‹ Alle Einträge

Die Inflation will nicht anspringen

 

Einfuhr- und Ausfuhrpreise seit 1980

Die Inflation bleibt weiterhin niedrig, niedriger als das die Profis erwartet hatten. Zuerst gab es am heutigen Dienstag die Außenhandelspreise für Januar – die Einfuhren hätten um 0,3 Prozent gegenüber Dezember billiger werden sollen, heraus kam minus 0,7 Prozent. Im Vorjahresvergleich lag die Rate nur noch bei +0,7 Prozent. Die Inflation der Einfuhrpreise ist seit ihrem Höchststand von 6,3 Prozent im Juli also deutlich gefallen. Da die Ausfuhrpreise nach wie vor leicht steigen (2,4 Prozent gg. Vj.), haben sich die Terms of Trade in den letzten Monaten deutlich verbessert, so dass es auch von daher einen Schub bei den verfügbaren Einkommen der Haushalte gegeben hat. Der Aufschwung steht auf einem immer solideren Fundament. Zudem gibt es keinen Kostendruck in den Pipelines – nicht nur die Einfuhrkosten sonder auch die Lohnstückkosten sind zuletzt deutlich gefallen (-1,1 Prozent zwischen Q3 und Q4, und -1,7 Prozent gg. Vj.). Was will man mehr: der konjunkturelle Aufschwung wird immer kräftiger und gleichzeitig sinken die Kosten.

Tariflöhne und Verbraucherpreise seit 1980

Zudem sieht es so aus, als ob es den Verkäufern auch im Februar nicht gelungen ist, die höhere Mehrwertsteuer an ihre Kunden weiterzugeben. Nach den Vorabmeldungen aus Nordrhein-Westfalen, Brandenburg, Hessen und Baden-Württemberg dürfte die Inflationsrate bei den Verbraucherpreisen von 1,7 Prozent im Januar auf 1,8 Prozent im Februar gestiegen sein. Und das wärs dann gewesen mit dem Mehrwertsteuerschock, den die meisten Analysten vorhergesagt hatten.

Ein Rätsel bleibt die rapide Zunahme der Geldmenge M3, wo der Vorjahresabstand, wie heute ebenfalls gemeldet wurde, auf 9,8 Prozent gestiegen ist. Warum ist so viel Liquidität im Markt? Nur zur Erinnerung: die EZB strebt mittelfristig eine jährliche Zuwachsrate von 4 1/2 Prozent an. Ein Grund ist natürlich, dass die Anleiherenditen nur unwesentlich höher sind als die Zinsen auf Termingelder und andere kürzerfristige Einlagen – um es im volkswirtschaftlichen Slang zu sagen: die Opportunitätskosten der Liquiditätshaltung sind gering. Eine zusätzliche Erklärung liefert die starke Konjunktur und, damit verbunden, der bisherige Boom am Aktienmarkt. Beides hat dazu geführt, dass wieder mehr Kredite aufgenommen werden, vor allem vom privaten Sektor, und dort vor allem von den Unternehmen und den Häuslebauern. Der Staat baut dagegen seine Verschuldung gegenüber den Banken zur Zeit ab. Kredite sind auf der Aktivseite der Bankbilanzen das wichtigste Gegenstück zu den Einlagen auf der Passivseite, aus denen sich M3 zusammensetzt (Bargeld macht nur 7,4 Prozent von M3 aus).

So rasch M3 expandiert, so gering ist das Risiko, dass sich daraus eine neue Inflationsspirale entwickelt. Der einst so enge Zusammenhang zwischen Geldmenge und Inflation der Verbraucherpreise ist wohl auch im Euroraum zusammengebrochen. Die Fed hat ein solches Phänomen schon vor Jahren beobachtet und ganz unzeremoniell die Geldmengensteuerung aufgegeben. Zuletzt hat sie sogar ganz auf die Ermittlung des M3-Aggregats verzichtet. Wir dürfen gespannt sein, wann die EZB nachzieht. Na ja, so spannend ist das auch wieder nicht, da der Abschied auf Raten ja schon seit einiger Zeit im Gange ist.

6 Kommentare

  1.   Dorothee Sehrt-Irrek

    Sehen Sie, darauf habe ich gebaut, dass die Unternehmen die Preise nicht würden weitergeben können in vollem Umfang an die Verbraucher. Und warum nicht?
    Weil nach der Einführung des Euro ganz geschickt von Unternehmen gewonnen wurde – sag ich jetzt mal so.
    Durch die einseitige deutsch-deutsche Vereinigung wurden schwindelerregende Gewinne gemacht.
    Es gab keine Not mehr für die Unternehmen, also konnte weiter verdient werden unter anderem durch Arbeitsplatzabbau.
    Das alles wurde leider durch nicht bös gemeinte SPD-Wirtschaftspolitik flankiert.
    Die Verbraucher fingen an zu mauern und so setzte eine Art Deflation ein.
    Solche Prozesse -(Inflation/Deflation) – laufen bestimmt nebeneinander her.
    Irgendwann beginnt dann trotz Globalisierung eine gewisse Spannung zwischen Unternehmen, vielleicht auch deswegen.
    Vielleicht ist die große Koalition jetzt einmal so clever und pokert richtig mit. Eine Regierung muß nicht nur flankieren, sie kann auch gegen- steuern ( siehe entsprechenden Artikel in der TAZ)

  2.   Holger Müller

    Sehr geehrte Frau Sehrt-Irrek,

    ich habe gerade gelesen,dass das Geldmengenwachstum in Amerika 11,5 % betragen soll.Das US Bruttoinlandsprodukt für 2006 beträgt ca. 2,5 %.Daraus wird gefolgert,dass das tatsächliche Wachstum ca. minus 9% beträgt.
    Ebenfalls wird auf den Zusammenhang zwischen Inflation und Geldmengenwachstum eingegangen.Hier wird behauptet,dass die tatsächliche Inflation damit in Amerika bei mind. 10% liegt.Können Sie diese Thesen bestätigen und ggf.erklären?
    Gibt es gute Literatur zu diesem Thema?

    Vielen Dank im voraus für Ihre Mühe.

    MFG

    Holger Müller

  3.   Frank Segtrop

    Sehr geehrter Herr Wermuth,

    das zusätzliche Geld ist in Vermögengüter geflossen, also Immobilien, Aktien usw. Die Preise dieser Güter sind in den USA und auch in vielen europäischen Ländern sehr stark gestiegen – Vermögenspreisinflation. Nur gehen diese Güter eben nicht in den CPI ein.

    Heißt das etwa, es gebe keine Inflation? Nein, denn der Inflationsbegriff bezieht sich durchaus auf alle Güter, also auch auf Vermögensgüter.

    Die gewaltigen Spekulationsblasen, in die all das fleißig geschöpfte Geld gewandert ist, werden schon noch platzen. In den USA ist das bei den Immobilien schon der Fall. Der Subprime-Mortgage Sektor bricht gerade komplett zusammen, Zwangsversteigerungen sind auf Rekordniveau, der Nachschub an Kredit schwindet, die USA schlittern in eine Rezession. Sogar Alan Greenspan schließt eine Rezession zum Jahresende nicht mehr aus!

  4.   edicius

    @ frank segtrop

    Sehr schöne, knappe, einleuchtende Erläuterung der Vorgänge: Das (zuviel) abgeschöpfte Kapital erhöht sich selber die Preise und erzeugt seine eigene Entwertung (Inflation und Blasen). Wie da immer noch – auch hier – Leute behaupten können, Märkte seien um so effektiver, je weniger sie reguliert werden, ist mir unter anderem auch darum ein völliges Rätsel. Um das unhöfliche Wort „Ignoranz“ zu vermeiden…

  5.   Dorothee Sehrt-Irrek

    Sehr geehrter Herr Müller

    Auch wenn Ihre Antwort auf meinen Beitrag ironisch gemeint sein sollte, es ist sehr lieb zu meinen, ich könnte da etwas zu sagen. Da müßte ich erst einmal VWL studieren.
    Schaffe ich nicht mehr in meinem Alter (50) mit zwei Kindern.
    Warum traue ich mir dann doch dann und wann Kommentare zu? Weil ich seit der Wiedervereinigung Zeitung gelesen habe unter eben den entsprechenden Gesichtspunkten und mir dann versucht habe, einen Reim darauf zu machen.
    Die Bücher, respektive Autoren, die Sie bei mir im Hintergrund
    vermuten dürfen, sind u.a.

    Hernando de Soto, Marktwirtschaft von unten
    Sombart, Aufsätze
    Prof.Dr. Rudolf Hickel, Diskussionsbeiträge
    Presseclub, früher Financial Times FR , DIE ZEIT, Berliner Zeitung und jetzt dürfen Sie umkippen, meine Erfahrungen mit Geld,Märkten und last but not least Menschen, meine politische Arbeit und meine Traute, dann mal den Mund aufzumachen.
    Es wird also Ihre Mühe bleiben.
    Herzlichen Dank


  6. […] Die Inflation will nicht anspringen – Die Zeit […]

 

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren.

Anmelden Registrieren