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Ferris MC

Schizophrener Freak und ehrlicher Hip-Hopper: Das Reimemonster mischt mit seiner neuen Scheibe das Uebel & Gefährlich auf.

Ganz ehrlich, hätte jemand vor zehn Jahren gefragt, wie es
Ferris MC im Jahr 2015 gehen wird, hätten die meisten wohl einen relativ hohen Betrag auf „Nicht wirklich richtig gut“ gewettet. Seit er in den frühen Neunzigern mit Flowinimmo und DJ Pee die Freaks Association Bremen gründete, kultivierte er sein Image als drogensüchtiger, schizophrener Freak und Assi-Rapper; und ganz aus der Luft gegriffen war das wohl auch nicht. Doch irgendwie hat das Reimemonster die Kurve gekriegt. Als Teil der Kloeterklikke (seit 2008) ist er erfolgreich wie nie, nun hat Ferris sogar die Zeit und die Energie für sein erstes Soloalbum, Glück ohne Scherben, seit über zehn Jahren gefunden. Darauf zeigt er sich, wie ihn wohl nur die wenigsten kennen: persönlich, reflektierend, ehrlich, nachdenklich. Und auch beim Sound überrascht er mit mal dreckigen Gitarren-Riffs, mal epochalem Pop, aber auch klassischem Hip-Hop. „Ich mach mir meine Hände dreckig / schicke Stars zur Therapie / wer wird euch alle überleben? / F-F-Ferris MC“, heißt es in Roter Teppich. Sein neues Album, das pünktlich zum Konzert im Uebel & Gefährlich veröffentlicht wird, ist der beste Beweis, dass er recht damit hat.

Text: Jan Kahl

 

Bajazzo Zeltfestival

Am Samstag eröffnen Die Sterne die Kulturzeltzeit. Bis Anfang Juli gibt’s im Sternschanzenpark viel Musik, einen Zirkus und Lesungen.

Sterne-Sänger Frank Spilker sieht man des Öfteren durch die Schanze flanieren. Auf dem Kopf ein Hut, das Jackett über die Schulter geworfen, fällt seine imposante Erscheinung selbst samstags im trubeligen Gefilde des Schanzenflohmarkts auf. Und am 30. Mai spielt er mit seiner Band Die Sterne Songs vom aktuellen Album 24/7, ja quasi zu Hause, beim Bajazzo Zeltfestival im Sternschanzenpark. Tanzen ist garantiert! Ein fulminanter Auftakt für das Festival, das vom 29. Mai bis zum 5. Juli Musikliebhabern, Zirkusfans, kleinen Rotznasen und Leseratten eine Anlaufstelle bietet. Etwa bei der Türsteherlesung (5.6.), dem Konzert von Curse (25.6.) oder Vorführungen vom Circus Regenbogen (28.6.). Das Programm wird ständig aktualisiert. Ein Blick auf die Homepage lohnt sich.

 

Elbjazz-Clubnacht

Das Elbjazz-Festival erobert jetzt auch die Hamburger Nacht mit nicht nur jazzigen Tönen in der Nochtwache, Prinzenbar, im Mojo und Co.

Bereits zum sechsten Mal findet das Elbjazz-Festival statt, aber zum ersten Mal wird Nachtschwärmern die Elbjazz-Clubnacht angeboten: Wenn gegen 23 Uhr auf dem Hauptgelände bei Blohm + Voss die Lichter langsam ausgehen, zieht der Festival-Tross gen Norden. „Die Stadt wird eingebunden und Clubs bringen aus ihrer Szene heraus Programmpunkte ein“, freut sich Festivalchefin Tina Heine.

Das Mojo-Jazz-Café liegt auf der Hand, aber mit Golem, Nochtwache, Prinzenbar, Resonanzraum sowie Uebel & Gefährlich sind auch Läden beteiligt, die mit dem Thema „Jazz“ weniger am Hut haben. Dort decken Afro- und House-Klänge von Boddhi Satva, Garage House von xxxy, Space-Pop von Pollyester, Seth Schwarz, das ensemble resonsanz oder die neue Veranstaltungsreihe District66 eine enorme musikalische Bandbreite ab.

Die Clubnacht ist nicht nur für alle Festivalbesucher im Preis enthalten, sondern auch für jeden anderen zugänglich – mit einem extra Clubticket.

Text: Ole Masch

 

Startup Weekend

Austauschen, pitchen, Geschäftsmodelle erarbeiten: Beim Startup Weekend können sich Gründerträume erfüllen – oder „upfucken“.

Ein StudiVZ für Ungarn. Das war Andreas Kitzings Idee. Er nannte es College Friends. Zum Durchbruch kam es nicht. Dafür zum Abbruch. Sein Fazit am Ende seines Vortrags auf der FuckUp Night im MUT! Theater: „Es hat sich voll nicht gelohnt.“ Trotzdem: Kitzing hat wieder gegründet – diesmal erfolgreich. Genau darum geht es auf den FuckUp Nights, die seit Februar in Hamburg stattfinden: Das Scheitern gehört zum Gründen dazu.

Das sieht auch Serhat Kaya so. Der 24-Jährige organisiert seit vier Jahren wie an diesem Wochenende ehrenamtlich das Startup Weekend Hamburg im Betahaus. Dort können sich die Teilnehmer gegenseitig austauschen, Teams bilden, Geschäftsmodelle erarbeiten – und werden von einer Jury bewertet. Dass sich der Einsatz lohnt, zeigt der Gewinner des Startup Weekends im vergangenen Jahr: „Stickerabo sind vor Kurzem live gegangen!“, erzählt Serhat stolz.

Ein Haken sei die Verknüpfung von Geldgebern mit Start-ups. „Ich wünsche mir eine Schnittstelle zwischen den vielen Hamburger Traditionsunternehmen und der Gründerszene“, sagt Serhat. Ansonsten ist er zuversichtlich. „Das Wichtigste ist sowieso die Leidenschaft.“ Fehlt die, bringt auch eine gute Idee nix. Für alle anderen gilt: Mut zum Gründen – und zum Scheitern.

Text: Julia Braune

 

Leslie Clio

Mal Soul, mal Pop: Die Sängerin beweist mit ihrem neuen Album, dass sie sich nicht in eine Schublade stecken lässt – auch nicht live im Mojo.

Als Leslio Clios Debütalbum Gladys vor zwei Jahren herauskam und immerhin Platz elf der deutschen Charts erreichte, wurde die Hamburger Sängerin in die Soul-Pop-Ecke gestellt. Doch Clio, die seit 2010 in Berlin lebt, wollte sich mit ihrer zweiten Platte nicht wiederholen, wie das viele Künstler machen, wenn ihr Debüt erfolgreich gewesen ist. Die blonde Sängerin orientiert sich auf ihrem brandneuen Zweitling Eureka mehr in Richtung Pop. Anregungen für die neuen Songs hat sie sich überall auf der Welt geholt: in Hamburg, Berlin, Kopenhagen, Stockholm, London, Nashville, Los Angeles. Der alltägliche Herzschmerz zieht sich immer noch durch ihre Texte, doch auf den neuen Songs tanzt sie ihn einfach weg wie bei der ersten Single My Heart Ain’t That Broken. Wenn Leslie Clio in ihrer Hometown im Mojo Club auftritt, bringt sie ein paar luftige Sommer-Hits mit. Mal sehen, wie hoch es diesmal für sie in der Hitparade geht.

Text: Heinrich Oehmsen

 

Captain Capa & Roman Flügel

Im Doppelpack durch die Nacht: Von der Electro-Popband in den Electro-Club, von düster bis treibend, vom Molotow in die Villa Nova. 

Die Electro-Pop-Band Captain Capa schlängelt sich derzeit als Trio durch Deutschland und startet ihre Tour Anfang Mai in Köln. Mitte des Monats macht Captain Capa auch in Hamburg Station. Im Gepäck haben sie ihre kürzlich bei Audiolith erschienene EP Death Of A Hydra. Die ist noch düsterer und treibender als die Vorgängeralben. Raven ist also beim Konzert im Molotow garantiert.

Genauso wie in der Villa Nova. Hamburgs noch junger Club für elektronische Musik beendet sein Mai-Booking mit einem Knaller: Roman Flügel (Foto) schaut vorbei. Der in Darmstadt geborene DJ und Liveact ist seit den neunziger Jahren in der Techno-Szene aktiv und wurde unter anderem mit Projekten wie Sensorama und Alter Ego bekannt. Neben einer Residency im Offenbacher Robert Johnson und häufigen Auftritten in der Panorama Bar des Berghains wird der Producer weltweit gebucht. Als Hamburger Unterstützung hat sich Deephouse-König und Smalleville Labelchef Lawrence angekündigt. Da geht was!

 

„LaRed – Das Netz“

Faszinierendes Wechselspiel: Bei „LaRed – Das Netz“ trifft Akrobatik auf Tanz und Neuer Zirkus auf multimediale Kompositionen.

Lissajous-Figuren sind Kurvengraphen. Sie entstehen durch die Überlagerung zweier harmonischer Schwingungen. Und wenn es dabei zu einer leichten Abweichung kommt, dann entsteht der faszinierende Effekt einer langsam rotierenden Figur in 3 D. Man kann dies als Sinnestäuschung auffassen, aber auch wesentlich bedeutungsvoller als eine Ästhetik der Physik. So sieht es auch die Familie Lizajous, ein avantgardistisches, interdisziplinäres Kollektiv aus Wissenschaftlern, Medienkünstlern, Musikern und Akrobaten zwischen Hamburg und Barcelona.

Sie verstehen Licht und Schall als physikalische Schwingungen und übersetzen diese zu einer ganz eigenen Art der Ästhetisierung des Raums in Beleuchtung und Klang – Überraschungen sind inbegriffen. In LaRed – Das Netz, dem neuesten Stück der Familie Lizajous, verbindet sich die spielerische Offenheit des Cirque Nouveau mit virtuellen Elementen. Auf der Suche nach dem autonomen Selbst geratene Akteure, sphärische Musik und Gesang bilden ein faszinierendes Wechselspiel, in welchem alles miteinander verbunden zu sein scheint. Am Wochenende ist die Show zu Gast im Hamburger Sprechwerk.

Text: Reimar Biedermann

 

Foxygen

Große Posen und Hippie-Sound: Foxygen live zu sehen ist wie eine Reise in ein längst vergangenes Jahrzehnt.

Große Gesten á la Mick Jagger oder Iggy Pop auf der Bühne machen geht nicht mehr? Da kennt man Foxygen schlecht. Sänger Sam France und Gitarrist und Keyboarder Jonathan Rado wirken dabei alles andere als überzogen. Aber nicht nur die Posen erinnern an alte Zeiten – auch ihre Musik tut es und beweist, dass die Hippie-Ära noch nicht tot ist. Mit ihren beiden Platten Take The Kids Off Broadway und We Are The 21st Century Ambassadors of Peace & Magic, die im letzten Januar erschienen ist, belegen sie ihre Liebe zu alten analogen Zeiten. Die Produktionen sind gleichzeitig aber auf dem neusten Stand. Besonders live wirken Foxygen, als würden sie nicht ins heute gehören. Das liegt vor allem an der Band, die den besonnenen Stücken mehr Dynamik einhaucht. Eine Zeitreise in die Sechziger/Siebziger gefällig? Dann kommt am Dienstag ins Molotow!

Text: Andra Wöllert

Treefort #2: Foxygen – „Shuggie“ from INTOTHEWOODS.TV on Vimeo.

Foxygen – ‚On Blue Mountain‘ | A Take Away Show from La Blogotheque on Vimeo.

 

„Griechenland aus der Steckdose“

Die Tierarztpraxis Dr. Costa aka DJ Costa rockt das Golem mit einem Mix aus griechischer Folklore und Electronica.

Es ist erst wenige Jahre her, als in Griechenland eine Gesetzesvorlage diskutiert wurde, die vorsah, Bars und Clubs wochentags spätestens um 5 Uhr morgens zu schließen. Zehntausende gingen daraufhin zwischen Athen und Thessaloniki auf die Straße. An einem Dienstag um fünf Uhr morgens nach Hause gehen? Vollkommen inakzeptabel!

Mit derselben Einstellung hatte – vielleicht erinnert sich der eine oder andere noch – DJ Costa im Jahre 2001 in der Schilleroper erstmals aufgelegt, einen rasanten Mix aus griechischer Musik von Schlager bis Rembetiko, unterlegt mit elektronischen Beats. Im Wesentlichen das, was in jeder griechischen Disko passiert: Englischsprachige Charts-Musik läuft da lediglich im Hintergrund zum Warmwerden. Die Tanzflächen füllen sich erst, wenn auf Griechisch gesungen wird.

Seit 2001 hat sich in Griechenland einiges verändert, die guten Zeiten sind vorbei, der Ruf angeschlagen. Aber eines gilt nach wie vor: Die Griechen wissen, wie man feiert. Den Bewies tritt DJ Costa im Golem an, wenn er unter dem Motto Griechenland aus der Steckdose alle Register des griechischen Partyalphabets zieht.

Text: Nik Antoniadis

 

„Poets On Dice“

Literarischer Gladiatorenkampf: In der Poetry Game Show im Nachtasyl treten fünf kampferprobte Slammer gegeneinander an.

Das Nachtasyl lädt ein zur dritten Ausgabe der Instant Poetry Game-Show des Hamburger Vereins Writer’s Room. Die Regeln für diesen skurrilen und äußerst kurzweiligen Wettbewerb sind einfach: Per Würfelwurf werden zufällige Bildsymbole ermittelt, die dann in kürzester Zeit zu Geschichten zusammengefügt werden müssen, und zwar in vorgegebenen Szenarien. Je origineller, desto besser. Als literarische Gladiatoren treten dieses Mal an, die Autorin Sigrid Behrens, die Texterin Regina Pichler, der Konzepter Jürgen Nerger sowie Charlotte Parnack und Daniel Haas, eigentlich Kollegen in der Hamburger ZEIT-Redaktion, an diesem Abend aber erbitterte Widersacher. Denn: Es kann nur einen geben. Und der wird vom Publikum am Ende des Abends gewählt. Also, Daumen hoch oder Daumen runter für die Poets on Dice.

Text: Nik Antoniadis