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Kultur & Gespenster

Das Kulturmagazin feiert seine 15. Ausgabe, in der es um gruselige Fragen geht. Beispielsweise: Warum gibt die ländliche Provinz den idealen Schauplatz für Horrorfilme ab?

Die 15. Ausgabe des Magazins Kultur & Gespenster widmet sich diesmal den Geistern, die uns aus der jüngeren Vergangenheit anfallen. Inklusive Abwehrzauber-Vorschlägen. Wieso kann der Kunstbetrieb nicht mehr ohne Theorie und wird die Theorie der Kunst wirklich immer ähnlicher? Was macht deutsche Malerei zum Exportschlager? Und warum gibt die ländliche Provinz den idealen Schauplatz für Horrorfilme ab? Solchen und ähnlich gruseligen Fragen wird nachgegangen. Besonders schön, vor allem vom Titel her, sind Nora Sduns Aufzeichnungen aus dem laufenden Betrieb einer Hamburger Galerie: „Weiterwursteln“ nennt sie das – vielen eine wohlvertraute Lebensphilosophie. Ihr einleitendes Zitat: „Da es aber weder Schein noch Sicherheit gibt, bleibt das einzig probate Mittel, nicht unsicher zu werden: gar nicht erst sicher sein zu wollen.“ (Walter Serner). Und auch toll: Streifenpullis vor Landschaften in Und im Sommer tu ich malen von Hank Schmidt in der Beek, fotografiert von Fabian Schubert. Die Releaseparty wird wild, sagt das Redakionsteam. Das hoffen wir!

Text: Almuth Strote

 

Die urbane Kunstkammer

Für dieses Gruppenevent pilgern 30 Kunstschaffende in das Schanzenviertel, um am Schulterblatt ihre bunten Arbeiten zu zeigen. 

Das Haus 73 wird zur Plattform für eine bunte Gruppenausstellung mit über 30 Künstlern aus Hamburg, Bremen, Berlin und Freiburg. Das klingt nach Reizüberflutung – aber einer, die man sich nicht entgehen lassen sollte. Bis auf einige beteiligte Akteure erfährt man im Vorfeld nicht sonderlich viel über das Konzept des Events. Mit dabei sind:

Zipper die Rakete – Anna T-Iron – Glaze
Jonathan Wright – Daniel Frank – David Weber
Eileen InBetween InBetween Art – Grauzone – PiffPaff
T.P.T. Nguyen – RKP – Raw Koon – Bettina Eichner – Detailverliebt – Levi – Tatjana Lorenz – Tim Taylor Rap
Janne Röoe – Dana RJ – Marla
Smaadin Kitzinsky
Jasmin Böschen – Lea Lune Odlozinsky – Bambi Blue
Infrafred – hateyourheimat
Rowan Smith – Jana Fux
Marco Rodriguez
Martina Zaninelli

Ab 21 Uhr startet die Gruppenausstellung. Auch musikalisch wird etwas geboten. Es legen auf: Roodini, SampleMind sowie Franka Fiel & Schlendrijan.

 

Die Pâtisserie

Que magnifique! Beim Bummeln durch Ottensen empfiehlt sich in dieser französischen Bäckerei ein Stopp, um handgemachtes Gebäck zu verköstigen.

Am Valentinstag haben Pierre und Nissa Ouvrard ihre feine französische Konditorei und Bäckerei Die Pâtisserie in Ottensen eröffnet. Nur wenige Tage später sind um 12 Uhr die Pains au chocolat bereits ausverkauft. Zum Glück gibt es aber noch die feinsten Tartes und Tartelettes, Macarons und Religieuses. Hergestellt werden diese Köstlichkeiten nach original französischen Rezepten, vor allem aber direkt in der Backstube hinter dem Verkaufsladen. Pierre, der Pâtissier, hat die Kunst des Backens in seinem Heimatland gelernt, Spitzenqualität bedeutet für ihn, keine Backtriebmittel und keine Konservierungsstoffe zu benutzen. Unterstützt wird er von seiner Frau Nissa, die wie ihr Mann an das gute Handwerk glaubt und sich freut, endlich einen Traum verwirklicht zu haben: eine original französische Pâtisserie-Boulangerie mitten in Hamburg. Wenn sich der Betrieb normalisiert, die erste Aufregung sich gelegt hat, soll es auch kleine Lunchpakete geben. Französisches Landbrot, Baguette und Quiche stehen aber auch heute schon bereit. Die französische communauté ist hoch erfreut.

Text: Lisa Scheide

 

Heute im Oberhafen

In der Alten Bahnmeisterei stellen Künstler des Gängeviertels ihre Arbeiten vor. Im Island feiert „Das Magazin für Rothaarige“ eine Releaseparty.

Während zentrale Gebäude des Gängeviertels saniert werden, arbeiten einige Künstler im Exil. „Die ehemalige Alte Bahnmeisterei im Oberhafen wird ein neuer Raum für künstlerische und kulturelle Produktion und dient damit als Ausweichfläche für das Herz des Gängeviertels, die sogenannte Fabrique“, kündigte der Verein im Sommer 2014 an. Drum ist auch die ehemalige Industriefläche nun die Plattform für eine Werkschau der Gängeviertel-Künstler, die am 7. März ihre Arbeiten präsentieren möchten.

Ein paar Meter davon entfernt wird im Island (Banksstraße 2 a) der Release einer tollen Printpublikation gefeiert: MC1R – Das Magazin für Rothaarige erscheint zum zweiten Mal. Das Team lädt ab 18 Uhr zum Austausch über ihr Projekt ein. Außerdem werden Fotografien von beteiligten Künstlern ausgestellt. Ab 20 Uhr gibt es Musik von Tilman Tausendfreund, Eurokai und Felix Lindt.

 

„Adana Night“

Die Produzenten-Zwillinge lassen es in der Villa Nova auf St. Pauli krachen und werden unterstützt durch Deephouse DJ Marcus Worgull.

Luftballons, krachende Beats, tanzendes Housevolk – die übermütigen Adana-Twins ließen es bereits bei ihrer Geburtstagsfeier in der Villa Nova richtig knallen. Seit Jahren sorgen die beiden Hamburger Produzenten mit ihrer Adana Night für exzessive Feiernächte. Neben weltweiten Gigs kehren sie nun im regelmäßigen Abstand in die Talstraße 9 auf St. Pauli ein. Und auch wenn ihre Sets allein schon nachtfüllend wären, legt das Villa-Nova-Team noch eine Schippe drauf und begrüßt Deephouse-DJ Marcus Worgull vom Innervisions-Label. Their house is your house!

 

Neonschwarz

Abseits von Rap über Koksgeticke auf der Straße: Dieses Quartett steht für eine neue Hip-Hop-Generation mit Rückgrat aus Hamburg-City.

Manche Dinge kann man ja nicht oft genug betonen. Dazu gehört unter anderem auch die Tatsache, dass Neonschwarz mit ihrem Hip-Hop eine erfrischende Alternative zum aktuellen „Bosstransformations“-Unsinn, plumpen Beleidigungen und Raps über Koksgeticke auf der Straße bieten. Gut zehn Jahre nach dem letzten Eimsbush-Release – das immer noch großartige The Diggest von Digger Dance – stehen die Schwizzys mit Songs wie On A Journey, In deiner Stadt und ihrem aktuellen Album Fliegende Fische für eine neue Hip-Hop-Generation aus Hamburg-City, die wieder mit Spaß den Norden repräsentiert. Dass die vier, bestehend aus Captain Gips, Johnny Mauser, Marie Curry und Spion Y, in ihrem linken Rap zudem auch noch Rückgrat beweisen und die richtigen Botschaften parat haben, gibt einem nur noch mehr Anlass, die Schwizzys zu feiern.

Text: Jan Kahl

 

Flexibles Flimmern

Anlässlich der Sammelbilder-Ausstellung im Industriemuseum zeigt das mobile Kino die Jules Verne-Verfilmung „20.000 Meilen unter dem Meer“ aus dem Jahre 1954.

Das Industriemuseum wirft einen Blick zurück in die Zeit der Sammelbilder. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts legen Hersteller als Marketingstrategie ihren Produkten kleine Klebebilder bei. Auch einige Elmshorner Firmen wie Wagner, Rostock und Peter Kölln setzten auf die Sammelwut ihrer Kunden. „Mit jedem Pfund Margarine der Sorte Echte Wagner gab es ein Bild gratis“, heißt es in der Ankündigung der Sonderausstellung Heiß begehrt und viel getauscht. Abgebildet waren unter anderem „Technik- und Zukunftsvisionen, die schon damals von großer Faszination waren und viele begeisterten. Zahlreiches davon ist Realität geworden oder diente zur Inspiration neuer Visionen und Entwicklungen.“ Anlässlich der Ausstellung zeigt das mobile Kino Flexibles Flimmern die Verfilmung von Jules Vernes Buchklassiker 20.000 Meilen unter dem Meer aus dem Jahre 1954. Auch hier trifft Wissensvermittlung auf Utopie, Erfindergeist und Vision. Am 6. März wird der Filmprojektor um 20 Uhr im Museum gestartet. Vorab gibt es Speisen und Getränke aus der Ozeanküche. Karten können reserviert werden. Eine weitere Vorstellung findet am 7. März statt.

 

Frappant e.V.

Die Fotografinnen Jasmin Gritzka und Janina Wick porträtierten Jugendliche in der norddeutschen Provinz und in einer polnischen Kleinstadt.

Mit der Phase der Adoleszenz beschäftigten sich zwei Hamburger Fotografinnen. Jasmin Gritzka dokumentierte die Jugend in den Provinzen um Hamburg. Blacktown City nennt sie diese Strecke, die zwischen 2012 und 2014 entstanden ist. Beim Betrachten der Bilder spürt man die Spannung zwischen der nahen Großstadt und provinziellen Strukturen: Ein verregnetes Auto in der Dunkelheit, hinter dem Steuer sitzt ein junges Mädchen und tippt konzentriert auf ihrem Handy herum. Ein Pärchen – sie mit Kapuzenpulli und geschlossenen Augen, er mit wachem Blick und Baseballcape – steht ineinander verschlungen im gelben Laternenlicht. Das fast beiläufige Verhalten der Vorstadtjugend hält Jasmin Gritzka in eindringlichen Porträts fest. Janina Wick reiste im Rahmen eines Artist-in-Residence-Stipendiums in die polnische Kleinstadt Zielona Gora. Hier fotografierte sie für ihre Serie Dziewczyny / Mädchen junge Frauen, die sie vor Ort in Schulen, Sportclubs, Parks und auf der Straße traf. Gemeinsam stellen die Fotografinnen ihre Arbeiten im Frappant e.V. aus. Zur Eröffnungsparty am 6. März spielt ab 22 Uhr die Musikpuppe im Kachelraum.

 

Cornelia Funke

Neues aus der Welt hinter den Spiegeln: Die Bestsellerautorin liest aus dem dritten Teil der Serie „Reckless“ mit dem Titel „Das goldene Garn“.

Die Schriftstellerin hat ein Händchen für Trilogien. Mit ihrer Tintenwelt-Reihe wurde Cornelia Funke berühmt. Nun ist der dunkle Märchenzyklus Reckless beim dritten Band angekommen: Das goldene Garn steckt voller Sprachspiele und entführt in eine Welt hinter Spiegeln. Der Held Jacob Reckless besteht neue düstere Abenteuer. Diesmal bilden russische Märchen die Kulisse – goldene Zwiebeltürme treffen auf bedrohliche Wälder. Und auch diesmal wird Jacob von dem Mädchen Fuchs und seinem Bruder Will begleitet. Die Autorin ist am 6. März im Deutschen Schauspielhaus zu Gast und liest gemeinsam mit dem Schauspieler Rainer Strecker ihre neue Geschichte vor. Strecker war von 1989 bis 1994 Ensemblemitglied am Schauspielhaus.

 

„Moby Dick“

Der junge Regisseur Antú Romero Nunes zeigt den todbringenden Kampf zwischen Mensch und Tier auf hoher See mit minimalistischer Kulisse im Thalia Theater.

Am Anfang stehen acht Männer auf der Bühne und führen abwechselnd Monologe. Der Einstieg in das Stück mutet literarisch an und gipfelt in einer Wasserschlacht. Antú Romero Nunes inszeniert Moby Dick nach dem Roman von Herman Melville auf verstörende, mutige und moderne Art und Weise. Der Zuschauer erlebt eine Gruppe von Walfängern – erfolgsgierig, angekämpft, vom Eifer getrieben und den Umständen auf See zerschlagen. Sie kämpfen mit den Gezeiten, jagen, töten, weiden aus. Das Blut spritzt, das Wasser wirft sie durch die Gegend. Ein Schiff, einen Wal – das bekommt der Zuschauer nur vor dem geistigen Auge zu sehen. Alle Handlungen sind pantomimisch angedeutet und mit minimalistischer Kulisse umgesetzt. Das fesselt ungemein. Die Vorstellungen von Moby Dick im Thalia Theater sind oft ausgebucht – für den März gilt es sich also schnell Karten zu sichern. Weitere Vorstellung am 9. März.

Text: Lena Frommeyer