Manchmal hat der HipHop-Veteran „in der Birne den Wurm drin“, viel häufiger jedoch allerlei gekonnt verdrehte Worte.
Gäbe es ein musikalisches Äquivalent zum HH-Kennzeichen? Flowin Immo könnte es in vergoldeter Version um den Hals tragen. Schließlich steht bei Wikipedia, er sei „einer der Veteranen“ des Genres HipHop. Schwer verdrehte Worte, Geräuschfolgen und verwirbelte Themenzusammenhänge sind seine Spezialität. Zudem seit Neustem – wobei er damit exakt die Fusion 2013 meint – die multinationale Backingband The Hoo, die noch einmal einen umfassenden Anbau am Apothekerschrank der Genre-Zugehörigen von Flowin Immo bewirkt hat. Seit Mai 2014 gibt es mit Geschlossene Gesellschaft ein neues Album, das unter die Leute gebracht werden möchte. Übrigens: Ursprünglich kommt Flowin Immo aus Bremen. Hier gründete er mit Ferris MC und DJ Pee Anfang der 1990er Jahre die Gruppe F.A.B., Freaks Association Bremen. Ferris zog später nach Hamburg. Flowin Immo ging nach Berlin und gab Rap-Kurse in Thailand.
Text: Miriam Mentz
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Beim ersten Nachtflohmarkt in der Fabrik verkauft der Clubkinder e.V. fesche Retro-Ware und lässt vor allem die 1990er wieder aufleben.
Eurodance, Plastikschnuller, Knight Rider, Beverly Hills 90210, Gameboy, Walkman, Kassetten und VHS, Stefan Raab und Vivasion, Neon-Farben, Telefone mit Schnur, Slime Monster-Knete, Windows98, Lava-Lampen … Die 1990er waren ein geschmackvolles Jahrzehnt. Der Verein Clubkinder e.V. nutzt den neuen Nachtflohmarkt der Fabrik, um gespendete Habseligkeiten zu verkaufen, die vor dem Jahrhundertwechsel die Menschheit unterhielten. Clubkinder Flohmarkt ’99 – nennen die umtriebigen Kulturlinge diese Aktion. Vor allem Dinge aus den 1990ern sind hier vertreten aber auch die Vorgängerjahrzehnte haben ihre Lobby. Die Einnahmen werden gespendet. Am 18. Oktober startet um 20 Uhr der Verkauf in der Ottensener Location, um 1 Uhr werden die letzten Stände abgebaut. Alle Verkaufsplätze sind bereits ausgebucht – dann muss man sich halt mit der Rolle des Käufers begnügen. Es gibt Schlimmeres …
Die Hamburger Formation veröffentlicht ihr neues Album „Alles für Alle“ und lädt zur großen Release-Party in die Ottensener Fabrik.
Es gibt wohl nicht viele Bands, die behaupten können, an nur einem Wochenende auf dem Hurricane Festival in Scheeßel, bei einem Empfang des Bundespräsidenten und auf einem Event der Jesus Freaks live gespielt zu haben. Station 17 können hinter diesem Tripel jedoch einen Haken machen – auch wenn das vermutlich nie ein formuliertes Ziel war. Es kommt nicht von ungefähr, dass die Formation aus Hamburg – die 1988 von Bewohnern mit und ohne Handicap der Wohngruppe 17 der Evangelischen Stiftung Alsterdorf ins Leben gerufen wurde – solch besonderen Ereignisse reihenweise verbuchen kann. Längst ist das Projekt nicht mehr als soziale Unternehmung zu verstehen, sondern zum Sammelbecken musikalischer Träume und Ideen geworden, die sich irgendwo im Wirkungskreis experimentellen Indierocks zusammenfinden – konkret auf dem neuen Album Alles für alle und der dazugehörigen Releaseparty in der Fabrik!
Text: Miriam Mentz
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Mitra Gaast schrieb ein Buch über eine alte Frau, die beim Backen darüber nachdenkt, wie die Iranische Revolution ihre Familie berührt und verändert.
In ihrem literarischen Debüt erzählt die Kölner Autorin eine Familiengeschichte zu Zeiten der Iranischen Revolution und verknüpft raffiniert politische Ereignisse mit persönlichen Lebensentwürfen. Tragisch und schön ist das Ritual ihrer Hauptfigur, der achtzigjährigen Banu Halwa, die jedes Mal, wenn es einen Todestag zu betrauern gibt, etwas backt und ihre süßen Kreationen in der Nachbarschaft verteilt. Banu Halwa lebt in Teheran, inmitten der iranischen Revolution, inmitten des Krieges. Beim Backen geht sie in sich, kommt zur Ruhe, reflektiert den politischen Ausnahmezustand ihres Landes, wie er ihre Familie verändert hat, das Leben ihrer Kinder und Enkel prägt und berührt: Der Eine will als Arzt Leben retten, die Anderen möchten einen unbeschwerten Familienalltag leben und gehen weite Wege, um ihr Glück zu finden. Mitra Gaast liest am 17. Oktober aus ihrem Debütroman Schatten in Teheran in der W3, Werkstatt für internationale Kultur und Politik. Man darf gespannt sein, wie die einfühlsame Sprache des Buches klingt, wenn man sie aus dem Munde der Autorin hört.
Der Genre-Tausendsassa hat sich bei seinem Rock-Ausflug leicht im Ton vergriffen. Sei’s drum: Der Beginner-Kopf ist live ’ne Wucht.
Zum Popstartum gehört es auch, Grenzen auszuloten. Etwa für ein Video im weißen Anzug übers Heavy-Metal-Festival zu laufen und „Wacken“ auf „Spacken“ zu reimen. Der PR-Stunt dürfte Jan-Delay-Fans allerdings mehr provoziert haben als die Metalheads, die dort immerhin schon Heino und Roberto Blanco ausgehalten haben. Hammer und Michel, die als Rock-Album angekündigte jüngste Soloplatte des Genre-Tausendsassas, hat sich leider irgendwie im Ton vergriffen: Was als Fingerübungen in Reggae, Soul und Funk ganz gut klappte, ist als Gitarrenbrett musikalisch wohl einfach zu weit weg für Jan Delay. Wie gut er sein kann, wenn er in seinem Element ist, bewies der Hamburger erst neulich mit seiner alten HipHop-Combo Beginner in der Roten Flora, wo er mit den Kollegen DJ Mad und Denyo noch einmal fachgerecht das Schulterblatt zerlegte. Aber verständlich ist auch: Immer nur Komfortzone ist langweilig. Darum Hut ab für die Experimentierfreude, auch wenn mal was danebengeht. In der O2-World hat Jan Delay seine bewährte Begleitband Disko No. 1 dabei, die dem Zeremonienmeister durch alle Sperenzchen treu zur Seite steht. Das mag nicht mehr der Jan sein, dem man 2001 den Satz „Ich möchte nicht, dass ihr meine Lieder singt“ vorbehaltlos abkaufte – als Mehrzweckhallen füllender musikalischer Entertainer macht er seine Sache aber immerhin auch ganz gut.
Text: Michael Weiland
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Ruede Hagelstein (Watergate, Berlin) und Oliver Rado (Nochtwache, Klubkind) bringen Clubber unter die Erde – in den Keller des Nochtspeichers.
Auf seinem Tourplan stehen Städte wie Mailand und London. Die Electro-Nummern Sweaty Balls oder Emergency haben ihn auch als Produzent bekannt gemacht: Die Popularität von Ruede Hagelstein (Foto) reicht ohne Zweifel über die Grenzen seiner Wahlheimat Berlin hinaus. Es ist also nicht weiter verwunderlich, dass der „House und Hof“-DJ des Watergate Clubs auch das Publikum der Hansestadt begeistern will. Für Patlac ist der Abend hingegen ein Heimspiel – auch wenn sich der Hamburger Techno- und House-DJ nicht weniger international umtriebig zeigt. Welch Glück also, dass beide die Zeit gefunden haben, in die Kellergewölbe auf dem Kiez hinabzusteigen und im Rahmen der Reihe Durch die Nocht das Partyvolk in der Nochtwache in Ekstase zu versetzten.
Text: Jannis Hartmann
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Zur exquisiten Deephouse-Party „Weald“ im Uebel & Gefährlich hat sich der große Soundbastler Hendrik Weber angekündigt.
Elektronische Geschmackssicherheit ist in Hamburg ein Five-Letter-Word: Weald. Im nahenden Herbst, wenn das Blau im Wasser versinkt und das Grau langsam seinen Platz einnimmt, werden die euphorischen Fanfaren ins Winterlager gepackt und reibendere, nachdenklichere Klänge aufgefahren. Idealbesetzung dafür: der große Pantha du Prince, der mit einem Live-Set Minimal, Electronica und Experimentelles vereint. Sets von Hendrik Weber alias Pantha du Prince sind immer ein Spektakel. Jedoch nicht zwangsläufig eines zum Fäuste recken. Beim nächsten Abstecher nach Hamburg könnte der Soundbastler gerne seine zwei Freunde, den Gitarristen Scott Mou und den norwegischen Drummer Bendik Hovik Kjeldsberg mit einpacken. Als The Triad probiert sich das Trio gerade aus. Hendrik Weber dazu im Gespräch mit dem Webmagazin Spin: „This is the test phase. It’s prep for a new album to be released some time next year.“
Text: Marco Fuchs
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Eine Fotoschau im Museum für Kunst und Gewerbe beschäftigt sich mit Reichtum und Protzerei – von der Jahrhundertwende bis zu den „Rich Kids of Instagram“.
Ein Tänzchen im Louis-Vuitton-Bikini am hauseigenen Riesenpool, Sushi im Privatjet auf dem Weg zum Beyoncé-Gig … Als der Blog Rich Kids of Instagram 2012 startete, auf dem die reichsten Sprösslinge der Welt zeigen, wo der goldene Hammer hängt, mischte sich Bestürzung mit Amüsement, Empörung mit großem Staunen. Da begann auch Esther Ruelfs, seit 2012 Leiterin der Sammlung für Fotografie am Museum für Kunst und Gewerbe, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Die Ausstellung mit ihrem wunderbar frechen Titel Fette Beute, der Gedanken an Raubzüge und Gier anklingen lässt, nimmt bereits Stellung, leuchtet aber auch andere Positionen aus – und klopft, auf der Suche nach Bildmustern und Klischees, Fotografien zurück bis zur Jahrhundertwende ab. Die gezeigten Arbeiten reichen dabei von Bill Brandts Beobachtungen des Londoner Alltagsleben von Arm und Reich, die um 1930 entstanden, bis zu Sébastian Valielas Drohnenkameras, die er über die Villen von Stars wie Will Smith oder Pamela Anderson kreisen lässt. Ein spannendes Thema, hochaktuell, politisch und bisher – im Gegensatz zu der Darstellung von Armut in der Fotografie – kaum beachtet. Gut aufgehoben ist es in Hamburg auch. 42.000 Millionäre leben in den Hansestadt, und das ist deutscher Rekord. Die Vernissage findet am 16. Oktober um 19 Uhr statt.
Zwei Hip-Hopper aus Augsburg machen auf ihrer Europatournee einen Zwischenstopp im Molotow. Support: Ancient Mith aus Denver, Colorado
Dieses Hip-Hop-Duo aus Augsburg spielt Rap Music, die laut Veranstalterinfo ausgesprochen amerikanisch anmutet. Ob das an sich ein Qualitätskriterium darstellt, sollen andere entscheiden. In der Tat klingen die Tracks von Dot und Mr. Feat allein schon wegen der englischsprachigen Texte nicht gerade wie Deutschrap á la Fünf Sterne Deluxe, Aggro Berlin und so weiter. Gelegentlich bewegen sich Blindspot mit Sitar-Einsätzen und Dub-Reggae-Anklängen sogar in indische und jamaikanische Gefilde, was ihre Musik umso internationaler erscheinen lässt. Ihre umfangreiche Europatour durch Deutschland, Tschechien, Frankreich und die Schweiz führt sie unter anderem am 16. Oktober ins Molotow. Im Vorprogramm wird der US-Rapper Ancient Mith alias Braden Smith erwartet, der allein mit Laptop und Mikro aufzutreten pflegt.
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Die Münchner Alternative-Rocker legen auf ihrer „Sacrifice to Venus“-Tour einen lauten Halt in der Markthalle ein.
Nach drei Jahren gibt es seit August nun also wieder ein neues Emil-Bulls-Album. Sacrifice to Venus heißt das Werk, mit dem sich das Münchner Quintett zurückmeldet – sofern man überhaupt davon sprechen kann, dass sie je weg waren. Schließlich gehören die Emil Bulls immer noch zu den Bands, die wohl nie müde werden, ihre Musik vor allem live auf die Club- und Festivalbühnen zu bringen. Nun jedoch auch wieder einmal inklusive 15 neuer Songs im Gepäck, einem neuen Plattenlabel im Rücken und sicherlich auch der ein oder anderen Veränderung im abendlichen Konzertablauf. Wo wir schon bei Veränderungen sind, können wir auch gleich zum Gegenteil kommen: Wie gewohnt, stolpern die Konzertbesucher nach diesem Abend glücklich und verschwitzt aus der Markthalle heraus. Dafür sorgen harte Gitarren, wildes Gemosche und gelegentlich eine Ballade für das Gefühlsgleichgewicht.
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