson, der schon in Las Vegas ein Hotel-und Kasinomogul ist und dem dort die originalgetreue Nachbildung Venedigs gehört, sieht das Projekt wohl auch als Teil eines Wiederaufbauprogramms für Spanien, desssen Wirtschaft ja am Boden liegt. Mehr als 18,8 Milliarden Euro sollen in zwölf Hotels, sechs Kasinos, Restaurants, Bars und und und investiert werden. Hotels mit 36.000 Betten sollen entstehen. Nach ersten Schätzungen sollen so 261.000 direkte Arbeitsplätze geschaffen werden.

Aber bitte schön: Wer braucht so etwas? Sicher, der Bau zieht wunderbar Investitionen an. Aber was hat Spanien dann da stehen? Einen gigantischen Vergnügungskomplex, für den Spanier wohl, zumindest aus heutiger Sicht, alles andere als Geld haben.

Einmal abgesehen von den Umweltfolgen. Ich sehe schon wunderbare Golfplätze und Swimmingpools, die mit gigantischen Mengen Wasser versorgt werden müssen. Ein Blick nach Las Vegas reicht: Bis 2020 droht der Wüstenstadt Studien zufolge das Wasser auszugehen. Dazu kommt der enorme zusätzliche Strombedarf, den ein solches Projekt nach sich zieht, neue Straßen, Ausbau des Flughafens, etc.

Den Spaniern ist dabei offenbar auch nicht wohl zumute. Immer mehr Bürgerinitiativen haben sich gegründet, die das Projekt ablehnen. Sie fürchten den Ausverkauf von kommunalen Ländereien, Umweltschäden, Prostitution, Sauftourismus und Geldwäsche. Erst vorgestern gingen sie erneut auf die Straße. Bis Anfang September wollen sie gegen das Projekt protestieren. Dann will US-Investor Adelsen bekanntgeben, ob er an Eurovegas festhält.

 

Schokolade und Kinderarbeit

Ja, ich gestehe: Auch ich kann Schokolade nicht widerstehen, Favoriten sind sämliche Kombinationen mit Espressosplittern. Als ich allerdings die aktuelle Studie des Südwind-Instituts zur Wertschöpfungskette Schokolade durchgelesen habe, wurde mir doch ein bisschen anders. Detailliert hat die NGO einmal die Lieferantenkette im weltweiten Kakaohandel analysiert und aufgeschrieben, wer eigentlich die wichtigsten Player sind und wer wo profitiert. Es ist ein kleiner Krimi.

Mehr als 5,5 Millionen Kakaobauern leben weltweit zurzeit vom Anbau der Kakaopflanzen. Das größte Problem ist die Armut, denn die Erlöse aus dem Verkauf reichen in der Regel kaum aus, die Familien dauerhaft zu ernähren. Ein ausführliches Kapitel widmet der Bericht daher dem Thema Kinderarbeit.

Südwind zitiert eine Studie aus dem Jahr 2009, nach der allein in der Elfenbeinküste mehr als 260.000 Kinder in der Kakaobranche arbeiten – und zwar unter Umständen, die internationalen Konventionen gegen Kinderarbeit widersprechen. Südwind schreibt:

„Immer wieder gibt es Berichte, dass aus den Nachbarländern Mali und Burkina Faso Kinder an Kakaobauern in der Elfenbeinküste verkauft werden. Genaue Zahlen liegen nicht vor, doch vermutlich arbeiten viele Tausend Kinder unter sklavenähnlichen Bedingungen auf den Kakaoplantagen.“

Südwind zieht aus der Studie die Forderung nach höheren Preisen für die Kakaobauern. Weil der Kostenanteil des Kakaos an der Schokolade so gering ist, seien höhere Preise für die Kakaobauern leicht umzusetzen und würden kaum Preissteigerungen für die Kunden (also für mich) nach sich ziehen:

„Die Analyse belegt, dass eine Verbesserung der Situation in den Kakaogebieten nur zu sehr geringen Preiserhöhungen in der Produktionskette führen würde. Eine durchschnittliche Tafel Vollmilchschokolade enthält lediglich Kakao im Wert von rund sechs Cent, und bei den derzeitigen Zertifizierungsansätzen liegt der Aufpreis für Schokolade aus nachhaltiger Produktion derzeit bei rund einem Cent pro Tafel.“

Nun könnte man sagen: Ja, wie schön, ist aber alles weit weg. Doch es gibt dazu ganz aktuelle Entwicklungen in Deutschland. Mitte Juni wird sich in Deutschland das Forum nachhaltiger Kakao gründen, mit dem Ziel, den Anteil nachhaltig produzierten Kakaos in Schokolade zu steigern. Selbst Unternehmen wie Rewe, Mars und der Bundesverband der Süßwarenindustrie sowie die zuständigen Fachministerien machen mit.

Es könnte der erste Schritt zu fair gehandelter Schokolade für die Masse sein.

 

Die andere Seite unseres Elektroschrott-Problems in Afrika

Copyright: Reuters/Thomas Mukoya
Copyright: Reuters/Thomas Mukoya

Wer „Elektroschrott“ und „Afrika“ hört, der denkt in der Regel an kriminelle Machenschaften: alte Röhrenfernseher und Kühlschränke aus den 50er Jahren, die von Europa nach Afrika verschifft werden und dort auf einer illegalen Müllkippe landen. Schließlich ist die fachgerechte Entsorgung etwa der Kühlmittel hierzulande so teuer und die Erlöse aus den Rohstoffen so niedrig, dass es sich für manche „Recycler“ lohnt, die Ware lieber dort günstig zu verklappen. Die Bilder von Kindern auf Müllkippen im ghanischen Accra, die über offenem Feuer mit Elektrokabel hantieren, sind  bekannt.

Das Öko-Institut fügt nun mit einer Studie für das UN-Umweltprogramm der Geschichte einen weiteren Aspekt zu. Denn nicht alle Elektrogeräte, die nach Afrika gehen, landen einfach ungenutzt auf einer Halde. Projektleiter Andreas Manhart hat die Situation genauer analysiert. In Ghana sind Elektrogeräte etwa eines der wichtigsten Importgüter – und die sind zum großen Teil tatsächlich weiterverwendbar. Schaut man sich  ihre Importzahlen an, dann lassen sie sich wie folgt aufschlüssen:

–  Neuware: 30 Prozent

– Gebrauchtware funktionsfähig: 49 Prozent

– Gebrauchtware nicht funktionsfähig aber reparierbar: 10,5 Prozent

– Gebrauchtware nicht funktionsfähig und nicht reparierbar: 10,5 Prozent

Und tatsächlich hat sich in einigen afrikanischen Ländern inzwischen ein florierendes Recyclinggeschäft etabliert. Egal, ob Staubsauger, Wasserkocher, Handys oder Computer: Die importierten Geräte werden repariert und weitergenutzt. Ganz im Sinne von Umweltschützern (Obwohl man einfügen muss: Alte Kühlgeräten mit klimaschädigendem FCKW und Stromfresser haben nichts im Recycling zu suchen. Und es gibt leider keine Zahlen darüber, wie lange denn die Second-Hand-Geräte tatsächlich am Ende halten.)

Klar ist aber: Dieses Geschäft schafft Arbeitsplätze. Allein in Accra (Ghana) und Lagos (Nigeria) verdienen rund 30.000 Menschen in diesem teilweise informellen Bereich ihr Einkommen.

„Kein anderes westafrikanisches Land importiert so viele Altgeräte wie Nigeria. Das bedeutet gleichzeitig, dass Reparatur und Recycling von Alt- und Schrottgeräten wichtige Arbeitsmärkte für die Menschen sind. Allein auf den zwei größten Märkten des Landes – dem Alaba Market und dem Ikeja Computer Village – reparieren und verkaufen 15.000 Menschen in 5.500 Kleinbetrieben gebrauchte elektrische und elektronische Geräte“, sagt Manhart.

UNEP betont daher in der Studie, dass es keinen Sinn macht, einfach den weltweiten Handel mit Altgeräten zu verbieten, um Umweltsünden zu vermeiden.

„In addressing this issue, one major challenge for West African countries is to prevent the import of e-waste and near-end-of-life equipment without hampering the meaningful and socio-economically valuable trade of used EEE of good quality. Refurbishing of EEE and the sale of used EEE is an important economic sector in some countries of West Africa (e.g. Ghana and Nigeria). It is a well-organized and dynamic sector that holds the potential for further industrial development. Indirectly, the sector has another important economic role, as it supplies low and middle income households with affordable ICT equipment and other EEE.“

(ICT: Informations- und Kommunikationstechnologie; EEE: elektrische und elektronische Geräte)

Also geht es – neben effektiven Ausfuhrkontrollen, um Kriminellen das Handwerk zu legen – vor allem um den Aufbau besserer Recyclingcenter vor Ort. Wer die Altgeräte besser, umwelt- und fachgerechter zerlegt, der kann etwa noch mehr Rohstoffe gewinnen und weiterverkaufen. Für Manhart ist daher klar, dass Afrika hier einen anderen Weg gehen muss als etwa Deutschland mit seinen Hightech-Recyclingcentern:

„In Europa sind die Verfahren oft auf einen möglichst geringen Arbeitskräfteeinsatz optimiert. Dies wäre in West-Afrika einerseits aus sozialen Gründen nicht akzeptabel, andererseits gehen bei vielen mechanisierten Verfahren auch wertvolle Rohstoffe unwiederbringlich verloren.“

 

 

Neuer UN-Report: Die Erde am Anschlag

Globale Nachhaltigkeit – und schwupps: Wieder haben ein paar Leser weggeklickt. Ich ahne, Nachhaltigkeit wird wohl bald das Unwort des Jahres. Trotzdem enthält der Nachhaltigkeitsreport, den heute eine UN-Kommission zur „Globalen Nachhaltigkeit“ vorlegte, einige ganz interessante Schätzungen:

As the global population grows from 7 billion to almost 9 billion by 2040, and the number of middle-class consumers increases by 3 billion over the next 20 years, the demand for resources will rise exponentially.

By 2030, the world will need at least 50 per cent more food, 45 per cent more energy and 30 per cent more water — all at a time when environmental boundaries are throwing up new limits to supply.

Mehr als ein Jahr hat eine 22-köpfige Kommission, darunter Minister und vor allem Ex-Minister, viele sinnvolle Forderungen zusammengetragen, unter anderem, dass Güterpreise auch soziale und ökologische Folgekosten widerspiegeln sollen. Oder dass wir mehr Geld zur Armutsbekämpfung benötigen (nun gut, das lässt sich auch hinterfragen). Oder dass Frauen das Sagen über Ressourcen und Bildung haben sollten.

Das liest sich alles wunderbar. Aber ich befürchte, große Folgen werden diese großen Worte kaum haben. Viel zu vage, viel zu unkonkret. Und vor allem ohne konkreten Zeitplan.

 

Klimawandel: Starbucks sorgt sich um Kaffeeanbau

Nun gut, dass sich der Klimawandel auf die Landwirtschaft auswirken wird, mag wenig überraschend sein. Und sich auch noch irgendwie weit weg anfühlen. Doch am Ende betrifft es auch jeden von uns als Konsumenten. Das zeigt die aktuelle Warnung von Jim Hanna, dem Nachhaltigkeitschef des internationalen Kaffeekonzerns Starbucks. In einem Interview im Guardian warnte er, dass der Klimawandel die Versorgung der Kaffeemärkte bedrohe:

„What we are really seeing as a company as we look 10, 20, 30 years down the road – if conditions continue as they are – is a potentially significant risk to our supply chain, which is the Arabica coffee bean.“

Es sind die steigenden Temperaturen, zunehmende Regenfälle,  Dürren und resistenteres Ungeziefer, welche die Anbaugebiete unter Druck setzen. Wie die amerikanische „Union of Concerned Scientists“ schreibt, ging allein in Indien die Kaffeproduktion seit 2002 bis heute um rund ein Drittel zurück.

Doch nicht nur die Kaffeemärkte sind bedroht, auch die Versorgungslage bei Kakao könnte sich zuspitzen. Langfristig könnte es an der Elfenbeinküste und in Ghana zu heiß für die Kakaopflanze werden.

Die Folgen sind wohl klar: Die Anbaugebiete werden sich, falls überhaupt möglich, regional verschieben. Und vor allem gehen die Preise hoch. In den USA haben mit die größten Kaffeeröster wie Maxwell (Kraft Foods) ihre Preise bereits um 25 Prozent erhöht.

 

Eine „Tax on Fish“ löst die Überfischung nicht

Es klingt einfach und einleuchtend: Um die Überfischung vor den Küsten Afrikas zu beenden (für Mare habe ich einmal darüber ausführlich berichtet), schlägt eine neue Studie eine Art „Fischerei-Steuer“ vor. Der Ökonom Kofi Vondolia von der Universität Göteborg untescheidet dabei zwischen den Fischgründen in der Nähe der Küste und denen weiter draußen. Letztere sind in der Regel schwer von der lokalen Bevölkerung in ihren kleinen Kuttern zu erreichen, in der Regel fischen in diesen Offshore-Gründe vor allem internationale Konzerne mit großen Industrietrawlern.

Mit schwer wiegenden Folgen: Die Offshore-Fanggründe werden einfach im großen Stil geplündert. Und die lokale Bevölkerung profitiert in keinster Weise, im Gegenteil, ihre eigenen Gründe schwinden immer weiter und auch immer schneller.

Und genau da setzt Vondolias Steuer an. Er schlägt eine Steuer für die Offshore-Fischerei vor:

„If the government in a coastal developing country holds reliable data on the factors relevant to fishing taxation, they can use our bioeconomic model to set an optimum taxation level for foreign ships undertaking offshore fishing within the economic zone of that country,“ says Kofi Vondolia.

Das heisst: Eine Steuer auf das Fischen vor Afrikas Küste sollte so hochausfallen, dass von ihren Erlösen die lokalen Fischer profitieren. Oder sie soll sogar so hoch sein, dass das Fischen sich für ausländische Fischereikonzerne nicht mehr lohnt.

Doch ist das tatsächlich eine Lösung? Fischereiexperten sind da skeptisch. Es mache doch keinen Sinn, dass gerade die großen Thunfischflotten, die vor Afrikas Küste aktiv sind, für ihre ökologischen und ökonomischen Schäden zahlen könnten, wenn doch eigentlich diese Schäden erst gar nicht passieren sollten, sagt etwa Beatrice Gorez von der Initiative Coalition for Fair Fisheries Arrangements in Brüssel.

Tatsächlich sind die Meere inzwischen so überfischt, dass eine Steuer das Problem wohl nicht mehr lösen kann. Stattdessen muss es wohl besser richtige Tabuzonen geben, damit sich die Bestände wieder erholen können. Und das bedeutet am Ende auch, ehrlicherweise, höhere Preise für Fisch.

 

Libyens Chaos bedroht Thunfisch-Bestände

Libyens Staatschef Muamar Al-Gadhafi stürzt nicht nur sein Land in Chaos, sondern inzwischen auch die europäische Fischereipolitik. Wie die Umweltschutzorganisationen WWF und Greenpeace warnen, will Libyen offenbar ab heute seine Gewässer für den Fang des extrem bedrohten Blauflossen-Thunfischs freigeben. Und das, obwohl das Land gerade unmöglich dafür sorgen kann, dass Fischfangpläne eingehalten werden können und sich die Bestände erholen können. Dazu hat sich Libyen international verpflichtet. Gerade die Gewässer vor der Küste Libyens sind ein wichtiges Laichgebiet für den Blauflossen-Thunfisch. Dessen Bestände sind so überfischt, dass Fischereiexperten vor dem Aussterben warnen. WWF und Greenpeace fordern daher die industriefreundliche Internationale Organisation zum Schutz der Atlantischen Thunfischs (ICCAT) auf, die Thunfisch-Fischerei vor Libyen auszusetzen.

 

Aus Brachgelände mach` Gemüsegarten

Fast jede Stadt hat sie – und ist in der Regel nicht stolz auf sie: riesige Brachflächen der Bahn mitten in der City. Verschwendeter, ungenutzter Raum, der allerdings wegen belasteter Böden kaum nutzbar ist. In Osnabrück hat sich jetzt der Kulturverein Traumfabrik Petersburg des alten Güterbahnhofs angenommen. Dort entsteht gerade ein großer Gemeinschaftsgarten, bei dem jeder mitgärtnern darf. Er ist Teil der Initiative „Transition Town Osnabrück“, das die niedersächsische Stadt ins postfossile Zeitalter begleiten will.

Die Osnabrücker sind nicht die einzigen, die öffentlichen Raum umwidmen. Die aktuelle Ausgabe von „Schrot und Korn“ widmet dem Thema „Urban Gardening“ gerade einen Schwerpunkt. „Beete statt Facebook“ laute bei vielen Gärtnern die Devise, also nicht nur online mit Freunden chatten, sondern zusammen raus gehen und im Mulch wühlen.

Copyright: Gartengruppe
Copyright: Gartengruppe

In Osnabrück werden zurzeit Bäume, Obst und Gemüse angepflanzt, allerdings in Plastikkübeln und mit herbeigeschafftem Mutterboden, weil das Gelände zu stark balastet ist. Rund 20 Leute finden sich bereits wochenends in dem neuen Gemeinschaftsgarten ein, berichtet die Lokalzeitung NOZ. In Berlin waren es vergangenes Jahr sogar 700, die im Prinzessinengarten gegärtnert haben. Sie alle verwandeln ein ungeliebtes Stück Stadt langsam in ein Klein(garten)od.

 

Globalisierung verwässert Klimaschutz-Statistiken

Die Grundstruktur des Kyoto-Klimaschutzprotokolls ist ja eigentlich simpel: Es unterscheidet zwischen Industrienationen wie Deutschland, die sich zur Begrenzung der Treibhausgasemissionen verpflichten, und Entwicklungsländern, die – aus Rücksicht auf ihr Wirtschaftswachstum – nicht daran teilnehmen müssen. Seitdem hat sich vor allem Europa eine ambitionierte Klimaschutzpolitik verordnet, um die CO2-Emissionen zu mindern.

Auf den ersten Blick könnten man meinen, es ist ein Erfolg: Zwischen 1990 und 2008 konnte in den Industrieländern der Emissionsanstieg gebremst werden. Doch das Kyoto-Protokoll hat eine entscheidende Lücke: Es geht nicht auf die Emissionen ein, die durch Waren entstehen, die in Entwicklungsländern produziert und anschließend importiert werden. Das führen die Klimawissenschaflter Glen Peters, Jan Minx, Christopher Weber und Ottmar Edenhofer in ihrer aktuellen Studie  „Growth in  emission transfer via international trade from 1990 to 2008“ aus:

„Der Konsum in Industrienationen verursachte einen Emissionsanstieg in Entwicklungsländern, welcher die bis 2008 erreichten Emissionseinsparungen in den Industrienationen um ein Fünffaches übersteigt.

„Wir begrenzen Emissionen bei uns, verursachen aber zugleich mehr CO2-Ausstoß in Regionen ohne Klimaschutzziele“, sagt Minx. Nur durch dieses Auslagern von Emissionen, so die Autoren, könnten die Industrieländer bislang ihre Klimaschutzziele mit vergleichsweise geringen Anstrengungen und trotz wachsenden Konsums erreichen.“

CO2 ist ein globales Klimagas, das sich an keine Ländergrenzen hält – entscheidend ist eben, wie die weltweite Klimagasbilanz aussieht. Und die sieht schlecht aus:  Zwischen 1990 und 2008 sind die Emissionen global um 39 Prozent gestiegen. Offenbar gibt es  enormen Zahlenbedarf. Denn bislang werden die CO2-Emissionen nur dem Land zugeschrieben und unter dem Protokoll erfasst, auf dessen Gebiet sie entstehen. Dabei wird immer öfter Produktion ins Ausland ausgelagert:

„Beispielsweise führt das niedrigere Lohnniveau in Entwicklungs- und Schwellenländern zu Produktionsverlagerungen aus Industrieländern.  (…)  So zeigt ein Vergleich der Europäischen Union und der USA: Nur in der EU gibt es verbindliche Regeln für Klimaschutz, trotzdem ist hier wie dort der Transfer von Emissionen durch Handel gleichermaßen gestiegen.“

Was tun? Leider bleibt die Studie hier relativ vage, die Autoren fordern, dass auf jeden Fall auch die Emisionen von importierten Gütern erfasst werden müssten. Aber das ändert nichts am Grundproblem des Kyoto-Protokolls: Die weltweiten größten CO2-Emittenten China und USA machen nicht mit.