Erst in Buchform, dann als Film und nun auch im Theater: In der Buslinie 13 wird der Charakter von Wilhelmsburg sichtbar – auch die Probleme durch Gentrifizierung.
Bedingt durch Großprojekte wie die IBA und die Internationale Gartenschau war das öffentliche Interesse an Wilhelmsburg in den vergangenen zwei Jahren besonders groß und die Elbinsel wurde mit vielen Klischees aufgeladen. Welche Veränderungen das nach sich zieht, und welche Ängste das bei den Wilhelmsburgern auslöst, thematisiert der aus Kerstin Schaefers Magisterarbeit entstandene Dokumentarfilm und nun auch das Theaterstück Die Wilde 13. Vom Sitzen auf angestammten Plätzen. Regisseur Jan Gehler, der in Dresden lebt, möchte kein spezielles Wilhelmsburg-Stück zeigen. Es geht ihm um „Stempel und Masken“, die den Wilhelmsburgern von außen verpasst werden. Klischees werden mit tatsächlicher Lebenswirklichkeit vermischt und auch der Hype um die Vielfalt auf der Elbinsel wird kritisch beleuchtet. In dem Bühnentext von Olivia Wenzel werden collagenartig verschiedene Geschichten rund um das neue und alte Wilhelmsburg verwoben. Eine unheilvolle Schlüsselrolle spielt dabei die ominöse I. Zielinsky, die aus dem Bus heraus Wilhelmsburg als ziemlich exotisch erlebt … Das klingt nach einem hochaktuellen, fröhlich kritischen Beitrag zur stets aufs Neue entflammenden Gentrifzierungsdebatte. Die Premieren am 21. September um 16 und 20 Uhr sind ausverkauft. Im Anschluss steigt im Ballsaal eine Soulkitchen-Exil-Party.
China im Blick: Skulpturen des Pekinger Bildhauers Wang Shugang sind bis zum Januar 2015 im Ernst Barlach Museum Wedel zu sehen.
In Deutschland hat er gelernt, was es heißt, einsam zu sein, sagt der 1960 geborene Bildhauer Wang Shugang, der von 1989 bis 2000 im Ruhrgebiet lebte, bevor er nach Peking zurückging. Dennoch ist er hier immer wieder zu Gast, gehört zu den Künstlern der Berliner Galerie Alexander Ochs und bekam am 31. August im Ernst Barlach Museum Wedel den Ernst Barlach Preis 2014 verliehen. Seine Arbeiten, die sich um den Umbruch der chinesischen Gesellschaft drehen und darum, dass persönliche Freiheit immer auch den Verlust von Gemeinschaft bedeutet, gastieren in Wedel gleichzeitig mit dem Beijing Berlin Projekt (Foto), das eine verblüffende Ost-West-Zusammenarbeit zeigt. Die Ausstellung ist noch bis zum 11. Januar 2015 zu sehen. Ein guter Grund für einen kleinen Ausflug hinter die westliche Stadtgrenze Hamburgs.
Der Londoner Zeichner nimmt den Trubel auf Pauli zum Anlass, Hamburg einen Besuch abzustatten und spricht mit Dirk Schneider über sein „The Nao in Brown“.
Nao ist halb Japanerin und halb Engländerin, arbeitet in einem Spielzeugshop und als Designerin. Sie lebt in London, träumt von der großen Liebe und ertappt sich selbst immer wieder dabei, wie sie darüber fantasiert, den Menschen auf der Straße Gegenstände ins Auge zu rammen oder sie vor die Bahn zu schubsen. Und Nao ist die Hauptfigur des ersten Autorencomics von Glyn Dillons, der zuvor lange als Storyboard-Zeichner gearbeitet hat, bevor er 2013 The Nao in Brown veröffentlichte und einige der renommiertesten Comicpreise der Welt, wie den Spezialpreis der Jury in Angoulême, einsackte. In seinem ersten Werk erzählt er die Geschichte von Nao als feinfühlige Liebesgeschichte, die zwischen Realität, Zwangsstörung und Wahn, zwischen genauer Beobachtungsgabe und Poesie schwankt. Bei seinem Besuch im Strips & Stories wird er sich mit dem Journalisten Dirk Schneider über die Facetten seines Debütwerks sowie sein momentanes künstlerisches Schaffen unterhalten. Im Anschluss wird Dillon zudem noch für Signaturen zur Verfügung stehen.
Im Rahmen des Reeperbahn Festivals projiziert das mobile Kino musikalische Kurzfilme an Hausfassaden. Zuvor läuft eine „German Pop“-Dokumentation im East Hotel.
Auch am letzten Tag des Reeperbahn Festivals werden Menschenmassen durch die Straßen und Gassen St. Paulis mäandern. Wer aufmerksam nach links und rechts schaut, den überrascht vielleicht eine Projektion. Das mobile Kino A Wall is a Screen nutzt auch in diesem Jahr diverse Fassaden auf dem Kiez als Leinwand. Wer die Flimmerer bei ihrer Tour begleitet, nimmt an einer Kombination aus Stadtführung und Filmnacht teil. Gezeigt werden Kurzfilme, die thematisch zum Clubfestival passen. Starttreffpunkt ist der Eingang zur Südtribüne vom Millerntorstadion. Wer sich zuvor bereits Musikfilm-technisch in Stimmung bringen möchte, schaut um 17.30 Uhr im East Hotel die Dokumentation Musik ist Trumpf von Thomas Röschner und Alfred Hackensberger über „German Pop“ der 1990er Jahre.
In der Anlaufstelle für Technik-Innovationen und gemütliches Kaffeetrinken treffen Töne auf Farben bei der Pop-up-Gallery von Patrick Hanke.
Hightech trifft Cappuccino: Das MakerHub in Altona ist gleichzeitig Café und Knotenpunkt für moderne Technik. Das junge Ehepaar Seda und Ali Jelveh serviert im Erdgeschoss Kuchen und einen günstigen Mittagstisch. In der oberen Etage werden 3D-Drucker und CNC-Cutter hergestellt und eine große Veranstaltungsfläche an kreative Macher vermietet, etwa für Vorträge von Start-ups. Auch Künstler stellen hier aus: Patrick Hanke eröffnet am 20. September im MakerHub seine Pop-up-Gallery. Bei den Bildern aus der Serie Eins von 20 treten die Techniken „Siebdruck“ gegen „Aquarell“ an. Mit einer beachtlichen Kollektion an Malwerkzeug – von einer Art Zahnbürste bis zum klassischen Pinsel – bringt er Abstraktes auf die Leinwand.
Bei der Vernissage treffen Töne auf Farben: DJ Felox (Foto), ein umtriebiger Soundbastler, den man aus dem Mandalay oder Mojo Jazz Café kennt, legt auf.
Text: Lena Frommeyer
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Das B-Movie zeigt Tobe Hoopers legendären Horrorstreifen aus dem Jahr 1974 in der digital restaurierten Originalfassung – und ungeschnitten.
Es gibt da diese tolle Dokumentation namens American Nightmare, in der Filmemacher wie George Romero, John Carpenter und Wes Craven über die Hintergründe ihrer radikalen Frühwerke Auskunft geben. „We wanted to create horror“, sagt dort einer von ihnen. Banale Aussage, aber treffender kann man es nicht formulieren. Gesagt, getan: Als Paradebeispiel für einen mittlerweile 40 Jahre alten Film, der immer noch maßlos schockiert, steht Tobe Hoopers Texas Chainsaw Massacre – eine Geschichte um fünf junge Leute, die irgendwo in Texas in die Hände von kannibalistischen Landeiern geraten. Während vier von ihnen – nicht nur sinnbildlich gesprochen – im Laufe des Filmes zu Wurst und Schinken verarbeitet werden, gelingt Sally die Flucht – allerdings erst nachdem sie sich eine Dreiviertelstunde lang vor Entsetzen die Seele aus dem Leib (und dem Zuschauer einen Tinnitus ins Ohr) gekreischt hat. Viel Spaß!
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Imposant vorgetragener High-Speed-Wahnsinn: Unter dem Motto „Metal Fortress“ gastieren zwei Trios aus Hamburg in der Astra Stube.
Die Astra Stube an der Sternbrücken-Kreuzung ist eigentlich nicht gerade als Top-Location für brettharte Metal-Konzerte bekannt – sollte sie aber. Immerhin finden hier seit mehreren Jahren, stets am dritten Samstag im Monat, amtliche Baller-Abende unter dem Motto Metal Fortress statt. Im September sind mit Implore und The Ouroboroses zwei junge Trios aus Hamburg zu Gast, die sich in puncto Schnelligkeit, Durchschlagskraft und Intensität nichts schenken. Die Koordinaten heißen Death Metal, Crust- und Grindcore. Mit dem traditionellen Sound der jeweiligen Genre-Pioniere (Discharge, Napalm Death, Morbid Angel) hat dies hier aber nur noch am Rande etwas zu tun. War deren Spiel damals schon beeindruckend, hat sich bei heutigen Bands die Wahnsinnsspirale noch weiter nach oben geschraubt. Einfach nur schwer imposant, was da mittlerweile abgeht und mit welcher Inbrunst diese Leute ihre Instrumente traktieren.
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Der finnische Tango feiert in diesem Jahr seinen 101. Geburtstag. Zeit zum Feiern – mit finnischen Tangobands und DJs, Tanzkursen und einer mobilen Sauna.
Einmal bitte oben das Foto anschauen. Klischee bestätigt: Beim Festival FINtango ziehen Nordmänner blank, um in einer mobilen Sauna ihrem Schwitzritual zu frönen. Dabei steht hier eine ganz andere Ausdrucksform des finnischen Lebensgefühls im Fokus: der Tango. Die melancholisch-kraftvolle Musik hat in diesem Teil Skandinaviens eine lange Tradition, die auch im Ausland zelebriert wird. Zum zweiten Mal findet vom 19. bis 21. September in Altona FINtango statt, das einzige finnische Tangofestival außerhalb des Mutterlandes, initiiert von Tangomusiker Timo Valtonen. Die Hauptrolle spielen fünf finnische Tangobands – unter anderen die Musikerin Sanna Pietiäinen, die man aus dem Film Mitternachtstango kennt und die das Festival mit ihrem Konzert in Hamburg eröffnet – zudem Tanzkurse, finnische DJs und eine Ausstellung. Diese zeigt, warum ausgerechnet die Finnen zur zweitgrößten Tango-Nation der Welt wurden.
Text: Lena Frommeyer
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Das vielköpfige Kollektiv aus Saarlouis improvisiert seinen psychedelischen Krautrock live im Westwerk. Außerdem dabei: Pretty Lightning und Jetzmann.
Einen krasseren Kontrast zum Reeperbahnfestival kann man sich gar nicht geben (es sei denn, man geht am Freitag, den 19. September zum Death-Metal-Fest ins Bambi Galore). Jenseits des allgemeinen Trubels auf dem Hamburger Kiez findet im Westwerk ein Musik-Abend statt, der dem gewöhnlichen Pop-Mob ein Greuel wäre. Improvisation steht auf dem Programm: Dataschock sind eine 8- bis 10-köpfige Gruppe aus Saarlouis, die sich der krautrockartigen Improvisation verschrieben haben und bei ihren Auftritten auch mal das Publikum in das Musizieren miteinbezieht – kollektive Freak-outs nicht ausgeschlossen. Vorher spielt die Dataschock-Splittergruppe Pretty Lightning ihren psychedelischen Heavy Blues mit Bass und Schlagzeug. Dritter im Bunde ist an diesem Abend der Hamburger Jetzmann, der seinen Instrumenten und Maschinen improvisierte Loops und außergewöhnliche Rhythmen entlocken wird.
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Gehäkelte Mikrofone, Live-Siebdruck und eine Schule für Straßenkunst: Rund ums Clubfestival bieten 38 Kreativstationen etwas fürs Auge.
Einmal bitte nicht nur die Ohren, sondern auch die Augen aufsperren: Diverse urbane Künstler und Institutionen nutzen das Reeperbahn Festival, um sich zu präsentieren. So auch der Verein mit dem formschönen Namen Street Art School St. Pauli Karo Schanze, der seine Räumlichkeiten in der neuen Rindermarkthalle (Eröffnung, 18.9.) ab 15 Uhr für den Publikumsverkehr freigibt. Im Selekta Reggae Record Shop an der Bernhard-Nocht-Straße stellt Kiezfotograf Frank Egel unter dem Titel Catch of the day sein Fotologbuch der Nachbarschaft vor. In der Textilmanufaktur Frohstoff (Foto) wird man gar selbst zum Künstler, wenn man T-Shirts und den Jutebeutel nach dem Siebdruckverfahren mit bunten Reeperbahn-Monstern veredelt (12-19 Uhr, 5 Euro pro Druck). In der Galerie weissraumhamburg in der Wexstraße sind einige Mitglieder der Schlumper zu Gast und zeigen ab 15 Uhr unter anderem Figuren der Popkultur aus Keramik und gehäkelte Mikrofone. Und dies sind nur vier von 38 Kunststationen.