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„Coup Fatal“

Dandys im Kongo: Die soziale Bewegung der Sapeurs versucht mit Extravaganz der Tristesse im kriegsgebeutelten Land zu entfliehen.

Der Kongo ist eine der schönsten Regionen Afrikas, Vielfalt ist dort nicht das Außergewöhnliche, sie ist Normalität. Doch was bedeutet eine Heimat ihren Menschen, wenn sie 185 Jahre von kolonialistischer Willkür und weitere 40 Jahre von Despotie und Krieg geplagt wurde? Die soziale Bewegung der Sapeurs, La Sape, begegnet dem auf ihre Weise. Mit an den klassischen Dandy angelehnter Extravaganz stehen ihre Repräsentanten für Individualität und den Widerstand gegen die Tristesse.

Der kongolesische Countertenor Serge Kakudji, der belgische Komponist Fabrizio Cassol und Starchoreograf Alain Platel, der zuletzt mit dem mehrfach ausgezeichneten Stück Tauberbach auf Kampnagel zu sehen war, besinnen sich dieser lebensbejahenden Attitüde und kombinieren die Musik des Landes, gespeist aus den Traditionen seiner mehr als 200 Ethnien, mit Arien von Händel und Gluck. Coup Fatal ist eine Pop-Oper voller Spleen, Vitalität und Lebensfreude.

Text: Reimar Biedermann

 

16. Japan-Filmfest

Im Reich der Zeichnungen: Bis zum 31. Mai laufen rund 80 Filme mit Mangas und Animes im Metropolis, Studio und 3001.

Wenn am 27.5. das Japan-Filmfest mit der Manga-Verfilmung Lupin the Third, einem actionreichen Blockbuster um den notorischen Gentleman-Gauner, im Metropolis eröffnet wird, hat das programmatischen Charakter. Denn die Trickfilmkultur steht im Zentrum der diesjährigen Auswahl aktueller japanischer Produktionen. Zu ihnen gehören Amme & Yuki, eine Fortsetzung der Ghost in the Shell-Serie, und The Wind Rises, ein neues Werk von Hayao Miyazaki.

Dessen Ghibli-Studio ist zudem durch Die Legende der Prinzessin Kaguya vertreten, die für einen Oscar nominiert war. Zu den Highlights zählen auch der Klassiker Akira und dessen Realverfilmung The Akira Project. Als Gäste werden der Manga-Künstler Waita Uziga und Sade Sato erwartet, der mit seinem Realfilm Mai-Chan’s Daily Life Uzigas Comic-Heldin aus dem Reich der Zeichnungen in die Wirklichkeit transponiert hat.

 

The Slow Show

Große Gefühle: Die Jungs um Rob Goodwin beweisen in der Prinzenbar einmal mehr, dass ihr Manchester-Sound zum Weinen schön ist.

Sie lieben Kirchen und Kathedralen als Konzertorte. Im vergangenen Jahr beim Reeperbahn Festival durften The Slow Show in der St.-Pauli-Kirche auftreten, eines ihrer wichtigsten Konzerte spielten sie im Vorprogramm von Elbow in der Kathedrale ihrer Heimatstadt Manchester. In diesen hohen Räumen kann sich der Sound der Band besonders gut entfalten, ja geradezu aufschwingen. Hoch genug ist auch die Prinzenbar, zwar weniger sakral, aber dafür familiärer. Obwohl The Slow Show in der nordenglischen Industriestadt zu Hause sind, klingt das Quintett überhaupt nicht nach dem typischen Manchester-Sound, wie ihn etwa die Happy Mondays begründet haben. Die Wurzeln von The Slow Show liegen eher im amerikanischen Blues und Rock. Sie sind näher an Wilco und Bruce Springsteen als an den Smiths. Ein besonderes Merkmal der Band ist der tiefe und warme Bariton von Sänger Rob Goodwin, der Erfolg auf besondere Art definiert: „Erfolg bedeutet für uns, unser Publikum so zu fesseln, dass es ganz still wird und sich in die Musik versenkt. Manchmal fließen sogar Tränen.“

Text: Heinrich Oehmsen

 

FINTango Festival

FINTango verbindet Kultur und Musik, Finnland und Tango und ist damit einzigartig im Land. Zwei Tage macht das Festival Halt in Hamburg.

Da kommt zusammen, was zusammengehört: Finnlad und Tango. Oder doch nicht? Die zunächst skurril wirkende Mischung von FINTango klappt wunderbar – so gut, dass das einzige finnische Tango- und Kulturfestival in Deutschland im dritten Jahr mit ihrem Programm auf Tour durch die Republik geht. In Hamburg dauert das Fest zwei Tage – mit Tanzkurs, Filmvorführungen, Konzert und Ball am Sonntag im Kölibri. Am Montag geht’s weiter mit Tanz, Folklore und Konzerten am Musik Pavillon im Planten un Blomen. Finnischer Tangotanz soll laut Veranstalter übrigens leicht zu erlernen sein. Und wer das Tangobein nicht schwingen mag oder mal eine Pause braucht, der kann lernen, wie man finnisches Brot und Torten backt. Der Eintritt ist übrigens frei. Gespendet werden darf aber gerne.

Text: Andra Wöllert

FINtango Trailer 2015 from FINtango on Vimeo.

 

The Flash Music Festival

Ambitionierter Electro, fein kuratiert: Das Festival lockt feierwütige Glückskinder ins Uebel & Gefährlich – Oxia kommt, Jennifer Cardini auch.

Wer sich am Sonntag von guter elektronischer Musik flashen lassen möchte, hat im Uebel und Gefährlich die beste Gelegenheit dazu. Das Flash Music Festival versucht Glückskindern internationale Namen, tolle Newcomer und verschiedensten Stile der elektronischen Musik zwischen Techno und House zu servieren. Mit einer Party in einem von Hamburgs wichtigsten Clubs für elektronische Musik und diesem Line-up dürfte das gelingen. Oxia aka Olivier Raymond aus Grenoble führt eben dieses mit groovigem House an. Genauso housig wird’s mit Jennifer Cardini (Foto), die ihre Base in Paris und Köln hat. Aus Hamburg findet man unter anderem Chris Kistenmacher hinter den Plattentellern, der des öfteren Electro-Partys im Fundbureau oder Waagenbau beschallt. Wer sonst noch dabei ist, um euch zum Tanzen zu bringen, hört ihr ja spätestens am Wochenende. Die Liste ist noch nicht zu Ende: Rey & Kjavik, Ugur Project u.v.m. legen auf, Fairmont spielt live. Und dann wäre da noch der mysteriöse Secret Guest…

 

„The Hip Hop Lounge“

Beats im Körper spüren: Das Hamburger Kollektiv City-DJs macht das im Moondoo möglich. Und das für einen guten Zweck.

Um mit ordentlich Bass um die Ohren in den Pfingstsonntag zu tanzen, führt kein Weg an der Hip Hop Lounge im Moondoo vorbei. Das Hamburger Kollektiv City-DJs um DJ Numah-One, Dam-On, Chico G und Co. spielt Hip-Hop pur auf zwei Floors. New School oben, Old School unten. Und als wären die insgesamt sechs Jungs nicht schon genug, haben die City-DJs außerdem Sam-One und I$I aus Osnabrück eingeladen. Das Event findet übrigens im Rahmen des Clubkinder Festivals am Pfingstwochenende statt. Zehn Clubs schließen sich dabei zusammen und sammeln Spenden für zehn Flüchtlingskinder. Beats und Drinks dienen also einem wunderbaren Zweck. Da bleibt hoffentlich kein Ausgehfummel trocken.

Text: Andra Wöllert

 

„Dat Narrenhuus“

Ein Käfig voller Narren: Das Ohnsorg Theater präsentiert eines der erfolgreichsten Musicals – auf platt.

Musicalfans mögen ob des Titels Dat Narrenhuus irritiert sein: Nein, ein solches war selbst dem Szenekenner bislang nicht bekannt. Was einmal mehr das beste Zeugnis für die originellen sprachlichen Adaptionen im Ohnsorg Theater ist: Verbirgt sich doch hinter diesem Narrenhaus eines der erfolgreichsten Musicals aller Zeiten – La Cage aux Folles. Und mögen sich die Zeiten auch in mancher Hinsicht geändert haben, auf der Bühne hat dieser Käfig voller Narren nichts von seiner Frische, Frivolität und herzergreifenden Note verloren. Schließlich ist die Geschichte einfach zu herrlich: Der gemeinsam aufgezogene Sohn eines schwulen Nachtclub-Paares will ausgerechnet die Tochter eines stockkonservativen Politikers heiraten – und bringt seine Väter damit in die Verlegenheit eines Versteck- und Verwirrspiels. Was im weltoffenen Hamburg zweifellos selbst das nicht mehr ganz so junge Ohnsorg-Stammpublikum hinreißen wird: Denn solch ein Narrenhuus hat auch auf Plattdeutsch seine ganz besonderen Reize. Das Stück läuft bis zum 31. Mai.

Text: Christoph Forsthoff

 

About Songs Festival

Eingängige Indie-Melodien vom Einar Stray Orchestra, She Keeps Bees, Museè Mècanique und Co. werden im Knust kredenzt.

She Keeps Bees sind spätestens seit ihrem berührenden Album Eight Houses vom letzten Jahr ein Begriff unter melancholischen Romantikern. Jessica Larrabees Weltschmerz und das wuchtige Schlagwerk ihres Lovers Andy LaPlant sind am Sonntag allein schon den Besuch des Knust wert, hier können aber auch andere Perlen des seriösen Songwritings entdeckt werden. Ebenso wie auf der Quelle dieses Festivals, dem gleichnamigen Internetblog About Songs, der informativ und geschmackssicher für uns die Muscheln öffnet. Interessant werden könnte etwa das kanadische Indie-Trio Two Bears North (Foto) mit druckvollen Frauenstimmen und eingängigen Melodien auf ihrem Debüt-Album Comeocean. Auch dabei: Einar Stray Orchestra, Museè Mècanique, The Migrant, The Dead South und Jordan Klassen. Bis bald am Meer!

Text: Georg Kühn

 

Klotzwork Orange

Ein handverlesenes DJ-Line-up schickt detailverliebte Elektro-Sounds über die schweißgetränkte Tanzfläche im Fundbureau.

Wer hat denn da zu tief in der Wortspiel-Kiste gekramt? Klotzwork Orange heißt die neue technotronische Partyreihe im Fundbureau, initiiert von TicTacTechno und der Woodfoundation. Welches Konzept versteckt sich hinter diesem von Stanley Kubrick inspirierten Motto? Man will neue Acts in die Hansestadt holen. Die Veranstalter konstatieren: „Hamburg braucht dringend neuen Input.“ Den liefern sie nun selbst – zur Premiere von Klotzwork Orange in Form des französischen Soundkünstlers Loveplex, der progressiven, detailverliebten Deep Wave in den Club unter der Sternbrücke platziert. Jens Gütschow aus Lübeck gibt unterdessen ein Live-Set. Ausgiebiger Support kommt unter anderem von Commander RumpelSchmitzchen, Philipp Hanslik und Hari & Spielplatz.

 

Rollerskate Jam

Aerobic auf Rädern: Alles, was Rollen unter den Sohlen hat, ist auf dem Parkett im Mojo Club an der richtigen Adresse.

Wer schnell noch für seine Open-Air-Figur ein paar Gramm abtrainieren möchte, darf das zwei Stockwerke unter der Erde tun. Im Mojo Club heißt es wieder einmal „8 Rollen, 2 Stopper und jede Menge Platten“. Beim Rollerskate Jam bringen DJ Mad und Gameboimusic mit Boogie, Funk und Disco jede Menge Hüften zum Kreisen. Wer seine Skates gerade verlegt hat, kann sich im Mojo welche leihen. Das ist dringend anzuraten, denn nur für Rollschuhfahrer ist die anschließende Mojo Essentials Clubnacht ab 23 Uhr inklusive. Alle anderen müssen zahlen – und haben auch nur halb so viel Spaß. Die Essentials lohnen sich in jedem Fall ganz besonders: Mit Dom Servini ist der Londoner DJ zu Gast, wenn es um Funk, Jazz und Beatkultur aller Spielarten geht. Roll on!

Text: Ole Masch