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Arbeitsmarktdaten bringen Zinssenkung

 

US Arbeitsmarkt 0708

Die eben veröffentlichten Zahlen zum US Arbeitmarkt haben für eine allgemeine Überraschung gesorgt. Während die Mehrheit der Analysten mit einem Anstieg um 100 Tsd. gerechnet hatten, ist die Zahl der abhängig Beschäftigten nach den vorläufigen Angaben des Bureau of Labor Statistics im August saisonbereinigt um 4000 gegenüber dem Vormonat gefallen. Eine Zinssenkung der US Notenbank Fed dürfte damit unmittelbar bevor stehen.

Die Beschäftigungszahlen vom heutigen Freitag können als Zeichen dafür gewertet werden, dass die Immobilienkrise eine deutliche Spur in der US Konjunktur hinterlassen wird. Nach den nach unten revidierten Zahlen für Juli und Juni lag der monatliche Beschäftigungsanstieg in beiden Monaten mit jeweils rund 70 Tsd. schon ordentlich unter dem Schnitt der vergangenen vier Jahren von rund 170 Tsd. Im Baugewerbe gingen seit September 2006 rund 96 Tsd. Stellen verloren. Zwischen 2003 und 2006 entfielen fast 15 Prozent der neu geschaffenen Jobs auf den Bau. Auch im Verarbeitenden Gewerbe gibt es seit letztem Jahr einen verstärkten Stellenabbau. Im August waren hier 235 Tsd. Menschen weniger beschäftigt als Mitte 2006, während in den drei vorangegangenen Jahren rund 250 Tsd. Stellen verloren gingen. Neben dem negativen Vermögenseffekt der Immobilienkrisen wird nun auch ein Rückgang in der Beschäftigung auf die privaten Konsumausgaben, der wichtigsten Stütze des Wirtschaftswachstums in den Vereinigten Staaten, drücken. Seit Anfang des Jahres hat sich der jährliche Zuwachs des realen Konsums von 3,4 Prozent auf 2,5 Prozent im Juli verlangsamt.

Das die Fed am 18. September die Fed Funds Rate senken wird, scheint so gut wie ausgemacht. Nach den Zahlen von Heute ist die Wahrscheinlichkeit gestiegen, dass sie sogar vor diesem Termin tätig wird. Die Inflationsrate dürfte Ben Bernanke bei der Entscheidung kaum im Wege stehen. Die Kerninflationsrate des Preisindex des Privaten Konsums, das bevorzugte Maß der Fed, liegt bei 1,9 Prozent und die Inflationserwartungen, gemessen am Zinsunterschied zwischen nicht indexierten und indexierten 10-jährigen Treasuries liegt bei 2,2 Prozent mit fallender Tendenz. Außerdem sind die Krise im Finanzsektor und das Verhindern einer tiefen Rezession jetzt die ersten Ziele.

102 Kommentare

  1.   Wi-Ing-030

    Also … jetzt endgültige Entscheidung für Hyperinflation ? Prima.

    Sie schreiben…
    “ Die Inflationsrate dürfte Ben Bernanke bei der Entscheidung kaum im Wege stehen. Die Kerninflationsrate des Preisindex des Privaten Konsums, das bevorzugte Maß der Fed, liegt bei 1,9 Prozent“

    …-> Die Messung der “INFLATION” mit dem “PREISNIVEAU” ist offenkundiger Blödsinn und wird m.E. insbesondere auch von interessierten Kreisen zur Volksverdummung praktiziert.

    Begründung (in aller Kürze):

    Preissteigerungen können genau 2 Ursachen haben:

    a) …sie können durch Veränderungen bei ANGEBOT & NACHFRAGE nach GÜTERN in der REALWIRTSCHAFT entstehen ( Missernten durch Dürre, ein Irrer rennt mit der Brandfackel in der Hand über die Öl-Wüsten Arabiens, usw).
    Steigende PREISE erfüllen ihre HAUPTFUNKTION in der Marktwirtschaft – sie zeigen
    Veränderungen der KNAPPHEIT an ! Nachfrager & Anbieter können vernünftige Entscheidungen bezüglich ihrer Produktion- bzw Konsumpläne treffen.

    b) …sie können durch (übermässige) Erhöhung der GELDMENGE entstehen. Der Preisanstieg zeigt jetzt nicht eine Verknappung der Güterversorgung, sondern in Wahrheit eine Geldentwertung (Kaufkraftverluste des Geldes gegenüber den Gütern) an.
    Nachfrager & Anbieter haben erhebliche Schwierigkeiten vernünftige Entscheidungen bezüglich ihrer Produktion- bzw Konsumpläne zu treffen – je nach Wissensstand werden sie Opfer der GELDILLUSION.

    -> Tagesschau-Meldung: “Preisindex-Anstieg um 2,9% (y/y)”

    -> …was heisst das jetzt ? a) oder b), oder was ?????

    Bei a) ist die Notenbank in Wahrheit machtlos. Was soll sie den bei Missernten mit Geldbündeln anfangen ???

    Bei b) ist die Notenbank am Zuge. Sie hat die Preis-Verzerrung durch übermässige Geldversorgung verursacht. Sie sollte die Geldmenge auf ein NEUTRALES NIVEAU reduzieren und in Zukunft darauf achten den Geldumlauf nur entsprechend des realen Wirtschaftswachstums zu erhöhen. Dies ist sicherlich auch mit ANPASSUNGSPROZESSEN seitens Unternehmen & Haushalten & Staat verbunden die im einzelnen auch als “unangenehmen” empfunden werden. Es ist aber allemal besser (für die Bevölkerung insgesamt) als die Inflationspolitik zu verstärken und zur Hyperinflation überzugehen

    (http://www.economist.com/diversions/millennium/...)

    Beste Grüsse,
    Wi-Ing-030

  2.   inti

    hallo wi-ing 30 …

    deine darstellung und deine fragen zum inflations-thema sind schön und gut, aber deine schlussfolgerungen daraus teile ich nicht

    a.) wenn preisänderung auf nachfrageänderungen zurück zu führen sind, so bedeuten nachfrage- und somit preiserhöhungen bei gut i, dass die nachfrage nach einem (oder allen) anderen gütern j sinkt(en) daher wird die inflation des wahrenkorbes gebremst und kann nur durch entsparen befeuert werden … dein schlussfolgerung der machtlosigkeit der notenbank stimmt nicht, da die notenbank durch die zinssetzung den anreiz zum sparen setzt und dadurch nachfrage dämpfen kann, in wie weit das sinnvoll ist, kann aber bezweifelt werden, da im sinne der RBC-theorie eine optimale anpassung an den angebotsschock (durch missernet, spinner im ölfeld …) erfolgt. ebenso dienen die steigenden preise dazu, dass die produktion in eben jenem sektor ausgeweitet wird und so sich selbst bekämpft

    fall b) sehe ich ähnlich …

    und das problem, dass die produzenten und konsumenten in einer eindimensionalen inflationsgröße die ursachen eben jener nicht eindeutig differenzieren können sehe ich ebenso, aber eine aufschlüsselung nach verschiedenen bereichen der lebensführung hilft da viel weiter … sie wird vom statistischen bundesamt:
    http://www.eds-destatis.de/de/downloads/sif/sf_07_105.pdf
    seite 7 gliedert in verschiedene bereiche der lebensführung auf 😉 ist zwar immernoch aggregiert aber besser wie eindimensional … und es gilt zu beachten, dass inflation mit geldmengendisequlibria ein gleichmässiges bild der inflationsraten zeichnen sollte

    grüße
    inti


  3. […] Zwar steigt jetzt die Wahrscheinlichkeit, dass die Fed die Zinsen am 18. September senken wird (vgl. Arbeitsmarktdaten bringen Zinssenkung bei Herdentrieb von Uwe Richter), doch bad news ist bad news. Zumal ich immer behauptet habe, dass die Hypothekenkrise – soweit sie eine Geldkrise bleibt – nicht so schlimm ist. Geld gibt es, Geld kann man “drucken”; die Zentralbanken werden Sicherheiten annehmen, übernehmen, alles ist letztendlich nur Papier, Schulden, die verlängert, umstrukturiert werden können etc. (wenn die EZB – weniger flexibel und “akademisch” wie sie nun mal ist – es nicht machen soll, so macht es die Fed und das ist wichtiger: worum geht es? – Man muss den Spekulanten leider helfen, Robert von Heusinger in der Zeit). Der Vertrauen kann mit Geld geflickt werden – der Preis dafür ist gewöhnlich Inflation. Da wir aber die – vermutlich – günstige Situation haben, wegen der Globalisierung (darunter vor allem wegen der großen Produktivitätssprünge in den Emerging Markets) in einem eher deflationären Umfeld zu leben, kann die Operation sogar gelingen… […]

  4.   Bodo

    Die Panik wegen des Falls der Beschäftigtenzahl um nur 4000 nach 47 Monate langem steten Anstieg meist um mehr als 100.000 pro Monat, ist geradezu lächerlich. Gewiss ist es enttäuschend, dass die Ziffer nicht abermals stieg, aber schließlich hatte man ja eben erst einen Finanzschock zu überwinden. Wenn die Beschäftigtenzahl nächsten Monat um 400.000 fallen sollte, ließe sich schon eher von einer Krise reden.

  5.   Hermann Keske

    Da kann ich einfach nicht widerstehen, das Thema hat einfach einen phantastischen Unterhaltungswert.

    Preissteigerungen können nicht genau 2, sondern eine unbekannte Vielzahl von Ursachen haben. Zum Beispiel können die beiden Ursachen, die Wi-Ing 030 dazu eingefallen sind, in Kombinationen von unendlicher qualitativer Vielfalt auftreten, und das auch noch in einem Prozess der fortlaufenden Veränderung. Es braucht nicht viel Phantasie, sich vorzustellen, dass zu üppige Geldschöpfung mit einem veränderten Nachfrageverhalten oder auch mit einem verringerten Angebot zusammenfallen kann – ohne dass jemand in der Lage wäre, Preisveränderungen mal der einen, mal der anderen Ursache oder gar beiden Ursachen irgendwie gewichtet zuzuordnen. Es ist auch ziemlich verfehlt, den Preis als Masstab für die Knappheit eines Gutes anzusehen – wenn zu Beginn der Sommerferien die Benzinpreise steigen, dann hat dies nicht im mindesten mit der Knappheit des Gutes Benzin zu tun. Ich habe noch nicht davon gehört, dass einem Urlaubsreisenden kein Benzin mehr hätte verkauft werden können. Preissteigerungen sind dann eine absolut alltägliche Erscheinung des Marktversagens (= Versagen des theoretischen Marktes, der real existierende funktioniert immer so).

    Und da sind wir auch schon bei einer weiteren möglichen Ursache von Preissteigerungen, nämlich dem Marktversagen, das, wie jeder weiss, die absolute Regel ist, kaum jemals unterbrochen von stabilem Marktgelingen.

    Wieder ganz praktisch: Die vier Vorstandsvorsitzenden der grossen Energieversorger treffen sich in Da-wos-teuer-ist und stellen wortlos übereinstimmende Interessen fest: Die Energiepreise müssen steigen. Energie ist reichlich vorhanden, alle Leute mit Heizung , Fernseher, Kühlschrank und Waschmaschine sind genügend unfrei bei der Entscheidung, ob sie Strom abnehmen wollen oder nicht, und die Vorstandsbezüge steigen in angenehme Grössenordnungen, wenn der Gewinn des Unternehmens gesteigert werden kann. So gebietet der Markt ganz ohne Veränderung des Angebots oder der Nachfrage und völlig unabhängig von der gerade vorhandenen Geldmenge eine deutliche Preisanhebung.

    Wie man sieht, kommt Marktversagen als generelle Ursache für Preisveränderungen in Betracht, und zwar ganz unabhängig von der Knappheit von Gütern oder der Geldmenge.

    Aber das ist alles nicht so wirklich besorgniserregend. Wir sind ja auf dem Weg in den kapitalistischen Idealzustand des vollkommenen Marktes. Auf diesem Markt sind alle Marktteilnehmer ohne Einfluss auf den Preis – sie nehmen die gegebenen Preise hin und werden deshalb Mengenanpasser genannt. Wie diese Art von Marktteilnahme dann zu Preisveränderungen führt, muss erst noch erforscht werden. Wenn es sich um „gegebene“ Preise handelt, wird es sich um eine höhere Macht handeln, eine Art Preisgeber.

    Gegen den kann man sowieso nichts machen.

    :-))

  6.   Wi-Ing-030

    Die „INTI-Lektionen“ des Wi-Ing-030 😉

    @ inti ( & Alle)

    Hallo Inti,

    …-> … also zunächst muss ich mich bei Ihnen bedanken. Sie gehören zu den ganz wenigen Leuten auf dem Planeten, die sich ernsthaft mit so überaus wichtigen Fragestellungen wie dem …

    „AXIOM I: Untauglichkeit von PREISNIVEAU-Indices zur Messung der INFLATION“
    (Untauglichkeit der Index-Währungen)

    beschäftigen …

    …-> … und ich muss Ihnen sagen, dass aus Ihnen womöglich eines Tages noch mal ein ganz grosser Nationalökonom werden kann …

    …-> … denn der von Ihnen vorgetragene Einwand (in a) ) gegen das obige Axiom ist zwar schon lange bekannt, aber immerhin im Grunde das einzige Gegen-Argument, dass jemals vorgetragen wurde & zumindest im Ansatz den Anschein von Plausibilität vortäuscht …

    …-> … dieses Argument hat kein geringerer als IRVING FISHER 1911 in „The purchasing power of money“ vorgetragen … es heisst das „Gesetz der kompensatorischen Preisänderungen“ (GdkP) … und machte Fisher zu einem Befürworter der Index-Währungen (… wieder mal ein Beispiel dafür, dass auch grosse Ökonomen, denen die Menschheit viel zu verdanken hat, sich gewaltig irren können …)

    …-> … ich zitiere aus meinem Lieblings-Lehrbuch (der „Roten Bibel“ :-)) ) :

    ( http://www.mein-parteibuch.de/…hans-h-lechner-waehrungspolitik/ )

    … Das GdkP kann die Indexwährung nicht zuverlässig begründen. Das GdkP berücksichtigt nicht, dass …

    1.) … gegenläufige Preisänderungen nicht zwangsläufig kompensierend sein müssen ( -> auch ohne zusätzliche Geldschöpfung können sich deshalb (realwirtschaftlich-bedingte) Veränderungen des Preisniveaus ergeben).

    2.) … Preisniveauänderungen unter dem Aspekt des gesamtwirtschaftlichen Gleichgewichts im normativen Sinne erwünscht sein können.

    3.) … unerwünschte Preisniveauänderungen nicht nur durch eine „Aufblähung“ oder „Schrumpfung“ des Geldumlaufs verursacht werden. (Zitat – Ende).

    … -> … pikant ist in diesem Zusammenhang auch die Tatsache, das FISHER sich ja lange zeit ausgiebig mit dem Thema „GELDILLUSION“ beschäftigt hatte – und ihr DENNOCH in besonders drastischer Art & Weise selbst erlegen ist …

    … -> … wir erinnern uns an seine berühmte Aussage im Sommer 1929, dass „Aktienkurse ein – wie es scheint – dauerhaft hohes Niveau erreicht haben.“ ( eine Aussage, die wir übrigens auch heut zu Tage häufig vernehmen können 😉 ) … in dem kurze Zeit später stattfindenden Börsencrash verlor er dann sein ganzes beträchtliches Vermögen (& seine Reputation. wovon in der Folge ein gewisser KEYNES profitiert hat …)

    Sie schreiben weiterhin …
    „…deine schlussfolgerung der machtlosigkeit der notenbank stimmt nicht, da die notenbank durch die zinssetzung den anreiz zum sparen setzt und dadurch nachfrage dämpfen kann …“

    … -> … nichts für Ungut, aber hier irren Sie gewaltig – es handelt sich um AXIOM II eine weitere gewaltige GROSSBAUSTELLE der „modernen“, angel-sächsisch-dominierten Mainstream-VWL, der zu Folge sich quasi „die Sonne immer noch um die Erde dreht“ 🙂 :

    AXIOM II:
    „IMPOTENZ der NOTENBANK bezüglich der Gestaltung des KAPITALMARKTZINSES“
    ( … aka „GREENSPANS CONUNDRUM“ 🙂 )

    Begründung (in aller Kürze):

    …-> … der (KAPITALMARKT-) ZINS ergibt sich am KAPITALMARKT durch Ausgleich von Angebot & Nachfrage von KAPITAL im Sinne von realwirtschaftlichen Absorptionsdefiziten („Ersparnis“) & Absorptionsüberschüssen (= „geliehener“ Konsum & Investition).

    …-> … in der Notenbank „arbeiten“ i.a.R. nickel-bebrillte, karo-behemdete, schwächlich-wirkende Volkswirte, von denen viele im Leben noch keine Fabrik von Innen gesehen haben und noch nicht (körperlich) „gearbeitet“ haben … mit anderen Worten: da in der Notenbank keine Produktionsprozesse stattfinden, kann die Notenbank der Volkswirtschaft auch kein „KAPITAL“ im Sinne von „ERSPARNIS“ zur Verfügung stellen. Das einzige, was die Notenbank zur Verfügung stellen kann, ist bedrucktes Papier oder mehr noch binäre Nullen & Einsen in Bank-Computern („Geld“ & (Giral-)“Kredit“).

    …-> … ein versuchtes Preisdiktat durch den Staat (Notenbank) auf dem Kapitalmarkt („ZINS“) ist genauso „Erfolg“ versprechend wie ein versuchtes Preisdiktat durch den Staat auf allen anderen Märkte auch … es ist aussichtslos.

    (völlig fiktives & rein hypothetisches Beispiel: Die machthabende Schildbürger-Partei-Deutschlands (ab hier „SPD“) versucht aus (vermeintlich) „sozialen Gründen“ ein staatliches Preisdiktat auf dem Brot-Markt. Der Brot-Preis wird auf 1 Gummipunkt (GP) festgesetzt … obwohl der „natürliche“ Markt-Preis (Knappheit – Ausgleich Angebot/Nachfrage) bei 10 GP liegen würde … Da die SPD aber „Schwarzbäcker“, die es wagen Brot für realistische 10 GP anzubieten standrechtlich aufhängen lässt („Gewaltmonopol“) wird Brot tatsächlich für sehr kurze Zeit für 1 GP angeboten. Es dauert aber eben nicht lange, bis der Bäcker-Zunft auffällt, dass die Brot-Produktion unter diesen Umständen für sie wenig sinnvoll ist … sie stellen die Brot-Produktion ein und wechseln beispielsweise ins Hartz4-Gewerbe. In den Supermärkten kommt es in der Folge zu „Ersatz-Symptomen“ für Marktpreise, die immer eintreten, wenn Marktpreise nicht zugelassen werden … die Brot-Regale sind leer … Fazit: Brot ist zwar „billig“ – aber dummerweise nicht vorhanden ;-)))

    … -> ALSO: Die NB kann den natürlichen Kapitalmarktzins nicht beeinflussen !

    …-> Was sie allerdings tun kann – etwa durch eine schäbige Inflationspolitik des „Billigen“ Geldes – ist den „NOMINALZINS“ zu manipulieren & zu verfälschen (kann sie natürlich nur begrenzt in Zeit & Umfang) … in der Folge fallen Teile der Bevölkerung (Haushalte, Unternehmen, Sparer & Spekulanten, Investoren, Konsumenten, …) auf die „GELDILLUSION“ herein … es kommt zu:

    a) … dramatischen allgemeinen Wohlfahrtsverlusten durch Fehlallokation der knappen Ressourcen …

    b) … zu einer gigantischen UMVERTEILUNG von Unten nach Oben ( Realeinkommen von Bänkern (& „Politikern“) steigen i.d.R. erheblich – Realeinkommen einfacher Arbeiter & Angestellter sinken i.d.R. erheblich …)

    c) … häufig zu beobachten ist ein „boom & bust“ – Phänomen. An den Finanzmärkten & in der Realwirtschaft …

    d) … (Hyper-) INFLATION endet so fast immer in DEFLATION …
    (remember Brüning, remember Japan, beware of USA 🙂 )

    e) … je nach Ausmass & Dauer der Inflationspolitik kommt es zu einer existenzbedrohenden Beeinträchtigung von Rechtsstaat und schliesslich der Demokratie selbst …

    f) … signifikant für die Apologeten der „makro-ökonomischen Globalsteuerung der Konjunktur“ durch INFLATIONSPOLITIK ist, dass sie die Geister die sie rufen regelmässig nicht mehr los werden … (z.B. sehen sie die Lösung aller sich durch „zu viel Geld“ ergebenden Probleme immer darin neues Geld dazu zu schütten 🙂 … Analog zu einem Alkohol-Kranken, der die tagtägliche Lösung seines Alk-Problems darin sieht, vermehrt Alkohol zu konsumieren …)

    g) … die Zeche der SUBBRAINS müssen meist die SUBPRIMES bezahlen … :-I

    Beste „neoliberale“ & freiheitliche Grüsse,
    Wi-Ing-030

  7.   Fabian Lindner

    @ Keske

    So einfach ist es ja nun auch nicht. Natürlich können Preisänderungen mehr als zwei Ursachen haben, aber richtig ist dennoch, dass Preisänderungen zwei Phänomene sein können, nämlich entweder der Anstieg des Preisniveaus, oder die Änderung der relativen Preise, ohne Anstieg des Preisniveaus. Dass beides auch gleichzeitig vorkommen kann, bedeutet noch lange nicht, dass man die Phänomene nicht unterscheiden kann.

    Auch in der Natur finden verschieden Prozesse gleichzeitig statt, und wir können sie unterscheiden. Das hat nichts mit der angeblichen Verwaschenheit der VWL zu tun.

    Zu Ihrem Beispiel von Preissteigerungen: Das lässt sich sehr gut im Rahmen der Verschiebung relativer Preise beschreiben. Die interessierten Kreise in Da-wos-teuer-ist verknappen einfach abgesprochen das Angebot. In einem einfachen Angebots-Nachfrage-Schema können sie dann ablesen, was dann passiert: Der Preis steigt bei konstanter Nachfrage. Wenn in der Ferienzeit übrigens die Nachfrage steigt, selbst ohne Angebotsänderung, steigt der Preis auch. Alles ablesbar aus einem einfach Angebots-Nachfrageschema – deswegen ist es ja auch so nützlich.

    Die VWL-Grundveranstaltung führt übrigens auch in Monopol- und Oligopoltheorien und Spieltheorie ein – alles in streng neoklassischer Manier. Und wenn Sie ein bisschen Oligopoltheorie machen, werden Sie gleich auch einige einfache Spieltheorie machen. In der erklärt man nämlich, dass Leute nicht einfache Preisnehmer sind, sondern dass Preise auch gemacht werden und das von der strategischen Interaktion der Marktteilnehmer abhängt. Alles Dinge, die in Grundkursen unterrichtet werden.

    Dass diese Erkenntnisse nicht allein wissenschaftlich sind, zeigt etwa das Bundeskartellamt, das gerade gegen Kartelle und Absprachen vorgehen soll – hier interveniert der Staat massiv, um so etwas wie eine Annäherung an einen Konkurrenzmarkt zu schaffen. Ohne die Intervention aber – und das steckt ja hinter der Erfindung des Bundeskartellamtes – strebt der Kapitalismus in Monopole und Kartelle, wenn man ihm freien Lauf lässt – siehe die Situation in Deutschland ab den 1880er Jahren.

    Diese Erkenntnis hat übrigens die bekennende Keynesianerin Joan Robinson in den 40er Jahren dazu gebracht, die Monopoltheorie zu erfinden.

    Grüße,

    Fabian Lindner

  8.   inti

    hello again,

    ja alles sehr schön … da meine knappe ressource im moment zeit ist gehe ich schnell auf 2 punkte ein:

    1. der unterschied zwischen geld und brot:

    brot wird produziert und konsumiert, erscheint also im system und verschwindet wieder

    geld hingegen ist ein allegmein annerkanntes tauschmittel, es verschwindet also nicht, denn „geld kann man nicht essen“, damit ist der unterschied zu brot gegeben, dass nicht jeder geld emmitieren darf, da sonst immer mehr im wirtschaftskreislauf sich befindet. (zumindest ich würde nicht arbeiten, wenn ich geld emmitieren dürfte)

    damit kommen wir zum anderen punkt
    2. geldillusion ist ein phänomen der kurzen frist, seine existenz ist auf informationsasymmetrien zurück zu führen. wüsste jeder über nachfrage, angebot und geldmenge bescheid gäbe es zwar inflation aber sie würde kein problem erzeugen, da sie von allem antizipiert wird und in den individuellen kalkülen beachtet wird.

    was bedeutet das ganze aktuell für uns:
    – geldmengen wie sie von der EZB ausgewiesen werden wachsen stark (letzte zahl die ich im kopfhabe 9% p.a.)
    – ausgewiesene inflation sagen wir mal 2% p.a.

    wenn ich mich recht erinner an die fishersche-verkehrsgleichung:

    geldmenge*umschlagsgeschwindigkeit=güter*preis
    und mit lustigen mathematischen approximationen
    geldmengenwachstum+änderung der umlaufgeschwindigkeit=wirtschaftswachstum+preisänderung
    mit wirtschaftswachstum (großzügige 3%)
    änderumg der umlaufgeschwindigkeit=3+2-9=-4%
    glaubt man das? ich nicht …
    also stimmt meiner ansicht nach an den anderen zahlen etwas nicht … und wenn ich meinen geldbeutel frage, dann die inflation 😉

    und von der “makro-ökonomischen Globalsteuerung der konjunktur” halte ich eher weniger, nicht weil es theoretisch nicht funktioniert, sondern weil erkenntnis-, entscheidgungs-, umsetzungs- und wirkungsverzögerungen dafür sorgen, dass entscheidungen die vielleicht sinnvoll waren zu einem zeitpunkt wirken, in dem sie nichtmehr benötigt werden und somit eher probleme hervorrufen als zu beheben

    beste freiheitliche grüße
    inti

  9.   goodnight

    @Wing-Commander

    Einerseits sagen Sie: Die EZB/FED kann garnix beeinflussen außer der Geldillusion!
    Andererseits sagen Sie: Greenspan ist Schuld für die „World“-Misere weil der jahrelang die Märkte erheblich beeinflusst hat.

    Hm..Paradoxie?

    Die Lösung in Ihrem Sinne:

    Grenspan hat den armen Konsumenten verführt, rein psychologisch…

    Tja, wenn die Psychologie jetzt schon die VWL steuern kann….

    Aber, egal werden Sie sagen, die Welt ist halt zu blöd nach den Regeln der VWLer zu operieren.
    (P.S. wenn ein Physiker behaupten würde, dass Äpfel eigentlich nach oben fallen, nur das alle Äpfel dieser Welt einfach zu doof wären die Gravitation zu verstehen….egal)

    Abgesehen davon: Da Greenspan und die USA den Weg des „ewigen Wachstums“ einmal angefangen haben, so können sie diesen nicht mehr verlassen. NO WAY OUT! Ist denen völlig egal was irgendwelche Experten sagen.
    Denn: Da draußen, in den Märkten siegt immer der Stärkere!
    Denn: Da agieren immer verschiedene Kräfte mit unterschiedlichen (Markt-)Interessen.
    Also, versuchen Sie mal die Amis für ihre Zinspolitik zu bestrafen, oder die Amis wieder auf den Pfad der Theorie zu führen etc.
    In der FED sitzen nämlich keine weltfremden VWL-Doktriner sondern Pragmatiker!

    Wie auch immer: Ihre Theorie-Gläubigkeit wird Sie nicht weiterbringen im Leben bzw. im Verstehen der Märkte. Abgesehen davon dass es ja nicht mal ein einheitliches Theoriegebäude in der VWL existiert. Ist halt ne junge Wissenschaft.. egal.

    @Fabian Lindner

    Auch hier: Sie vernachlässigen die Marktteilnehmer:
    Der Konsument ist nicht (System-)rational, Ihm fehlen fast alle wichtigen Informationen etc. Auf der anderen Seite stehen Akteure, die Werbung einsetzen (Bedürfnisse erzeugen!), Monopole anstreben, Preise absprechen, Schmiergelder zahlen (Siemens oh Schreck), Bilanzen fälschen (Enron oh Schreck), Gewerkschafter kaufen (VW oh Schreck), sich vom Staat protegieren lassen (Frankreich oh Schreck), Politiker kaufen (USA -Wahlkampf oh Schreck), Spionage betreiben (China oh Schreck), Plagiate produzieren (China…)…etc.
    Ergo: Was ist ein Marktmodell wert, welchen den Marktakteur als Black-Box behandelt. Aber das ist ja selbst in der VWl bekannt, dass das Menschenbild nen Problem ist. Egal.
    Jetzt hat die VWl ja die Spieltheorie….und kann oder will sie nicht in die Marktmodelle integrieren…steht halt jetzt so darum, neben all den anderen Theorie. Nen Physiker würde sich jetzt kaputtlachen…egal.
    Ein Sammelsurium von Thesen, Axiomen, Meinungen etc. Da kann ich auch bei Susi um die Ecke an der Kafferunde teilnehmen 😉

    Wie haben also einen Markt und Ihr VWLer ne Markttheorie!
    Aber Eure Markttheorie kann die Enttwicklung des Marktes nicht vorhersagen! Nicht eine Sekunde!

    Aber all das ist ja völlig egal!

    Deshalb ist die VWL auch völlig egal!

  10.   Thorqemada

    Bodo, die letzen Zahlen der letzten 2 Monate wurden auch stark revidiert und insgesamt hat man nun schon etwa 200.000 Beschäftigte in den USA weniger, als vorhergesagt.
    (Hab ich mit meiner Hinweis auf einen Bericht über das negativ wachsende temp employment nicht so falsch gelegen 😉

    Das muß erschütternd für diese Leute sein, wie für die Kirche, wenn jemandem der wissenschaftliche Beweis gelänge, Gott wäre nichtexistend.

 

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