Die Band lädt einmal mehr zur Hafenrundfahrt mit Punkrock-Beschallung auf die MS Hedi. Ob da auch ein bisschen Hamburger Schule mitschippert?
Sie sind eine dieser Bands, die es geschafft haben, sich über viele Jahre hinweg gleichzeitig einen festen Platz in der Hamburger Musiklandschaft zu sichern und sich dennoch völlig aus dem großen Szenezirkus raus zu halten. Bereits in den späten 1990ern gründete sich das Quartett Spandau, plantschte immer mal wieder vergnügt im Nebenbecken der Hamburger Schule umher, brachte Alben raus, scharrte einen festen Fankreis um sich herum, veröffentlichte Alben und verzichteten auf jede Glitzerhaube, die sich anbot. Kennt man sie nicht, wäre es wohl am hilfreichsten zu lesen, dass sich ihre Musik zwischen Indie-Rock und so etwas wie Emo-Punk (im besten Sinne) bewegt. Hat man ihre Bandgeschichte weiter verfolgt, weiß man sowieso schon längst, dass ein regelmäßiges Konzert auf der MS Hedi schon feste Tradition ist und die Zeit für eine weitere beschallte Hafenrundfahrt wieder gekommen ist.
Patrick Salmen und Jan Philipp Zymny schmettern Wörter, Melodien und bewegte Bilder gegeneinander. So muss Poetry Slam!
Während sportlich bewanderte (oder vom Schulsport gezwungene) Personen im Rahmen des Dreikampfs für gewöhnlich sprinten, springen und Bälle oder Kugeln durch die Gegend werfen, widmen sich die Wettbewerbsteilnehmer dieses Abends lieber den drei bewegungsärmeren, jedoch keineswegs anspruchsloseren Disziplinen Film, Musik und Text. Während die beiden Gegenspieler Patrick Salmen, dessen Bart sich ausschließlich auf „hart“, keineswegs auf „zart“ reimt, und Jan Philipp Zymny, der eine besondere Begabung im Satzbau mit Futur III und Ultimativ mitbringt, in der filigranen Textarbeit nach unzähligen Poetry Slams bereits Meister ihres Faches sind, dürften die anderen beiden Kategorien für die ein oder andere Überraschung sorgen. Bewertet werden beider Mühen im übrigen von einer willkürlich aus dem Publikum zusammengestellten Jury, die nach Belieben über Ruhm und Abgrund entscheiden darf. Lasst die Spiele beginnen!
Text: Miriam Mentz
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Megan Biscieglia alias Bad Braids aus Philadelphia spielt zarten Songwriter-Folk-Pop in der Hasenschaukel.
Wie war das gleich? Über Musik zu schreiben funktioniert in etwa so gut wie zu Architektur zu tanzen? Dann würfeln wir die Zusammenhänge doch einfach einmal neu und versuchen über Musik zu schreiben, während wir an Architektur denken. Zum Beispiel an ein fast leeres Haus, das irgendwo an einem windstillen See steht, selbstredend in der Dämmerung, vermutlich in der abendlichen. Und nun stellen wir einen Stuhl und eine Gitarre in eines der Zimmer und warten ab was passiert. Möglicherweise könnten Melodien erwachen, wie sie Megan Biscieglia auf ihrem ersten Album vereint. Eben solche Melodien, die zwischen Songwriter-Pop und Folk, zwischen Gedankenverlorenheit und völliger Klarheit schwirren, und die es sogar schaffen könnten, dem Blick aus der Hasenschaukel auf die Silbersackstraße, auf Passanten und Bierdosen etwas geheimnisvoll Beruhigendes zu verleihen.
Text: Miriam Mentz
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Auf dem Weg nach oben macht der junge Singer/Songwriter aus London einen kurzen Halt in der Prinzenbar, um seine neuen Gitarrensongs vorzustellen.
Der junge Londoner veröffentlicht im September sein lange ersehntes Debütalbum The Fire Within, nachdem mehrere EPs seit 2012 vor allem zwei Dinge lehrten: Zum einen, dass im überfüllten Singer-Songwriter-Segment immer noch Platz für eine besondere neue Stimme ist, und zweitens, dass man unbedingt eine ganze Platte von dem Typen hören will. Luke Sital-Singh hat auf The Fire Within seine Palette behutsam erweitert, ohne gleich den ganzen Tuschkasten auf die Leinwand zu kippen – wenn seine Gitarrensongs jetzt ein bisschen aufwändiger arrangiert daherkommen, klingt das vor allem gut, nicht überladen. Beim Haldern-Pop-Festival musste Sital-Singh neulich spontan für den Durchstarter George Ezra einspringen, dem der ganze Rummel gerade ein bisschen zuviel wird. Wir wollen es nicht beschreien, aber: Ein Zuviel an Aufmerksamkeit kann demnächst ebensogut ihn treffen.
Text: Michael Weiland
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Vom Autounfall bis zu Zschäpes Zwangsehe: Das „Beste aus Zeitschriften, Zeitungen und Internet“ ist in den Deichtorhallen/Haus der Photographie zu sehen.
Wer für gutes Editorial Design etwas übrig hat und sich für spannende Magazinstrecken, innovative Kampagnen, packende Fotografie und eindrucksvolle Websites erwärmen kann, der sollte sich unbedingt die Ausstellung der Lead Awards in den Deichtorhallen/Haus der Photographie besuchen, die jedes Jahr das Beste aus Zeitschriften, Zeitungen und Internet krönen. Daniel Josefsohns umwerfend ironische Selbstbespiegelung mit dem Titel Am Leben, in der er im Zeit-Magazin sein Leben nach seinem Schlaganfall zeigt, ist hier ebenso zu sehen wie Steven Kleins Porträts des US-amerikanischen Pop-Musikers Kayne West, die Titanic mit ihrem Cover Zwangsehe für Zschäpe wie die Geschichte im SZ-Magazin 45 Prominente befragen Jogi Löw und die erschreckende Car Crash-Serie Zerstörend von Nicolai Howalt aus der Dummy Nr. 41.
Die Ausstellung ist noch bis zum 5. Oktober zu sehen.
Die Münchner Rapperin und TV-Moderatorin präsentiert ihr neues Album, „Alles leuchtet“, am 23. September live in der Prinzenbar.
Aus gutem Grund will seit mindestens 20 Jahren das Lamento über den Mangel an Musikerinnen im Pop-Business nicht verstummen. Klar, Madonna, Hole und Lady Gaga haben irgendwie Schule gemacht. Aber gerade in den klassischerweise männlich dominierten Genres (Metal, Rock, Hip-Hop – eben überall dort, wo ein gewisses Maß an Testosteron sich gern auch im Sound niederschlägt), stellen sich den breitbeinigen Typen immer noch zu wenig Ladies entgegen. Die Münchner Rapperin Fiva gehört zu den Ausnahmeerscheinungen im deutschsprachigen Hip-Hop. Sie ist seit Ende der 1990er am Start, hat mehrere Alben veröffentlicht, hat im Jahr 2012 am Bundesvision Song Contest teilgenommen und arbeitet derzeit unter anderem als Moderatorin für den Sender ZDFkultur. Kürzlich ist mit Alles leuchtet ihr neues Werk erschienen. Am 23. September stellt sie es in der Prinzenbar live vor.
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Göran Hugo Olssons Dokumentation über die afrikanischen Freiheitskämpfe der 1960er und 1970er Jahre läuft heute in Anwesenheit des Regisseurs im Abaton.
Frantz Fanon, gesprochen von Lauryn Hill: Der Theoretiker des antikolonialen Befreiungskampfes liefert den Hintergrund für einen Dokumentarfilm des Schweden Göran Hugo Olsson über die afrikanischen Befreiungsbewegungen der 1960er und 1970er Jahre. Bei der Berlinale wurde Concerning Violence mit dem Cinema-fairbindet-Preis honoriert: „Durch die Verbindung von Frantz Fanons historischem Text über Kolonialismus, eindrucksvoll gesprochen von Lauryn Hill, mit einzigartigem Archivmaterial entsteht ein überzeugender und poetischer aktueller Film. Der Regisseur hat ein beeindruckendes Werk geschaffen, indem er komplexe theoretische Ideen in kinematographische emotionale Erfahrung umsetzt. Er eröffnet uns zugleich überraschende Erkenntnisse über die heutige Welt. Der faszinierende Film zeigt uns, dass Gewalt weiterhin eine zentrale gesellschaftliche Herausforderung ist“, so die Begründung der Jury.
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Die (durchaus sehens- und hörenswerte) Big Band der Hamburger Polizei schmettert ihre Evergreens im Musikpavillon Planten un Blomen.
Hab die zufällig mal live gesehen, ausgerechnet auf Helgoland, und zwar vor sehr vielen Jahren. Waren gar nicht so schlecht, wie man vorher vielleicht erwartet haben mag (die Hamburger Feuerwehr-Kombo, die direkt im Anschluss gespielt hat, war übrigens auch ziemlich okay). Das Wort „Orchester“ führt hier allerdings etwas in die Irre, es war nämlich eher eine klassische Big Band. Im Programm hatten die so manchen Italo-Schlager, wie zum Beispiel Marina von Rocco Granata oder Adriano Celentanos Buona Sera Signorina. Und selbst deren Sänger hat hierbei nicht versagt. So viel Swing und Liebe zum musikalischen Material hätte man den Beamten gar nicht zugetraut. Wie man sich doch täuschen kann … Also: Wer dem schmetternden Sound einer Big Bband grundsätzlich etwas abgewinnen kann, sollte am Sonntag, den 21. September, den Musikpavillon in Planten un Blomen aufsuchen, um dem Polizeiorchester zuzuhören. Der Eintritt ist frei.
Balkan-Elektro-Beats und Videoanimationen von tanzenden Bauarbeitern machen die Barkasse Hedi heute zur Tanzfläche für Kinder.
Wer sagt denn, dass auf Hedi immer nur Erwachsene ihren Spaß haben dürfen? Also liebe Kinder, poliert eure Tanzschuhe, schnappt euch einen ausgewachsenen Menschen eurer Wahl und geht auf die Kinderparty vom Datscha Projekt. Was das ist? Das Wort „Datscha“ kommt aus Russland und bezeichnet in etwa das Gleiche wie die deutsche Kleingartenlaube: eine Behausung im Grünen, in der man sich erholen kann. Das Datscha Projekt will osteuropäische Musik und Lebensfreude in Deutschland bekannter machen. Die zugehörigen DJs und VJs aus Hamburg, St. Petersburg und Moskau bedienen sich dafür abgefahrener Live-Soundsyteme und Videoanimationen. Erwarten darf man die „Musik der russischen Kneipenorchesterkinder, Balkan Electro, Franzosenpolkas und Swing“, optisch unterstützt durch „schimmelreitende Schönheiten, singende Hasen und fliegende Bauarbeiter“ auf den Leinwänden. Summa summarum heißt das: „Tanzen bis zum Sandmännchen!“ Die Barkasse legt jede volle Stunde von den Landungsbrücken aus ab.
Präzises Gitarrengebretter jenseits von Genregrenzen: Page Hamiltons Band spielt die Songs des dritten Helmet-Albums, „Betty“, live im Knust.
Als Genregrenzen noch eine gewisse Restbedeutung hatten, also zuletzt so in den Neunzigern, verwirrte die New Yorker Band Helmet mit ihrer Version von harter Gitarrenmusik: Die Songs, die Bandkopf Page Hamilton mit seinen Mitstreitern entwarf, waren nicht Metal, nicht Prog, nicht Hardcore, nicht Grunge. Deren Anhänger konnten sich dennoch irgendwie auf das präzise Gebretter einigen, das damals seinesgleichen suchte – und bis heute nicht gefunden hat. Betty, das dritte Album von 1994, ist eine der ewigen Konsensplatten des US-Alternative-Rocks, Finesse und Wucht sind hier in seltener Ausgewogenheit zu finden. Zum 20. Geburtstag der epochalen Langspielplatte geht Hamilton mit zu Klassikern gewordenen Songs wie Wilma’s Rainbow und Milquetoast auf Tour. Von ihm abgesehen sind dabei keine Original-Mitglieder in der aktuellen Helmet-Besetzung zu hören. Zu verschmerzen, seine Gitarre spielt eh seit jeher die erste Geige.
Text: Michael Weiland
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