Eine Mittelstandsfamilie auf dem Weg nach unten – die Autorin Kristine Bilkau liest bei Cohen + Dobernigg aus ihrem Roman-Debüt.
Die 1974 geborene Hamburger Autorin Kristine Bilkau hat mit Die Glücklichen ihren Erstlingsroman vorgelegt, in dem sie – laut Veranstalterinfo – das präzise Bild einer nervösen Generation zeichne, „überreizt von dem Anspruch, ein Leben ohne Niederlagen zu führen, die sich davor fürchtet, aus dem Paradies vertrieben zu werden.“ In Die Glücklichen geht es um ein anfänglich zufriedenes, erfolgreiches Paar aus dem Mittelstand (sie Orchester-Cellistin, er Journalist), das nach der Geburt eines gemeinsamen Kindes feststellen muss, dass nichts mehr ist wie vorher, die Rückkehr in den Beruf schwerer fällt als gedacht, steigende Lebenshaltungskosten zur Belastung werden, gesellschaftliche Ausgrenzung erfahren, bis der äußere Druck auch ihr innerfamiliäres Glück anzugreifen beginnt…
Den Stiefelspuren von Bob Dylan und Elvis Costello folgend, macht der junge US-Singer-Songwriter am 9. März Halt im Molotow.
Max Jury ist gerade mal Anfang Zwanzig und sollte eigentlich erst am Anfang seines Ausformulierungsprozesses als Künstler stehen. Aber viel auszubügeln ist da nicht mehr: Der Junge aus Des Moines in Iowa spielt auf dem E-Piano gefühlvolle Americana-Songs, für die andere Singer-Songwriter mehrere Jahrzehnte Lebenserfahrung benötigen. Zwar sind die Fußstapfen von Dylan und Costello noch bei Weitem zu groß, doch den Stiefelspuren kann man ja schon mal folgen. So ist die Single Black Metal eine komische kleine Liebesgeschichte, über die vertrauten Akkorde von Onkel Bobs Knockin’ On Heaven’s Door gelegt: „She don’t listen to Rock ’n‘ Roll, she don’t listen to Jazz and Soul, no, no, she listen to Black Metal all day long.“ Nichts gegen Venom und Mercyful Fate, aber vielleicht sollte sie auch mal Max Jury auschecken. Immer dieser Lärm!
Text: Michael Weiland
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Monatlich berichtet das Projekt Stadtkuratorin über seine Arbeit – und fragt diesmal: Kunst im öffentlichen Raum, und danach?
Die Frage nach den aktuellen Möglichkeiten einer Kunst im öffentlichen Raum stellen sich in diesem Jahr gleich mehrere Ausstellungen in Göttingen (Kunstverein), Hamburg (Kunsthaus), Bremen (GAK, Künstlerhaus, Zentrum für Kunstpublikationen) oder auch in Mexiko-Stadt (MUAC). Warum? Seit ihrer Gründung sind Städte Arenen der Macht. Das zeigt sich in ihren Wegen und Bauten, in der Art und Weise, wie Öffentlichkeit inszeniert und begrenzt wird. Seit 1981 fördert und finanziert die Stadt Hamburg eine kritische Auseinandersetzung mit solchen Strukturen und Monumenten durch ihr Programm Kunst im öffentlichen Raum. Immer hatte die geförderte Kunst im öffentlichen Raum mit Ressentiments zu kämpfen: Zu teuer, zu wenig repräsentativ, zu experimentell. Die Folgen waren Hass-Briefe erboster Bürger, Kunstwerke wurden angezündet, beschossen und niedergerissen. Inzwischen lässt sich ein umgekehrtes Phänomen beobachten: Obwohl sich viele Künstler verstärkt mit gesellschaftlichen Kämpfen verbinden und monumentale Gesten verweigern, regt sich kaum jemand über Kunst in der Stadt auf. Der brasilianische Künstler Ricardo Basbaum stellt am 9. März im Kunsthaus die Frage: Would you like to participate in an artistic experience? Und stellt damit seine Documenta-Arbeit (Kassel, 2007) vor, die mit dem öffentlichen Raum experimentiert.
Dem einstigen Akustik-Quartett aus Boston ist es gelungen, sich musikalisch weiterzuentwickeln, ohne seine alten Fans zu verprellen.
Das US-Quartett begann Anfang der Neunziger als Akustik-Band mit feinen Songs und schönen Harmonien. Im Laufe der Jahre haben die vier ihre Liebe zu elektronischen Sounds entdeckt und diese nach und nach in ihre Musik eingearbeitet. Da sie dabei vorsichtig vorgegangen sind und das ursprüngliche Wesen ihrer Musik bewahren konnten, haben sie sich auf überzeugende Art und Weise weiterentwickelt, ohne ihre alten Fans zu verprellen oder allzu stark zu irritieren. Das neue Album von Guster enthält altbewährten Dream-Pop mit psychedelischen Elementen, auch der Hang zu Country & Western und Folk ist nicht zu überhören – vor allem, wenn die Band zu Falsett- und mehrstimmigen Harmoniegesängen ansetzt. Evermotion ist der Titel des mittlerweile achten Guster-Albums. Am 9. März spielt das Quartett den einen oder anderen Song daraus sicher auch in der Prinzenbar.
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Die britische Sängerin mit pakistanischen Wurzeln präsentiert ihr drittes Album „Into Colour“ im Mojo Club. Alle Songs stammen aus ihrer Feder.
Die weich gezeichneten Sounds auf Rumers neuem Album Into Colour dürften stark polarisieren: Auf der einen Seite die Kuschelweichmuffel, denen die sanften Klänge der britischen Singer/Songwriterin viel zu flauschig geraten sind. Auf der anderen die Träumer und Melancholiker, für die Songs wie Reach Out oder You Just Don’t Know People die reinste Audio-Aroma-Therapie darstellen dürften. Lyrisch geht’s hingegen nicht immer so streichelzart zu, verarbeitet Rumer doch zum Beispiel in Dangerous ihren Kampf mit psychischen Problemen. Davor können dann alle nur den Hut ziehen.
Text: Jan Kahl
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Der Singer/Songwriter brachte gerade sein zweites Album „I Love You, Honeybear“ heraus – eine Liebeserklärung an seine Frau Emma.
Gelegentlich wird Josh Tillman, der Mann hinter Father John Misty, als Ex-Drummer von Fleet Foxes vorgestellt, was ein bisschen verquer ist: Immerhin hat der Singer/Songwriter bereits mit Anfang Dreißig ein recht beachtliches Werk geschaffen, in dem der Gast-Spot als Schlagzeuger kaum mehr als eine Fußnote ist. Das meiste davon ist unter seinem (Fast-)Geburtsnamen J. Tillman erschienen, als Father John Misty hat er gerade sein zweites Album herausgebracht. I Love You, Honeybear ist die Zustandsbeschreibung einer Beziehung und in letzter Konsequenz vor allem eine Liebeserklärung an seine Frau Emma. Umständlich, schmerzhaft, aber auch romantisch und lustig: ein Soul/Pop/Folk-Feuerwerk, teils Wunderkerze, teils Knalltüte. Hey Honigbär, wir haben uns auch ein bisschen in dich verknallt!
Das Konzert ist bereits ausverkauft.
Text: Michael Weiland
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Runtergewirtschafteter Leiserock für Liebhaber: Die Band um den Sohn der Jazz-Legende Charlie Haden, kommt ins Nachtasyl.
Spain sind vielleicht eine der unaufdringlichsten Bands der Welt. Zwischen 1995 und 2001 veröffentlichte die Gruppe um Josh Haden drei sagenhaft langsame, wunderschöne Platten mit runtergewirtschaftetem Leiserock für Liebhaber. 2012 tauchten Spain in Neubesetzung mit dem Album The Soul Of Spain überraschend wieder auf, letztes Jahr folgte mit Sargent Place ein erneuter Arbeitsnachweis. Das Schicksal, in Europa beliebter zu sein als in ihrem Heimatland USA, teilt die Band mit Kollegen wie Lambchop: Die introvertierte, hinreißend schwache Nachtmusik verträgt sich vielleicht besser mit hiesigen Sensibilitäten. Kunstvoll webt Josh Haden (Foto), übrigens der Spross von Jazz-Legende Charlie Haden, Gospel und Americana zu Songs, die eben nicht mit der Tür ins Haus fallen. Wer sie trotzdem reinlässt, empfängt denkbar charmante, umsichtige Gäste.
Text: Michael Weiland
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Nie klang schlechte Laune schöner: Lieder aus 30 Jahren Bandgeschichte erklingen in der Sporthalle Hamburg – und Töne des neuen Albums.
Sven Regener ist nicht seine Romanfigur Herr Lehmann, und ob der Ich-Erzähler in den gerne im Beschwerdeton vorgetragenen Texten von Element Of Crime immer derselbe Typ ist, sei mal dahingestellt. Vorstellen könnte man es sich aber. Regeners ehemals knefiges Raunen gerät mittlerweile oftmals zum rotzigen „Runter von meinem Rasen“-Gemaule, mit dem dann wunderbare Verweigerungslieder wie der Titelsong zum aktuellen Album Lieblingsfarben und Tiere gesungen werden: Türklingel kaputt, mir doch egal, wer soll mich schon besuchen? Dabei stehen die Gäste doch Schlange. Zum Beispiel vor der Sporthalle anlässlich des Hamburg-Konzerts. Dort gibt es nicht nur Stücke der aktuellen Platte, sondern Lieder aus 30 Jahren Bandgeschichte zu hören. Schöner hat im deutschsprachigen Raum niemand Chanson, Indierock und schlechte Laune zusammengedacht.
Text: Michael Weiland
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Die Hamburger Regisseure Carsten Rau und Hauke Wendler haben im Landkreis Harburg einen Dokumentarfilm zum Thema Flucht und Migration gedreht.
Im Mittelpunkt von Willkommen auf Deutsch stehen dieses Mal die Sorgen und Ängste, aber auch die Vorurteile von Menschen, die sich einer wachsenden Flüchtlingszahl gegenübersehen. Gedreht wurde im Landkreis Harburg. Fast ein Jahr lang begleite das Filmemacherduo hier Flüchtlinge, Anwohner sowie den Bereichsleiter der überlasteten Landkreisverwaltung – stellvertretend für die 295 Landkreise bundesweit. Zur Premiere am 8. März kommen Carsten Rau und Hauke Wendler sowie weitere Gäste ins Abaton Kino.
Die Filmemacher über ihre Arbeit:
Carsten Rau: „Wir machen seit Jahren Filme, die davon leben, dass wir einen sehr engen Kontakt zu unseren Protagonisten aufbauen. Flüchtlinge sind oft traumatisiert und extrem angespannt, weil sie nicht wissen, was kommt, ob sie bleiben dürfen oder nicht. Deshalb ist es so schwer, Vertrauen aufzubauen. Das geht nur über lange Vorgespräche. Wir müssen viel nachhaken: Wo gibt es Brüche in den Lebensläufen, was stimmt, was stimmt nicht. Nach Jahren auf der Flucht haben sich manche auch Geschichten zurechtgelegt, von denen sie meinen, dass die hier besser ankommen und ihnen zu einem Bleiberecht verhelfen.“
Hauke Wendler: „Dieses Thema wird uns alle noch lange beschäftigen. Es ist einfach fahrlässig und kurzsichtig, dass die Politik seit 20 Jahren sämtliche Warnungen von Experten in den Wind geschlagen hat: Dieses Land ist ein Einwanderungsland und daran ändern auch immer höhere Zäune nichts. Wir brauchen endlich gesetzliche Regelungen, die besser sind, und zwar auf nationaler und auf europäischer Ebene. Sonst werden sich die Menschen weiter in diese Nussschalen quetschen und aufs Mittelmeer hinausfahren. Darum geht’s am Ende ja auch.“
Weitere Vorstellungen: Film im Gespräch am 17.3. um 20 Uhr, Licht + Dunkel am 30.3. um 20 Uhr
Interviews: Lisa Scheide
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Eine neue Spielstätte wird am Großneumarkt eröffnet. Das gibt Anlass zur Frage: Was soll ein weiteres Musicaltheater in Hamburg?
Bald gibt es zum ersten Mal Theater in den Hallen des Hamburger Großmarktes, die mit ihren markant geschwungenen Silhouetten samt eckigem Dachzipfel unter Denkmalschutz stehen. Wo morgens Obst und Gemüse verkauft wird, spielt dann abends die Musik. Vermutlich werden die letzten nächtlichen Theaterbesucher über die ersten Frühaufsteher-Händler stolpern. Auf der Suche nach bespielbarem Raum im Osten Hamburgs wurde Mehr! Entertainment dort fündig, wo riesige Flächen nach Marktschluss leerstehen: Eine Bühne, die von 320 auf 1.440 Quadratmeter erweiterbar sein wird, und ein Zuschauerraum, der zwischen 400 bis 3.500 Menschen Sitz- und Stehplätze bietet. Braucht Hamburg ein neues Musicaltheater? Erst im November 2014 eröffnete das Stage Theater an der Elbe. Für den Unterhaltungskonzern arbeitete Maik Klokow einige Jahre als Deutschland-Chef, bevor er sich mit dem eigenen Unternehmen Mehr! Entertainment selbstständig machte. Der Großmarkt ist seine erste Spielstätte in Hamburg, seine siebte in Deutschland. Und der neben Musicals auch Konzerte, Ausstellungen, „eine TV-Show-Aufzeichnung oder einen Boxkampf“ beherbergt, wie Geschäftsführer Günter Irmler ankündigt. Das London Symphony Orchestra spielt zur Eröffnung am 7. März auf. Sechs Tage später gastiert hier das Queen-Musical We Will Rock You, gefolgt von Dirty Dancing – jeweils mit ungewöhnlich kurzen Laufzeiten.
Text: Dagmar Ellen Fischer
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