Der Autor kommt für das Harbourfront Literaturfestival nach Hamburg und spricht mit Bücherkenner Markus Gasser über Pflichtlektüren.
Lektion fürs Leben. Niemals den Schriftsteller Daniel Kehlmann (Foto) fragen: „Wo kommen Sie auf diese genialen Ideen?“ In seinem Roman Ruhm schuf er eine Figur namens Leo Richter, einen neurotischen Berufskollegen, der von eben diesem Satz so genervt ist, dass er, sein Gegenüber verfluchend, stets dieselbe karge Antwort hervorbringt: „Badewanne.“ Ob das autobiografische Züge hat? Der österreichische Literaturwissenschaftler Markus Gasser wird’s wissen. Schließlich hat er mit Das Königreich im Meer. Daniel Kehlmanns Geheimnis eine überaus interessante Studie über den Schriftsteller geschrieben. Im Rahmen des Harbourfront Literaturfestivals findet am 26. September ein Gespräch zwischen den beiden Männern der Worte statt. Austauschen werden sie sich auch über Markus Gassers neuestes Werk Das Buch der Bücher für die Insel, in dem er eine Auswahl von Romanen und Erzählungen aus unterschiedlichen Ländern und Epochen präsentiert, die Mensch gelesen haben sollte.
143 Filme aus 49 Ländern werden bis zum 4. Oktober in sechs Kinos gezeigt. Los geht es mit einem Beitrag über streikende Minenarbeiter und schwule Aktivisten.
Der kanadische Dokumentarfilmer Jean-Nicolas Orhon hat in Indien, Marokko, Frankreich, New Jersey und in seiner Heimatstadt Québec Menschen besucht, die in Armenquartieren, Zeltstädten und Barackensiedlungen leben – und dies mehrheitlich gerne tun. Sein Film Slums: Cities of Tomorrow preist „die Anpassungsfähigkeit und den Einfallsreichtum von Menschen, die ihre Behelfsbehausungen genau nach ihren Bedürfnissen bauen“. Leben wir bald alle in Slums? In Zeiten strapazierter öffentlicher Kassen macht der Regisseur sich auf die Suche nach alternativen Modellen sozialer Kooperation und selbstbestimmter Mobilität. Sein Film, der beim Filmfest Hamburg seine Deutsche Erstaufführung erlebt, ist charakteristisch für eine Auswahl, die neben spektakulären Premieren – wie in diesem Jahr von Fatih Akins neuem Film The Cut – in einer bewährten Mischung aus Unterhaltung und Information neben Glamour immer auch Erkenntnisse liefert, indem es an die sozialen Brennpunkte des Planeten führt. Als programmatisch dafür kann bereits der Eröffnungsfilm am 25. September im Cinemaxx am Dammtor gelten: Pride (Foto) ist ein britisches Feelgood-Movie, das auf herzerfrischende Weise von der Solidarität zwischen streikenden Minenarbeitern und schwulen Aktivisten im Wales des Jahres 1984 erzählt. Der Film wird erneut am 27. September im Passage Kino gezeigt – für die Vorstellung gibt es noch Karten.
Text: Anna Reclam
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Der Glasgower Songwriter liebt die leisen Töne und weiß, wie man aus ihnen Welten zusammenbaut – diesmal puzzelt er in der Hasenschaukel.
Gareth Dicksons Musik eignet sich nicht für einen kleinen Moment zwischendurch. Wohl kaum einer, der seine Musik beim morgendlichen Kaffeezubereiten in der Küche mal eben laufen ließe oder während der folgenden Zahnpflegeroutine. Gareth Dicksons Songs sind etwas für die Momente, die frei umherwehen, in denen man nicht auf die Uhr gucken muss, sondern die Gedanken treiben lässt. Gerne wird er mit Songwritern wie Nick Drake verglichen, was in Bezug auf sein äußerst talentiertes Fingerpicking stimmen mag, jedoch nicht berücksichtigt, dass Dickson vor allem die sich langsamen entwickelnden, tagträumenden Melodielandschaften schätzt, in denen sich wohl jeder verliert, wenn er es einmal geschafft hat, jedwede Eile beiseite zu legen und schlichtweg zuzuhören. Selbstredend ist die Hasenschaukel für dieses Konzert ein passender Ort und der Glasgower wird den plüschigen Raum bis in die letzte Sitzecke in seinen Bann spielen.
Text: Miriam Metz
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Mit „Spiel der Zeit“ findet dieser Tage der neue Roman von Ulla Hahn seinen Weg in die Buchläden. Zudem stellt sie ihn persönlich im Literaturhaus vor.
Die Geschichte von Hilla Palm beginnt in der Nachkriegszeit, in der katholischen, rheinländischen Provinz. In den ersten beiden Teilen der Trilogie erzählt Ulla Hahn von der erdrückenden Enge einer streng katholischen Familie, von der rettenden Kraft der Fantasie und von dem Versuch, einen Weg in die eigene Freiheit zu finden. Spiel der Zeit setzt die Geschichte des mit dem Deutschen Bücherpreis ausgezeichneten Das verborgene Wort und des Nachfolgers Aufbruch an der Stelle fort, wo Palm den Schritt in das Köln der 68er-Jahre wagt, die Provinz hinter sich lässt, die neuen Freiheiten auskostet und der ersten großen Liebe begegnet. Wie schon in den beiden Vorgängern verknüpft Hahn autobiografische Elemente mit fiktiven Momenten, das große Zeitgeschehen mit einer ganz persönlichen Geschichte. Am Donnerstagabend feiert mit Spiel der Zeit der letzte Teil dieser Trilogie mit der Lesung Ulla Hahns seine Premiere. Dorothea von Törne führt durch diesen Abend – für den leider bereits alle Tickets vergriffen sind.
Info-Veranstaltung zu antidemokratischen Inlandsgeheimdiensten, unkontrollierten V-Männern und fragwürdigen Ermittlungsmethoden.
Der Prozess um die Morde der neonazistischen Terrorzelle NSUist wahrscheinlich einer der gruseligsten Justiz-Fälle der deutschen Nachkriegsgeschichte. Und bis es zu einer für alle Klägerparteien wirklich befriedigenden Aufklärung kommt, werden wohl noch Jahre vergehen – wenn auch die volle Wahrheit niemals ans Licht kommen wird. Zu einem Blick in den Abgrund lädt DIE LINKE am 25. September in das Restaurant Feuervogel nach Altona, wo der NSU-Prozessbeobachter Friedrich Burschel in seinem Vortrag dem wohl größten Geheimdienstskandal in der Geschichte der Bundesrepublik auf den Grund gehen und über antidemokratische Inlandsgeheimdienste, unkontrolliertes V-Mann-Unwesen, eine brutale Nazi-Terror-Szene und fragwürdige Ermittlungsmethoden berichten wird. Des Weiteren wird die Bürgerschaftsabgeordnete Christiane Schneider ihre Argumente für einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss zum Mord an dem Hamburger Süleyman Taşköprü vortragen, den sich der Hamburger Senat bis heute weigert einzurichten.
Surf-Instrumentals, Garagen-Rock und Sixties-Pop: The Splashdowns und The Richmen versetzen den Hafenbahnhof zurück in die 1960er-Jahre.
Auf zum Hafenbahnhof, bevor der Sommer endgültig vorübergeht. Am 25. September lassen es dort nochmal zwei Bands krachen, deren Liebe zu Surf-Instrumentals und Sixties-Sounds nicht zu überhören ist. The Splashdowns sind eine Hamburger Retro-Institution, die zwar schon ein paar Jährchen auf dem Buckel und einige Besetzungswechsel hinter sich hat, aber immer noch frisch und locker klingt. The Richmen sind ebenfalls in den Sechzigern verhaftet. Ihr Repertoire umfasst zum Beispiel Songs wie American Ruse von den MC 5 oder Solomon Burkes Stupidity. Damit blickt das Quartett eindeutig über den Surf-Rock-Tellerrand hinaus. Ein launiger Abend mit Twang und Rumms ist also garantiert. Wenn dann noch das Wetter mitspielt, dürfte sich der Hafenbahnhof ein Mal mehr als eine der charmantesten Ausgehorte Hamburgs empfehlen…
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Schauspielhaus-Intendantin Karin Beier wandelt in ihrem Theaterstück auf den Spuren von (unbeholfenen) deutschen Auswanderern in Brasilien.
„Zucker nach Deutschland, Deutsche nach Brasilien!“ Der Hamburger Kolonisationsverein war ein großangelegtes Auswanderergeschäft. So entstand 1849 im brasilianischen Bundesstaat Santa Catarina eine deutsche Kolonie namens Dona Francisca, der Ursprung der heutigen Stadt Joinville. Und auch im Bundesstaat São Paulo, in Limeira oder Araraquara, war der deutsche Zuzug groß. Viele „Hamburger Pfeffersäcke“ machten sich in dem sonnengeküssten Land in Südamerika Fremdes zu eigen, nicht selten übergriffig und unbeholfen. Das erweckte das Interesse von Schauspielhaus-Intendantin Karin Beier. Gemeinsam mit ihrem Team begab sie sich auf eine Expedition nach Brasilien, um dort Spuren deutscher Auswanderer zu entdecken. So entstand Pfeffersäcke im Zuckerland, eine Menschenausstellung. Nicht nur thematisch treffen darin zwei Kulturen aufeinander. Es wirken sowohl deutsche als auch brasilianische Künstler mit und in São Paulo wurde das Stück bereits sehr erfolgreich unter dem Titel Brasilien. 13 Caixas auf die Bühne gebracht. Weitere Blickwinkel auf das Thema eröffnet ein extra für das Stück verfasster Text von der österreichischen Literatur-Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek. In Strahlende Verfolger geht die Schriftstellerin – sicher gewohnt angriffslustig – dem deutschen Wesen auf den Grund.
Die Uraufführung am 20. September ist ausverkauft.
Das Stück über die jüngste Menschenrechtsaktivistin der Welt feiert heute Premiere im Jungen Schauspielhaus in der Gaußstraße.
Einer der mutigsten Menschen unserer Zeit ist ein gerade einmal 16-jähriges Mädchen. Folgende Worte beweisen es: „Die Terroristen dachten, sie könnten unsere Ziele ändern und unsere Ambitionen stoppen, aber in meinem Leben hat sich nichts verändert, außer: Schwäche, Angst und Hoffnungslosigkeit sind gestorben. Stärke, Kraft und Mut sind geboren. Ich bin die gleiche Malala. Meine Ambitionen sind die gleichen. Meine Hoffnungen sind die gleichen. Meine Träume sind die gleichen.“ Seit 2008 setzt sichMalala Yousafzai für die Menschenrechte in ihrer Heimat Pakistan ein, indem sie, auf einem Blog für die BBC, über sie schreibt. Im Alter von 15 Jahren wurde sie von Taliban-Kämpfern niedergeschossen. Dennoch hielt sie an ihrem 16. Geburtstag vor den Vereinten Nationen eine Rede mit den zitierten Worten. Das Junge Schauspielhaus würdigt die wohl jüngste Menschenrechtsaktivistin der Welt mit dem Stück Malala – Mädchen mit Buch von Erfolgsautor Nick Wood in einer deutschsprachigen Erstaufführung. Hauptfigur des Stückes ist nicht etwa Malala selbst, sondern eine Autorin, die sich aus westlicher Perspektive mit dem Thema Mut und dem tapferen Mädchen, das 2013 für den Friedensnobelpreis nominiert wurde, auseinandersetzt.
Text: Katharina Manzke
Die deutschsprachige Erstaufführung am 24. September ist ausverkauft. Weitere Termine: 26., 30. September.
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Klingen wie Joy Division, aussehen wie The Cure: Ein junges italienisches Trio pflegt das Erbe von einflussreichen britischen Post-Punk-Gruppen weiter.
Na, das ist doch mal wieder ein erfrischender Bandname… Soviet Soviet haben sich 2008 in der italienischen Hafenstadt Pesaro gegründet. Ihre Mission: das Erbe von stilprägenden Post-Punk-Gruppen wie Joy Division und The Cure zu pflegen. Und das gelingt ihnen ganz gut. Hört man sich zum Beispiel den Song No Lesson aus ihrem Debütalbum Fate an, könnte man sich fast ins Jahr 1978 zurück versetzt fühlen: treibender Beat, knochiger Basslauf, bis dort hinaus verhallte Gitarre, dünne Knabenstimme. Auch der Style der drei schmalen Jungs – enge Jeans, Shirts oder bis oben zugeknöpfte Hemden, typische Wave-Frisuren – wirkt halbwegs überzeugend beziehungsweise einigermaßen geschmackssicher kopiert. Über MVHS, Soviet Soviets Support an diesem Abend, ist nicht viel bekannt. Ihr Name schreit nicht gerade nach einer Suchmaschine, die bei Soundcloud abgelegten Tracks tragen Titel wie Modestadt, Tempo und Neunzehnvierundachtzigeinhalb, und, tja, das Ganze klingt irgendwie auch ganz schön original, um nicht zusagen: alt. Aber „alt“ ist ja bekanntlich das neue „neu“…
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Im Rahmen des Habourfront Literaturfestivals klären der Musiker und das Künstlerkollektiv barner 16 über Ur- und Buchstabensuppe auf.
Hat mal jemand mitgezählt wie viele Geschichten auf dieser Welt schon erzählt wurden? Oder hat jemand einen Überblick darüber, wie viele neue wöchentlich, täglich oder stündlich dazukommen? Vermutlich nicht. Auch deswegen, weil sie doch alle irgendwie zusammenhängen, irgendwo gibt es doch immer diese Wendepunkte und Verstrickungen, wo dann doch alles wieder aneinanderklebt. Wenn man nun also nichts vernachlässigen möchte, bliebe nur eine Lösung: Man widmet sich einfach gleich der Weltgeschichte, also dem Handlungsstrang, in dem Raum und Zeit, Urknall und Urgroßväter, die Erfindung des Rollators und die der Buchstabensuppe zusammenfinden. Genau das haben das Künstlerkollektiv barner 16 und Jacques Palminger in Kooperation mit EUCREA Verband Kunst und Behinderung e.V. getan. In einer szenischen Lesung werden Fakten und Fiktion so lange gemischt und neu portioniert, bis alles einen Sinn ergibt. Oder keinen.