Kluger Diskurs: Sieben Studierende der Hochschule für bildende Künste Hamburg arbeiteten mit den Klimaforschern der Universität Hamburg zusammen.
Gegensätze ziehen sich ja bekanntlich an. So auch das kreative und das forschende Gewerbe. Im Rahmen des Kooperationsprojektes Wissenschaft trifft Kunst traten Studierende der Hochschule für bildende Künste (HfbK) und Klimaforscher des Exzellenzclusters CliSAP in den Diskurs. Man wollte herausfinden, ob eine interdisziplinäre Zusammenarbeit funktioniert, ob man aneinander vorbeiredet oder dieselbe Sprache spricht. Vor einer Woche präsentierten die Künstler ihre Abschlussarbeiten im Rahmen einer Ausstellung, nun sind die Wissenschaftler an der Reihe. Sie laden am 16. Oktober zum Symposium und beleuchten das Projekt unter anderem aus Klimaforschungs-, kulturwissenschaftlicher und kuratorischer Perspetive. Eine literarische Reflexion steuert der Schriftsteller Dirk C. Fleck (Autor der Öko-Thriller Das Südsee-Virus und Das Tahiti-Projekt) bei. Um 19 Uhr führen die Wissenschaftler durch ihre Ausstellung, anschließend darf während der VJ-Performance von Alice Peragine getrunken und gefeiert werden.
Das breite Spektrum des queeren Kinoschaffens flimmert noch bis zum 17. Oktober in Form von 150 Kurz- und Langfilmen über Hamburgs Leinwände.
25 Jahre – das ist eine Zeitspanne, in der sich gesellschaftlich vieles getan hat, und – wenigstens in urbanen Räumen – für junge Schwule und Lesben einiges zum Besseren entwickelt. Dafür ist etwa in Sachen Transphobie und auf dem Weg zur Selbstverständlichkeit verschiedener Geschlechterauffassungen noch einiges an Arbeit zu leisten. Die LSF leisten seit einem Vierteljahrhundert hervorragende Arbeit: beim Abbau von Vorurteilen und für das Gemeinschaftsgefühl einer vielseitigen Community. Und natürlich werden nicht zuletzt Jahr für Jahr klasse Filme gezeigt. Zum Geburtstag zeigen die Lesbisch Schwulen Filmtage in 150 Kurz- und Langfilmen bis zum 17. Oktober das breite Spektrum queeren Kinoschaffens – zu sehen im Metropolis, Passage, Studio, B-Movie und in der Roten Flora, darunter sowohl aktuelle Produktionen als auch Klassiker wie Hedwig And The Angry Inch (Foto). Am 16. Oktober findet um 17 Uhr ein Workshop mit Laura Méritt im Kultur- und Medienzentrum Bildwechsel statt. Die Betreiberin von Sexclusivitäten, Mediatorin und Kommunikationswissenschaftlerin beleuchtet unter dem Aspekt der sexuellen Selbstbestimmung das Thema Frauenkörper neu gesehen.
Der Projektkünstler Stefan Weiller erfragte von Hospiz-Bewohnern auf St. Pauli ihren Soundtrack des Lebens. Daraus ist nun ein Musikabend entstanden.
Mitten auf St. Pauli, dort wo Tag und Nacht das Leben tobt, gibt es einen Ort, der sich mit dem Tod beschäftigt: das Hospiz von Hamburg Leuchtfeuer. Dort finden schwerkranke Menschen Raum, um mit ihrer Krankheit möglichst eigenständig zu leben und in Würde zu sterben. Seit 2007 betreibt die Stiftung auch das Lotsenhaus in Altona, das unter anderem Angehörige in ihrer Trauer begleitet. Weil für die Hospiz-Arbeit Spenden benötigt werden, lädt Hamburg Leuchtfeuer zum Benefiz-Konzert … und die Welt steht still … in die St. Michaelis-Kirche. Projektkünstler Stefan Weiller erfragte dafür in den letzten Jahren von Hospiz-Bewohnern ihren Soundtrack des Lebens – Lieder, die sie in besonderen Momenten begleitet oder geprägt haben. Es entstand eine bewegende Sammlung aus Songs, von Klassik bis Pop, und Geschichten, die nun von zahlreichen Musikern, darunter der Franz-Schubert-Chor Hamburg und der Posaunenchor St. Michaelis, vorgetragen und interpretiert werden. Durch den Abend begleiten die Schauspieler Gustav Peter Wöhler und Marion Martienzen.
Text: Julia Braune
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Ein Abend, der überwältigend intim werden dürfte. Moonface alias Spencer Krug präsentiert seine neusten Werke im Nochtspeicher.
Der Kanadier Spencer Krug hat viele Gesichter. Man könnte seinen Namen berechtigterweise mit Wolf Parade, Sunset Rubdown, Frog Eyes oder Swan Lake zusammenbringen und ganze Musikgeschichten dazu verfassen, doch bleiben wir im Hinblick auf den Mittwochabend bei einem anderen: Moonface. Seit 2010 nutzt Krug diesen Namen vor allem für jene musikalischen Ergüsse, die er zu Hause entwickelt und aufgenommen hat. Das klingt angenehm instrumental. Die inzwischen fünf Veröffentlichungen weisen alle einen konzeptionellen Experimentalcharakter auf und zeigen, was passiert, wenn man an Ideen festhält und sie so lange weiterplätschern lässt, bis sie sich eigenständig vervollständigen und verfestigen. Mit dem Album Julia With Blue Jeans On und der kürzlich fertig gestellten EP City Wrecker hat er gleich zwei Werke aus dem letzten Jahr im Gepäck, die er im Nochtspeicher präsentieren wird.
Text: Miriam Mentz
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Einer der einflussreichsten Fotografen Großbritanniens gastiert für einen Vortrag in der Freien Akademie der Künste in Hamburg.
Hoher Besuch in den Deichtorhallen. Der Freundeskreis Photographie hat den britischen Fotografen Martin Parr eingeladen, der durch seine Fotos von stinklangweiligen Autobahnen ebenso berühmt wurde wie durch seine Porträts exzentrischer Briten, die weißfleischig am Strand vor sich hin braten, oder Neureichen, die sich in zu enge Satinkleider quetschen. So bitterböse wie humorvoll sind seine Arbeiten und es ist ein Spaß, ihn selbst darüber reden zu hören. „Wenn die Leute beim Betrachten meiner Bilder gleichzeitig weinen und lachen, dann ist das genau die Reaktion, die die Bilder auch bei mir hervorrufen. Die Dinge sind weder grundsätzlich gut noch schlecht. Ich bin immer daran interessiert, beide Extreme darzustellen.“ Ursprünglich in den Deichtorhallen/Haus der Photographie angekündigt, wurde die Veranstaltung kurzfristig wegen der großen Nachfrage in die benachbarten Räumlichkeiten der Freien Akademie der Künste in Hamburg verlegt.
Das Hamburger Duo, bestehend aus Patrick Kuse und Peter Wiese, spielt seinen „Brat-Pop“ im Music-Club Live an der Fruchtallee.
Aussenborder gibt es seit 1998, anfangs als vollständig besetzte Band, mit Bass, Gitarre, Schlagzeug und Gesang. Nach diversen Besetzungswechseln beschlossen Patrick Kuse und Peter Wiese, zu zweit weiter zu machen. Auch von mehreren Rechtschreibreformen haben sie sich nicht beeindrucken lassen, sonst müssten sie den Bandnamen mittlerweile mit einem ß anstatt ss schreiben. Das nennt man wohl künstlerische Freiheit. Auch ihr Sound hat sich mit den Jahren kaum verändert. Sie nennen es „Brat-Pop“, man könnte auch modernen Deutschrock dazu sagen, wenn der Begriff nicht so fürchterlich abgenutzt wäre. Egal, denn letztlich haben sich Aussenborder schon in so viele Herzen spielen können, dass es ihren Fans völlig gleich sein dürfte, wie man den Stil ihrer Lieblinge bezeichnet. Auf jeden Fall rocken die beiden genauso gut wie in voller Viererbesetzung.
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Will man die Songs der Dänin einordnen, dann bitte zwischen die Schubladen Klassik und Pop. Da treffen Piano-Klänge und gezupfte Geigen-Passagen auf wütendes Cello.
Absolute Stille ist ähnlich beeindruckend wie laute Musik: Die Gedanken beginnen zu strömen, nutzen den Raum, kreieren Bilder und Ideen. Und wenn man nun Musik über die Stille legt – so vorsichtig, dass keiner der beiden Teile kaputtgeht? Und wenn man das Naturgesetz einmal vergisst, dass Stille und Musik genauso wenig nebeneinander existieren können, wie sich zwei gleichgepolte Magneten aneinander schmiegen würden? Dann lässt sich in etwa so das Gefühl beschreiben, das in einem keimt, wenn die Dänin Agnes Obel ihre Lieder präsentiert. Genau in einem solch unwirklichen Raum müssen sie gewachsen sein, ihre Songs, die so zurückgenommen und dennoch so groß sind, die zwischen Pop und Klassik schweben, die gezupfte Geigen-Passagen und wütenden Cello-Einsatz zusammenbringen. Am Ende eines Konzertabends weiß man da nicht, ob man eigentlich einer verkleinerten Philharmonie in Popmusiklaune oder einer Popmusikerin gelauscht hat, die in Erinnerungen an Philharmoniebesuche schwelgt.
Text: Miriam Mentz
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Das HipHop-Duo Minneapolis, Minnesota, präsentiert die Tracks seines aktuellen Albums, „Southsiders“, live im Ballsaal des Uebel & Gefährlich.
Seit zwanzig Jahren zählen Atmosphere, das HipHop-Duo um Rapper Slug (Sean Daley) und Produzent Ant (Anthony Davis) aus Minneapolis, Minnesota, zu den smarten, sensiblen und sozialkritischen Crews im Rapgame. Gleichzeitig richten sie den Blick bei ihren Alben immer mehr gen Live-Instrumentierung. Geradezu exemplarisch hierfür steht der Titeltrack ihres aktuellen Albums Southsiders: eine Nummer mit altem Vintagesound, polterndem Drumspiel und einer omnipräsenten, sich über alles legenden verzerrten Gitarre. Stark. Live bevorzugen sie hingegen häufig die alte Schule – ohne großes Brimborium. Soll uns recht sein. Atmosphere klingen immer dope. Auf ihrer North of Hell betitelten Europatournee zur Präsentation des neuen Albums legen Slug und Ant einen Zwischenstopp im Ballsaal des Uebel & Gefährlich ein.
Text: Jan Kahl
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Wummernd und doch filigran: Der Elektropop dieses Trios zählt zum Besten, was Dänemark zurzeit musikalisch zu bieten hat.
Im April dieses Jahres spielten die Nordmannen zuletzt im Mojo Club. Die Garderobe war bunt, die Beats hibellig, der Gesang tragend. Ihr Auftritt demonstrierte eindrucksvoll, dass dieses Elektropop-Trio zurzeit einfach zum Besten gehört, was Dänemark musikalisch zu bieten hat. Und das nicht nur vom Plattenteller, denn WhoMadeWho machen vor allem auch live großen Spaß. Der Sound ist dann deutlich gitarrenlastiger. Und das steht auch den Tracks des aktuellen Albums Dreams (2014) außerordentlich gut. Es ist der nunmehr sechste Tonträger, den der Sänger und ausgebildete Jazz-Gitarrist Jeppe Kjellberg, Sänger und Bassist Tomas Hoffding sowie Drummer Tomas Barfod gemeinsam mit filigran wummernden Stücken ausstatteten. „I’m on the right track!“, heißt es da in den Lyrics von Track Nummer 2. Ihr habt ja so Recht.
Text: Lena Frommeyer
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Mit „Der Russe ist einer, der Birken liebt“ feierte Olga Grjasnowa ein erfolgreiches Debüt. Im Literaturhaus liest sie aus ihrem neuen Werk „Die Unschärfen einer Ehe“.
Eine Ehe kann vieles sein und nicht selten ist sie alles andere als eine gut funktionierende, auf monogamer Liebe basierende Beziehung zwischen zwei Personen. Im neuen Roman der in Baku geborenen und in Berlin lebenden Autorin Olga Grjasnowa ist sie zunächst einmal so etwas wie ein Pakt zwischen den beiden Protagonisten Leyla und Altay, der vielleicht an die Beziehung zweier Freunde oder eines Geschwisterpaares erinnert und beiden die Freiräume einräumt, die sie auf der Suche nach dem, was Liebe und Leben ausmacht, begleitet. Leyla ist Balletttänzerin und musste ihre noch junge Karriere am Bolschoi-Theater in Moskau auf Grund einer Verletzung fürs Erste beenden, Altay arbeitet als Arzt. Leyla verliebt sich in Jonoun, die mit ihrem gelebten Chaos das Gegenteil ihres eigenen Lebensstils verkörpert, Altay erinnert sich seiner Liebe zu Männern. Die Erzählung spielt wechselnd in Berlin und der ehemaligen Sowjetrepublik, schwankt zwischen Momenten einer gefühlten Freiheit, Eifersucht und übertriebenen Disziplin und macht es sich zu keinem Moment leicht mit dem, was Liebe – zwischen wie vielen auch immer – eigentlich bedeuten kann.