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Es gibt kein Inflationsproblem

 

Die Überschrift mag provokant erscheinen und ich vermute, dass sie vielen sauer aufstößt. Dennoch, es gibt in Deutschland kein Inflationsproblem, gestern nicht, heute vielleicht ein bisschen, morgen aber schon wieder nicht. Klar, Milch und Butter und fast alle Nahrungsmittel, dazu Benzin und Heizöl und Strom sind deutlich teurer geworden. Hat alles direkt und indirekt etwas mit den höheren Energiepreisen zu tun, die uns die boomende Weltwirtschaft und der endlose Konflikt im Nahen Osten beschert haben. Im September betrug die Inflationsrate bei den Verbraucherpreisen 2,4 Prozent im Vorjahresvergleich – vor einem Jahr waren es noch 1,0 Prozent. Sieht nicht schön aus. Im Dezember könnte die Inflationsrate leicht sogar bei 2,7 Prozent liegen. Dann ist aber Schluss und wir könnten schnell wieder bei unter 2 Prozent landen – weil es dann positive Basiseffekte gibt und die Energiepreishausse bis dahin ausgelaufen sein dürfte.

An den Renditen der langlaufenden Bundesanleihen lässt sich ablesen, dass zumindest die Anleger nicht befürchten, dass die Inflationsraten dauerhaft ansteigen werden. Im Zehnjahresbereich liegen die Zinsen bei 4,17 Prozent, was, wenn man das mittelfristige Wachstum des realen BIP und die Prämie für die lange Laufzeit berücksichtigt, eine Inflationserwartung von deutlich unter 2 Prozent ergibt.

Der wichtigste Treiber der Inflation sind die Löhne, genauer: die Löhne bereinigt um die Effekte des Produktivitätsfortschritts, also die sogenannten Lohnstückkosten. In der gesamtwirtschaftlichen Produktionsfunktion machen die Arbeitskosten mehr als die Hälfte der Gesamtkosten aus und sind damit die bei weitem wichtigste Komponente auf der Kostenseite. Laut Bundesbank übertrafen die gesamtwirtschaftlichen Lohnstückkosten im zweiten Quartal ihren Vorjahresstand um 0,1 Prozent – und ihren Wert vom Frühjahr 1997 im Übrigen gerade einmal um 2,9 Prozent. Die Lohnkosten haben die Inflation im letzten Jahrzehnt massiv vermindert.

Lohnstückkosten und Verbraucherpreise - 0709

Wie wird es hier weitergehen? Die jüngsten Zahlen zu den Stundenlöhnen könnten aus Sicht der „Inflation Fighter“ nicht besser sein: Im zweiten Quartal lagen sie um 0,8 Prozent über dem Vorjahresstand, und im Juli waren es bei den Tariflöhnen 1,3 Prozent. Angesichts einer Arbeitslosigkeit von 3,7 Millionen ist die Verhandlungsposition der Arbeitnehmer nach wie vor schlecht, auch wenn einzelnen Gruppen, wie jetzt vermutlich den Lokführern, schon mal ein größerer Schluck aus der berühmten Pulle gelingt. Die schlauen Leute vom Bau haben das übrigens, gänzlich unbemerkt, schon geschafft: Im Bauhauptgewerbe übertrafen die Löhne und Gehälter je geleisteter Arbeitsstunde im August ihren Vorjahresstand um stolze 7,5 Prozent. Die Gründe: Der Bau ist zum Einen dem internationalen Wettbewerb nur wenig ausgesetzt, zum Anderen sind die Kapazitäten in den vergangenen Jahren stark heruntergefahren worden. Die anziehende Nachfrage war schnell an die Kapazitätsgrenzen gestoßen.

Selbst wenn die Löhne von nun an rascher steigen sollten, wäre das kein Weltuntergang, da es bei der Produktivität noch unausgeschöpfte Reserven gibt. Das reale Bruttoinlandsprodukt je Erwerbstätigenstunde hat im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre um 1,4 Prozent zugenommen, im letzten Jahr dagegen nur um 0,7 Prozent. Der kräftige Anstieg der Investitionen in jüngster Zeit spricht dafür, dass sich das leicht steigern lässt. Nur ist es offenbar so, dass der Anreiz, mehr pro Stunde zu produzieren, nicht so stark ist, wenn die Löhne nur langsam steigen – arbeitsintensive Produktionen lohnen sich relativ zu kapitalintensiven. Das kann sich jederzeit ändern, und wird sich auch ändern, da die Unternehmen normalerweise Gewinnmaximierung betreiben. Insgesamt werden die Arbeitskosten die bei weitem wichtigste Kostenbremse bleiben.

Für ein Land, das einen so großen Außensektor hat – die Summe aus nominalen Exporten und Importen liegt bei 86 Prozent des BIP ! -, sind die Import- und Exportpreise von zentraler Bedeutung. Nehmen beispielsweise die Einfuhrpreise nur sehr langsam zu, fällt es allen inländischen Unternehmen, die mit ausländischen konkurrieren, sehr schwer, ihre Preise zu erhöhen, auch wenn sie es gerne wollten. Genauso bei den Exportpreisen: Wenn es wegen des sehr festen Wechselkurses Probleme auf dem Weltmarkt gibt, werden die Unternehmen tendenziell weniger ausführen und ihr Angebot im Inland erhöhen – was die Preise senkt.

Nichts als sehr gute Nachrichten auch von dieser Seite! Trotz der Ölpreisexplosion lagen die Importpreise im August um 0,6 Prozent unter ihrem Stand vom August 2006 während die Exportpreise ihn um 1,6 Prozent übertrafen. Insgesamt ergibt sich daraus ein Bild absoluter Preisstabilität. Da der Wechselkurs des Euro in der Zwischenzeit weiter deutlich zugelegt hat, wird sich die Preissituation eher noch verbessern als verschlechtern.

Einfuhrpreise und Verbraucherpreise - 0709

Was wir im Augenblick erleben, ist eine starke Verschiebung der sogenannten relativen Preise. Der starre Warenkorb tendiert in einer solchen Situation dazu, die Inflation bei den Verbraucherpreisen zu überzeichnen, es wird nicht berücksichtigt, dass die Leute weniger von dem kaufen, was sich stark verteuert hat, und mehr von dem was billiger geworden ist.

Das Unerfreuliche ist, dass zur Zeit vor allem die Dinge stark im Preis steigen, die zu den Grundbedürfnissen gehören. Vor allem die ärmeren Teile der Bevölkerung leiden daher. Wie gesagt, das wird sich aber schon bald ändern. Energie und Nahrungsmittel gehören zu den Komponenten im Warenkorb, deren Preise oft besonders große Schwankungen aufweisen, weswegen sie auch bei der Berechnung der sogenannten Kerninflationsrate außen vor gelassen werden.

Ansonsten gilt aber, dass es weder auf der Nachfrageseite noch auf der Kostenseite Grund zu der Annahme gibt, dass wir gerade den Beginn einer neuen Inflationsspirale erleben. Die EZB kann gelassen bleiben.

34 Kommentare

  1.   Michael

    Haben Sie nicht eher den Eindruck das die „Inflation“ aus Nachholbedarf in vielen Bereichen besteht? Die Lebensmittelpreise sind die Jahre davor kontinuierlich gefallen, die Kosten der Erzeuger aber nicht. Und da man Pflanzenwachstum etc. per se nicht beschleunigen kann ist die Landwirtschaft der einzige Sektor bei dem es klare Grenzen für Effizienzsteigerung gibt. Sofern man das was man zu sich nimmt noch als Lebensmittel erkennen will. So erklären sich hier jedem offensichtlich die Preissteigerungen. In Lebensmitteln sofern Sie nicht außerordentlich stark verarbeitet sind (also alle Grundnahrungsmittel) steckt ungemein viel Wertschöpfung der Landwirte. Deren Kosten sich einfach nicht drücken lassen, deren Dieselpreis für die schweren Landmaschinen steigt genauso wie der Dieselpreis der Autofahrer, und so weiter und so fort.

    Der zweite Faktor ist also der Preis für alle Energieträger. Auch hier von äußeren Faktoren beeinflusst wie wir alle kennen.

    Was ist aber mit dem 3. Faktor denn Sie ansprachen, den Lohnkosten und damit den Preisen für Produkte und Dienstleistungen? Ich denke man kann durchaus feststellen das der europäische Verbraucher langsam auch die Vorzüge des aufstrebenden China entdeckt, da er dort „mehr“ für seinen Euro bekommt. Mehr Computer, Mehr Kleidung etc. als dies durch europäische Produktion preislich machbar wäre. Dies müsste (MÜSSTE!) doch preislich stark dämpfend wirken, legt man weiterhin den selben Warenkorb zugrunde? Wieso ist dies nicht in einem bedeutenden Ausmaß der Fall?

  2.   Thomas

    In Ihrer Betrachtung fehlt die Geldmenge. Ich habe mich vor einigen Wochen von HeliBen überzeugen lassen, dass die Geldmenge, wenn sie zu schnell wächst ein Inflationstreiber ist. Bei dem aktuellen Geldmengen- und Wirtschaftswachstum und der aktuell fallenden Umlaufgeschwindigkeit, ergibt sich daraus ein Preiswachstum von etwa 4%.

    Das Problem ist, Sie erläutern nicht, warum die Inflation trotzdem niedriger ausfällt.

    Ich denke ein Grund liegt im geringen Lohnwachstum, was inflationsdämpfend wirkt, so lange die Sparquote der Kapitaleigner größer als die der Arbeitnehmer ist.

    Ein anderer Grund, und der ist weit dramatischer liegt im inzwischen hohen Alter des Warenkorbes bei der Inflationsmessung.
    Es ist allgemein bekannt (soll heißen es wird an allgemeinbildenden Schulen unterrichtet), dass die Inflationsmessung systematisch falsch ist. Ein junger Warenkorb überschätzt die Inflations, weshalb immer nur ein mindestens zwei Jahre alter verwendet wird. Ein alter Warenkorb unterschätzt die Inflations. Der Warenkorb ist nun aber bereits sieben Jahre alt.
    Ich habe vor etwas längerer Zeit eine Berechnung gesehen, dass die systematische Unterschätzung der Inflationsrate aufgrund der gestiegenen Energiepreise, welche den Anteil der Energie am tatsächlichen Konsum nicht aber am Warenkorb vergrößert haben, bereits ein halbes Prozent ausmacht.

    Das halte ich für problematisch.

  3.   Dieter Wermuth

    @ Thomas

    Seit den Arbeiten von Boskin ist allgemein akzeptiert, dass die veröffentlichte Inflationsrate etwa im Schnitt um 0,6 Prozentpunkte über der tatsächlichen liegt – wegen Qualitätsverbesserungen und weil die Menschen ihre Verbrauchsgewohnheiten einer Änderung der relativen Preise anpassen, also hin zu den billigeren, weg von den teureren Waren und Dienstleistung, der Warenkorb aber nicht.

    Grüße, DW

  4.   Dieter Wermuth

    @ Michael

    Da der Renminbi aufwertet und die Inflation in China kräftig steigt, verschlechtert sich die preisliche Wettbewerbsfähigkeit Chinas – auch wenn sie bei den meisten Produkten noch ausgezeichnet ist.

    Zur Produktivität in der Landwirtschaft – da gibt es nach wie vor ein gewaltiges Potential, durch Flächenzusammenlegung, Gewächshäuser, resistentes Saatgut, Bewässerung, Mechanisierung der Ernte, mit teilweise unappetitlichen Ergebnissen. Sie sehen ja, dass immer mehr produziert wird, sogar zu viel, und bald fast ohne Bauern. Was meinen Sie was in Afrika oder Indien noch an Produktivitätsgewinnen in der Landwirtschaft möglich ist.

    Beste Grüße, DW

  5.   Martin Heck

    @Thomas,
    ich wäre mit der Behauptung das ältere Warekörbe die Inflation unterschätzen aber ganz vorsichtig. Vor kurzem habe ich noch irgendwo gelesen, dass der unflexible Warenkorb in Japan die Inflation überschätzt, da die Leute ihre Bedürfnisse neu anpassen und vermehrt die billigen Produkte kaufen, die teureren eher im Regal liegen lassen.

    Bleibt die Frage, ob aktuell Dinge im Preis steigen, die erhebliche Rigidität bei der Nachfrageanpassung aufweisen. Glaube ich nicht. Haben Sie schon überall Energiesparlampen (Energieverbrauch für Licht ~ – 83% gegenüber normalen Lampen), einen neuen Gefrierschrank, solarthermische Warmwassergewinnung, 3 fach Verglasung, Raumtemperatur auf dem niedrigst erträglichen Wert, ggf. Fahrgemeinschaft, fleischarme kartoffelreiche Ernährung, maximal akzeptabel niedrige Duschtemperatur, LapTop Prozessor in ihrem Computer auch wenn es sich um einen DeskTop handelt? Überwiegend Dinge, die wenn Sie sie im normalen Leben überhaupt bemerken eher gesund sind als das sie schaden.
    Wenn ja, dann sollten die Preissteigerungen im Energiebereich und bei manchen Lebensmitteln (Kartoffeln sind z.B. 30% billiger geworden, Gurken ebenso) durchaus erträglich sein, wenn nein, dann gibt es vielleicht durchaus noch Nachfrageflexibilität.

    In der Wirtschaft kümmern sich auch viele Unternehmen noch nicht genug ums Energiesparen. Im öffentlichen Dienst ist Energieverschwendung geradezu Pflicht. Schon bei den heutigen Stromkosten lohnt sich z.B. der oben beschrieben LapTop Prozessor in einem Rechner, der den ganzen Tag läuft. Da aber z.B. an der Uni die Rechner aus Institutstöpfen bezahlt werden, der Strom aber von der Fakultät, kauft man lieber die billigen Prozessoren, deren Kosten man nicht so leicht auf andere Abwälzen kann.

    Nachfrageelastizität sollte also da sein.

  6.   EuroOptimist

    Ich gehe davon aus, dass es auf Sicht einiger Monate einen deutlichen Rückgang beim Ölpreis geben wird. Wir können darüber diskutieren, ob 50 oder 70 Dollar auf mittlere Sicht ein realistischer Preis sind. Wenn es aber auch nur im Ansatz eine Abschwächung der Konjunktur gibt oder dem amerikanischen Konsumenten der dumme Kredit abgedreht wird, sind 80 Dollar unhaltbar. Ist Ihnen aufgefallen, dass an der Zapfsäule der Sprit billiger ist als vor einem Jahr, als aber Rohöl deutlich günstiger war? Das liegt nicht nur am Eurokurs, sondern auch daran, dass bei höheren Preisen die Nachfrage einknickt, sogar im relativ energieeffizienten Europa. Also: entweder Credit-Crunch oder Inflation. Es können nicht alle düsteren Szenarien gleichzeitig wahr werden. Die Million-Euro-Frage bleibt aber, welche es tun werden. Ich wette ebenfalls gegen Inflation in Europa.

  7.   Thomas

    @Martin Heck:
    Japan ist ein Sondernfall, dort herscht teilweise Deflation, was dazu führt, dass die Mehrzahl der Produkte langsfrisitig im Preis fällt. Dies führt bei der Inflationsmessung natürlich zu entgegengesetzten Ergebnissen.

    Der Punkt ist aber, dass es bei Energiepreissteigerungen um 50-70% keine ausreichenden wirtschaftlichen sinnvollen Sparmaßnahmen zur Kompensation gibt. Und selbst wenn es sie gäbe, hieße das noch nicht, dass sie von der Mehrheit der Bevölkerung verwendet werden.
    Der Warenkorb soll ja nicht das theoretische Optimum wiederspiegel sondern den tatsächlichen Verbrauch.

    Ich demonstiere es mal an einem kleinen Beispiel:
    Nehmen wir an, alle Preise bleiben konstant, außer die von Warengruppe 1. Diese machen am Warenkorb 10% aus und werden 100% teuerer. Macht eine Inflation von 10%. Wenn diese jetzt noch einmal 100% teuerer werden, bedeutet, das wieder 10% Inflation, obwohl die Menschen inzwischen etwa 18.2% ihres Geldes für Warengruppe 1 ausgeben. Also die Inflation in Wirklichkeit 18.2% beträgt.
    Genau das ist bei den Energiepreisen passiert. Und auch wenn dort eine sagen wir 20% Verbrauchsreduktion erfolgte, was ich für total überschätzt halte, wie man am Primärenergieverbrauch sehen kann. Bedeutet dies immernoch eine erhebliche Inflationsunterschätzung.

    Klar passiert dies auch bei den Produkten die billiger geworden sind in die andere Richtung, da die Produkte im Mittel aber teuerer werden, verbleibt ein systematischer Fehler.

  8.   Wi-Ing-030

    Typisch „Herdentrieb“ !

    … ein Artikel, der sich „ausführlich“ der (vermeintlichen) „Inflation“ widmet, und dabei auf das Wort „GELDMENGE“ wieder einmal gänzlich verzichtet :-)))

    Im Ergebnis bleiben sich die notorischen Inflations-Leugner vom Herdentrieb natürlich selbst treu.

    Ist das „nur“ Ideologie oder schon religiöser Kult ? … Götzenverehrung ? … wobei der angehimmelte Götze der Preisniveauindex einer theoretisch niemals hergeleiteten & begründeten Index-Währung ist.
    Keinesfalls handelt es sich bei einem solchen Preisniveauindex um „Inflation“. „Inflation“ ist etwas völlig anderes … und das ist der Nationalökonomie schon lange, lange Zeit bekannt.

    Ich habe allerdings die Erfahrung gemacht, dass selbst die verblendedsten Ultra-Neokeynesianer ( ggf. nachdem man sie einige Tage im Folterkeller nach allen Regeln der Kunst befragen musste) bekennen, dass die echte „INFLATION“ ein REIN MONETÄRES Phänomen ist. Dass im „Preisniveauindex“ aber munter Äpfel (monetäre Preis-Faktoren) und Birnen (real-wirtschaftliche Preis-Faktoren) zusammenpürriert werden … und das soll dann „Inflation“ sein ? wie albern ;-))) … es ist nur Apfel-Birnen-Potpourrie … ohne jegliche geldpolitische Aussagekraft.

    … Leute, jetzt mal im Ernst, schaltet bitte mal alle eben kurz das Licht im Oberstübchen ein … denn … real-wirtschaftlich bedingte Preisänderungen sind doch schliesslich ERWÜNSCHT ! (… selbst wenn es sich um Preis-STEIGERUNGEN handelt!) … Ihr glaubt mir nicht ? … Dann bitte nachlesen auf Seite Eins im AVWL-Lehrbuch für VWL-Vordiploms-Kandidaten.

    … Deswegen machen wir doch den ganzen Zinnober mit der Marktwirtschaft … damit sich (real-wirtschaftlich bedingte) KNAPPHEITSVERÄNDERUNGEN in (!ERWÜNSCHTEN!) PREISVERÄNDERUNGEN niederschlagen. So dass wir erkennen, wie der Ressourceneinsatz an die Bedürfnisse angepasst werden muss.

    Ach ja … und dann sie Sache mit dem „BASISEFFEKT“ … ich schwöre, ich wusste schon beim Lesen der Überschrift, dass der „Basiseffekt“ in dem Artikel drankommen würde :-))

    Also verehrter Herr Wermuth, ich schlage Ihnen vor, dass Sie mal ein „wissenschaftliches Experiment“ betreiben … das geht wie folgt:

    -> … wenn jetzt das „allg. Preisniveau“ (Inflation ist ja was völlig anderes …) deutlich steigt für einige Quartale
    -> … und dann der PreisIndex-Anstieg auf „Null“ zurückfällt (wg. „Basiseffekt“)

    -> DANN: … verlassen Sie bitte mal Ihren VWL’er-Schreibtisch und gehen in eine Unterschichtler-Schankstube im Bahnhofsviertel, und erklären dem Publikum, sie sollten sich nicht so Anstellen wegen der Inflation, denn schliesslich sei die „Inflation jetzt wieder bei Null“ und überhaupt: „Es gibt kein Inflationsproblem!“

    -> … dumm ist allerdings, dass sich die Leute vom „Basiseffekt“ auch nicht mehr zu futtern (oder trinken) kaufen können.
    -> … Wer durch den allg. Preisanstieg einmal unter Wasser gerät (z.B. weil Kader-Admiral Müntefering aus dem Politbüro der modernen „Sozial“-„Demokratie“ sicherlich NICHT für eine angemessene Anpassung der Hartz4-Sätze sorgen wird), der BLEIBT natürlich auch bei einem Zurücksinken des Preisanstieg-Indikators auf „Null“, UNTER WASSER! … und das ist dann die andere Seite des „Basiseffekts“.

    Beste retroliberale Grüsse,
    Wi-Ing-030

    PS:

    … also Hr Wermuth, nichts für Ungut, aber das INFLATIONS-PHÄNOMEN haben Sie noch nicht wirklich verstanden.

    … ich habe in Ihrem Profil nachgelesen, dass Sie VWL studiert haben, und sich schon seit Jahrzehnten mit Makroökonomie beschäftigen, ja sogar „Chefvolkswirt“ bei Banken waren … aber Ihre Auffassung, der Preisniveau-Indikator sei die Inflation ist grundverkehrt und letztlich schon seit John Stewart Mill, spätestens aber seit Ludwig Mises widerlegt.

    ( … und NEIN! … es geht hier nicht um irgendwelche technischen Statistik-Haarspaltereien … nein, vielmehr ist die Gleichsetzung von Preisniveau-Indikator-Änderungen mit „Inflation“ (oder „Deflation“) eine KONZEPTIONELLE Katastrophe … die irgendwie mit Keynes über uns hereingebrochen ist …)

    Ein Trost: … Sie sind in „guter Gesellschaft“. Denn ca. 95% der VWL-Professoren der Gegenwart wissen es auch nicht besser 😉

    Zum Schluss noch ein dringender Literatur-Tip …

    http://www.mein-parteibuch.de/…hans-h-lechner-waehrungspolitik/

    … das Lehrbuch von meinem ehemaligen Makro-Professor an der TU Berlin (liegt in der Lehrbuchsammlung Nähe Bahnhof Zoo aus) … es ist das beste (Sach-)Buch das ich je gelesen habe und wird von jedem Studenten der es verstanden hat auch gerne als die „Rote Bibel“ bezeichnet (sicherlich nicht wegen dem Inhalt, sondern wegen dem roten Umschlag). Darin wird Ihnen in Kapitel 6 auf hundert Seiten ausfürlich & zweifelsfrei dargelegt, warum die Verwendung von Preisniveau-Indikatoren in der geldpolitischen Praxis grundfalsch & gefährlich ist … wie gesagt … ist eigentlich nix Neues … Mill und Mises wussten das auch schon …

    … also spätestens wenn Sie in den Ruhestand getreten sind, sollten Sie sich den Gefallen tun und dieses Buch lesen … ehrlich, Sie werden mir für diesen Tip dankbar sein 🙂

  9.   Bodo

    @ Dieter Wermuth:
    Was mich an Ihrer zweiten Kurve besonders beeindruckt, ist die Tatsache, dass selbst große Schwankungen der Einfuhrpreise sich kaum auf die Verbraucherpreise ausgewirkt haben.

  10.   egghat

    Uhh, mag Ihre Artikel sehr, aber der stört mich dann doch …

    Sie haben zwar Recht, dass die deutsche/europäische Berechnung der Inflation eher realistisch ist als die US-Version. Aber dass die Inflation damit deutlich unterschätzt wird, halte ich dann doch eher für ein Gerücht. Ich weiss, dass es darüber allgemein akzeptierte Untersuchungen gibt, aber die machen doch Sachen falsch. Produkte verbessern sich und wenn der Warenkorb angepasst wird, wird meines Wissens auch neu verkettet. Wenn z.B. der Röhrenmonitor durch einen Flachbildschirm ersetzt wird, werden nicht einfach 200 Euro (für die Röhre) abgezogen und 500 Euro für den Flachbildschirm addiert. Wäre ja auch nicht richtig, der Flachbildschirm ist ja auch besser. Trotzdem die wichtige Tatsache ist, dass der Warenkorb bei den Anpassungen neu verkettet wird. Wenn ich nun meinen alten Fernseher ersetzen muss und ich dann 300 Euro mehr bezahlen muss, weil es keinen Röhrenmonitor mehr zu kaufen gibt, ist das für mich Inflation. Im Warenkorb ist es keine. Ähnliches gilt für Autos. Ausstattungsbereinigt haben wir hier nur wenig Inflation. Trotzdem bekommen die Leute einen Schock, wenn Sie feststellen, dass ein Golf heute 20.000 Euro kostet.

    Die Beschreibung, die sie bringen, stimmt immer dann, wenn der Warenkorb konstant ist. Ist er es aber nicht, gibt es sehr wohl Effekte, die die Inflation unterschätzen. Langfristig hält sich das die Waage. Ich finde das auch ganz OK. Was ich aber bloß nicht möchte, ist eine Inflationsberechnung wie in den USA, wo jeder mögliche Korrekturfaktor eingebaut wird und Produkte durch andere substituierbar sind, die ich aber nicht substituieren möchte oder kann (Lebensmittel steigen gerade auf so breiter Front, dass ich da nichts ersetzen kann. Genauso Energie: Strom? Gas? Öl? Ich kann da nix ersetzen und es würde auch nichts nützen, das Ersatzprodukt wurde ja auch teurer. Übrigens hängen beide Sache über die Biodiesel-Anbauflächen zusammen). Dann wird die Inflationsberechnung Spielball der Politik und die wird *alles* machen, um hier zu lügen und zu betrügen, weil viel zu viel von der Inflation abhängt.

    Der zweite Punkt, den ich machen möchte: Sie argumentieren nur mit deutschen Zahlen und bringen dann die Entscheidung der EZB. Diese wird sich von der (vergleichsweise guten) deutschen Inflationslage aber nicht beeindrucken lassen. In vielen anderen Ländern sieht es schlechter aus.

    Und ein letztes: Diese „bald sind die steigenden Ölpreise vorbei“ möchte ich eigentlich auch nicht mehr hören. Die Story ist jetzt 5 Jahre alt und ich sehe nicht, woher das viele Öl kommen soll, dass die Chinesen und Inder brauchen. Klar, hier und da wird mal was von Relevanz gefunden, aber Dubai baut deshalb wie bescheuert, weil das Öl dort in 20 Jahren alle ist. Und in der Nordsee ist es genauso. Energie wird erst dann wieder billig, wenn Solarstrom 5 Cent die KWh kostet. Und das wird dauern.

    Grundsätzlich teile ich aber Ihre Meinung: In Europa ist die Inflation nicht das beherrschende Thema. In den USA sieht das allerdings anders aus. Zumindest kurzfristig, bis ich dann meine Rezessionswette gewinne 😉 Dann erledigt sich die Inflation von selbst.

 

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