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„Das Cabinet des Doktor Caligari“

Mord am Holstenwall: Der unheimliche Hypnotiseur schlägt wieder zu und wird dabei im Savoy musikalisch live begleitet.

Caligari comes home! Schließlich gab die Anregung zu den Untaten des sinistren Hypnotiseurs im kleinen Städtchen „Holstenwall“ ein tatsächlicher Mordfall in der Nähe des Hamburger Hafens. Vom Drehbuchautor Hans Janowitz kräftig ausgeschmückt und von Regisseur Robert Wiene meisterhaft in Szene gesetzt, hat sich Das Cabinet des Dr. Caligari (1920) als Blaupause für so manchen Psycho-Thriller erwiesen. Bei dieser Festaufführung im Rahmen des ELBJAZZ Festivals wird der Stummfilmklassiker im Savoy Filmtheater live begleitet und vertont von Andreas Fritzsche, Christoph Lohse und Alex Blancke, die gemeinsam die Bandformation on:stop:off (Gitarre, Schlagzeug, Electronics) bilden. Wer ein Festivalbändchen besitzt, hat freien Eintritt.

 

„Kaltstart“

Von Autobomben, flüchtigem Sex und Zwang zur Transparenz: Wer leichte Kost sucht, sollte einen großen Bogen um die 73 machen.

Tag vier des Kaltstart Theaterfestivals in der 73 macht ein großes Fass auf: Thematisch geht es von Big Data bis Identitätskrise, von Autobomben in Stockholm und bis zu gestohlenen Kampffischen in Dublin. Den Anfang macht eine Untersuchung über die Freiheit, über Datensammler und Analysesysteme, die Menschen dazu bringen, widerstandslos und willig persönlichste Daten von sich preiszugeben. Im Anschluss veranstaltet das Zürcher Kollektiv Neue Dringlichkeit unter dem Titel i like / i don’t like eine Podiumsdiskussion, eine Art Mock Talk, in dem sechs Gesprächspartner sich über den Zwang zur Transparenz austauschen. Um 20.30 Uhr präsentiert die 22-jährige Johanna Landt ihr Theaterprojekt Mensch, Lüge, Utopie, und danach wird in Ich rufe meine Brüder ein junger Mann psychologisch seziert, der vordergründig durch ein Attentat aus dem Gleichgewicht gerät, bis sich herausstellt, dass seine Lebenswirklichkeit in der Fremde ihn längst aus dem Gleichgewicht gebracht hat. Den theatralischen Abschluss des Tages bildet Marc O’Rowes Howie The Rookie, eine Tour-de-force, die tief in die Unterwelt von Dublin führt, in maßlosen Alkoholkonsum, flüchtigen Sex und spontane Gewaltausbrüche. Ein großes Fass, also Wohl bekomm’s!

Text: Nik Antoniadis

 

2 x Flohmarkt

Wer den Sonntag nicht auf der Couch verbringen will, findet ausreichend Abwechslung zwischen Flohmarkttischen und Crêpesständen.

Dinge finden, die man nicht gesucht hat. Dinge suchen und finden und dann so tun, als würden sie einen kaum interessieren. „10 Euro? Für diesen Haufen Blech?“ Oder einfach nur früh aufstehen und sich ins Gedränge aus Schnäppchenjägern, Wühlmäusen und Trödelflaneuren begeben. Mit den Nachbarn feilschen, die ihren Keller entrümpelt haben; mit abgezockten Antikhändlern diskutieren, die so tun, als hätten sie keinen Laden am Rothenbaum; oder mit professionellen Haushaltsauflösern sprechen, die leidenschaftslos alles gleichermaßen verticken, dänische Designermöbel aus einer insolventen Reederei, Federboas und braune geschliffene Aschenbecher, die – obwohl sie aus armdickem Glas sind – trotzdem nach Kettenrauchen im Vereinsheim riechen. Wer dafür sonntags Zeit hat, sollte sich zum Flohmarkt Eimsbüttel auf der Hoheluftchaussee begeben, zwischen Lehmweg und Eppendorfer Weg (ab 8 Uhr), oder zu etwas zivilerer Uhrzeit zum Kulturflohmarkt im Museum der Arbeit (ab 9 Uhr).

Text: Nik Antoniadis

 

Literaturquickie

Fünf mal fünfzehn: Im Tafelspitz präsentieren eine Handvoll Hamburger Schriftsteller in einer Viertelstunde Auszüge aus ihren Werken.

Was hier serviert wird, sind exquisite Prosapralinen, keine üppigen Kulturkuchen. Als Literaturkonditorei betätigt sich dabei der Förderverein Kulturelle Initiativen, der jeden letzten Sonntag im Monat die besten Autorinnen und Autoren des Nordens vorstellt, nicht immer Hamburger Eigengewächse, aber mindestens mit Meldeadresse Hamburg. Sie kommen zu fünft und haben nicht viel Zeit: Jeder bekommt lediglich 15 Minuten, um seine Texte zu präsentieren. In der Mai-Ausgabe des Schriftstellerquickies ist unter anderem zugegen Frank Schulz, der uns nicht nur das Ouzo Orakel bescherte, sondern mit Onno Viets auch die Hartz-IV-Variante von Philipp Marlowe geschaffen hat. Weitere Gäste sind Michael Weins (Foto) (sein neuestes Oeuvre Sie träumt von Pferden ist praktischerweise eine Sammlung von Kurzgeschichten), Kristine Bilkau (ihr gepriesenes Debüt Die Glücklichen ist noch feucht von Druckerschwärze), Lars Henken (Mitglied im Writers Room und Autor des untergründigen bis abgründigen Romans Reinders’ Tod) sowie Gunter Gerlach, der gerne auch als Moderator des Literaturquickies auftritt, sich dieses Mal aber selbst von seinem Kollegen Lou A. Probsthayn im Tafelspitz anmoderieren lässt.

Text: Nik Antoniadis

 

Live Art Festival #7

Das Festival auf Kampnagel bietet Performance-Kunst eine Bühne – in diesem Jahr mit dem Schwerpunkt Choreografie und Protest.

Eine Choreografie des Protests – im Grunde lässt sich diese in jeder gewöhnlichen Demo beobachten: Körper formieren sich zu einer Einheit, setzen sich in Bewegung, stoßen auf Gegenwehr. Es wird Musik eingesetzt, manchmal getanzt. Immer häufiger nutzen Aktivisten auch künstlerische Strategien. Das Live Art Festival, das mittlerweile im siebten Jahr auf Kampnagel die Performance-Kunst feiert, gibt Einblick in dieses Feld. So hat Omer Krieger aus Tel Aviv gemeinsam mit Hamburger Künstlern das Tanzstück NOW (The Clash) entwickelt, das die Dynamik erforscht, wenn Staatsmacht und Bürgerbewegung aufeinanderprallen. Eingebunden werden Spuren ziviler Proteste wie auf dem Tahrir-Platz oder im Gezi-Park. Für Performances im öffentlichen Raum ist auch die Hamburger Künstleraktivistengruppe Schwabinggrad Ballett bekannt. Mit Mitgliedern der Gruppe Lampedusa performen sie vor Flüchtlingsunterkünften in der Schnackenburgallee und den Sophienterrassen gegen die Flüchtlingspolitik Europas. Darüber hinaus gibt es viele weitere Projekte bis zum 13. Juni, bei denen man sich in Sachen kreativem Widerstand weiterbilden und fit machen kann. Grund zur Beschwerde gibt es schließlich genug!

Text: Katharina Manzke

 

„Gans der Bär“

Bärenstark und Gans anders: Kampnagel zeigt zum letzten Mal die Bühnenfassung des preisgekrönten Kinderbuchs von Katja Gehrmann.

Ausgrenzung aufgrund von Andersartigkeit – ein zeitloses Thema. Um es bühnen- und kindgerecht aufzubereiten, braucht es Experten. Zu ihnen gehören Meine Damen und Herren,– ein Theater-Ensemble mit geistig behinderten Schauspielern, und Hajusom, eine Performance-Gruppe aus jugendlichen Flüchtlingen. Dafür haben sich die beiden eines der besten Kinderbücher vorgenommen: Gans der Bär. Wen auch immer kleine Gänse nach dem Schlüpfen als Erstes erblicken, den adoptieren sie als Muttertier. Dass es im preisgekrönten Bilderbuch zufällig einen ausgewachsenen Bären trifft, der die Wahl auf keinen Fall annehmen will, sorgt im Laufe der Geschichte für allerlei Unverträglichkeiten. Doch am Ende siegt der Wunsch des winzigen Vogels nach Zugehörigkeit zum wilden Raubtierriesen. Beim Erarbeiten des Theaterstücks mit Puppen und Livemusik brachten Grundschüler zweier Hamburger Schulen ihre Vorstellungen von Andersartig- und Gemeinsamkeiten ein. Eine sehr persönliche Bühnenfassung ist für Zuschauer ab 8 Jahren herausgekommen – Gans anders eben. Zum letzten Mal zu sehen am 31. Mai auf Kampnagel.

Text: Dagmar Ellen Fischer

 

„Das dunkle Gen“

Der Dokumentarfilm versucht das Phänomen Depression visuell und ästhetisch festzuhalten. Am Donnerstag feiert er Premiere im Abaton.

Wie sieht so eine Depression eigentlich aus? Wie kann man sie filmisch einfangen? Diesen Fragen wollten Miriam Jakobs und Gerhard Schick auf den Grund gehen und dafür haben sie Dr. Frank Schauder begleitet. Schauder ist Arzt. Und Patient. Wie vier Millionen andere Deutsche leidet er an einer Depression. Wenn er sich schon nicht heilen kann, will er sie wenigstens verstehen. Seine Suche nach einer Erklärung haben die Filmemacher mit der Kamera festgehalten, um eine mögliche Ursache visuell erfahrbar zu machen: Das dunkle Gen heißt nun der daraus entstandene Film und was zunächst dröge und theoretisch klingt, wurde am Ende ein Bildwelt voller Ästhetik und Spannung. „Die filmische Erschließung naturwissenschaftlicher Bildwelten zählt zu den spannendsten ästhetischen Entdeckungen, die wir während der Produktion des Filmes machen durften“, blicken Jakobs und Schick zurück. Ob ihnen das wirklich gelungen ist, kann jeder diesen Donnerstag bei der Premiere im Abaton Kino für sich beurteilen und sowohl den Filmemachern als auch dem Hauptprotagonisten noch vor Ort mitteilen.

Text: Andra Wöllert

 

Elbrausch Designmarkt

Designerware, Essen, Musik: Wer auf der Suche nach den schönen Dingen ist, sollte den Weg zum Markt mit DJ-Beschallung finden.

Feines, Kleines, Großes – chic und schön. Der Elbrausch Designmarkt hat das alles und davon ganz viel. Fast alle Stücke sind Unikate und/oder Handgemachtes von Designern aus Hamburg und ganz Deutschland. Organisatorin Gisela Aguirre trägt schön Dinge für die Sommerausgabe des Elbrausch Designmarktes zusammen. Neben Mode, Schmuck, Illustrationen und Accessoires gibt’s auch etwas für den Gaumen: Herzhaftes, kalte Getränke, Kaffee und hausgemachten Kuchen. Auch die Kulisse überzeugt: Der Designmarkt haust wieder für zwei Tage in einem großräumigen Jugendstil-Gebäude in der Holstenglacis. DJs sorgen für die musikalische Beschallung und machen den Markt zum Straßenfest.

Text: Andra Wöllert

 

Fair Food

Der Club Wir wollen’s anders zeigt bei der kleinen Messe, dass Lebensmittel nachhaltig und fair angeboten werden können und sollen.

Massentierhaltung, Gentechnik – das wird bei der Fair Food umgangen. Die kleine Messe für nachhaltigen Lebensmittelkonsum organisiert der Club Wir wollen’s anders. Seine Mitglieder möchten über verantwortungsbewusste und nachhaltige Alternativen in der Lebensmittelindustrie informieren. Auf dem Gartendeck in St. Pauli steht deshalb der ganze Tag im Zeichen Fair Food: Initiativen und Projekte aus der Region stellen sich vor, Besucher können selbst aktiv werden, es gibt ein Rahmenprogramm sowie faires Essen und Getränke. Nebenbei lernt man, wie sich Eier aus der Legebatterie und Kaffee von unterbezahlten Bauern umgehen lassen. Wir wollen’s anders!

Text: Andra Wöllert

 

Broken Forms

Die Open-Air-Saison ist eröffnet: Die Electroniker machen Nachtschwärmen am Tage möglich. Mit House und Techno am See.

Anfang Mai veranstaltete das Broken-Forms-Team eine Electrosause im Gruenspan. Jetzt geht es zum ersten Mal raus aus Hamburg und an die frische Luft. Das Broken Forms Open Air soll Nachtschwärmer schon mittags zum Feiern bringen. Das Spektakel findet an einem See in der Cablesport Arena Pinneberg statt. Nicht nur die Landschaft tun gut, auch das Line-up erfreut: Internationale DJs und Lokalpatrioten spielen Electro – von House bis Techno.

Angeführt wird der Nachmittag von Nordlicht H.O.S.H., der gerade noch in Kopenhagen und Ibiza aufgelegt hat, und Daniel Stefanik, der die Partyinsel ob seines Labels und Clubs Cocoon noch besser kennen dürfte. Pinneberg steht Ibiza aber in nichts nach: Auch das Model-meets-Electro-Duo Dapayk & Padberg legt auf, genauso wie Seidensticker und Salour, Schaefer & Søn und Schmidde aus Hamburg sowie Lotse und Max Wedekämper von Broken Forms höchstpersönlich.

Ein Hoch auf die Draußen-Saison. Und später könnt ihr eh wieder rein, wenn ihr noch könnt – zur After Show Party in der Villa Nova.

Text: Andra Wöllert