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Up the Wall

Die Ausstellung in der OZM Art Space Gallery demonstriert mit Werken von 15 KünstlerInnen, wie vielfältig und komplex Graffiti sein kann.

Durchwandert man manche Gegenden in Hamburg, sieht man sie überall blühen: Graffiti in allen möglichen Formen und Farben. Passenderweise befindet sich die OZM Space Gallery in der Bartelsstraße im besonders bunten Schanzenviertel. Auf 400 Quadratmetern wird hier in wechselnden Ausstellungen der Urban Art gewürdigt. Ab heute eröffnet Up the Wall, eine große Gemeinschaftsausstellung rund um die Graffitikunst. 15 Künstler zeigen, wie vielfältig diese ist. So verwendet Danny Doom aka Desur Materialien wie Kaffee oder Schmutz, um dem Untergrund seiner Bilder den Eindruck einer natürlich gealterten Wand zu geben. Mit illegalen Graffitis in der DDR begann der in Dresden geborene Simo. Heute verdichtet er seine abstrakten Formen wie Pfeile und Zylinder zu großen Rauminstallationen. Das Lächeln ist eines der schönsten Markenzeichen des wohl prominentesten Graffitikünstlers in Hamburg – auch der legendäre Oz wird bei Up the Wall vertreten sein. Die Ausstellung ist bis September zu sehen, dann werden die beteiligten Künstler die komplette Außenfassade des Galerie-Gebäudes für ein gemeinschaftliches Werk nutzen.

Text: Katharina Manzke

Ausstellung: 4.7.–27.9.
Do 13–19, Sa 13–0 Uhr

 

ElbFilmKunst

Am Falkensteiner Ufer zeigt das mobile Kino den blutigen deutschen Zeichentrickfilm „Felidae“ unter freiem Himmel und mit Ton über Kopfhörer.

Kleine Anekdote aus der Kindheit: Ich war neun Jahre alt, zu Besuch bei meiner Tante in der ostfriesischen Provinz und durfte alleine ein Zeichentrickvideo schauen. Damals sah man das mit der Altersfreigabe noch nicht so eng: Katze auf dem Cover der deutschen Produktion Felidae – soll wohl gehen. Ich folgte also 82 Minuten lang dem schnurrbärtigen Detektiv Francis dabei, wie er aufgeschlitzte Katzenleichen untersucht, verstümmelte Artgenossen in verfallenen Häusern verhört und widerliche Tierversuche aufdeckt. Ich sehe die Bilder heute noch vor mir…

Das Freiluftkino der Initiative ElbFilmKunst bietet nun eine gute Gelegenheit, diese Erinnerung aufzufrischen. Am Falkensteiner Ufer flimmert die Verfilmung des Romans von Akif Pirinçci aus dem Jahre 1994 über die Leinwand. Den Stimmen von Ulrich Tukur, Mario Adorf, Uwe Ochsenknecht, Helge Schneider und Klaus Maria Brandauer lauscht man dabei über Funkkopfhörer, um weder Tiere noch Anwohner in der Nachbarschaft zu stören. Picknickdecke nicht vergessen.

Text: Lena Frommeyer

 

Kunst in der Uni

Von Malerei über Grafikdesign bis Film: 100 studentische Arbeiten des Abschlussjahrganges der HFBK können bei der Absolventenausstellung im Hochschultrakt erkundet werden.

Ausnahmsweise finden in diesem Jahr zwei Absolventenausstellungen der Hochschule für bildende Künste statt. Darin zeigen 100 Studenten aus den Klassen Malerei, Bildhauerei, Bühnenraum, Film, Design, Grafik und Fotografie ihre Werke. Bei der Eröffnung am 2. Juli wurde zudem der Karl-H.-Ditze-Preis für die beste Abschlussarbeit verliehen. Der externen Jury gehörten unter anderem Esther Ruelfs, Leiterin der Sammlung Fotografie und neue Medien am Museum für Kunst und Gewerbe, Hamburg, und Kito Nedo, freier Autor und Journalist für das Kunstmagazin art, an. Noch bis zum 6. Juli kann man nun durch die Hochschule streifen, die einzelnen Arbeiten erkunden, die in allen Gebäudeteilen verteilt sind, und vielleicht auch den einen oder anderen Drink nehmen. Eine öffentliche und kostenfreie Führung findet täglich um 15 und 18 Uhr statt.

Text: Sabine Danek & Lena Frommeyer

 

Kiezküche

Erotik & Gulasch: Für das Kochbuch „Kiezküche St. Pauli“ haben sich Paulianer in den Topf gucken lassen. Zum Release startet eine Koch-Event-Reihe.

So richtig läuft einem beim Anblick des rohen Plattfischs mit Anker-Tattoo auf dem Cover nicht das Wasser im Mund zusammen. Muss auch nicht. Hier geht es schließlich nicht um die Genussregion Normandie, sondern um Futter auf Pauli. Ein Team um Sven Langanke, Küchenchef im Hamburger Restaurant IndoChine, hat an dem Kochbuch Kiezküche St. Pauli – You’ll never cook alone gearbeitet, das Rezepte wie Bloody Mary mit Rollmops im Sturm oder Rundstück warm beinhaltet, vor allem aber mit bildreichen Reportagen aus dem Leben in St. Pauli punktet. Da spricht Elbfischer Walter Zeeck über die Renaissance des Stints, und Susi Ritsch, Inhaberin vom Table-Dance-Club Susis Showbar, verrät ihr Gulasch-Geheimnis. So begreift man, dass der einst verruchte Stadtteil eben doch kulinarisch eine ganze Menge bietet, weil er Einflüsse aus der ganzen Welt aufnimmt. Zum Kochbuch-Release starten Sven Langanke und sein Team eine Veranstaltungsreihe und laden am 3. Juli zu einer kulinarischen Reise vom Kiez zum Kap in das Koch Kontor ein. Beim ersten Kiezküchen-Kochevent trumpft man mit zehn verschiedenen Gerichten auf, darunter Hamburger Klassiker, orientalische Speisen und südafrikanische Spezialitäten, die in drei Etappen mit passenden Weinen aufgetischt werden. Anmeldung per E-Mail.

Text: Lena Frommeyer

 

Fußball im Kino

Alfred Behrens filmische Fußball-Hommage „Das Spiel ohne Ball“ läuft im Lichtmeß-Kino. Der Regisseur ist während der Vorführung anwesend.

Früher war Fußball doch noch ein bisschen spannender als heute. Der Filmemacher Alfred Behrens beispielsweise erlebte seine erste Partie in der Adolf-Jäger-Kampfbahn, indem er sich als Fünfjähriger unter dem Ledermantel seines älteren Bruders mit ins Stadion einschmuggeln ließ. Seither ist Alfred Behrens Begeisterung für Altona 93 entflammt. In seinem Filmbrief an den inzwischen verstorbenen Bruder rekapituliert er seine damals beginnende „Fan-Karriere“, die über den FC Chelsea im „Swinging London“ der 1960er Jahre zur Berliner Hertha um die Jahrtausendwende unter Trainer Huub Stevens führt. Erinnerungsträchtig ist auch der Soundtrack des Films, der von Freddy Quinn bis zu Franz Ferdinand reicht und zu dessen Klängen Günter Netzer beweist, dass er Das Spiel ohne Ball ebenso virtuos beherrscht wie der Jazz-Pianist Keith Jarrett seine Klaviatur. Die Begegnung dieser und anderer Protagonisten aus den unterschiedlichsten Sphären wird von Alfred Behrens im Kino auch live kommentiert.

 

Niños de Cuba

Die kubanische Choreographin Lizt Alfonso ist mit ihrer jungen Tanzgruppe aus 10- bis 14-Jährigen im Schmidt Theater zu Gast.

Die weltweit renommierte Tanz-Regisseurin Lizt Alfonso war schon mehrfach in Hamburg zu Gast: 2009 im Schauspielhaus mit der Show Fuerza y compás, 2011 im Thalia Theater mit Amigas. Jetzt gastiert sie mit ihrem Kinderballett im Schmidt Theater, auf persönliche Einladung ihres erklärten Fans Corny Littmann: Niños de Cuba rückt die Nachwuchstruppe von Lizt Alfonsos Compagnie ins Rampenlicht, 10- bis 14-jährige Tänzerinnen und Tänzer, die in der Altstadt von Havanna trainieren. Der Stil ist typisch Alfonso: Elemente aus Flamenco, Ballett und zeitgenössischem Tanz werden zu einem aufregend neuen Ganzen kombiniert. Das ist bei dieser Compagnie natürlich weit über Schulaufführungsniveau, die jungen Tänzer leisten für ihr Alter Erstaunliches. Lizt Alfonso selbst war so etwas wie ein Wunderkind: Ihre erste Choreographie entwarf sie mit neun Jahren – vielleicht erwartet einen aus ihrer Nachwuchsklasse ja ebenfalls eine Weltkarriere. Die Premiere am 3. Juli ist leider ausverkauft – weitere Termine:  4. bis 19.7.

 

Hotel Hamburg

Eine Kunstaktion sortiert Hamburg neu. Die Übernachtung in fremden Stadtteilen kostet nichts – sofern man seine eigene Bude zur Verfügung stellt.

Urlaub in der eigenen Stadt? Was sonst im Sommer den leichten Ruch von Ödnis hat – bestens zusammengefasst im Euphemismus „Balkonien“ – wird im Juli zum sozialen Experiment. Wenn das Hotel Hamburg seine Pforten öffnet, wird die ganze Stadt zur Pension: Leute stellen ihre Wohnung Unbekannten zur Verfügung und ziehen dafür ihrerseits in fremde Häuser. Ist das Kunst? Theater? Performance? Nicht leicht rauszufinden, da sich der Hauptteil der Aktion ja in den nicht-eigenen vier Wänden abspielt. Dreh- und Angelpunkt der Veranstaltung ist die Rezeption, die täglich mit Live-Bands bespielt wird. Hinter all dem steckt die Hamburger Noroomgallery um Jan Holtmann (Foto), die schon den Kunsthasserstammtisch ins Leben gerufen hat. Holtmann hat im letzten Jahr das Projekt bereits erfolgreich in Köln durchgeführt: Bleibt abzuwarten, ob die der rheinischen Geselligkeit unverdächtigen Hamburger ähnlich bereitwillig den Blick in ihre Badezimmerschränke und Schubladen zulassen. Zur Eröffnung am 3. Juli spielen um 20 Uhr Nova Huta und Gäste in der Lobby vom Hotel Hamburg.

 

Die Schlumper

Alissa Schrumpf sprach mit Anna-Karoline Pongs-Laute, Tochter des verstorbenen Gründers und neue künstlerische Leiterin der Schlumper.

Die neue Galerie in der Marktstraße ist das dritte Standbein der Künstlergruppe, neben dem Atelier und der Schule der Schlumper. Wie kam es dazu?

Die Ausstellungen im Atelier wurden immer aufwendiger. Zudem ist die Atmosphäre dort recht intim. In der neuen Galerie lassen sich ganz andere Ausstellungen verwirklichen, etwa zu bestimmten Themen oder in Kooperation mit anderen Künstlern.

Die Schlumper sind eine Ateliergemeinschaft von Menschen mit Behinderung. Im Vordergrund steht dieser 
Aspekt für euch aber nicht.

Im Gegenteil: Die persönliche Biografie der Künstler sollte stets als nachrangig hinter deren Werk angesehen werden.

Inwiefern kann der Begriff der Inklusion für dieses Vorhaben stehen?

Der kann hilfreich sein, hat aber immer etwas Widersprüchliches: Wenn man „Inklusion“ irgendwo draufschreibt, ist es im Grunde schon keine mehr, denn dann wäre der Begriff schließlich überflüssig. Wir wollen sozusagen Inklusion praktizieren, die jenseits dieses Begriffs funktioniert.

Was wird in der ersten Ausstellung Blick zurück nach vorn zu sehen sein?

Wir zeigen sowohl Werke aus der Anfangszeit der Schlumper in den 1980ern als auch aktuelle Arbeiten. So wollen wir einen Bogen spannen von den Gründungsjahren bis hin zur neuen Künstlergeneration, von der wir in Zukunft Spannendes erwarten.

Ausstellung bis 6.9.
Öffnungszeiten: Mi-Fr 16–19, Sa 11–17, So 14–17 Uhr

 

A paradise built in hell

Zum Projekt über hamburgische Einflüsse auf die Filmgeschichte und die Ästhetik analoger Filmproduktion gehört auch eine Gruppenausstellung im Hamburger Kunstverein.

Das Projekt A paradise built in hell setzt sich mit der Geschichte und dem zeitgenössischen Wiederaufgreifen analoger Filmproduktion im 16mm-Filmformat auseinander und ist einer Zusammenarbeit des Hamburger Kunstvereins mit dem Arsenal (Institut für Film und Videokunst Berlin) und dem Internationalen Sommerfestival auf Kampnagel entsprungen. Die Gruppenausstellung im Hamburger Kunstverein konzentriert sich dabei auf Hamburgs Einfluss auf Strömungen der Filmgeschichte und zeigt Archivmaterial der Hamburger Entwicklungslinien sowie weitere Positionen zur Thematik aus den Disziplinen Zeichnung, Collage, Plakat auch Skulptur und Fotografie. Das Projekt umfasst neben dieser Ausstellung auch ein Filmprogramm: Während der Laufzeit (bis zum 7. September) zeigt der Kunstverein täglich um 18 Uhr zeitgenössische Arbeiten im Format des 16mm Films mit thematischem Fokus auf utopische Gemeinschaften. Hier geht’s zum Programm.

Text: Tanja Ehrlich

 

Damon Albarn

Erst Blur, dann die virtuelle Cartoon-Band Gorillaz, dann Film-Komponist – der 46-jährige Musiker hat englische Pop-Geschichte geschrieben.

Er ist wahrscheinlich einer der am hellsten strahlenden Sterne des englischen Pop. Damon Albarn brachte Ende der 1980er und Anfang der 1990er stilprägende Hit-Alben mit seiner Gruppe Blur heraus. Danach erfand er sich mit der virtuellen Cartoon-Band Gorillaz neu, schrieb (unter anderem zusammen mit Regisseur Peter Greenaways angestammtem Komponisten Michael Nyman) Musik für Filme und Opern, agierte als Filmdarsteller und kooperierte mit legendären Typen wie Tony Allen (Drummer von Fela Kuti) sowie dem ehemaligen Clash-Bassisten Paul Simonon in der Band The Good, The Bad & The Queen. Der Mann macht also nicht gerade den Eindruck, als würde er sich langweilen. Im Gegenteil, sein kreativer Tatendrang nimmt kein Ende. So hat der 46-Jährige kürzlich sein erstes Solo-Album herausgebracht und geht nun mit Everyday Robots, so sein Titel, auf Tour. Eines seiner beiden Deutschland-Gastspiele führt ihn nach Hamburg in die Große Freiheit 36.