Im Stück „Zwischenfälle“ werden Fragen gestellt, die jeden beschäftigen. Zum Beispiel: Ist es eine Zumutung, jeden Morgen pünktlich im Büro sein zu müssen?
„Ein Fest genialer Schauspieler“ urteilte die Süddeutsche Zeitung über Andrea Breths Stück Zwischenfälle am Wiener Burgtheater. Über 50 verschiedene Fragmente aus unterschiedlichen Textvorlagen werden darin kunstvoll zusammengebracht: Kurzszenen und Improvisationen der Autoren Daniil Charms, Georges Courteline und Pierre Henri Cami gehen auf amüsante und sehr spezielle Weise Fragen des Alltags nach. Beispiele gefällig? Voilà: Was hat es zu bedeuten, dass zwei Menschen gleichzeitig von einem Dach fallen? Ist es nicht eigentlich eine Zumutung, dass man jeden Morgen pünktlich im Büro zu erscheinen hat? Lässt sich der persönliche Glaube auf einer Waage messen? Besteht die Gefahr, dass die britischen Inseln in den Ozean hinaustreibt? Um hier ein paar Antworten zu finden, schlüpfen zehn Darsteller in beinahe 90 Rollen. Das furios gefeierte Stück ist heute im Rahmen des Hamburger Theaterfestivals zu sehen.
Die Musikwelt frisst der Newcomerin mit jamaikanisch-spanischen Wurzeln aus der Hand, und sie dankt es ihr mit mysteriös-durchgestylten Auftritten.
„The artist formerly known as twigs“… Die drei Buchstaben zu Beginn ihres Künstlernamens sind das Zugeständnis an bereits vergebene Namensrechte, natürlich eine Spur ironisch: Zwar macht Tahliah Barnett mit ihrem elektronischen Minimal-R’n’B seit rund einem Jahr von sich reden, doch erst seit dem Debüt LP1 kann man ihr getrost Bekanntheit unterstellen. Die Musikerin aus dem englischen Gloucestershire nimmt die Ideen, die vom gut abgehangenen Genre Trip-Hop noch frisch erscheinen, und packt sie in soulige Stop’n’Go-Popmusik. Barnett begann ihre Karriere mit 17 als Tänzerin, Körperlichkeit und Bewegungsdrang steckt ebenfalls in ihren Songs, wenn auch in entschleunigten Geräuschballaden statt Tanzflächenkrachern. Man kann ruhigen Gewissens behaupten: LP1 ist eines der wichtigsten Alben des Jahres, auf dessen Live-Umsetzung man mit Sehnsucht warten warten darf.
Text: Thorsten Moor
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Jeden dritten Sonntag im Monat kann man in der Zinnschmelze das Spielkind in sich rauslassen und sich beispielsweise durch den Nachmittag siedlern.
Wer behauptet, Gesellschaftsspiele sind uncool, ist doof. In vielen Menschen schlummert ein Spielkind. Das zuzugeben, fällt nicht leicht, wenn man sich eigentlich über seinen Style definiert. Also lieber bedeckt halten mit der Leidenschaft für Würfel, Holzfiguren und Karten? Dann ist der 19. Oktober die beste Gelegenheit, um die Reisetasche mit Kartons zu füllen auf denen Qwirkel, Die Siedler von Catan, Ubongo sowie Ligretto steht und Inkognito mit der S-Bahn in Richtung Barmbek zu fahren. Hier, in der Zinnschmelze, trifft man sich ab 14 Uhr zum 223. Barmbeker Spieletag. An jedem dritten Sonntag im Monat findet das Event im Hamburger Nordosten am Museum der Arbeit statt. Hier wartet eine wahnsinnige Auswahl an Spielen. Um den Überblick nicht zu verlieren, steht der Spielesammler und Spielpädagoge Andreas D. Meyer für Fragen und Tipps bereit – insbesondere, wenn man nicht durch kompliziertes Regelwerk steigt.
„Morgens immer müde“ kennt jeder. Das charmante Quartett aus Berlin präsentiert die Songs seines neuen Albums „Wechselt die Beleuchtung“.
Ist es noch zeitgemäß, eine Band, die aus Frauen besteht, als „Frauenband“ zu titulieren? Bedeutet diese Art von Extra-Benennung nicht immer auch ein bisschen Ausschluss aus der Normalität? Ach, ist doch egal, werden die meisten sagen. Denkfaul lebt es sich halt besser. Die Band Laing kommt aus Berlin, hat viele XX-Chromosomen im Blut und mindestens einen veritablen Hit im Gepäck, nämlich Morgens immer müde (2012) mit den charmanten Zeilen: „Ich bin morgens immer müde / aber abends werd ich wach / morgens bin ich so solide / doch am Abend werd ich schwach.“ Die diesjährige Tour führt das Quartett ins Imperial Theater, wo es die Stücke seines neuen Albums Wechselt die Beleuchtung in prunkvoller Kulisse vorstellen wird. Anfang nächsten Jahres ist die Band kurz vor Tourabschluss erneut in Hamburg zu sehen – dann aber im abgerockten Gruenspan.
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Der Düsseldorfer Singer/Songwriter mit dem süßen Namen präsentiert die Lieder seines dritten Albums „It’s Not A Hummingbird, It‘s Your Father‘s Ghost“.
Die Assoziation „süß und klebrig“ ist für seine Musik eher unpassend, aber was soll er machen? So heißt er halt: Stefan Honig. Der Singer-Songwriter aus Düsseldorf hat soeben sein drittes Album veröffentlicht, es trägt den schönen Titel It’s Not A Hummingbird, It‘s Your Father‘s Ghost. Der gelernte Erzieher hat mittlerweile seinen Beruf an den Nagel gehängt und macht nur noch Musik – dass er es jetzt wissen will, kann man auf der Platte hören: Seine Folksongs klingen auf einmal viel größer, von Skizzen ist er zur großen Leinwand gewechselt. Da ist es auch nur folgerichtig (und kaum wahnsinnig), wenn er beim Haldern-Pop-Festival mit 14-köpfiger Band auf der Bühne steht, wie dieses Jahr geschehen. Mal säuselt er, mal kann er bärig grollen – einigen wir uns auf „bittersüß“. Und dran hängen bleibt man doch auch irgendwie.
Text: Michael Weiland
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Eine innige Liebe zu schrägen Kontaktlinsen und musikalisches Durchhaltevermögen zeichnen den Rapper aus LA aus.
Würde man einen Diss gegen Marcus Jamal Hopson aka Hopsin formulieren wollen, gäbe es diverse Angriffspunkte, einen Bereich müsste man jedoch weiträumig umschiffen: den Willen, sein Ding durchzuziehen. In Panorama City, einem Stadtteil von Los Angeles, aufgewachsen, hat sich Hopsin nach seinem Schulabbruch zunächst als Schauspieler versucht. Vergeblich. Mit einem acht-Dollar-Mikrofon von Walmart und Fruity Loops tüfftelte er dann in seinem Keller so lange an seinen Rapskills herum, bis er Ruthless Records überzeugen konnte, sein erstes Album Gazing At The Moonlight zu veröffentlichen. Doch fiel das Feedback eher mäßig positiv aus, was Hopsin auf die unzureichenden Promomaßnahmen des Labels zurückführte und einfach mal sein eigenes Label aus dem Boden stampfte: Funk Volume. Er veröffentlichte zwei Alben, erklärte der US-amerikanischen Raplandschaft in Sag my Pants was er von ihr hält („I have no favorite rapper because all of you suck“) und zeigt, dass man manchmal besser sein eigenes Ding durchzieht.
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Wer schon einmal in Neuseeland war, kriegt beim Gedanken an die Landschaft feuchte Augen. Der perfekte Soundtrack dafür sind Balladen in der Hasenschaukel.
In der neuseeländischen Heimat verlieh man der sechsköpfigen Band Bannermann 2012 den NZ Music Award und nominierte sie für den Silver Scroll – einer der wohl wichtigsten Auszeichnungen für Songwriter. Die Kombo zog nach Berlin und schrumpfte infolge dessen auf vier Mitglieder. In verkleinerter Besetzung widmete man sich nun vor allem dem großen, dramatischen Songwriting, das in seinen düsteren Momenten an Nick Cave erinnert. Gitarre, Drums, Bass, Posaune – dieser atmosphärische Folk-Rock hält einen mit zwei großen Händen fest und lässt einen erst wieder los, wenn man ausgeträumt hat. Als Supportact der Tiny Ruins spielten sich Bannermann bereits im Mai 2014 ins Bewusstsein einer größeren Hörerschaft. Bevor sie zu bekannt werden für kleine Clubs, sollte man dringlich noch einmal solch einen intimen Konzertmoment nutzen, wie er am Sonntag ansteht, in der Hasenschaukel.
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Lou Barlow, langjähriger Bassist bei Dinosaur Jr., hat sein legendäres Indie-Rock-Trio reaktiviert und präsentiert neue Songs im Rock Cafe St. Pauli.
Dass Sebadoh nicht bloß als Indie-Nostalgie-Act durch die Lande touren müssen (etwa wenn mal wieder ein klassisches Album 20 Jahre alt geworden ist), stellten sie letztes Jahr klar: Defend Yourself war das erste Studioalbum der Band nach 14 Jahren. Erstaunlicherweise klang es sogar mehr nach ihnen selbst als The Sebadoh von 1999: nämlicher roher und emotionaler. Lou Barlow gründete die Band in den Achtzigern in Massachusetts, einfach als Blitzableiter für die Frustration, die er als Bassist in Dinosaur Jr. unter der Knute seines Bandkollegen J Mascis verspürte. In Jason Loewenstein fand er wenig später einen kreativen Partner, dessen Songs die Band ebenso formten wie seine eigenen. Zusammen schufen sie grandiose Platten wie Bubble & Scrape (1993), Bakesale (1994) oder Harmacy (1996) mit unprätentiösem und dennoch ungemein eigenem Gitarrenrock, der noch immer keine Alterserscheinungen trägt.
Text: Michael Weiland
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Das Hamburger Indie-Label feiert sein 10-jähriges Bestehen. Live dabei: Talking To Turtles, The Dope, Max Paul Maria und Sea Wolf.
Sea Wolf, Talking to Turtles (Foto), The Dope und Max Paul Maria – sie alle stehen auf der Liste der Acts, die in der Jubiläumsshow auftreten werden, um den Geburtstag ihres Labels zu feiern: DevilDuck Records. Das Indie-Label kann seit diesem Jahr auf eine zehnjährige Historie zurückblicken und möchte dies im Nochtspeicher mit einer großen Show gebührend feiern. 2004 von Jörg Tresp in Hamburg gegründet, zeichnet sich das Label – neben vielen Künstlern aus den Staaten und dem UK – vor allem durch seine große Vorliebe für Indie-Klänge aus Skandinavien aus. Doch auch aus Deutschland stammende Bands wie This Void oder Naked As We Came – beide spielten in Hamburg zuletzt auf dem Daughterville vor großem Publikum – finden sich im DevilDuck-Roster. Dass man es als Independent-Label nicht immer leicht hat, ist neben dem Spaß und der Freude in all den Jahren ebenso Teil des Resümees, welches nach zehn Jahren Bestehen gezogen wird. Umso schöner ist die Nachricht, dass der erfolgreichste Künstler des Labels, Sea Wolf, extra aus Kalifornien vorbeikommt, um live zu spielen und mit anzustoßen. Auf die nächsten zehn Jahre.
Text: Jannis Hartman
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Das Hamburger Künstlerduo „We Are Visual“ präsentiert sich erstmals mit Soloarbeiten im Gängeviertel, Raum linksrechts.
Das Gängeviertel wird als Kunstort immer spannender. In der letzten Ausstellung im Speckhaus waren bis zum 12. Oktober die Werke von sechs Künstlern zu sehen, die sich den Menschen auf ganz unterschiedliche Art einverleibt hatten: Cordula Ditz ließ ihre Protagonistinnen auf Videostills vor geschwärztem Hintergrund durch Raum, Zeit und einen Strudel an Verweisen stürzen, während Jürgen von Dückerhoff mit dem menschlichen Makel spielte und Isabell Kamp (Foto) den Körper in Keramiken in seine Bestandteile zerlegte. In der Ausstellung Lost Found And Stolen von den Installations- und Aktionskünstlern We Are Visual, denen Hamburg die Um-Etikettierung des Apple Stores am Jungfernstieg in einen Microsoft-Laden zu verdanken hat, die temporäre Kapriole-Galerie und brüllende Tyrannosaurus Rex vor den Bonzenhochhäusern in der HafenCity, arbeiten Marc Einsiedel und Felix Jung im Raum linksrechts erstmals getrennt und schauen, was am Eröffnungstag passiert. Die Ausstellung geht bis zum 7. November.