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Einstellungsraum e.V.

Das Fotoprojekt „Passage“ von Jost Hinrichsen und Thomas Hansen handelt vom Schweigen in der Geschäftigkeit.

Die Künstler von Einstellungsraum e.V. haben es sich zum Ziel gesetzt, zeitgenössische Kunst und kulturelle Phänomene der Gegenwart zu ergründen. Fotografie und Sound verbindet die neue Ausstellung, die von Orten handelt, davon, wie man sie zum Schweigen bringen kann, wie sie in der Erinnerung einfrieren, zu Bildern im Kopf werden oder zu rasen beginnen. Darum dreht sich das Fotoprojekt Passage von Jost Hinrichsen und Thomas Hansen. Es handelt vom Schweigen inmitten eines Umfeldes, das permanenter Geschäftigkeit ausgesetzt ist. Die Gemeinschaftsarbeit gliedert sich in zwei Teile: eine Serie mit zwölf Schwarzweiß-Fotos im Erdgeschoss und eine Diaschau mit Klangkomposition im Kellerraum der Galerie. Zur Eröffnung wird eine Einführungsrede gehalten.

Text: Sabine Danek

 

„Lady Salsa“

Tanz, Rum und Revolution: Sechs Jahrzehnte kubanische Musikgeschichte verpackt in eine feurige Show im St. Pauli Theater.

Lady Salsa ist eine Reise über Zuckerrohrfelder, durch Havannas Clubs und die Kabaretts mit Mambo, Cha-Cha-Cha und Salsa. Der kubanische Choreograf Roclan Gonzales Chaves hat bereits mit Enrique Iglesias zusammengearbeitet und bringt in seiner Show die Musik Kubas auf die Bühne. Zusammen mit über 30 Musikern, Tänzern und Sängern blickt er zurück auf das Kuba der 1950er Jahre vor der Revolution, als aufwendige und pompöse Shows in den Luxushotels entstanden und gleichzeitig bereits das Aufbegehren des Volkes zu spüren war. Die Zeitreise endet im neuen Kuba, dessen Musikszene nach der Lockerung der US-Sanktionen internationalen Aufschwung erfährt und einer neuen Generation kreative Möglichkeiten bietet. Besonderes Leckerli: Am 28. Mai findet die erste Voraufführung im St. Pauli Theater statt.

Text: Aaltje Anhalt

 

„L-Filmnacht“

Filmische Pflaster für gebrochene Frauenherzen: Der lesbische Kinoabend im Metropolis zeigt fünf Kurzfilme von zwei Kontinenten.

„Und an diesem wunderschönen Frühlingstag verliebte sich unsere Jungfrau unsterblich.“ Das kleine Mädchen hebt skeptisch die Augenbrauen. „In die Prinzessin?“ „Genau“, sagt die Erzählerin. „In die Prinzessin.“ So steht’s im Drehbuch von Die Maid und die Prinzessin, einem von fünf Kurzfilmen in der L-Filmnacht im Metropolis. Fünf Pflaster für gebrochene Frauenherzen, fünf mit Sehnsucht aufgepumpte Ballons, alles in einer Nacht. Bei der L-Filmnacht werden sehr unterschiedliche, rührende, zärtliche, komische Geschichten aus Deutschland, Australien, Norwegen und dem Senegal erzählt, die – so will es der Veranstalter – das Alphabet lesbischer Liebe präsentieren: Von M wie Martha bis P wie Prinzessin, von F wie Frauensache bis D wie „Du schon wieder!“

 

Hagen Rether

Liebe und Lakonie: Mit weisem Witz kommentiert der Comedian in der Laeiszhalle das gesellschaftliche Weltgeschehen.

Das Handwerk des Comedians gründet ja bekanntlich neben den Inhalten im Spiel mit den Affekten des Zuschauers. Das Paradebeispiel ist Mitlacher-Stand-up Mario Barth: „Nä?! Ist doch so!?!“ Im Vergleich dazu erscheint Berufslakoniker Hagen Rether geradezu als Comedy-Weiser, kleidet er seinen Spott doch in zarte Ansprache statt laute Wumme. Seit mehr als fünfzehn Jahren tourt er mit seinem stets quartalsaktuellen Programm Liebe durch das Land, mit klugem Blick doziert er über das gesellschaftliche Weltgeschehen, fein abgerundet und kommentiert mit dem Piano, das Ganze vor der Kulisse der Laeiszhalle. Warum man lieber ihm zuhört als anderen, hat mit dem Gefühl zu tun, dass man aus seiner Show tatsächlich etwas Bedeutsames mitnimmt – für das Leben. Dargebracht in angemessenem Ton und perfektem Timing. Das ist gewiss eine Kunst. Warum also immer laut lachen, wenn man sich auch mal ganz leise so sehr über etwas freuen kann.

Text: Reimar Biedermann

 

Autoren zu Gast

In welchen Hamburger Privatwohnungen bei „Literatur in den Häusern der Stadt“ gelesen wird, bleibt bis kurz vorher geheim.

Der Einfluss von Orten auf Literatur sollte nicht unterschätzt werden: Nicht überall entfalten sich die Worte gleichermaßen gut, ob nun gerade aus der Feder entschlüpft oder bei einer Lesung. Das Festival Literatur in den Häusern der Stadt verspricht besonders viel Harmonie zwischen Werk, Autor und Leseort.

Das Programm vom 27. bis 31. Mai findet an verschiedenen Orten statt. Im Pianohaus Trübger stellt der Musikjournalist Bjørn Woll sein Interviewbuch vor, in dem Sängerinnen und Sänger Einblicke in ihre Kunst geben. Um ein Unternehmen, das in einer düsteren Zukunft Glück garantiert, dreht sich der spannende Thriller Score von Martin Burckhardt, der in den Räumen der Techniker Krankenkasse vorgelesen wird.

Wie die Atmosphäre von Privatwohnungen mit den Lesungen zusammenpasst, bleibt eine Überraschung: Erst kurz vor der Veranstaltung werden die Adressen der Gastgeber, die überall in der Stadt verteilt sind, bekannt gegeben. Auf dem Programm stehen Autorenlesungen mit Hanns Zischler, Petra Hartlieb (Foto), Michel Bergmann, Herbert Feuerstein und anderen. Es lohnt ein Blick in das Programm.

Text: Katharina Manzke

 

Kaltstart

Bühnenprofis: Das Theaterfestival im Kulturhaus 73 zeigt in seiner zehnten Runde spannende Produktionen junger Theatermacher.

In seinen Anfängen genoss das Kaltstart Theaterfestival Hamburg, das nun in die zehnte Runde geht, in der überregionalen Presse einen Ruf als „unbekanntestes Festival Norddeutschlands“. Diese Zeiten sind lange vorbei. Timo von Kriegstein, der in diesem Jahr die künstlerische Leitung wieder von Anne Schneider übernimmt, hat erneut zehn Tage mit aufregenden Produktionen junger Theatermacher der deutschsprachigen Stadt- und Staatstheaterszene, aber auch der Freien Szene zusammengestellt.

In der Reihe Kaltstart Pro sind diesmal Produktionen unter anderem von der Volksbühne Berlin, vom Schauspielhaus Köln und von der Schaubühne Berlin eingeladen. Die Autoren-Lounge bietet dem Autorennachwuchs ein Forum. Die Plattform Sprungbrett präsentiert den studierenden Nachwuchs aus und jenseits von Hamburg. Nach längerer Pause ist in diesem Jahr auch Fringe wieder mit dabei, eine Plattform für Produktionen der freien Performance-Szene. Alles schön kompakt an einem Ort, im Kulturhaus 73. Nach dem Auftakt am 28. Mai geht das Festival bis zum 6. Juni.

Text: Annette Stiekele

 

„Der letzte Raubzug“

Weißes Gold, so könnte man Elfenbein auch nennen. Zwei Filmemacher aus Deutschland decken die Geschäfte rund um das verbotene Gut auf.

Elfenbein ist das nächste Gold. Während konventionelle Anleger noch in Wälder investieren, spekuliert die Finanzavantgarde längst auf die übernächste Rohstoff-Hausse. Zurzeit steht das Kilo Elfenbein bei 3.000 Dollar. In 20 Jahren, wenn die Elfenbeinmafia die Elefantenbestände minimiert hat, stehen maximale Profite ins Haus. Denn die Tiere könnten wegen der Wilderei bis dahin fast ausgestorben sein. Die schmutzigen Geschäfte, die auch von Europäern betrieben werden, decken Regisseur Jakob Kneser und sein Hamburger Produzent Tristan Chytroschek eindrucksvoll in Der letzte Raubzug auf. Am Mittwoch ist Premiere im Abaton-Kino und die beiden Filmemacher werden als Gäste vor Ort sein.

 

A Projection

Very british, diese schwedische New-Wave-Band. Sie kommt mit ihrem frisch gepressten Debütalbum „Exit“ in den Hafenklang.

Joy Division, ick hör dir trapsen. Oder ist das gar nichts Altes? Das Quintett A Projection kommt aus Stockholm und klingt überhaupt nicht ausschließlich skandinavisch, sondern very british. Mitten in ihren zwanziger Jahren vermissen sie schon jetzt im gleichnamigen Song ihre Young Days, aus denen vermutlich auch all die Slap-Bassläufe und Synth-Melodien stammen. Das Debutalbum Exit prescht energisch, düster und in einer unsagbaren Kälte nach vorne – gar nicht schlimm, dass man diese Klänge irgendwann schon mal gehört hat. Es könnte kühl und wolkenverhangen werden im Mai unten an der Elbe. Und wer sich gerne zurück an die Good Old- oder die Cold War Days der 1980er Jahre erinnern möchte, kann sich im Hafenklang warmpogen.

Text: Jan Frederic Goltz

 

Bright Light Bright Light

David Bowie, Chet Baker oder Ace of Base sind die Inspiration des Musikers Rod Thomas. Wie er sich live anhört, kann man am Dienstag erleben.

Sir Elton John gehört zu seinen größten Fans. Er war von Bright Light Bright Lights Debüt Make Me Believe in Hope so schwer beeindruckt, dass er ihn als Special-Guest mit auf Welttournee nahm und auf dem zweiten Album Life Is Easy den Song I Wish You were Leaving mit ihm aufnahm. Rod Thomas, wie Bright Light Bright Light mit bürgerlichem Namen heißt, nennt selbst so unterschiedliche Künstler wie Kate Bush, David Bowie, Depeche Mode, die Pet Shop Boys, Chet Baker und Ace of Base als Inspirationsquelle für seine Musik. Und tatsächlich wirkt seine Musik wie ein aus all diesen Einflüssen gewebter Klangteppich. Da ist das Keyboard von Ace of Base zu hören, oder die treibenden Beats der Pet Shop Boys und das Träumerische von Kate Busch. Diesen Monat kommt der funkelnde Popstar nach Deutschland und beehrt unsere intime Prinzenbar.

Text: Jakob Luy

 

„Das Zimmermädchen Lynn“

Der deutsche, international ausgezeichnete Film über ein Zimmermädchen, das sich dreist in den Hotelzimmern versteckt, kommt ins Abaton.

Vom Filmfestival in Montreal 2014 brachte Ingo Haeb, Lehrender an der HFBK und auch am Film Fraktus beteiligt, den Internationalen Kritikerpreis mit. Seine Hauptdarstellerin Vicky Krieps wurde als Beste Schauspielerin mit dem Förderpreis Neues deutsches Kino geehrt. Ihr gemeinsames Werk mit den schlichten Bildern, langen Szenen und der entschleunigten Erzählweise erlebt nun seine Hamburg-Premiere im Abaton-Kino: Das Zimmermädchen Lynn liebt das Putzen ebenso sehr wie die schmutzigen Geschichten, die sie immer dann erfährt, wenn sie sich unter den mit weißem Linnen frisch bezogenen Hotelbetten verbirgt.