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Deleveraging ist das Gebot der Stunde

 

An den Rohstoffmärkten wird ein Preisrekord nach dem anderen gebrochen. Es ist, als flüchte alle Welt in die Sachwerte, als stünde erneut eine lange Phase steigender Inflationsraten bevor. Gleichzeitig sinken aber die Anleiherenditen, und die Notenbanken scheinen sich keineswegs Sorgen um die Stabilität des Geldwerts zu machen. Was ist davon zu halten? Ich bezweifle, dass sich die Inflation viel weiter beschleunigen wird. Überall werden die hohen Rohstoffpreise die Nachfrage bremsen. Das globale Wachstum schwächt sich bereits deutlich ab. Endeten nicht alle Ölkrisen bisher in Rezessionen – und ging das nicht einher mit niedrigeren Lohnsteigerungen und Inflationsraten?

Diesmal gibt es zudem große zusätzliche Risiken: fallende Immobilienpreise in den USA, in Großbritannien, Spanien, bald vielleicht auch in China, Einbrüche an den Aktienmärkten, und eine veritable weltweite Bankenkrise. Der Abbau von Schulden hat für die meisten Banken, Hedge Funds, Private Equity Funds, aber auch für überschuldete amerikanische Haushalte absolute Priorität. Wie soll da auf etwas längere Sicht steigende Inflation entstehen?

Nein, die Hauptthemen werden bis auf weiteres langsameres Wachstum und Schuldenabbau sein, nicht ein neuer Inflationszyklus.

Ausführliches dazu, sowie zu den Aussichten für die wichtigsten Währungen, Aktien- und Bondmärkten und Emerging Markets in meinem neusten Investment Outlook:

Wermuth’s Investment Outlook – March 2008*) (pdf, 253 KB)

*) Den Investment Outlook von Dieter Wermuth in englischer Sprache gibt es einmal im Monat und er wird zunächst kostenlos auf Herdentrieb zum Herunterladen bereitgestellt. (ur)

73 Kommentare

  1.   Wi-Ing-030

    @ Hr. Wermuth

    Hr. Wermuth,

    für Sie als „Wirtschaftsweisen“ der neo-keynesianischen 70ér-Jahre Poliktik-Beratung wiederholen sich traumatische Ereignisse … mein Beileid!

    PS:
    „Gleichzeitig sinken aber die Anleiherenditen“

    … werfen Sie doch mal einen Blick auf BB, B oder C-Anleihen … dann vergeht Ihnen der Frohsinn …


  2. Einerseits ist natürlich nicht auszuschliessen, dass in den Rohstoffwerten die nächste „Bubble“ hochgezüchtet wird. Immerhin sind sie kollossal beleihbar (bei 5-15% Margin requirements immerhin mindestens mit Faktor 7). Andererseits dürfte die „effektive“ Beleihungsgrenze der meisten Spekulanten spätestens dann erreicht sein, wenn die Rezessionsthese zu USA endgültig bestätigt und die „Decoupling“-Story ins Reich der Aeop’schen Fabeln verwiesen ist. In einigen Commodities gibt es aktuell wunderhübsche Blow-Off-Kurven zu bewundern, Kenner werden wissen, wie es dann auf der anderen Seite des Grats charttechnisch weitergeht … zu Gold kann man geteilter Meinung sein, meine Vermutung aber auch hier, dass die Spekulation Einzug gehalten hat und hinter den Preisbewegungen der letzten Monate steckt. Thesen re kommender Backwardation und dergleichen, wie sie im Goldbugs-Lager kursieren, halte ich für ausgemachten Blödsinn. Mithin werden also auch Gold- und Commodity-Positionen über kurz oder lang Gegenstand von fire sales-Verkäufen werden, zumal in einem Szenario à la Roubini.

    Dass Wermuth rechtbehält, ergibt sich für mich im Prinzip schon aus dem heutigen Move der FED und ihren Zentralbank-Compagneros quer über den Globus, denn damit bescheren sie der Welt, gewollt oder ungewollt, eine Neuauflage von „Japan 1990“ … faule Kredite werden nicht aus dem System gespült, nein, sie werden bei der FED geparkt (vermutlich zum Nominale oder zumindest nahe daran, weil sonst wäre es ja witzlos), stattdessen gibt es als „frische“ Kreditsicherheiten nunmehr blitzblanke, triple-A geratetet T-Bonds, zwar nur für 28 Tage, aber mei, wie „rollen“ funktioniert muß man den Jungs, die’s betrifft, ja wohl hoffentlich nicht erklären. Dann rollen sie halt ihre alten Positionen, bis zum Sankt Nimmerleinstag, wenn es denn sein muß. Das ganze läuft auf eine „Zombiefication“ der US-Banken raus, wie heute ein bekannter US-Blogger schrieb, tja, und wie sich da sowas wie „Dynamik“ entwickeln soll, gar noch ein Anstieg der Neuverschuldung des Publikums, das wissen wirklich nur Ben und seine Freunde.

    In einem Punkt stimme ich mit Wermuth allerdings nicht überein, denn das Hauptthema der auf dem Spielplan stehenden Tragödie in 3 Akten (inkl. „fat lady“ am Schluß) wird natürlich keineswegs „Schuldenabbau“ sein, sondern „Schuldeneintreibung“. Und bei der geht es bekanntlich nicht ganz so fein und gentlemanlike zu, wie bei ersterem.

    Es bleiben spannende Zeiten …

  3.   EuroOptimist

    Als Nicht-Hasardeur ist man wahrscheinlich gut beraten, den Inhalt dieses Outlooks zu berücksichtigen. Wie geht man als Privatanleger am besten mit einer kleinen Summe beim Öl short?


  4. […] Ein (wichtiger) Lesehinweis (Kommentierung und weiter Berichte werden noch folgen): Dieter Wermuths Investment Outlook März 2008. […]

  5.   HeliBen

    @weissgarnix.de ,

    stimme Ihnen zu.

    „In einigen Commodities gibt es aktuell wunderhübsche Blow-Off-Kurven zu bewundern, Kenner werden wissen, wie es dann auf der anderen Seite des Grats charttechnisch weitergeht … zu Gold kann man geteilter Meinung sein, meine Vermutung aber auch hier, dass die Spekulation Einzug gehalten hat und hinter den Preisbewegungen der letzten Monate steckt. Thesen re kommender Backwardation und dergleichen, wie sie im Goldbugs-Lager kursieren, halte ich für ausgemachten Blödsinn. Mithin werden also auch Gold- und Commodity-Positionen über kurz oder lang Gegenstand von fire sales-Verkäufen werden, zumal in einem Szenario à la Roubini.“

    Die Mutter der Rohstoffblasen ist Rohöl. Was Gold angeht … da bin ich mir nicht so sicher. Gold ist Gold Wert in einem Umfeld wo das Vertrauen im System gegen Null geht. Nicht desto trotz erwarte ich im Goldmarkt in der Tat eine massive Korrektur (einige 100 Dollar/Oz.) … auf diese Korrektur warten aber viele … denn sie wollen nachkaufen. Spätestens wenn die erste Grossbank vor die Hunde geht, dürfte der Goldpreis durch die Decke gehen und 970 $/Oz wie Peanuts aussehen lassen.

    Wer voll im Anleihenmarkt hängt, liegt im Gnade der Zentralbank und spätestens seit gestern dürfte den meisten klar sein, dass Dr. Benjamin Bernanke die Welt mit Dollars fluten wird, um eine Deflation zu verhindern (die er wahrscheinlich nicht verhindern kann!)

    HeliBen

  6.   Heinrich Kaspar

    Endeten nicht alle Ölkrisen bisher in Rezessionen – und ging das nicht einher mit niedrigeren Lohnsteigerungen und Inflationsraten?

    Die erste Oelkrise endete in Stagflation. Die zweite in der Rezession, als Volcker sich entschied die Inflationserwartungen zu brechen.

    Das heisst es haengt alles davon ab wie die Zentralbank reagiert.

    – Konzentriert sie sich auf Preisstabilitaet, enden Oelschocks mit schwaecherem Wachstum (da hoehere Oelpreise Realeinkommen umverteilen weg von den Konsumenten).

    – Konzentriert sie sich auf Stimulation der realen Aktivitaet — was letztlich heisst sie behandelt einen Angebotsschock als sei er ein Nachfrageschock — dann fuehren Oelpreisschocks zu Stagflation.

    Die EZB scheint ersteres zu tun, aber die Fed zweiteres.

    HK

  7.   EuroOptimist

    @ HeliBen
    „Wer voll im Anleihenmarkt hängt, liegt im Gnade der Zentralbank und spätestens seit gestern dürfte den meisten klar sein, dass Dr. Benjamin Bernanke die Welt mit Dollars fluten wird, um eine Deflation zu verhindern (die er wahrscheinlich nicht verhindern kann!)“
    Geehrter HeliBen, da haben Sie ja die widersprüchlichsten Prognosen glänzend zusammengefasst.

  8.   HeliBen

    @EuroOptimist,

    „Geehrter HeliBen, da haben Sie ja die widersprüchlichsten Prognosen glänzend zusammengefasst.“

    Soll heissen?


  9. Bernanke spult offensichtlich schnurgerade sein Programm ab, dass er schon in seiner berühmt-berüchtigten „the US has a technology, called a printing press“-Rede in 2002 angekündigt hat.

    „[…]Therefore a second policy option, complementary to operating in the markets for Treasury and agency debt, would be for the Fed to offer fixed-term loans to banks at low or zero interest, with a wide range of private assets (including, among others, corporate bonds, commercial paper, bank loans, and mortgages) deemed eligible as collateral.“

    OK, haben wir gestern bekommen, den 1. Akt können wir somit abhaken.

    „In lieu of tax cuts or increases in transfers the government could increase spending on current goods and services or even acquire existing real or financial assets. If the Treasury issued debt to purchase private assets and the Fed then purchased an equal amount of Treasury debt with newly created money, the whole operation would be the economic equivalent of direct open-market operations in private assets[…]“

    Any more questions? – Ben Bernanke goes Hajmar Schacht, anno 2008 … wer hätte das für möglich gehalten?
    Problem ist nur wie folgt, das scheint der gute Ben hier glatt zu übersehen: mit einer Erhöhung der „Monetary Base“ bewegt er die Inflation um keinen Millimeter. Dass die Carlyles und Co. jetzt ihre assets beim Treasury dept. und danach der FED abladen können, mag die ja ohne Ende freuen. Aber wer geht hin und holt sich die „new credits“ ab, um die weiland auch schon Herr Greenspan den Herrn angefleht hat? – Nur so entsteht Inflation, nicht anders.

    Was Bernie uns hier verschweigt ist simpel und einfach die nackte, kalte Wahrheit, dass TAF und all die anderen hübschen Programme nichts weiter sind als „Refinanzierungen“, ohne die das US Kreditsystem bereits längst in der deflationären Implosion versunken wäre. Er und seine Kollegen mögen pumpen, pumpen und nochmals pumpen, damit erhalten sie aber maximal den Status Quo. Und selbst das halte ich für mehr als fraglich ob der Erfolgsaussichten.

  10.   EuroOptimist

    @ HeliBen
    „Soll heissen?“
    Warum muss man die Inflation fürchten, wenn Ihr Namensgeber die Deflation wahrscheinlich doch nicht verhindern kann? Wozu Gold in der Deflation? Das Geld wird doch dann von allein mehr wert.
    Verstehen Sie mich richtig: ich glaube, dass Sie die Labilität der möglichen Entwicklungswege sehr anschaulich beschrieben haben. Niemand weiß, was genau passieren wird.

 

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