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Aktien – bisher nur eine Normalisierung

 

Handelt es sich bei dem Rückgang des Dax von 8100 auf zuletzt 7512 um mehr als die übliche Kurskorrektur auf dem Weg nach oben? Das ist die Frage. Von der Größenordnung her sind diese 7,3 Prozent überhaupt nicht außergewöhnlich, wie schon ein flüchtiger Blick auf den Dax der vergangenen Dekade zeigt. Bisher ist eigentlich noch gar nichts passiert im Vergleich zu dem, was es in den letzten Jahren so gegeben hat: Im Sommer 1997 waren es 34 Prozent, von März bis Ende 2000 21 Prozent, im Sommer 2001 38 Prozent, nicht weniger als 53 Prozent in der 12-Monatsperiode ab März 2002, und 12 Prozent im Frühsommer letzten Jahres.

Dax Performance Index

Schließlich hatte der Dax von März 2003, dem letzten zyklischen Tiefstand, bis zur vergangenen Woche um 225 Prozent zugelegt, und der Anstieg, dessen letzte Etappe im vergangenen Sommer begonnen hatte, war bereits auf dem Weg ins Hysterische. Man könnte meinen, dass ein kräftiger Rückschlag genau das ist, was der Markt in einer solchen Situation brauchte. Sagt jemand, der keine deutschen Aktien besitzt! Aber im Ernst, es besteht kein Grund zur Panik. Die Kurse können natürlich noch weiter einbrechen, einfach weil bisher noch nicht viel geschehen ist und die Baisse die Baisse nährt, so wie es umgekehrt auch in der Hausse immer wieder passiert. Wir nähern uns inzwischen ganz sicher wieder Kaufkursen.

Die Fundamentaldaten sehen nach wie vor gesund aus. Am wichtigsten ist die hervorragende Gewinnlage der deutschen Unternehmen. Der Motor der Wirtschaft, der Export, dürfte bis auf Weiteres brummen, nachdem der Internationale Währungsfonds gerade seine Prognose für das diesjährige Wachstum des realen Sozialprodukts der Welt auf 5,2 Prozent angehoben hat. Da die Investitionen überall so gut laufen, sind die deutschen Firmen mit ihrem Kapitalgüterangebot hervorragend positioniert. Bei den Konsumgütern läuft es nicht viel schlechter, weil sich viele einst arme Länder in einem rapiden Aufholprozess befinden und gleichzeitig angesichts hoher Rohstoffpreise und ungewöhnlich großen Überschüsse in ihren Handelsbilanzen über genügend Liquidität verfügen. Es fehlt nicht an Geld. Der starke Euro hat sich bislang kaum negativ bemerkbar gemacht.

Auch sieht es danach aus, dass sich die Einkommensverteilung weiter in Richtung Kapitalvermögen verschiebt. Eben trat bei Bloomberg jemand vom DIW auf, der schätzte, dass die effektiven Stundenlöhne in diesem Jahr um 2 Prozent gegenüber 2006 zulegen würden, im nächsten vermutlich um 3 Prozent. Sollte der Mann recht behalten, könnte erneut mit einer Gewinnexplosion gerechnet werden. Warum? Weil die sogenannten Lohnstückkosten, also die Löhne bereinigt um die Produktivitätseffekte, dann kaum steigen dürften, während die Outputpreise in der Größenordnung von 2 Prozent anziehen könnten. Selbst bei 3 Prozent Lohninflation und gleichzeitig robustem Wirtschaftswachstum könnte der Prozess weitergehen, wenn auch verlangsamt.

Dem Aktienmarkt wird auch helfen, dass die Rendite der längerlaufenden Bundesanleihen in den vergangenen zwei Monaten um 33 Basispunkte auf jetzt 4,34 Prozent gesunken ist. Bonds haben sich also verteuert, während Aktien deutlich billiger geworden sind. Die relativen Preise haben sich zugunsten der Aktien verschoben.

Könnte es sein, dass ich am Thema vorbeiargumentiere? Kommt es augenblicklich nicht vor allem darauf an, wie es in den USA weitergeht? Nach dem Trouble mit den Schrotthypotheken, besser bekannt als „subprime mortgages“, sind nun die gehebelten, also großenteils bankfinanzierten Kredite für Unternehmensübernahmen (leveraged buy-outs) im Fadenkreuz der Baissiers. Es ist sehr schwer geworden, zu günstigen Konditionen Geld aufzunehmen: Die Banken, die vorher den Private Equity und Hedge Funds die Türen eingerannt hatten, halten auf einmal die Taschen zu, weil es angesichts des neuen Risikobewusstseins der Anleger nicht mehr leicht fällt, Kredite zu syndizieren, also das Risiko an andere weiterzureichen. Banken waren ja zuletzt mit Hilfe immer komplizierterer Konstruktionen zu Kreditvermittlern mutiert, hatten ohne großes eigenes Risiko an den Vermittlungsgebühren verdient, und zwar sehr gut. Man sehe sich ihre Erträge im zweiten Quartal an! Aus was bestand eigentlich ihr volkswirtschaftlicher Nutzen, ist man versucht zu fragen? Jedenfalls immer weniger in der Übernahme von Risiken, so wie sie ja auch immer weniger aus kurzfristigen Einlagen langlaufende Kredite gemacht hatten.

Da die Anleger nun nicht mehr so ohne weiteres Ablageplatz spielen wollen, scheint es vor allem in Amerika zu einer Liquiditätsklemme zu kommen. Die wundersame Geldvermehrungsmaschine läuft plötzlich nur noch auf einem Topf. Wie sich herausstellt, sitzen die Banken trotz aller Bemühungen doch wohl auf einem ziemlichen Berg von Aktiva, die sie nicht mehr so richtig loswerden, jedenfalls nicht zu den Preisen, die sie sich vorgestellt hatten. Hier ist das Dilemma: Um ihre Verbindlichkeiten zu bedienen, sind sie gezwungen, Aktien und Immobilien zu verkaufen, was den Ausverkaufsprozess beschleunigen dürfte. Daneben läuft ein weiterer belastender Prozess, nämlich die ständige Umschuldung der Hypothekenkredite zu viel schlechteren Konditionen als den anfänglichen. Die Zinsen sind schließlich seit zwei Jahren gestiegen und den Banken sitzt das Geld nicht mehr so locker – siehe oben.

Dann kommt als Nächstes, es kann nicht anders sein, der sogenannte Vermögenseffekt ins Spiel. Der Wert der Aktien und Immobilien sinkt, die Leute fühlen sich ärmer und werden ängstlicher, kurz, sie geben weniger aus. Es könnte in Richtung Rezession gehen. Die hohen Benzinpreise stellen ja bereits eine ziemliche Einbuße an Kaufkraft dar.

Das ist der aktuelle Grund für die Schwäche am Aktienmarkt der USA. Und bekanntlich bekommt ja der Rest der Welt Lungenentzündung, wenn Amerika hustet. Glaube ich daran? Sicher ist, dass die Wirtschaft der USA die eigentliche Quelle der vielen Ungleichgewichte in der Welt ist, insbesondere durch die geringe Sparquote, die sich in den gewaltigen Defiziten der amerikanischen Leistungsbilanz, der Explosion der Devisenreserven und der Liquidität im Rest der Welt, sowie in den verschiedenen Immobilienblasen und Aktienbooms niedergeschlagen geschlagen hat. All diese Ungleichgewichte haben das Potenzial, gewaltigen Schaden anzurichten.

Ich will mal optimistisch bleiben: Wenn es wirklich ernst werden sollte, wenn es wirklich Anzeichen für eine Rezession in den USA geben sollte, wird die Fed sehr schnell die Zinsen senken und die Wirtschaft mit Geld überschwemmen. Der Dollar würde kräftig abwerten und die US-Exporte würden noch mehr in Schwung kommen. Vermutlich dürfte das reichen. Wenn nicht, könnten auch die anderen Notenbanken aktiv werden. Sie fürchten ja nach den Erfahrungen mit der Depression der dreißiger Jahre und der endlosen Krise in Japan nichts so sehr wie eine Deflation. Sie würde die Wirksamkeit der Zinspolitik zerstören.

Zudem sind die USA kaufkraftmäßig nicht mehr so wichtig, wie sie einst waren. Laut IWF bestreiten die starken und angebotsmäßig soliden „emerging markets“ bereits die Hälfte des Weltsozialprodukts. Auch Europa ist in recht guter Verfassung und operiert keineswegs in der Nähe der Kapazitätsgrenzen, so dass die EZB kein sonderlich schlechtes Gewissen zu haben braucht, wenn sie die Zinsen senkt.

Bottom line: es ist alles sehr unsicher, und es könnte noch weiter abwärts gehen, aber wir sollten uns nicht kirre machen lassen. Die Weltwirtschaft, und mit ihr die deutsche Wirtschaft, ist ziemlich breit aufgestellt und so schnell nicht aus der Bahn zu werfen. Das Kurs-Gewinnverhältnis des DAX liegt auf der Basis der diesjährigen Gewinne bei 13 1/2. Das ist alles andere als ein exaltiertes Niveau.

76 Kommentare

  1.   HeliBen

    @goodnight,

    Ach gott …

    „Die haben in den 90ern aus DotCom Milliarden gemacht,“

    Die sie ganz schnell wieder verloren …

    „nach 2000/2001 mit Immobilien Millionen“

    LOL … das sehe ich … leider fallen diese wieder und gleichzeitig ist der Dollar den Bach runtergangen. Fakt ist, dass der DAX den DOW locker geschlagen hat. Deutsche Unternehmen sind den amerikanischen Unternehmen schon seit Jahren im voraus. Jede Diskussion über tolle Amerikaner kann ICH nicht mehr hören. Die amerikanische Autoindustrie liegt in Scherben und wird von den Japanern und Deutschen den Erdboden gleich gemacht. Und was die ach soll tolle Technologie aus USA angeht … schauen Sie mal wo die Technik entwickelt wird: Europa und Asien!!!! LOL … die Amerikaner können eins: Das Maul gross aufreissen. Noch vor kurzem Tönten sie, dass die USA den grössten Kapitalmarkt der Welt stellen … leider ist das nicht mehr der Fall. Europa ist es und in der Zukunft sicherlich Asien! In 3 Jahren können Sie als deutscher wahrscheinlich in den USA mit ihren Ersparnissen eine ganze Strasse in LA aufkaufen, wenn die Chinesen es nicht vorher getan haben.

    „und demnächst werden die einfach in Rostoffe oder Kuhdünger gehen.“

    Jo … nur wenn es uns zuviel ist, dann werden die Asiaten und Europäer den Geldhahn zudrehen und dann kaufen die USA nichts mehr.

    „Und auch diesmal werden wir mit dem gesündesten Immobilienmarkt weltweit wohl wieder die einzigen Verlierer sein!“

    Ein gesunder Immobilienmarkt ist gut, ein gesunder Kreditmarkt ist besser … und genau hier liegt die Krux … wir haben eine Kreditkrise in den USA!

    „Die Deutschen sind halt die einzigen Idioten auf diesem Planeten, die noch an VWL-Theorien glauben!“

    Die VWL-Theorien der Deutschen ist mehr Wert als der ganze Müll aus Wall Street. Deutsche glauben tatsächlich, dass Wohlstand durch Investitionen, harte Arbeit, Sparsamkeit und einer harten Währung entsteht. Amerikaner glauben nur an inflationierende Assets und einer abwertenden Währung. Das war deshalb so, weil die Amerikaner selten Opfer ihrer Inflationspolitik sind. Ich sage nur Petrodollar. Dieser Tag nähert sich an der die Welt rebeliert!

    „Die reden nicht von “Strukturkrise”, “Arbeitsmarktreform”, “Preisanstieg” etc. “

    Ich wäre dankbar, wenn die FED sich auch mal zum Thema Preisanstieg aussern würde. Hier happert es noch gewaltig.

    „Völlig egal. Immobilienkrise?“

    Ganz egal ist das glaube ich nicht. Die Investoren von „American Home“ werden das anders sehen.

    „Die Amis werfen die Dollar-Presse an, die Briten lockern die Bankvorschriften“

    Und der Dollar fällt ins Bodenlose …

    „während die Deutschen bei Herdentrieb noch darüber“

    und anschliessen aus der Stärke der eigenen Währung die brauchbaren Assets für einen Apel und Ei kaufen.

    „die Chinesen kopieren deutsche Autos….“

    Und was kommt dabei heraus … Der Brilliance 6 … als Konkurrenz zum Passat … einmal gegen die Wand und dann haben Sie den Motorblock auf den Schoss .. während die chinesische Autoindustrie an simplen Sicherheitstechniken tüftelt, arbeiten deutsche Ingenieure schon an den DiesOtto, 5 Liter Verbrauch mit 1,8 Liter Hubraum, 248 PS und 400 Nm bei 1500 U/min …. Autointerconectivity … und und und …

    Früher waren es die Japaner, dan die Koreaner und nun die Chinesen und übermorgen die Afrikaner …

    Sie sollten das Ganze etwas entspannter sehen.

    HeliBen

  2.   goodnight

    @Helißen

    Entspannt? Bei 7,5 % Minus in wenigen Tagen?
    Früher nannte man sowas einen „Crash“, heute ist das eine „Konsolidierung“. As times goes by!

    Diese ganze USA-Diskussion ist doch eine unendliche Geschichte. Die US-Wirtschaft ist doch seit den 70er Jahren aus Fundamental-Daten-Sicht klinisch tot. Seit 30 Jahren. Aber der Amerikaner lebt immer noch und zwar besser als der Deutsche. Warum? Weil die Amerikaner sich nicht mehr um Produktion und solche Sachen kümmert, die Amerikaner sind im 21. Jahrhundert angekommen. Die leben nicht mehr von Arbeit, sondern vom Kapitalmarkt. Während die Deutschen sich um ihren Ingeneursnachwuchs Sorgen machten hat Michael Milken die Junk Bonds erfunden und die Amis aus der Krise geführt.(Boom in den 80ern). In den 90ern DotCom-Aktion, im 21. Jahrhundert Immobilien-Kredite etc…
    Der Deutsche hingegen baut weiterhin Autos und Maschinen. Braver Deutscher! Armer Deutscher!
    Die Briten waren so klug und haben von den Amis gelernt und in den 90ern die größte Bankmetropole Europas in London gebastelt.
    Und schwubs: Wachstum ohne Ende!
    Die Spanier haben im 21. Jahrundert von den Amis gelernt: Immobilienkredite!
    Nur die Deutschen lernen nicht.. und mussten mit den Billigarbeitern in Polen konkurieren!
    Was lernen wir daraus?
    Wer im 21. Jahrhundert auf Arbeit setzt ist ein Idiot!
    Der Kapitalmarkt hat nix mehr mit Fundamentaldaten oder VWL-Theorien zu tun. Der hat seine eigene Logik. Und diese Diskussion hatten wir schon nach Milken 1987, nach 1997, nach 2000, nach 2001, nach Eon, und in den letzten Jahren und jetzt wieder. Immer wieder hieß es: Jetzt werden die Amis bestraft, jetzt kommt der Crash, jetzt wirken die Marktgesetze…nada. Und die Amerikaner und Briten haben uns in dieser Zeit überholt. Und glaube doch keiner, dass die Amis jetzt endlich für ihre Sünden bestraft werden. Quatsch, die gehen schneller aus dem Immobilienmarkt als wir schauen können, denn die Amis sind pragmatisch und flexibel. Da gibts dann ein paar Opfer und in einem Jahr startet die nächste Rallye woanders.
    Und wir wartet hier darauf, das unsere Theorien endlich die amerikanische Wirklichkeit einholt. Aber die Amis sind einfach zu schnell!

  3.   f.lübberding

    @ eurooptimist

    Die Deutsche Bank ist ja zur Zeit bemüht, Imagepflege zu betreiben. Über die gewöhnlich gutinformierten Kreise auf Spiegel Online, die sich aber leider nie im Sauerland melden, wird der Deutschen Bank „Dankbarkeit“ gezollt, dass sie die Kreditlinie gekündigt hatte. Ackermann war also als Aufklärer unterwegs – und ist den Schurken in der IKB rechtzeitig auf die Schliche gekommen. Dort werden wir in den nächsten Tagen noch einige von dieser Sorte finden – schließlich muß der Fall IKB „Institutsspezifisch“ bleiben, so gerade Axel Weber. Und für eine entsprechende Gage sind sicherlich auch einige Schauspieler bereit, diese Rolle zu übernehmen. Weil natürlich keiner ahnte, dass diese Bank machte, was alle machten. Ich denke, HeliBen beschreibt das zutreffend. Zum Glück haben ja schon alle vergessen wie der economist vor einiger Zeit die Deutsche Bank als Hedgefond titulierte. Aber jetzt verdienen sie ja ihr Geld mit den Filialen der Norisbank. Auf jeden Fall bin ich mir ziemlich sicher, dass ein Abs oder Herrhausen in diesem Fall nicht so reagiert hätten wie Ackermann. Nämlich die Politik vor vollendete Tatsachen zu stellen. Aber ein Abs hatte ja auch noch keine Ahnung von Derivaten. Aber von heute aus gesehen wird er fast schon zum Helden – und das soll etwas heißen, wenigstens aus meiner Perspektive. Das Bild mit dem „Schwarzen Peter“ ist gut gelungen. Nur gibt es in diesem Spiel zur Zeit eigentlich noch andere Karten? Normalerweise gibt es bekanntlich nur einen, der zur Fruede meiner Kinder auch immer bei mir landet. Wie man gerade lesen konnte, hat jetzt die Union Investment auch einen entdeckt. Das muß an ihrem Volkswirt liegen. Der war sich nämlich nicht sicher, wo überall noch irgendwelche Schwarzen Peter liegen könnten. Wie es scheint, wurde er schon letzte Woche fündig.

  4.   rawe64

    @DW+HeliBen:

    Nun meine Wette ist: es werden in den nächsten beiden Jahren weder eine Großbank der Top Ten noch eine halbwegs in der Größenordnung von einigen hundert liegende Anzahl von Hedge Fonds in die Knie gehen (siehe HeliBen in #2).

    Meine Prognose: in 4 Wochen ist das Thema „Subprime“ eines unter vielen und in 3 Monaten hat RvH seine DAX-Wette verloren.

  5.   f.lübberding

    @goodnight

    Leider sind Sie nicht im 21. Jahrhundert angekommen, sondern im frühen 20. Jahrhundert. Vor dem Crash 1929 gab es auch solche Theorien – und die sind bekanntlich brilliant bestätigt worden. Außerdem unterschätzen eigentlich Sie die Vitalität der USA – und die ist eben zum Glück nicht auf Finanzmarkt-Akrobatik beschränkt. Ansonsten wäre das alles nämlich schon längst den Bach herunter gegangen. Nur sind die USA zur Zeit tatsächlich in einem beängstigendem Umfang schwach geworden – und das liegt unter anderem daran, dass Ihre Theorien in der herrschenden Klasse der USA dominant geworden sind. Und das nur, weil einige Leute ihren eigenen Vorteil über den ihres Landes gestellt haben.

  6.   EuroOptimist

    @ goodnight
    Sie malen mir Deutschland entschieden zu weiss und die USA entschieden zu schwarz. Die deutschen Banken mögen zu vorsichtig sein bei Krediten an deutsche Häuslebauer und Unternehmen, aber bei den Subprime-Hypotheken in den USA waren sie trotzdem dabei. Was nützt die kaufmännische Vorsicht, wenn sie im Inland größer ist als im Ausland? Unter dem Strich heisst das: die Deutschen verschenken ihre Leistung. Ich erinnere mich noch gut, wie mein Arbeitgeber im Jahr 1999 aus Prestigegründen (eine „Story“) in die USA gegangen ist, um dort das Geld zu versenken, das er hier den Mitarbeitern abgespart hat. Trotzdem geht jeder Krug nur so lange zum Brunnen, bis er bricht.

  7.   Martin Heck

    @goodnight
    Viele Amerikaner zahlen längst.
    Zwar haben relativ mehr Amerikaner Aktien als Deutsche, aber trozdem ist es auch in Amerika eine begrenzte Anzahl von Leuten, die tatsächlich davon leben können.
    Der Effekt auf die offensichtlichsten Makrodaten ist vielleicht nicht so groß, aber einiges gibt es doch.
    Der Gini-Koeffizent für Einkommen ist in Amerika höher als in Deutschland, trotz Wiedervereinigung und der Tatsache, dass die Amerikaner stolz darauf sind, dass in ihrem Land Herkunft die Chancengleichheit nicht so stark beeinflusst.
    Die öffentlichen Schulden/BIP sind höher als in Deutschland. Die angegebenen Zahlen für Deutschland sind in der Regel sämtlichen öffentlichen Schulden, in den USA werden meist nur die von Washington zu bedienenenden Schulden angegeben.
    Die Infrastuktur ist schlecht. Die Bahnen sind alt, das Stromnetz bricht häufiger als bei uns zusammen. Einge Extrembeispiele, die nichts destotrotz einen gewissen repräsentativen Charakter haben, sind der gestrige Brückenzusammenbruch, der Dampfleitungsbruch in New York vor ein paar Wochen, der die ganze Stadt erschreckt hat und die maroden Dämme von New Orleans, die eigentlich dem Hurrikan hätten stand halten sollen.
    Der typische Optimismus der Amerikaner bröckelt (persönliche Erfahrung mit Amis). Gestiegene Ungleichheit, Terror und der Irakkrieg, der unter anderem einen dramatischen Imageverlust der USA zur Folge hat, nagen am Selbstbewusstsein. Der Irakkrieg wird wahrscheinlich langfristig ohnehin als der Wendepunkt in die Geschichte eingehen, wo sich zum ersten Mal die Macht der USA nicht erhöht, sondern verkleinert hat. Das hat auch Konsequenzen auf das Selbstvertrauen Russlands, etwa wenn es um die Sicherung von Rohstoffen im Nordmeer geht. Vor kurzem hat ja Russland seine Claims bis an den Nordpol gesteckt.

    Dass die USA in Zukunft noch mehr leiden werden und frühere Vorhersagen sich z.T. als nicht wahr erwiesen haben, hat wohl auch damit zu tun, dass die USA im ersten Teil der Nachkriegsgeschichte Nettoexporteur waren und dem Ausland Geld geliehen haben. Zudem wurden sie auch politisch durch den kalten Krieg gestützt. Europa und kommunistisch geführte Länder waren so keine adäquaten Alternativen etwa für Kapitalströme oder Währungsreserven.
    Heute zweifeln nur wenige daran, dass auch der Euro als Reservewährung taugt und selbst enge Verbündete wie D, GB oder Japan haben eine grössere politische Distanz zu den USA als früher.
    Ein letzter Punkt, den ich erwähnen möchte sind auch Veränderungen in der Umwelt. Sicher ist Asien viel stärker von Umweltproblemen betroffen als die USA, aber auch dort wird in Texas das Wasser knapp. Schon seit Jahrzehnten ist klar, dass der westliche Lebensstil die Umwelt so verändert, dass der westliche Lebensstil irgendwann unmöglich wird. Die Zeitskalen auf denen solche Veränderungen passieren sind nun mal Jahrzehnte, so dass die negativen Vorhersagen eben mit hohen zeitlichen Unsicherheiten behaftet sind. Eintreffen werden viele gleich wohl.

  8.   HeliBen

    @f.lübberding,

    Alles richtig was sie da schreiben. Die Deutsche habe ich deshalb als Gewinner tituliert, weil diese gegen den Subprime gewettet hat und den Müll rechtzeitig abgestossen hat. Ob das moralisch in Ordnung ist oder nicht, möchte ich hier nicht kommentieren, aber soviel kann ich Ihnen sagen, wir liegen glaube ich nicht weit voneinander.

    „Zum Glück haben ja schon alle vergessen wie der economist vor einiger Zeit die Deutsche Bank als Hedgefond titulierte.“

    Ich kenne das nur vom Handelsblatt.

    @goodnight,

    „Entspannt? Bei 7,5 % Minus in wenigen Tagen?
    Früher nannte man sowas einen “Crash”, heute ist das eine “Konsolidierung”. As times goes by!“

    Gewöhnen Sie sich dran … das ist noch milde … es wird noch bunter. 😉

    „Diese ganze USA-Diskussion ist doch eine unendliche Geschichte. Die US-Wirtschaft ist doch seit den 70er Jahren aus Fundamental-Daten-Sicht klinisch tot. Seit 30 Jahren.“

    Richtig, ich hätte es nicht besser sagen können.

    „Weil die Amerikaner sich nicht mehr um Produktion und solche Sachen kümmert, die Amerikaner sind im 21. Jahrhundert angekommen.“

    Nehmen Sie das jetzt nicht persönlich, aber genau das ist „Wall Street Bullshit“. Produktion ist immer noch ein wichtiger Teil der Volkswirtschaft und wenn Sie mich fragen, dann sind die USA wieder im vorindustriellen Zeitalter angekommen. In den USA macht man sich Hoffnung, dass der ausfallende Konsument nun durch die Industrie aufgefangen wird. WELCHE INDUSTRIE? Und warten Sie bis die ersehnte Aufwertung des Yuan und Yen einsetzt, dann werden Importe preislich durch die Decke gehen und dann werden wir wieder Amerikaner bei Maytag sehen, die Waschmaschinen zusammenschrauben.

    „Die leben nicht mehr von Arbeit, sondern vom Kapitalmarkt.“

    Und wem gehört der Kapitalmarkt? Petroländer, China, Japan und Europa. Die Amerikaner leben vom Erspartem! Verkauf dein Haus, mach eine Weltreise und wo wohnst du dann? Alles etwas kurzsichtig … Oder?

    „Der Deutsche hingegen baut weiterhin Autos und Maschinen. Braver Deutscher! Armer Deutscher!“

    IRGEND EINER MUSS ES TUN! 😉 Wenn Sie Saudi wären, was würden Sie lieber nehmen … IOU oder eine neue S-Klasse? Die Saudis, Die Emirate suchen drigend nach einem Einstieg in dem europäischen Kapitalmarkt. Das klappt nicht. Die haben die Nase voll vom Dollar. Kuwait hat seine Dollarkopplung freigegeben.

    „Die Briten waren so klug und haben von den Amis gelernt und in den 90ern die größte Bankmetropole Europas in London gebastelt.“

    Die Amis und Briten haben eins gemeinsam: Öl. GBs Rettung waren die Ölfunde in der Nordsee. Darauf baut das gesamte Finanzsystem. Die Vorräte neigen sich dem Ende und damit wird England neue Wege suchen müssen. Die USA haben den Petrodollar. Alle Öl Reserven sind US Reserven. Öl in Euroland ist beschränkt. 😉

    „Der Kapitalmarkt hat nix mehr mit Fundamentaldaten oder VWL-Theorien zu tun.“

    Hat er schon! Nehmen Sie die „Inflationszahlen“ und multiplizieren Sie diese mit 3 und schauen Sie mal wie die Sache dann aussieht.

    „Amerikaner und Briten haben uns in dieser Zeit überholt.“

    Das glaube ich nicht. Die Deutschen sind in Ihren Staatsanleihen verliebt. Wenn alles zusammenbricht, dann wollen Sie genau da sein.

    Als ich in den USA war, fragte ich Einige von Ihnen was man mit Deutschen assoziert. Da fielen folgende Worte: Diszipliniert, Fleissig und REICH!!!!!!

    Die Amerikaner erzählen viel wenn der Tag lang ist. Wenn der kleine Joe Sixpack dir erzählt, dass er zehn Porsche in der Garage hat, dann heisst das er einen Fahrad fährt. Sie reden die deutschen Schlecht … und die USA zu rosig.

    Natürlich gibt es vieles Gutes in den USA … die Forschung … den Drang nach Freiheit und freien Unternehmertum … den Geist von Friedman … aber genau das wird hier diskutiert .. hier versuchen wir Andere davon zu überzeugen, dass Freiheit eine Voraussetzung für Wohlstand ist.

    HeliBen

  9.   Kai Schlesinger

    Sagt der Arzt zum Patienten: „Gute Nachrichten, Sie haben nicht Blutkrebs, es ist nur ein kleiner Leberkrebstumor.“

    Mehr fällt mir zu dem obigen Beitrag und ähnlichem nicht ein.

  10.   Dummschwätzer

    @Kai Schlesinger

    nicht doch – die IKB ist doch nur ein kleiner Hitzepickel auf der globalen Gänsehaut – dafür braucht man auch keine Krankenversicherung (47.000.000 Elvis Fans can’t be wrong).

    Bedenklich finde ich allerdings, daß die US-Regierung bereits damit beginnt das angestaubte Waffenarsenal zu verschenken – vielleicht wollen die Bushkrieger ihren Sold künftig in Euro ausgezahlt bekommen… LoOoL

 

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