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Buika

Flamenco, Bolero und Rumba: Die spanische Sängerin, Komponistin und Schauspielerin gastiert am 30. März in der Laeiszhalle.

Bittet der spanische Meisterregisseur Pedro Almodóvar zum Solo-Auftritt in seinen Filmen, fällt die Wahl stets exquisit aus. Für die legendäre Chavela Vargas galt das ebenso wie für Brasilpop-König Caetano Veloso. Oder Concha Buika. Seit ihrer Performance im Chirurgie-Thriller Die Haut, in der ich wohne (2011) schätzt ein Weltpublikum das Energiebündel, das in der Flamenco- und Gypsy-Szene längst bekannt war. Innig zelebriert die Frau mit Wurzeln in Äquatorial Guinea ihre Form andalusischer Leidenschaft. Ob tänzelnder Bolero, sinnliche Rumba oder Melodrama – auf bislang vier Alben findet Buika für alle Genres und Stimmungen einen persönlichen Ton zwischen Understatement und Pathos. Stimmt sie dann live Volver, volver an, kann man im Konzertsaal die berühmte Stecknadel fallen hören. La Noche Más Larga, die längste Nacht, heißt ihr neues Album, auf dem sie neben Eigenkompositionen auch Abbey Lincoln und Billie Holiday interpretiert und auf dem Star-Gitarrist Pat Metheny die Liste prominenter Buika-Mitstreiter wie Chucho Valdés oder Chick Corea fortsetzt. Und keine Sorge: Dass eine Nacht mit Buika zu lang geraten könnte, ist ein Ding der Unmöglichkeit.

 

Sarajane

Die geborene Niedersächsin und Wahl-Hamburgerin präsentiert ihre neuen Lieder am 29. März live im Knust.

So mutig und autark scheint sarajane in allem, was sie gerade tut. „Als die ersten Major-Labels tatsächlich mal anriefen“, erzählt sie und strahlt übers ganze Gesicht, „und mir sagten: Ja, interessant, meine Musik, ich müsse mich halt nur noch selbst finden… da gründete ich dann mein eigenes Label, McNificent Music. Nun bin ich Sängerin, Veranstalterin und Songwriterin, Bookerin, Taxifahrerin, Köchin, meine Bank, meine Sekretärin, sogar meine eigene Plattenchefin und noch große Schwester, Freundin, Frau und all das.“ Mittlerweile habe sie ein richtiges Team um sich herum geschart, das so funktioniert wie eine intakte, kleine Gemeinde. Anders gesagt: Jetzt geht’s los! Eine Kostprobe gibt es am 29. März live im Knust.

 

Die Blechtrommel

Der Gnom reicht den Schelmenspiegel – der Roman von Günter Grass in einer Inszenierung von Luk Perceval. Premiere ist am 28. März.

Wenn ein Mensch rückblickend beklagt, er habe von der ersten Sekunde seines Lebens an einen vollständig entwickelten Verstand besessen und aus jener Hellsicht heraus entschieden, für immer gegen das erbärmliche Leben zu protestieren, kann man ihm Glauben schenken? Im Fall des kleinwüchsigen Infantilisten Oskar Matzerath aus Günter Grass’ Roman schließt diese Totalverweigerung sogar seinen eigenen Körper mit ein. Mit dem Nachkriegs-Wüter Die Blechtrommel bringt das Thalia den letzten Streich des vierteiligen Thalia-Pakets Neue Deutsche Klassiker auf die große Bühne. Kritiker bemängeln diese Praxis, sehen Epik wie Theater gleichermaßen missverstanden und bekritteln damit doch eigentlich nur einen gefühlten Mangel an originellen Dramentexten. Regisseur Luk Perceval kann nach Falladas Jeder stirbt für sich allein abermals zeigen, dass ein großer Roman Anlass für hervorragendes Theater sein kann. Die 71-jährige Barbara Nüsse spielt den ewig dreijährigen Oskar.

Text: Reimar Biedermann

 

Der Vater

Wenn das Vertraute zum Fremden wird: Florian Zellers Stück mit Volker Lechtenbrink in der Hauptrolle läuft vom 28. bis 30. März im St. Pauli Theater.

André ist ein rüstig-eloquenter Witwer und Vater von zwei Töchtern. Als er 80 Jahre ist, ereignet sich für ihn Unerklärliches: Dinge verschwinden aus der Wohnung, seine Mitmenschen werden zur Bedrohung, Raum und Zeit scheinen nicht mehr dieselben. Er spürt, da sind kleine Löcher in seinem Gedächtnis, so klein, dass nur er sie bemerkt. Statt in linearer Chronologie wird die Alzheimer-Erkrankung in dem Stück Der Vater des französischen Dramatiker-Talents Florian Zeller konsequent aus der Perspektive eines alten Mannes geschildert, in einer chimären Farce aus 15 thematisch kombinierten Szenen zwischen Realität und Phantasma. Es zeigt auch das ungläubige Erkennen jenes komplexen lebensweltlichen Umbruchs, der eintritt, wenn die eigene Persönlichkeit zu verlöschen beginnt. Das Stück wurde 2014 mit dem wichtigsten französischen Theaterpreis Molière ausgezeichnet. Volker Lechtenbrink mimt einen Betroffenen, der sich mit Staunen und Bangen diesen Veränderungen stellt.

Text: Reimar Biedermann

 

The Twilight Sad

Das schottische Trio präsentiert die Songs seines neuen Albums „Nobody Wants To Be Here And Nobody Wants To Leave“ live im Kleinen Donner.

Alles andere als zwielichtig: Die schottische Band hat aus ihrer Unzufriedenheit eine Marke gemacht, selbst im Bandnamen steckt die Trauer. Von erfolgreicheren Kollegen wie Mogwai, Chvrches oder Frightened Rabbits zwar hochgeschätzt, sind The Twilight Sad dennoch ein bisschen schwer vermittelbar. Der aus Post-Rock- und Shoegazer-Versatzstücken zusammengebaute Verzweiflungsrock klingt eben, wie Glasgow aussieht: reizvoll für Leute, die es auch mal grau mögen. Ihr aktuelles Album Nobody Wants To Be Here And Nobody Wants To Leave ist eine veritable Zusammenfassung des gesamten vielschichtigen kreativen Schaffens der drei Melancholiker: Folk, Noise-Gitarren, hymnische Synthie-Teppiche, mal mit großem Orchester, mal pures Piano und über allem schweben die markanten Vocals von James Graham. Es ist ihr bislang viertes Werk. Und auf jeden Fall ihr bestes – das hört ein Farbenblinder.

 

Soy De Cuba

Lebenslust und Bewegungsfreude: Ein erstklassiges Ensemble feiert die Kultur seines Landes am 28. März im CCH 2.

Das hatte sich Ayala anders vorgestellt: Die junge Frau kommt aus der kubanischen Provinz in die Hauptstadt Havanna, um dort Tänzerin zu werden. Ihr Talent im ländlichen Folklore-Tanz bringt sie in der pulsierenden Metropole allerdings nicht weit. Doch dann bekommt sie endlich die Gelegenheit, ihr Können zu beweisen – und vielleicht wartet mit Choreograf Mario sogar die große Liebe auf sie… Die mitreißende Show Soy De Cuba bringt 14 Tänzerinnen und Tänzer von der Karibikinsel nach Hamburg, dazu spielt eine hochkarätige Liveband. Von den klassischen kubanischen Tanzstilen wie Salsa und Mambo bis zu modernem Streetdance demonstrieren die Mitwirkenden absolute Körperbeherrschung und Bewegungsfreude. Mit ansteckender Lebenslust feiert das erstklassige Ensemble die Kultur seines Landes, dass man am liebsten einstimmen würde: Soy de Cuba! – „Ich komme aus Kuba!“

Text: Thorsten Moor

 

Jessica Pratt

Sanftes Akustikpicking: Die Singer/Songwriterin aus Kalifornien gastiert am 27. März im Aalhaus.

Knapp zwei Jahre ließ sich Jessica Pratt für den Nachfolger ihres selbstbetitelten Debüts Zeit. Das Resultat klingt ein bisschen wie aus der Zeit gefallen – fast so, als wären urplötzlich alte Aufnahmen aus den 1960ern aufgetaucht, von deren Existenz bislang kein Mensch etwas wusste. Auf On Your Own Love Again singt die kalifornische Singer/Songwriterin – mit zum Teil fast schon kindlicher Stimme – zu friedlichem Akustikpicking über den Moon Dude und wie sie ihn auf dunkle Reise schickt, aber auch Themen wie geplatzte Träume und Lebensflucht verhandelt sie in ihren sanft vor sich hinfließenden Akustikfolk-Songs. Musik, wie gemacht, um sie in intimem Rahmen zu schummrigem Licht und allein auf einem Stuhl sitzend live darzubieten. Mal gucken, ob es im Aalhaus tatsächlich dazu kommt.

Text: Jan Kahl

 

Hamburg Sounds

Mit Rhonda, Tom Beck und Ben Schadow präsentieren sich am 30. März drei lokale Acts auf der Bühne der Fabrik.

Das Quintett Rhonda (Foto) gründete sich zwar erst im Mai 2012, doch schon jetzt zeichnet sich ihr beachtlicher Aufstieg in einer Weise ab, der insbesondere deutschen Bands nur selten zuteil wird. Alle fünf Musiker – Milo Milone (Vocals), Ben Schadow (Gitarre), Jan Fabricius (Bass), Offer Stock (Orgel) und Gunnar Riedel (Drums) –sind keine Greenhorns und spielten zuvor bereits in recht bekannten Indie-Bands wie den Trashmonkeys und anderen. Doch erst mit Rhonda finden sie nun ihre wahre Bestimmung: Ein frischer, Retro-orientierter, deshalb aber keineswegs angestaubter Vintage-Sound zwischen Dusty Springfield und Amy Winehouse, den Ronettes und Duffy, den Detroit Cobras und Adele, mit Melodien zum Verlieben und einer lächelnden Lässigkeit, die Menschen unmittelbar tanzen lässt. Und das schon jetzt europaweit. Im Rahmen der Hamburg Sounds-Reihe in der Fabrik stehen neben Rhonda noch Tom Beck und Ben Schadow im Line-up.

 

Audio88 & Yassin

Zwei Street-Rapper zerlegen Hip-Hop in absurde Einzelteile und treten nach Herzenslust darauf ein – am 27. März in der Prinzenbar, das Konzert ist ausverkauft.

Auch wenn harter Straßenrap und seine Protagonisten, allen voran Haftbefehl, aber auch die Berufsprovokateure Bushido und Kollegah, gerade die Schlagzeilen in den Medien bestimmen: es gibt sie noch – die guten Jungs im Deutschrap. Typen wie Fatoni, Edgar Wasser, Mädness oder auch Grim104 und Testo von Zugezogen Maskulin. Auf keinen Fall zu unterschlagen in dieser Liste sind Audio88 & Yassin – „der Möchtegern-Kanacke und die Glatze mit der Zahl“, wie sie es im Intro ihres neuen Albums Normaler Samt so schön auf den Punkt bringen. Schon das vorab veröffentlichte Intro mitsamt dem herrlich bescheuerten Video deutete an, in welche Richtung die Reise in den fünfzehn Songs gehen wird: Noch immer können Audio88 & Yassin nichts mit dem viel zu häufig als normal geltenden Gebaren im Game, den Mechanismen und Dogmen anfangen. Davon zeugen nicht zuletzt Songs wie Schmutzige Rapper oder auch Der Mann im Mond featuring Döll und Mädness, in denen sie mit ihrem ureigenen Witz, Sarkasmus und einem angenehm unverschämten und doppeldeutigen Selbstverständnis Hip-Hop wieder und wieder in seine absurden Einzelteile zerlegen und nach Herzenslust verbal drauf eintreten.

Text: Jan Kahl

 

Nicht jetzt!

Ein Blick in die fünfte Ausgabe des studentischen Magazins der HAW – am 27. März in der Galerie xpon-art

Die Spatzen pfeifen es von den Dächern: Print ist – nun, wenn auch noch nicht tot, so doch mindestens nah dran. Aber geht da nicht noch was? Das fragt sich auch das Department Design der HAW. Und veröffentlicht mit nicht jetzt! ein Magazin, das sich den speziellen Möglichkeiten von Print widmet. Geschrieben, fotografiert, illustriert und gestaltet von Studierenden, wagt auch die fünfte Ausgabe wieder mehr: Mit doppelter Ringbindung ist sie auf fast einen Meter ausklappbar, jedes Exemplar ist ein Unikat mit individualisierter Titelseite.

Zentrales Thema ist passenderweise: Mehr. Die fünfte nicht jetzt! befasst sich mit dem Überbordenden, dem Exzess, der Opulenz. Es geht um Wrestling und um die Kunst, mehrere Partnerschaften gleichzeitig zu pflegen, um Psychotherapien mit LSD und um das bewusste Lenken der eigenen Träume. Aber auch die Begleiterscheinungen von diesem Mehr werden beleuchtet: So sprachen die Autoren mit einem Rechtsanwalt, der an seinem Karrierestreben zerbrach und besuchten eine Obdachlosenunterkunft auf der Luxusinsel Sylt. Komplexe Inhalte komplex präsentiert – das kann Print!

Text: Almuth Strote