‹ Alle Einträge

Zinsen und Rohstoffpreise auf dem Rückzug

 

Es ist nun sicher, dass in den USA eine Rezession begonnen hat. Der Immobiliencrash ist der schlimmste seit Menschengedenken. Viele Haushalte sind überschuldet, der Arbeitsmarkt bricht ein und die hohen Energiepreise fressen das verfügbare Einkommen auf. Die Unternehmensgewinne fallen. Hinzu kommt die Bankenkrise, die immer weniger beherrschbar scheint.
Wir im Euroland haben deutlich geringere Probleme, vor allem weil es nur in Spanien und Irland echte Immobilienblasen gab, weil die Leistungsbilanz ausgeglichen ist, die öffentlichen und privaten Haushalte in guter Verfassung sind und die Aktien nicht so überteuert waren wie in Amerika. Trotzdem müssen wir uns warm anziehen.
Das Ganze hat deflatorische Züge, so dass einigermaßen sicher ist, dass nicht nur die Fed, sondern bald auch die EZB die Zinsen senken wird. Die Rohstoffpreise werden wieder deutlich zurückgehen.

Ausführliches dazu, sowie zu den Aussichten für die wichtigsten Währungen, Aktien- und Bondmärkten und Emerging Markets in meinem neusten Investment Outlook:

Wermuth’s Investment Outlook – January 2008*) (pdf, 224 KB)

*) Den Investment Outlook von Dieter Wermuth in englischer Sprache gibt es einmal im Monat und er wird zunächst kostenlos auf Herdentrieb zum Herunterladen bereitgestellt. (ur)

27 Kommentare

  1.   m106

    Hallo Herr Wermuth,

    meiner Meinung gehört ganz Großbritannien, Frankreich und teilweise Osteuropa zu den Ländern, wo es auch eine Immobilienblase gibt.

    Außerdem sind Litauen, Lettland und Estland auch von der Kreditkrise betroffen. So haben diese Länder ihren Inlandswachstum durch Kapitalimporte finanziert. Nur sind im Moment die Kredite nicht mehr so günstig wie noch vor einem Jahr, da dadurch auch die Kosten zur Finanzierung der lokalen Wirtschaft steigen.

  2.   egghat

    Dann gewinne ich meine Rezessionswette ja doch noch … vielleicht …

    Ich verstehe nicht, dass die in den USA mit einem albernen Tax-Credit gegen die Lawinen arbeiten wollen. Was nützen ein paar Hundert Dollar pro Haushalt? Das Problem sind doch die Haushalte, denen ein paar Zehntausend Dollar fehlen.

    Das zweite riesengroße Problem: Die Kreditversicherer. Über diese sind über 2 Billionen Dollar versichert. Verlieren die ihr Rating, sacken Anleihen im Wert von mehr als 2 Billionen Dollar im Rating nach unten. Oft auf ein völlig unbekanntes Niveau, weil die Anleihen niemals jemand bewertet hat (es hat ja der Versicherer AAA draufgeklebt). Und dann gibt’s den nächsten großen Markt (nach den ABS/CDOs), der völlig (!) intransparent ist und an dem sich niemand engagieren will und wird.

    Ich habe keine Ahnung, warum Washington für die über die Kreditversicherer versicherten *kommunalen* Anleihen nicht heute und sofort die Haftung übernimmt. Wenn die ausfallen (was normalerweise nicht passiert) zahlt das eh der Steuerzahler.

    Naja, wahrscheinlich wartet man hier auch ab, bis die Anleihen auch alle 30 oder 50% verloren haben und wundert sich dann, warum die Banken nochmal 20 Milliarden pro Bank abschreiben müssen.

    egghat.blogspot.com/search?q=MBIA

  3.   Heinrich Kaspar

    @ m106

    Spanien, Irland, Bulgarien, Rumaenien, Kroatien nicht zu vergessen. Mein Gut-Feeling: bald wird’s da scheppern.

    Gruss,
    HK

  4.   Och

    Ich setze doch mal auf tendenzielle Umverteilung, die Obama mal ganz verschämt bzgl. des Gesundheitssystems ansprach.
    In den USA ist genügend Geld, noch ungleicher verteilt als bei uns.
    Wenn jetzt einmal zugelassen wird, dass sich solide Wirtschaftsstrukturen in den USA aufbauen, sehe ich überhaupt nicht solche Probleme.
    China dürfte wohl zuerst Schwierigkeiten bekommen.
    So geht das nicht, Milliarden anhäufen und nicht für das Wohl des Landes verwenden.
    Mein Traum ist ja doch – liebe(r ) goodnight -, dass Intelligenz, Fürsorge und Wohlstand für alle, zusammen gehören.

  5.   Och

    Hatte etwas vergessen: Ich meine also zugespitzt, regionale Strukturpolitik für die USA anstatt finanzielle Schnellschüsse.
    Wie man Regionen um- und aufbaut im weitesten Sinne wissen die Deutschen am besten. Siehe Ruhrgebiet und Ostdeutschland. Und damit das auch klappt, von Anfang an mit Gewerkschaften und anderen Gruppierungen vor Ort zusammenarbeiten.

  6.   Martin Heck

    @egghat,
    hat Bernanke nicht eh von weiteren Abschreibungen in Höhe von hunderten von Milliarden gesprochen? Trotzdem sagt er, Rezession sei unwahrscheinlich.

    Angeblich gab es auch für einen erheblichen Teil der neuen Kredite in Q3 07 staatliche Garantien durch eine Hintertür aus den 30ern. Ein Ausschnitt aus einem Kommentar bei rgemonitor:

    “…government backed finance implicitly financed the bulk of the financial sector’s credit market activities in Q3 and so kept the financial system afloat. Of the USD 2.32trn borrowed by financial institutions, some USD 1.92trn or 83% came from government-backed sources… The FHLB was, in effect, operating as the financial system’s lender of last resort as the credit crunch intensified. There was no need for a ‘bail out’ by the Federal Reserve; this was already taking place behind the scenes…”

    FHLB heißt Federal Home Loan Bank oder so und ist staatlich.
    Das heißt dann wohl entweder gewaltige Staatsverschuldung oder Inflation, die den derzeitigen Euro/Dollar Kurs doch wieder realistischer erscheinen lassen.

  7.   Wi-Ing-030

    Die Dimensionen der Kreditkrise haben Sie nun realisiert.

    Jetzt muss man auch den zweiten Schritt tun, und begreifen, dass die notenbankkreditfinanzierten „Investititionen“ und Konsumorgien, einschliesslich des damit verbundenenen „Wachstums“ & der „Vermögensbildung“ von vorne herein zum scheitern verurteilt waren.

    Die Realwirtschaft und die staatlicherseits manipulierte Finanzwirtschaft (Geldmenge, Kreditmenge, Zinsniveau, Dollar-Wert, US-Treasuries) sind endgültig zu weit auseinander gelaufen … jetzt erfolgt die Wiedervereinigung. Nach einem gewaltigen Potentialausgleich … Naturgewalten wirken … kein Mensch kann ihnen Einhalt gebieten … die Rache des Marktes wird fürcherlich werden.

    So ist es jedesmal, wenn die Voodoo-Ökonomen „nachfrageorientierte Globalsteuerung“ praktizieren.

    It´s (been) all an Illusion. Money Illusion.

    Es sind die von Alan formerly-known-as-Maestro Greenspan, ohne vorherige ERSPARNIS, aus dem nichts geschöpften Keynesianer-Kredite, die jetzt vom Markt auf ihren wahren inneren Wert gedrückt werden … und auch die Kredite der anständigen Sparer mit in den Fleischwolf der Wertzerstörung reissen.

    Der Markt hat (letztlich) immer recht.
    Quod erat demonstrandum!

    Retroliberale Grüsse,
    Wi-Ing-030

  8.   Bodo

    @m106: Ein Schwächeln der Wirtschaft in diesen Ländern ist sicher zu erwarten, doch ist Britannien wohl am meisten gefährdet in Europa. Aber wenn der US-Verbraucher ausfällt, wird auch China betroffen, das FÜNFZIG (!) Prozent seiner Exporte in die USA liefert.

  9.   Bodo

    @m106: Eben höre ich, dass der bekannte Weltwirtschaftsexperte Mark Möbius einen 25-prozentigen Einbruch der Entwicklungsländer im Falle einer US-Rezession prophezeit.

  10.   Martin Heck

    @Bodo,
    sicher weiß man’s natürlich erst hinterher, aber ich habe schon Spekulationen gelesen, dass abnehmende Kaufkraft des US-Verbrauchers sich in China nicht so stark bemerkbar machen wird.
    Z.B. kommt fast alles was WalMart verkauft aus China. Wenn Amerikaner, die zuvor in anderen, teureren Läden eingekauft haben sparen müssen, dann gehen sie eventuell nach WalMart und kaufen „billig“. Außerdem wächst der Anteil der Exporte Chinas nach Europa gerade sprunghaft. Wir sollten uns eventuell darauf einstellen, dass die „savings glut“ demnächst uns erreicht und gegebenenfalls eine Politikantwort parat haben, die uns nicht in die gleiche Situation wie die USA heute führt.
    Manche Arbeitsintensiven Produkte, wie z.B. Kleidung, werden selbst bei deutlicher Abwertung nicht mehr in naher Zukunft in die USA oder nach Europa zurückkehren.

 

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren.

Anmelden Registrieren