Energisch und intensiv: Das elfköpfige Band-Kollektiv aus Stockholm spielt seine gut gelaunte „Skank-a-tronicpunkadelica“ live im Knust.
Harmoniegesänge aus mehreren männlichen Kehlen, akustische Gitarre und darunter einen flotten Country-Polka-Beat mit leichter Ska-Anmutung – was kann da schon schiefgehen? Das ist jedenfalls das Erfolgsrezept des schwedischen Bandkollektivs Hoffmaestro. In den späten Neunzigern gegründet, erschienen ihre ersten Tonträger erst im Jahr 2005. Seitdem kann sich die Groß-Combo aber über mangelnden Zuspruch kaum beschweren. Ihre Live-Sets werden als „energisch“ und „intensiv“ beschrieben. Die Band selbst hat sich für ihren Sound den Begriff „Skank-a-tronicpunkadelica“ ausgedacht. Dass solche extravaganten Bezeichnungen meistens interessanter klingen als die Musik, die dahinter steckt (so auch hier), darüber wollen wir mal (wieder) hinwegsehen. Für eine ausgelassene Party-Sause im Molotow sind Hoffmaestro allemal gut.
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Dieter Laser, Mathieu Carrière und Ulrich Bähnk in einem komödiantischen Drama unter Männern – noch bis zum 20. Dezember in den Hamburger Kammerspielen.
Max, Paul und Simon kennen sich seit einer Ewigkeit. Beim Pokern ergehen sie sich über ihre Arbeit, ihre Frauen und alles, was ihnen über die Leber läuft. Männerabende. Als Simon eines Abends verspätet erscheint und stammelt, er habe gerade seine Frau im Affekt getötet, stehen die drei Männer und Regisseur Jean-Claude Berutti vor einer echten Herausforderung. Paul und Max diskutieren darüber, ob sie ihrem Freund ein Alibi liefern sollen. Vom Plot her ein lupenreiner Thriller, präsentieren die Kammerspiele Éric Assous Stück Unsere Frauen als ein komödiantisches Drama, doch im Laufe des Abends klärt sich das Bild, denn das Irritierende erweist sich als Folge der Darstellung einer tragischen Unvereinbarkeit: der von Ratio, Moral und Liebesbanden. Familienangehörige müssen vor Gericht nicht gegen die Ihrigen aussagen, doch wie ist es mit alten Freunden, die dreißig Jahre lang ihre Leben geteilt haben? Die Inszenierung vertraut auf das Rampengespür von Dieter Laser, Mathieu Carrière und Ulrich Bähnk. Zwar mag die angesichts des abgründigen Dilemmas gebotene Spannung nicht recht aufkommen, doch das Komödiantische verfängt sich im Saal von der ersten Minute an und bleibt bis zum Schluss.
Bjarne Mädel putzt als „Schotty“ Schotte wieder Leichenreste weg. Die neue Staffel der Serie läuft im NDR, am 17. Dezember in einer Doppelfolge.
Ausnahmsweise an dieser Stelle ein nordischer TV-Tipp: Mittwochs laufen die neuen Folgen vom Tatortreiniger im NDR. Der Schauspieler Bjarne Mädel (gebürtiger Hamburger) spielt Heiko „Schotty“ Schotte, der darauf spezialisiert ist, Leichenreste wegzuputzen. Sein trockener Humor und die unnachahmliche Situationskomik der Serie bringen einen fast dazu, in die Hose zu pieseln. Und das bei einem Thema, mit dem man ja eigentlich nicht zu tun haben will. Das findet auch Bjarne Mädel: „Ich setze mich nicht gerne mit dem Tod auseinander. Außerdem ist das nicht so leicht, du kannst nicht einfach einen Putzlappen nehmen und Leichenreste beseitigen. Du musst dich mit Chemikalien und Bakterien auskennen.“ Der Schauspieler freut sich schon wieder auf die Zeit, wenn die Staffel abgedreht ist: „Ich bin froh, wenn der Walross-Bart und die Matte ab sind. Wieder ganz kurz Mensch sein.“ Im TV ist der „Schnubbi“ noch dran und am 17. Dezember ab 22 Uhr in zwei Folgen Tatortreiniger zu bestaunen.
Tipp: Wer den Termin verpasst, geht am folgenden Sonntag in den Grünen Jäger. Hier laufen nach dem Tatort die neuen Folgen des Tatortreiniger.
240 Designer, Künstler und Handwerker bieten auf der Besuchermesse ihre Waren feil, inklusive Street-Food-Market und DJ-Beschallung.
Stille Nacht, heilige Nacht? Das war gestern. Zum zweiten und letzten Tag der Besuchermesse Holy.Shit.Shopping geht es am 14. Dezember wieder in die Hamburg Messehallen. Diese werden zum Pop-Up-Kreativkaufhaus, vollgestopft mit 240 jungen Labels (Foto: Happy Boyz) aus Hamburg, Deutschland und Europa. Die vorweihnachtliche Designplattform, die erstmals 2004 in Berlin stattfand und seit 2006 auch regelmäßig in Hamburg zu Gast ist, vereint Mode, Schmuck, Möbel- und Produktdesign, Kunst, Fotografie und Literatur. Ein Street-Food-Market lädt zum Probieren verschiedener Leckereien ein und mehrere DJs geben dem Ganzen mit ihren Beats und Sounds einen hippen und festlichen Rahmen. Mit einem Glühwein in der Hand lässt es sich so entspannt dem Weihnachtsstress entfliehen. Und als Quelle der Inspiration für wirklich originelle Geschenke ist Holy.Shit.Shopping allemal gut.
Die vier Hochhäuser am Klosterwall könnten bald abgerissen werden. Trotz Denkmalschutz. Jetzt kämpft eine Initiative für den Erhalt.
Vor über 50 Jahren setzte Hamburg ein Zeichen der Moderne: der City-Hof – vier strahlend weiße, entlang des Geesthangs gestaffelte Scheiben. Mittlerweile sind die einstigen Schwäne der Nachkriegsarchitektur zu hässlichen Entlein verkommen. Auch wenn der City-Hof seit 2013 denkmalgeschützt ist, auf Empfehlung der Finanzbehörde steht das Areal am Klosterwall zum Verkauf – mit Option zum Abriss. Bis zum 4. Februar 2015 dürfen Gebote abgegeben werden. Wahrscheinlich wäre die ganze Aktion tatsächlich ohne großes Aufsehen über die Bühne gegangen, wäre da nicht Marco Alexander Hosemann. Der Architekturstudent hat sich zum Tag des Denkmals mit den City-Hof-Häusern beschäftigt und kommt zu dem Schluss: „Gebäude werden nicht unter Denkmalschutz gestellt, weil sie besonders schön oder alt, sondern weil sie einzigartig und ein bedeutender Teil unserer Geschichte sind“, so Hosemann. „Es braucht immer ein bisschen Zeit, bis man die Qualitäten einer vorangegangenen Epoche erkennt.“ Die jetzigen Entscheider haben den Abstand dazu wohl noch nicht. Gut, dass die nächste Generation aktiv wird: Hosemann hat eine Initiative zum Erhalt gegründet. Am 13. Dezember findet der zweite Aktionstag der City-Hof-Initiative statt: Alternative Visionen werden diskutiert und vorgestellt. Als Gast dabei: der Hamburger Architekt Volkwin Marg – Anmeldung per E-Mail ist bis zum 11. Dezember erforderlich.
Niemand weiß, was am Sonntag in der Astra Stube passiert. Nicht mal die auftretende Band. Passierzettel sind Meister der Improvisation.
Tabula rasa in der Astra Stube: Bei jedem Konzert der Hamburger Band Passierzettel ist völlig ungewiss, was passiert. Seit ihrer Gründung weigert sich die Formation auf so etwas wie Songs festzulegen oder eine klare Bandstruktur zu umreißen. Stattdessen wird einfach Musik gespielt, so wie sie kommt. Meistens bewegt sich der Sound im Feld von Krautrock, Psychedelic, New Wave und Dub. Dazu stoßen regelmäßig Künstler anderer Professionen und so verbindet sich die Musik mal mit Lyrik, mal mit Licht und mal mit Bewegungen. Was uns nun am Abend in der Astra Stube erwartet, lässt sich somit nicht vorhersehen. Aber wer ein weißes Blatt dabei hat, kann sich sicher sein, es mit Leidenschaft eingefärbt wieder mit nach Hause zu nehmen.
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Die Musikbar in der Silbersackstraße feiert ihre Unsterblichkeit oder zumindest ihr zehnjähriges Jubiläum mit vielen Ständchen vom Folk-Duo The Burning Hell.
Jubiläen regen gerne zum Nachsinnen an – Bilanzen werden gezogen, Geschenke gemacht, Reden geschwungen und reichlich applaudiert. Diesen allzu förmlichen Teil wird man sich in der Hasenschaukel mit Sicherheit sparen. Stattdessen stößt man überschwappend mit den Gläsern darauf an, dass die kleine Musikbar in der Silbersackstraße mittels Crowdfunding vor ihrer Schließung bewahrt wurde. Ein kleines bisschen Unsterblichkeit schwingt da also mit in diesem Jubiläum. So kommen an diesem Samstagabend alle Freunde dieser Puppenstube für Nachtmenschen zusammen, um dem Folk-Duo The Burning Hell zu lauschen, dass eigentlich ein Quintett ist, aber gerne auch nur zu zweit auftritt. Weitere Programmpunkte sind eine Tombola, diverse DJs und anderes Pi-Pa-Po.
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In New York machte sich die Künstlerin zunächst mit Lichtinstallationen einen Namen, inzwischen ist sie auch mit ihren eigenen Elektro-Tracks unterwegs.
Es gibt jene Leute, deren Fähigkeiten auf langem Training basieren. Die sich an etwas festbeißen, bis sie Meister ihres Faches sind. Und es gibt jene, die machen erst dieses, dann jenes und rammen trotzdem jedes Mal mit der Messlatte ein neues Loch in die Decke. Deniz Kurtel gehört zur zweiten, scheinbar völlig unbeschwerten Variante. Das Ökonomiestudium im Rücken, hübschte sie zunächst mit ihren Installationen die Partys vom DJ- und Veranstalter-Duo Zev Eisenberg und Gadi Mizrahi auf. So macht sie sich schnell einen Namen in der New Yorker House-Szene und produzierte schließlich eigene Tracks. Sphärisch und groovy klingt ihr Sound, sehr tanzbar. Einen klassischen Quereinstieg ins DJing nennt man das wohl. Wie erfolgreich sie am Mischpult sein würde, das konnte Kurtel wohl zunächst selbst kaum geglaubt. Wenn sie auflegt, kümmert sie sich mittlerweile gleichzeitig um die Lichtkreationen der jeweiligen Party, die nun eben perfekt zu den eigenen Tracks passen. Am 13. Dezember besucht sie Hamburgs neuen Elektro-Club in der Talstraße, die Villa Nova.
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Verspielter Wahnsinn: Wolfram Lotz’ Stück in der Inszenierung von Christopher Rüping läuft am 16., 19. und 30. Dezember im Thalia in der Gaußstraße.
Die lächerliche Finsternis geht als Radioshow per Stream um die Welt. Geschrieben als Hörspiel, ist es vom Thalia Theater als spielfreudiges Bühnenstück inszeniert. Die fünf furiosen Darsteller gebärden sich, singen und moderieren auf ihrer rauschhaften Fahrt durch einen Dschungel in die Abgründe von Krieg und Globalisierung. Sie wenden sich immer wieder an die Zuschauer und verwickeln sie in ein perfides Spiel um Nachrichtenweisheit und Betroffenheitskultur, Michael Jackson inklusive. Das macht richtig Spaß. Ein wenig Günter Eichs Träume, sehr viel Coppolas Apocalypse Now, im Kern Joseph Conrads Herz der Finsternis. Regisseur Christopher Rüping praktiziert mit den Schauspielern formalen Pluralismus und den fortlaufenden ästhetischen Bruch, man geht ihnen schnell auf den Leim und lacht mit. Doch ebenso schnell vergeht das Lachen. Wolfram Lotz’ Stück zeigt eine neokoloniale Wirklichkeit aus geschäftstüchtigen Blauhelmsoldaten und höflichen somalischen Piraten und spielt mit dem lächerlichen Urgrauen vor dem Fremden. Von der Unmöglichkeit, aus privilegierter Perspektive die Lebenswirklichkeit eines Piraten zu verstehen, gleitet es umstandslos zu dem Unvermögen, das Allernächste zu verstehen. Menschwerdung und Menschsein ist das Ziel, am Ende fallen doch fast alle dem Wahnsinn anheim.
Das Künstlerkollektiv Ligna inszeniert auf Kampnagel ein historisches Ereignis, zu dem es nie gekommen ist.
Singuläre Wahrheiten waren noch nie so sehr Behauptung wie heute. Doch das Leben braucht Träume, es braucht Utopien. Das Künstlerkollektiv Ligna probt in Die große Verweigerung die imaginäre Wendung eines historischen Ereignisses: Was wäre gewesen, wenn der Erste Weltkrieg dem Aufruf zum europaweiten Generalstreik auf dem Kongress der Zweiten Sozialistischen Internationale 1914 in Wien nicht zuvorgekommen wäre? Keine Geschichtsklitterung soll betrieben werden, sondern Reenactment fiktiver Geschichte als Akt der Befreiung zu einer alternativen Realität unter neuen Bedingungen. Was bedeutet eine Totalverweigerung für das Politische und das Kollektiv? Ligna steht insbesondere für Teilnehmertheater und Performances, die sich mit der Spannung zwischen Kollektiv und Individualität beschäftigen und in denen die Teilnehmer die Konsequenzen ihres Handelns am eigenen Leib erfahren. Dieses Mal machen sie das Publikum zu lauschenden Akteuren. In einer phasenweise fast hörspielartigen Inszenierung werden diese zu Verfolgern ihrer ganz eigenen Audiospur.