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Risiken für die Weltwirtschaft

 

Wie schnell sich die Lage an den Kapitalmärkten ändern kann! Bis vor zehn Tagen ging es noch um Inflationsrisiken, robustes Wachstum der Weltwirtschaft und das Timing von Zinserhöhungen. Jetzt stehen nach den plötzlichen Liquiditätsproblemen der Banken auf einmal ganz andere Themen im Mittelpunkt: platzende Immobilienblasen, unverkäufliche Asset Backed Securities, das Ende der Yen-Carry Trades, der Verkauf riskanter Papiere, vor allem von Aktien, Rettungsaktionen für diverse Banken, die Flucht in sichere Anlagen, Zinssenkungen und das Risiko, dass sich die Krise im Finanzsektor auch in der Realwirtschaft bemerkbar machen könnte.

In meinem neusten Investment Outlook versuche ich mir einen Reim auf die Ereignisse der letzten Tage zu machen und herauszufinden, wohin die Reise gehen könnte.

Wermuth’s Investment Outlook – August 2007*) (pdf, 218 KB)

*) Den Investment Outlook von Dieter Wermuth in englischer Sprache gibt es einmal im Monat und er wird zunächst kostenlos auf Herdentrieb zum Herunterladen bereitgestellt. (ur)

8 Kommentare

  1.   Gerry

    Das Problem mit Finanzkrisen liegt in den komplexen Nachbeben und Kettenreaktionen. Noch sind alle Zusammenhänge längst nicht aufgedeckt. Bis mindestens Januar 2008 könnten Firmen, Banken, ja ganze Länder noch plötzlich entdecken, dass sie sich verspekuliert haben, obschon sie sich heute noch sicher wähnen. Die asiatische Finanzkrise von 1997 löste den Zusammenbruch der gesamten russischen Wirtschaft erst im August 1998 aus. Wir sollten also den Tag nicht vor dem Abend loben.

  2.   Leverage is your friend??

    … meistens ja!! Oft leider nicht selbst verschuldet und momentan nur leider sehr schmerzhaft.

    Woher kommt aber Leverage? Leverage kommt von niedrigen Zinsen. Der allgemein bekannte „Greenspan Put“ hat die Märkte in einen „Moral Hazard“ verführt. Man kann sich so viel Geld leihen um bei höheren Renditen anzulegen??? Wenn es schief geht, werden einfach die Zinsen gesenkt… .

    Negative Realzinsen (wie in der Zeit nach dem „Neuen Markt“) haben vielen Investoren, die eine garantiere Mindestverzinsung vertraglich versprechen müssen, das Leben sehr schwer gemacht. Sie waren auf der Suche nach Investments, die den versprochenen Mindestzins (i.e. Lebensversicherung) noch liefern konnten. Was ist die Antwort? Leverage! Anders geht es nicht! Ein gutes Rating, aufgrund von Wahrscheinlichkeiten wissenschaftlich korrekt belegbar, haben sogar Geldmarktfonds zu einer auskömmlichen Rendite verholfen.

    Sollte die FED die Zinsen erneut senken, wird das Finanzsystem in eine tiefere Finanzkriese „vertagt“ werden. Daher sollte für eine reinigende Rezession bei einem weiter gleich bleibenden Zinsniveau plädiert werden.

    Da aber nächstes Jahr eine Präsidentschaftswahl in den USA ist, fehlt mir der Glaube an die notwendige Korrektur.

  3.   Markus

    Ein Platzen der amerikanischen Schuldenblase ist für das weitere Gedeihen der Weltwirtschaft nötig. Die Casino- Wirtschaft muss durch durch reale Wertschöpfung ersetzt werden. Möglicherweise muss der Dollar massiv abgewertet werden, auch wenn das für die Hauptgläubiger China und Japan schmerzhaft sein wird.
    J


  4. […] Dieter Wermuth publiziert sein aktuelles Investment Outlook, in dem er mit den sich veränderten Fakten auch seine kurz- und mittelfristigen Ansichten anpasst. Sein bisher vorsichtig optimistischer Ton ändert sich spürbar in Richtung “Risiken für die Weltwirtschaft“, wie er seine Publikation bei Herdentrieb auch gleich betitelt: Wie schnell sich die Lage an den Kapitalmärkten ändern kann! Bis vor zehn Tagen ging es noch um Inflationsrisiken, robustes Wachstum der Weltwirtschaft und das Timing von Zinserhöhungen. Jetzt stehen nach den plötzlichen Liquiditätsproblemen der Banken auf einmal ganz andere Themen im Mittelpunkt: platzende Immobilienblasen, unverkäufliche Asset Backed Securities, das Ende der Yen-Carry Trades, der Verkauf riskanter Papiere, vor allem von Aktien, Rettungsaktionen für diverse Banken, die Flucht in sichere Anlagen, Zinssenkungen und das Risiko, dass sich die Krise im Finanzsektor auch in der Realwirtschaft bemerkbar machen könnte. […]

  5.   Spekulant

    Sehr geehrter Herr Wermuth,

    wiederum Vielen Dank für die interessanten Analysen der letzten Tage und großer Respekt, weil Sie zu den Wenigen gehört haben, die immer wieder auf die Marktungleichgewichte und ihre unausweichliche Korrektur hingeweisen haben.

    Mich würde jedoch sehr interessieren, ob Sie es so negativ sehen wie die SZ vom Wochenende. Dort heißt es im Wirtschaftskommentar auf Seite 23: „Denn nur [die Sparer mit ihrem anhaltenden Vertrauen in die Märkte], kombiniert mit Finanzspritzen der Zentralbanken verhindern derzeit wahrscheinlich erste Schlangen vor Bankfilialen mit anschließender Hyperinflation und einer panischen Flucht in Gold und Sachwerte, wie sie etwa die deutsche Bervölkerung zuletzt 1923 miterlebt hat.“

    Ist die Lage wirklich so brisant, oder schützen uns die Rekordgewinne der Aktiengesellschaften vor einem Zusammenbruch wie 1923?

    Außerdem hätte ich gern gewußt: Erwarten Sie steigende oder fallende Yen-Kurse? Da scheinen mir Ihre Aussagen widersprüchlich.

    Ihr

    Spekulant

  6.   HeliBen

    @der Spekulant,

    „Ist die Lage wirklich so brisant, oder schützen uns die Rekordgewinne der Aktiengesellschaften vor einem Zusammenbruch wie 1923?“

    Ich habe vor über einem Jahr schon davor gewarnt, dass uns eine Bankenkrise vor der Haustür steht und bin oft belächelt worden, nach dem Motto „Bankenkrise, ach was … heute doch nicht mehr“. Ja die Lage ist so schlimm …

    Wann der endgültige Zusammenbruch kommt, weiss ich nicht, aber er wird kommen. Wann? Keine Ahnung … aber wahrscheinlich bevor ich in Rente gehe …

    HeliBen

    P.S.: Gold sollte als Versicherungspolice immer dabei sein!

  7.   Dieter Wermuth

    @ HeliBen

    Warum immer Gold? Wenn wir eine Deflation kriegen, sollte man 30-jährige Bundesanleihen haben, wenn es eine Inflation geben sollte, sind Aktien und Immobilien, vielleicht auch Rohstoffe, die besten Anlagevehikel. Gold ist in beiden Szenarien eine schlechte Alternative.

    Grüße, DW

  8.   Dieter Wermuth

    @ Spekulant

    Wir haben 1923 die schlimmste Inflation der deutschen Geschichte erlebt. Dass es diesmal zu etwas Ähnlichem kommen wird, kann ich im Augenblick überhaupt nicht sehen. Der Vergleich müsste mit 1929 sein, also mit der Weltwirtschaftskrise, die auf den Aktienboom der zwanziger Jahre folgte. Da war das Thema Deflation, nicht Inflation, also mangelnde Nachfrage und stark steigende Arbeitslosigkeit, die letztlich Hitler an die Macht gebracht hatten. Ich sehe nicht, wie die Fehler von damals wiederholt werden könnten. Sobald es nach Deflation aussehen sollte, werden sowohl die Finanzminister als auch die Notenbanken eine stark expansive Politik verfolgen. Wir sind an einem kritischen Punkt angelangt. Deswegen stehen die Wirtschaftspolitiker ja Gewehr bei Fuß. Sie wollen allerdings noch etwas mit einer massiven Lockerung warten, weil sie eigentlich darauf setzen, dass die Märkte erst mal am Zug sind, und es nicht so toll ist, wenn die Spekulanten ganz ungeschoren davon kommen.

    Was den Yen angeht, hat noch nie eine Währung mit einem so großen Leistungsbilanzüberschuss und einer so ausgezeichneten Wettbewerbsfähigkeit so stark abgewertet – ich denke daher, dass der Yen stark aufwerten wird, auch gegenüber dem Euro, vor allem aber gegenüber dem Dollar.

    Grüße, DW

 

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