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Die Spams

Vier alte Jungs in Jeans, Oberhemden und V-Ausschnitt-Pullundern schmettern ihre Garagen-Beat-Punk-Soul-Nummern auf der Barkasse Hedi herunter.

Ihre Interessen: „Aale und spielen, spielen, spielen“. Musiker, die sie gut finden: The Monks, Jonathan Richman, Les Rita Mitsouko. So weit, so gut und ganz schön sympathisch. Die Spams sind vier Hamburger Herren im besten Alter, die davon überzeugt sind, dass die Welt besser wäre, wenn nur mehr Leute zu ihrer Musik die Hüften schwingen würden. Ihr Rock-’n‘-Roll/Garage-’n‘-Soul-Punk ist zwar retro bis dorthinaus, versprüht aber Charme und Witz. Bei ihrem letzten Auftritt, der im Hafenbahnhof stattfand, wurde Bassist Herr Rittersen verabschiedet und ein neuer Bassist namens Rocco vorgestellt. In neuer Besetzung gehts jetzt also auf die Hedi, um das „Leuchtfeuer am Garagenbeatpunk-Horizont“ (Selbstbeschreibung) auf die Elbe zu bringen. Oder wie es in der Sprache der Spams lautet: Knick-knack, zicke-zacke, let’s go! Dem bleibt nichts hinzu zu fügen.

 

Raumforscher im Westwerk

Gruppenausstellung am Fleet: Ein Fotograf, ein Objektkünstler und ein Maler beschäftigen sich auf unterschiedliche Weise mit Räumlichkeit.

The less you know the more you see – Wie wahr dieses Motto einer momentanen Ausstellung im Westwerk ist, kann jeder bestätigen, der sich Unbekanntem aussetzt und es mit großen offenen Augen entdeckt. Für die drei ausstellenden Künstler ist der Raum als solcher, bzw. Räumlichkeit, das Forschungsgebiet. Auf unterschiedliche Weise setzen sie sich mit Fragen auseinander, die diese aufwirft: Der aus Hamburg stammende Maler Swen Kählert beschäftigt sich mit Oberflächen. Er spürt ihre Beschaffenheit bis ins kleinste Detail auf und modelliert sie dann akribisch detailliert nach. Michel Lamollers Arbeiten führen von der Fotografie in die Dreidimensionalität. Der Künstler aus Berlin schneidet, schichtet und montiert seine Bilder zu Skulpturen, die er Layerscapes nennt – und fotografiert manche der Schichtungen erneut. Sowohl in Hamburg als auch in Berlin zu Hause ist Ulrich Riedel. Der Objektkünstler erschafft Skulpturen, die gleichermaßen massiv und fragil sind. Das Ornament und seine geometrischen Effekte stehen bei diesen im Vordergrund.

Text: Katharina Manzke

 

Veganes Hamburg

Der rein pflanzliche Vollsortiment-Supermarkt Veganz feiert seinen ersten Geburtstag und lädt zum Sonntagsbrunch in den Phoenixhof.

Sich vegan zu ernähren (oder zumindest darüber zu reden), ist zurzeit so angesagt, dass man manchmal aus Prinzip in eine Schweinshaxe beißen möchte. Doch das wäre nichts als falscher Trotz an falscher Stelle. Veganismus und Vegetarismus können, aber müssen nicht als Grundsatzfrage betrachtet werden. Der Tier- und damit auch unserer Welt, der Ökölogie und künftigen Generationen wäre schon geholfen, würde man den derzeitigen Konsum von Tierprodukten zumindest merklich reduzieren. Dabei kann es helfen, einen Blick in einen veganen Supermarkt wie Veganz zu werfen. Eine gute Gelegenheit hierfür ist das Sommerfest, das hier am Wochenende des 12. und 13. Julis ausrichtet und in dessen Rahmen am Sonntag zu einem großen Brunch eingeladen wird. Dieses Testessen geht von 10 bis 15 Uhr, es gibt eine Kochshow und eine Lesung. Um Anmeldung wird gebeten. Wir wünschen guten Appetit und einen bekömmlichen Sonntag.

 

Pudel Garden Live

Das Areal rund um den schrabbeligen Club am Fischmarkt wird zum Outdoor-Club für die zehnte Pudelei unter freiem Himmel mit sonnigen Jazztunes.

Kaffee trinken, spazieren gehen, Wäsche waschen – so verbringen Spießer ihre Sonntagnachmittage. Szenemenschen lassen sich unter freiem Himmel die Beats in die Glieder fahren, tanzen im Regen, trinken Bier, essen Würstchen und huldigen den Plattenpropheten am DJ-Pult. Klingt nach Pudel Garden Live – ist es auch, und zwar die zehnte Ausgabe der Feierei rund um den Golden Pudel Club. Der Park Fiktion, die zum Fischmarkt hinabführenden Treppenstufen und die schmale Betonbucht dazwischen werden zur Tanzfläche – zum Outdoor-Club, in dem sonnige Jazztunes durch die Gegend schwirren. Die kommen vom Felice Sound Orchester, das derzeit mit dem Elektroniker Viktor Marek, einem von Jacques Palmingers Kings Of Dub Rock, zusammenarbeitet. Aber auch die Berliner DJane Emika darf mal ran, sowie LC. Knabe und Rvds – eine herrliche Pudelei.

Text: Lena Frommeyer

 

Materialschlacht

Kunstausflug! Nach 45 Minuten Zugfahrt erreicht man Glückstadt und damit die Schau der in Hamburg lebenden Hoda Tawakol im Palais für aktuelle Kunst.

Hoden, die im schönsten Rosarot glänzen? Pinkes Candy? Eine Anspielung auf Eierstöcke? Auf keinen Fall aber einfach nur schnöde Ballons, die Hoda Tawakol in Nylon zur Skulptur Is that a gun in your pocket? übereinandergeschichtet hat. Sie ist schimmernder Fetisch und Zentrum ihrer Schau im Palais für aktuelle Kunst in Glückstadt. Verbergen, zeigen, maskieren oder sichtbar machen sind die Themen der gebürtigen Ägypterin, die in Hamburg lebt, elastisch sind oft ihre Materialien, die sie spannt, zerschneidet, löchert und mit denen sie Dinge umhüllt. Gleichzeitig mit dem Material-Collagisten Thorsten Brinkmann zeigt sie ihre Arbeiten. In zwei Einzelschauen, die sich gut wie eine gemeinsame ergänzen. Material ist zentrales Element, wird umgedeutet, neu arrangiert, vorgeführt, geneckt und zu etwas zusammengefügt, was es vorher nie war. Vor allem wenn Brinkmann sich in seinen Portraits of a Serialsammler als barocker Edelmann voller visueller Brüche präsentiert, mit verhülltem Kopf und Plastikmüll-Prothese und inmitten von Alltagsgegenständen. Im Palais verbindet er unter dem Titel Pose Poshly Positurs aktuelle Arbeiten zu den Themen Wagner und Kampf.

Text: Sabine Danek

 

Surf & Skate

Unter dem Motto „We bring surfing to the city!“ treffen sich Boardsport-Fans an der Elbe und feiern die Bretter, die die Welt bedeuten.

In Hamburg hat sich die Festivalreihe rund um den Surf- und Skatesport eine Location in authentischer Wassernähe gesucht: Mit direktem Hafenblick wird noch bis zum 20. Juli am Seaways Terminal dem Boardsport in allen Facetten gefrönt. Zum Surf- & Skate-Contest finden sich Größen aus allen Bereichen der Szene ein: Am Wochenende vor dem offiziellen Start wurde der König der Küste auf der stehenden Welle im Sportpark Bispingen gekürt. Skater kommen direkt auf dem Festivalgelände im Iriedaily-Skatepark mit Ankerplatzkulisse auf ihre Kosten. Neben den sportlichen Events bringen Konzerte, Ausstellungen, die Trade-Show, ein Nachtflohmarkt und internationale Filmpremieren das Lebensgefühl der Surfer und Skater in die Stadt – hier geht’s zum Programm. Die dazugehörige Party gibt’s am 19. Juli im unterirdischen Mojo Club: Hier heizt das Beginner Soundsystem mit seiner Mischung aus HipHop, Funk, Reggae, R&B und Elektro den Feierhungrigen ein.

Text: Alissa Schrumpf

Surf & Skate Festival Hamburg 2014 presented by Jever Fun – Teaser from HHonolulu Events on Vimeo.

 

Muttis Kinder

Die preisgekrönte A-Cappella-Truppe schmettert im Schmidt Theater nur mit der Kraft ihrer Stimmen Rock- über Pop- bis Klassik-Songs.

Als Muttis Kinder bezeichnen sich Claudia Graue, Marcus Melzwig und Christopher Nell. Wenn die selbst ernannten „viereiigen Drillinge“ tatsächlich eine Brut wären, müsste man ihren Eltern viel Humor und verbale Durchschlagskraft wünschen. Ihre Stimmen haben zusammengenommen nämlich solche Kraft, dass sie ein Einfamilienhaus schon mal zum Einstürzen bringen könnten. Doch das ist nicht die Absicht der drei Musiker aus Berlin und Dortmund. Stattdessen unterhalten sie ganz ohne Instrumente und sonstige Hilfsmittel volle Theatersäle. Die A-Cappella-Truppe hat vor allem Auftritte im europäischen Raum, reiste aber auch schon auf Festivals nach Taiwan und Singapur. Bei Wettbewerben haben die Musiker, deren Repertoire von Rock und Pop bis zu Klassik und Jazz reicht, schon viele Preise eingeheimst. Unter anderem gewannen sie 2013 den ersten Preis und den Publikumspreis beim A-Cappella-Wettbewerb in Ulm. Ins Schmidt Theater kommen Muttis Kinder mit ihrem Programm Zeit zum Träumen – Unveröffentlichte Hits.

Text: Katharina Manzke

 

Düsteres Wortpicknick

Im Musikpavillon in Planten un Blomen unterhalten Krimis und erotische Gedichte der Hamburger Schriftsteller Gunter Gerlach und Christian Maintz.

Duftende Blumen, rauschende Blätter und die laue, warme Abendluft – Planten un Blomen zählt wohl zu den lauschigsten Sommernachtsorten in dieser Stadt. Im Musikpavillon findet hier des Öfteren das Wortpicknick statt, eine Lesung mit Hamburger Schriftstellern. Heute wird es dort, aller Idylle zum Trotz, unter dem Motto Sex & Crime kriminell und ein bisschen schlüpfrig. Der preisgekrönte Krimiautor Gunter Gerlach gibt Einblicke in seinen letzten Roman Der Mensch denkt. In dem spannenden Hamburg-Krimi mordet ein Serienkiller im Karoviertel, aber der Protagonist Fred Peters kann Gedanken lesen und kommt dem Täter so auf die Schliche. Außerdem zu Gast ist der dreifache Wilhelm-Busch-Preisträger Christian Maintz. Er wird einige seiner Gedichte vortragen. Meistens handeln diese von der Liebe in allen denkbaren Konstellationen, etwa zwischen Mann und Frau, Jüngling und Mathelehrerin, Tausendfüßer und Kellerassel. Nur von geistiger Nahrung muss man beim Wortpicknick nicht zehren. Vor Ort gibt es kleine kulinarische Köstlichkeiten, man kann sich aber auch eigene Verpflegung mitbringen. Die Teilnahme an der Lesung kostet nichts, eine Hutspende ist erwünscht.

Text: Katharina Manzke

 

The National

Eigentlich wollte die Band jemanden, der auf Tour ein bisschen mitfilmt – bekommen haben sie mit „Mistaken For Strangers“ eine witzige und bewegende Familienaufstellung.

Man sagt, dass mancher Bildhauer seine Skulptur einfach nur aus dem unbehauenen Klotz befreien muss – sie steckt ja bereits drin. Ganz so einfach war es beim Filmdebüt von Tom Berninger wohl nicht: Den Berg Material hatte er wohl. Aber was damit anfangen? Aber von vorne: Tom ist der jüngere Bruder von Matt Berninger, der eine Art Rockstar im dreiteiligen Anzug ist. Seine Band The National füllt mit melancholischen Songs Hallen (und in Hamburg zuletzt den Stadtpark). Tom ist eher untersetzt, steht auf Metal und wohnt noch bei seinen Eltern. Das ist die Ausgangslage der brillanten, tragikomischen Doku Mistaken For Strangers. Der Bruder im Rampenlicht nimmt den Underachiever mit auf Tour – als Roadie und als Filmer. Vielleicht springt ja ein bisschen Bonusmaterial für eine kommende DVD oder dergleichen dabei heraus. Tom erweist sich allerdings als haltlos ungeeignet für alles Organisatorische und führt eher irritierende als einsichtsvolle Band-Interviews. Jedenfalls solange, bis er gefeuert wird. Mistaken For Strangers wird als Konzert-Dokumentation verkauft, dabei könnte es kaum weniger um Musik gehen. Stattdessen behandelt der Film die Liebe und das Verantwortungsgefühl unter Brüdern, hochkomisch, aber mit viel Herz. Dass man dem Film beim eigenen Scheitern zuzuschauen glaubt, um am Ende ein aus vielen Stunden destilliertes, triumphal aufrichtiges Kino-Erlebnis genossen zu haben, das ist die faszinierende Qualität. Und das eigentliche Happy End.

 

Nas

Der Rapper gilt als einer der geschicktesten Erzähler des Genres und tourt mit seinem Über-Album „Illmatic“, das vor 20 Jahren das Licht der Musikwelt erblickte.

Anwärter auf den Titel Das wichtigste Hip-Hop-Album aller Zeiten gibt es einige: Public Enemys It Takes A Nation Of Millions To Hold Us Back etwa, Paid In Full Back von Eric B & Rakim oder auch N.W.A.s Straight Outta Compton. An dieser Stelle legen wir uns allerdings mal fest und küren NasIllmatic (1994) zur absoluten Nummer 1. Auch 20 Jahre nach Erscheinen hat das Album nichts von seiner Relevanz eingebüßt und fesselt mit Kompromisslosigkeit, Authentizität und Poesie von der Straße. Selbst die Chefnörgler von Pitchfork.com feierten das Album einst in einer Nachbetrachtung als „akribische Essenz dessen, was Hip-Hop großartig macht“. Was nicht zuletzt auch daran liegen könnte, dass für die Aufnahmen von Illmatic mit unter anderen DJ Premier, Pete Rock und Q-Tip drei absolute Produzenten-Schwergewichte an den Reglern saßen. Das verspricht eine richtig dicke Jubiläumssause in der Großen Freiheit 36 zu werden.

Text: Jan Kahl