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Überraschung – der Ifo steigt schon wieder

 

Ifo Geschäftsklima März 2007

Wider alle Erwartungen ist der Ifo-Geschäftsklimaindex im März gestiegen. Aufgrund der Unsicherheit über die US Konjunktur und die schwachen Zahlen im deutschen Einzelhandel in den vergangenen Monaten war die Mehrheit der Analysten davon ausgegangen, dass die Lagebeurteilung und die Erwartungen der Unternehmen sich wie in den beiden Monaten zuvor noch einmal leicht abkühlt. Das Gegenteil ist der Fall. Der Index der Erwartungen ist gegenüber dem Februar um 0,6 Punkte gestiegen, und liegt mit 103,2 wieder auf dem Wert vom Januar. Auch die Lage wird gegenüber dem Februar wieder optimistischer eingeschätzt. Hier stieg der Index um 0,8 Punkte auf 112,4. Bei den vom ifo Institut befragten Unternehmen scheint sich die Überzeugung durch zusetzten, dass der Aufschwung in Deutschland an Breite gewonnen hat.

Am Freitag hatte das Statistische Bundesamt für den Januar einen Anstieg des Auftragseingang im Bauhauptgewerbe um real 14,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr gemeldet. Das ist ein gutes Signal dafür, dass die deutsche Wirtschaft auch in diesem Jahr weiter kräftig wachsen wird. Die Angst der Arbeitskostentheoretiker, dass zu hohe Tarifabschlüsse dem „zarten Pflänzchen Konjunktur“ das Wasser abgraben werden, scheinen die Unternehmen nicht zu teilen. Höhere Löhne und eine steigende Beschäftigung, wie man sie für dieses Jahr erwarten kann, würden den Aufschwung von der Seite der Inlandsnachfrage weiter stützen. Ganz im Sinne der Analysten von Sal. Oppenheim: „In line with rising wages, the positive development on the labor market will be an asset for growing consumer spending from Q2 2007 onwards.“


12 Kommentare

  1.   Dennis geisler

    Mehr! Ich liebe diesen vor Optimismus strotzenden Weblog 😉


  2. […] Überraschung – der Ifo steigt schon wieder […]

  3.   Realist

    Halten wir fest: Der Ifo des Exportlandes D steigt, während in USA, GB, Spanien die Immobilienmärkte am Kollabieren sind, der USD von halb Asien liquidiert wird, ein Iran-Krieg kurz vor der Tür steht. Großartig! Strong buy!


  4. Tja, wir sollten uns einfach damit abfinden, dass Deutschland doch nicht so schlecht ist, wie allseits gerufen wird. Auch die Mehrwertsteuererhöhung scheint schon verdaut, der sehr robuste Aufschwung in Deutschland bestätigt sich ein weiteres mal und scheint zum nachhaltigen Trend zu werden.

    Da der Aufschwung inzwischen auf dem Arbeitsmarkt und – z. T. – auch bei den Binnenkonsumausgaben angekommen ist, werden auch die Gewinne hiesiger Unternehmen mittelfristig weiter sprudeln. Hinzu kommt, dass die deutschen Unternehmen in den zurückliegenden Jahren ihre Hausaufgaben gemacht haben. Prozesse wurden optimiert, die Geschäftsaktivitäten streng auf Profit ausgerichtet, Strukturen verschlankt. Inzwischen sind deutsche Unternehmen international sehr gut aufgestellt und in ihren Bewertungen gegenüber der ausländischen Konkurrenz z.T. deutlich unterbewertet. Viele Faktoren also, natürlich unter Berücksichtigung einer weiter stabilen Lage exogener Faktoren, die für deutsche Werte sprechen.

  5.   R. Haldimann

    Wahrscheinlich braucht es länger bis dass ganze bis auf die hiesige Wirtschaft durchschlägt und solange die Amerikaner sich nicht wirklich aus der Ruhe bringen lassen läuft die Maschine munter weiter. Es sind noch immer die Amerikaner welche die Weltwirtschaft antreiben, diese dominieren und auf Kurs halten. Irgendwann ist die Luft schon raus, doch dann wird es auch ungemütlich für Europa. Tja da lässt sich nicht viel machen. Portfolio absichern, Gold kaufen und Kaffee trinken.

  6.   Realist

    => kapitalmarktexperten.com

    Können Sie mir den Widerspruch erklären, wie die Binnennachfrage anzieht aufgrund verschlankter Strukturen und strengerer Ausrichtung auf Profit (zu deutsch: Entlassungen)?
    Wenn man zu den 8+ Mio wirklich Arbeitslosen lt. WiWo, noch 4+ Mio schlechtest bezahlte Arbeitsverhältnisse lt. FTD plus die Praktikanten zählt, dann darf man sich fragen, wo hier mittelfristig die Binnennachfrage stabilisiert wird…
    Eine leider viel zu wenig aufgeworfene Frage, vom Dogma des „Exportweltmeistertums“ unterdrückt, ist, wie exportierende Großunternehmen auf Kosten der Allgemeinheit subventioniert werden, indem Steuerentlastungen vorgenommen werden, die Arbeitslosigkeit gefördert, der Preis der Arbeit gedrückt wird, der Mittelstand mit Bürokratie und Abgaben überhäuft wird.
    30 Mrd Steuerentlastungen für Großkonzerne, die sich durch Massenentlassungen hervortun, sind nicht nur ein Skandal, sondern die ganz normale Realität in diesem Lande.
    Der Mittelstand und seine Arbeitsplätze werden weiter geopfert, für die Renditen der Großkonzerne!

  7.   Eclair

    @ Realist

    Aber, aber, da haben sie wohl noch nicht „Deutschlands klügsten Professor“ Sinn in der Wirtschaftswoche vom 19.3. gelesen:

    „Konsum ist schädlich für das wirtschaftliche Wachstum und unnötig für die Konjunktur. Der derzeitige Boom der deutschen Wirtschaft ist der beste Beweis dafür, dass es für eine gute Konjunktur auf eine sofortige Erhöhung der Konsumgüternachfrage gar nicht ankommt.“

    Noch Fragen?

    Dann Amen und Grüße

  8.   Eurooptimist

    Der wirtschaftliche Optimismus in Deutschland ist wirklich erfrischend nach den Jahren der Miesmacherei. Ich hoffe, dass dieser Optimismus zumindest zum Teil grundsätzlicher Natur ist und schlage vor, ihn auf dem Höhepunkt eines Konjunkturzyklus durch Vorsicht und taktischen Pessimismus abzusichern:-)

  9.   Kramladen

    @ Eclair

    Herr Sinns Welt ist nicht mal mehr die neoklassische, sondern die klassische. In Herrn Sinns Welt scheint noch das eherne Lohngesetz zu gelten, nach dem der Lohn nur das abdeckt, was ein Arbeiter zur Lebensführung braucht.

    Tja, wird er sagen, das ist schade, der Kapitalismus ist eben nicht gerecht. Aber da kann ich auch nichts dran ändern, weil so ist eben die Welt, das muss man akzeptieren. Löhne runter, Sozialstaat weg, nur dann geht Wachstum und weniger Arbeitslosigkeit.

    Als nächstes wird bei ihm wohl wieder Ricardo und Marx‘ Wertlehre wiederbelebt. Was kommt als nächstes: Die Physiokraten, nach denen nur der Boden wirklich Wert schaffen kann? Vielleicht wird er uns bald eine Rückkehr in die Landwirtschaft vorschlagen, weil Deutschland durch die ach so hohen Löhne ja deindustrialisiert wird. Mehr Investitionen in Traktoren!

    Aufgeregt,

    Kramladen

 

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